80 Prozent Wahrscheinlichkeit: Sommer 2026 auf Kurs zum Allzeitrekord
Der Sommer 2026 steuert auf einen historischen Spitzenplatz zu. Bis inklusive 11. August liegt die Abweichung in Österreich bei rund plus 2,7 Grad gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020 – die bisherigen Rekordsommer 2024 und 2003 kamen am Ende auf plus 2,2 Grad. Nach unserer Auswertung stehen die Chancen mittlerweile bei gut 80 Prozent, dass sich daran bis Ende August nichts mehr ändert.
Der Vorsprung beträgt fast einen halben Grad
Seit dem Jahr 2000 gab es in Österreich zwei Sommer, die deutlich aus der Reihe fielen: 2003 mit plus 2,21 Grad und 2024 mit plus 2,24 Grad – die beiden trennt praktisch nichts. Der heurige Sommer liegt nach 72 von 92 Tagen bei plus 2,7 Grad und damit gut 0,4 Grad vor beiden.
Dass dieser Vorsprung in den letzten Augustwochen noch schmilzt, ist rechnerisch möglich, aber unwahrscheinlich. Die Latte liegt hoch: Die restlichen 20 Tage müssten im Mittel kühler als normal ausfallen, damit 2024 vorne bleibt. Danach sieht es derzeit nicht aus – im Gegenteil.
Bis Sonntag bleibt es extrem heiß
Bis inklusive Sonntag bleibt es hochsommerlich heiß. Die Tagesmittel liegen verbreitet 3 bis 6 Grad über dem Klimamittel, am Wochenende sind im Osten neuerlich bis zu 39 Grad möglich. Damit steigt die Temperaturabweichung des heurigen Sommers bis zum 16. August voraussichtlich auf plus 2,8 Grad – der Puffer wächst also weiter, bevor die Schlussphase beginnt.
Dazu kommt ein Effekt, den wir in den vergangenen Tagen mehrfach beschrieben haben: Die extrem trockenen Böden verstärken die Hitze. Weil kaum noch Wasser verdunstet, geht die Sonnenenergie fast vollständig in die Erwärmung der Luft – die Modelle unterschätzen die Höchstwerte deshalb derzeit systematisch.
So geht es in den nächsten zwei Wochen weiter
Die 14-Tage-Prognose zeigt, warum der Vorsprung so schwer aufzuholen ist. Bis zum Wochenende erreicht Wien 28 bis 35 Grad, Klagenfurt liegt durchgehend zwischen 31 und 33 Grad. Erst danach wird es wechselhafter, die Tageshöchstwerte pendeln sich zwischen 25 und 31 Grad ein – das liegt immer noch im Bereich des Üblichen oder darüber.
Was passieren müsste, damit es sich nicht ausgeht
Wir haben durchgerechnet, was die zweite Augusthälfte bringen müsste, um 2026 noch vom ersten Platz zu verdrängen. Das Ergebnis: Ab dem 17. August müsste es im Mittel etwa ein halbes Grad kühler als normal werden – und zwar durchgehend bis Monatsende. Ein einzelner kühler Tag reicht dafür bei weitem nicht, es bräuchte eine ausgeprägte, zwei Wochen anhaltende kühle Wetterphase.
Die Wettermodelle zeigen davon nichts. Das amerikanische Ensemble rechnet für die Zeit nach dem 17. August mit Temperaturen um oder leicht über dem Mittel, das europäische Modell hält die Warmluft sogar noch länger im Land. Aus dem Vorsprung, der aktuellen Hitzewelle und den Modellrechnungen ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von gut 80 Prozent, dass 2026 der wärmste Sommer der Messgeschichte wird. Anders gesagt: Nur etwa jedes fünfte Szenario lässt den Rekord noch scheitern.
In Kärnten und Osttirol ist das Rennen zumindest in der Theorie noch ein klein wenig offener, weil der bisherige Rekordhalter 2024 hier mit plus 2,28 Grad eine Spur höher liegt. Aber auch im Süden führt 2026, die Wahrscheinlichkeit für den ersten Platz liegt bei rund 70 Prozent.
Der Sommer der Rekorde
Der wärmste Sommer der Messgeschichte würde zu den übrigen Extremen der vergangenen Wochen passen: dem Allzeitrekord von 41,2 Grad in Bad Deutsch-Altenburg, erstmals drei Tagen in Folge mit mehr als 40 Grad und einer der stärksten Dürren im Osten seit Beginn der Aufzeichnungen. 2003 und 2024 galten als Jahrhundertereignisse – 2026 stellt voraussichtlich beide in den Schatten.
Endgültig bilanziert wird Anfang September, sobald die Messdaten für den kompletten August vorliegen.
Am Mittwoch die größte Sonnenfinsternis seit 1999
Am Mittwoch steht ein seltenes Himmelsschauspiel an: Ab etwa 19:20 Uhr schiebt sich der Mond vor die Sonne, gegen 20:10 Uhr ist mit rund 89 Prozent der größte Bedeckungsgrad erreicht – praktisch zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Es ist die größte partielle Sonnenfinsternis über Österreich seit August 1999. Für den Höhepunkt bleibt also nur ein sehr kurzes Zeitfenster, und weil die Sonne dann schon knapp über dem Horizont steht, braucht es einen Standort mit freiem Blick nach Westen – und in jedem Fall eine Sonnenfinsternisbrille, ein Blick mit freiem Auge schädigt die Netzhaut.
Das Wetter spielt mit: In fast ganz Österreich ist die Sicht gut bis ausgezeichnet, im Flachland und im Osten bleibt es nahezu wolkenlos. Die einzige Einschränkung liegt im Süden. Über Kärnten, Osttirol und entlang der Alpensüdseite rechnet das Modell mit Quellwolken, die den Blick stellenweise etwas trüben könnten.