Extreme Trockenheit: Satellitenbildvergleich zeigt, wie Ostösterreich seit 2025 ausgetrocknet ist
Teile Österreichs erleben derzeit einen der trockensten Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Wie stark die Vegetation bereits gelitten hat, zeigt unser aktueller Satellitenbildvergleich: Zwei Sentinel-3-Aufnahmen im Abstand von genau einem Jahr machen die Dürre mit freiem Auge sichtbar – was am 8. August 2025 vom Weltraum aus noch grün war, ist heute vom Wiener Becken über das Marchfeld bis ins Nordburgenland nur mehr braun.
Der Regen fehlt schon seit Monaten
Die Trockenheit ist kein Ereignis der vergangenen Wochen, sie baut sich seit Jänner auf. Zwischen 1. Jänner und 8. August fielen im nördlichen Weinviertel und im Grenzbereich zur Slowakei nur 142 bis 170 Liter pro Quadratmeter. Am Arlberg und in Vorarlberg wurden im selben Zeitraum 780 bis 950 Liter gemessen, im Tauernbereich in der Spitze sogar 1160 Liter.
Der Osten hat in gut sieben Monaten also weniger Niederschlag abbekommen, als im Westen mancherorts in zwei Monaten fällt.
Zwar ist der Osten im Klimamittel deutlich trockener als der Westen – heuer kommt aber ein massives Defizit dazu: Das Weinviertel liegt bei minus 40 bis minus 53 Prozent gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020 (Retz minus 53 Prozent, Krems minus 41 Prozent). Die Region mit dem kleinsten Wasserbudget hat bisher auch noch die Hälfte davon verloren.
Auf der Karte fällt noch etwas auf: Jede Station, die heuer 40 Grad oder mehr gemessen hat, steht in jenem Bereich, in dem in diesem Jahr am wenigsten Niederschlag gefallen ist.
Im August fiel im Osten bisher so gut wie kein Regen
Zwischen 1. und 8. August meldeten die Stationen im Weinviertel, im Marchfeld und im Nordburgenland 0,0 bis 2,5 Liter pro Quadratmeter. In den Alpen brachten Gewitter im selben Zeitraum verbreitet 40 bis 110 Liter. In Salzburg verursachten heftige Gewitter teilweise Vermurungen und Überflutungen.
Der Blick aus dem All: 2025 im Vergleich zu 2026
Die beiden Satelliten Sentinel-3A und Sentinel-3B des europäischen Copernicus-Programms überfliegen Österreich jeweils einmal täglich am Vormittag. Sie messen dabei unter anderem, wie stark die Pflanzendecke Licht im roten und im nahen infraroten Bereich zurückwirft. Aus diesem Verhältnis errechnet sich der Vegetationsindex NDVI: Gesunde, gut mit Wasser versorgte Pflanzen erreichen hohe Werte, vertrocknete Flächen niedrige Werte.
Am 8. August 2025 lag der Median für Österreich bei 0,54, am 9. August 2026 nur noch bei 0,41. Noch deutlicher fällt der Unterschied am unteren Ende aus: Das trockenste Zehntel der Fläche kam im Vorjahr auf 0,21, heuer auf 0,04 – das entspricht praktisch vegetationsfreiem Boden.
Regler in der Bildmitte nach links oder rechts ziehen: links der Zustand von heute, rechts derselbe Ausschnitt vor einem Jahr.
Besonders betroffen sind das Weinviertel und das Marchfeld, deutlich sichtbar auch das Alpenvorland. Im Westen fällt der Unterschied geringer aus: Auch in Vorarlberg, Tirol und in den Hohen Tauern zeigt sich weniger Grün als im Vorjahr, an die Verhältnisse im Osten reicht das aber bei weitem nicht heran.
Warum Trockenheit und Hitze sich gegenseitig verstärken
Dass die 40 Grad ausgerechnet dort erreicht wurden, wo so wenig Niederschlag gefallen ist, hat einen physikalischen Grund. Feuchter Boden wirkt wie eine Klimaanlage: Ein großer Teil der Sonnenenergie wird zur Verdunstung von Wasser verbraucht und heizt die Luft deshalb nicht so stark auf. Ist der Boden ausgetrocknet, steht kaum noch Wasser zum Verdunsten zur Verfügung. Die eingestrahlte Energie verschwindet deswegen aber nicht, sie verteilt sich nur anders – und geht jetzt zum überwiegenden Teil in die Erwärmung von Boden und Luft.
Der trockene Boden lässt die Temperaturen also stärker steigen, und die Hitze trocknet ihn weiter aus. Deshalb fallen Hitzewellen dort, wo es schon länger zu trocken ist, meist deutlich heftiger aus.
Damit sich die Böden erholen, bräuchte es ergiebigen Landregen über mehrere Tage. Gewitter bringen zwar stellenweise brauchbaren Niederschlag, entspannen die Situation aber höchstens punktuell – auf der verkrusteten Oberfläche läuft ein Großteil des Wassers ab, statt zu versickern. Flächendeckender Niederschlag ist nach derzeitigem Stand frühestens Ende August in Sicht.