Kaum Regen bis Ende Oktober: Die Trockenheit in Österreich hält an, der Winter könnte sehr mild und nass werden
Der Oktober ist zu gut einem Drittel vorbei, und in den meisten Landesteilen Österreichs ist bisher nur ein Bruchteil des üblichen Niederschlags gefallen. Im Osten und Süden, etwa in Wien, Eisenstadt und Lienz, sind erst ein bis zwei Prozent der im Oktober üblichen Menge zusammengekommen. Nur im äußersten Westen hat es bereits ergiebig geregnet, Bregenz liegt schon bei rund drei Vierteln des Oktobermittels. Die großen Wettermodelle berechnen auch für die zweite Oktoberhälfte kaum Niederschlag, das Niederschlagsdefizit wird also weiter größer. Für den November und den Winter zeichnet das Langfristmodell ECMWF SEAS5 ein anderes Bild: Beide dürften sehr mild ausfallen, und die ungewöhnlich warmen Meere könnten für reichlich Niederschlag sorgen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Oktober ist bisher in den meisten Landesteilen sehr trocken. In Wien, Eisenstadt und Lienz sind seit Monatsbeginn erst ein bis zwei Prozent der im Oktober üblichen Menge gefallen, in Graz 4 Prozent. Auch Linz, Klagenfurt, Salzburg und St. Pölten liegen nur bei 14 bis 17 Prozent.
- Im äußersten Westen hat es bereits viel geregnet. In Bregenz sind seit 1. Oktober 86,9 Liter pro Quadratmeter gefallen, das sind drei Viertel des Oktobermittels. Innsbruck liegt mit 35,8 Litern bei gut der Hälfte.
- Bis Ende Oktober ist kaum Regen in Sicht. Die Hauptläufe von ECMWF-IFS, GFS und ICON vom Montag, 12. Oktober, 00 UTC, berechnen für die zweite Oktoberhälfte in weiten Teilen Österreichs nur geringe Mengen. Auch die Ensemble-Prognosen zeigen im Mittel der Läufe kaum Niederschlag.
- Ein Italientief ist um die Monatsmitte eher unwahrscheinlich, im letzten Monatsdrittel aber nicht ganz auszuschließen. Ab dem 19. Oktober fließt kühlere Luft ein, einzelne Läufe zeigen dabei eine Tiefdruckentwicklung über dem Mittelmeer, die meisten aber nicht.
- Der November dürfte sehr mild und nass werden. Nach dem Modell ECMWF SEAS5 liegt die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen November in Österreich bei 57 Prozent, jene für einen zu nassen November bei 65 Prozent.
- Auch der Winter dürfte sehr mild ausfallen. Für Dezember, Jänner und Februar berechnen 61 bis 76 Prozent der Läufe zu warme Verhältnisse. Ein milder Winter bedeutet aber nicht, dass es nicht zu ausgeprägteren Kaltlufteinbrüchen und Schneefall bis ins Flachland kommen wird.
- Die warmen Meere bleiben ein Risiko. Sobald sich die Wetterlage umstellt, sind im Spätherbst und im Winter sehr große Niederschlagsmengen möglich, in engen Tälern auch als Schnee.
Nach elf Tagen ist im Osten und Süden erst ein Bruchteil des üblichen Oktoberniederschlags gefallen
An der Wetterstation Wien Hohe Warte sind vom 1. bis 11. Oktober 0,3 Liter pro Quadratmeter gefallen. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 kommen dort im gesamten Oktober 47 Liter zusammen, nach gut einem Drittel des Monats wäre also bereits rund ein Drittel davon zu erwarten gewesen. Gefallen ist gerade 1 Prozent. In Eisenstadt waren es 1,1 Liter oder 2 Prozent des Oktobermittels, in Graz 2,6 Liter oder 4 Prozent. Lienz kommt auf 2,2 Liter, und weil der Oktober in Osttirol mit 105 Litern normalerweise ein sehr nasser Monat ist, entspricht das ebenfalls nur 2 Prozent. In Klagenfurt sind 12,4 Liter gefallen, das sind 14 Prozent, in Linz 8,3 Liter oder 14 Prozent und in St. Pölten 8,4 Liter oder 17 Prozent. Salzburg liegt mit 15,3 Litern bei 15 Prozent.
Dazu kommt, dass es in der ersten Oktoberwoche im Osten und Süden überhaupt nicht geregnet hat. Die kleinen Mengen, die an den Stationen gemessen wurden, sind fast ausschließlich am 8. und am 10. Oktober gefallen, als schwache Störungen das Land streiften. Für die Böden, die Flüsse und das Grundwasser im Osten und Norden ist das viel zu wenig. Dort fehlt, wie wir Ende September berichtet haben, seit Jahresbeginn ohnehin stellenweise mehr als die Hälfte des üblichen Niederschlags.
| Ort | bisher im Oktober (l/m²) | Anteil am Oktober-Mittel | Mittel Oktober | Mittel November | Mittel Dezember |
|---|---|---|---|---|---|
| WienWien Hohe Warte | < 1 | 1 % | 47 | 46 | 47 |
| St. PöltenSt. Pölten Landhaus | 8 | 17 % | 49 | 39 | 32 |
| LinzLinz Stadt | 8 | 14 % | 59 | 55 | 57 |
| SalzburgSalzburg Freisaal | 15 | 15 % | 101 | 82 | 84 |
| InnsbruckInnsbruck Universität | 36 | 52 % | 69 | 59 | 53 |
| BregenzBregenz | 87 | 75 % | 116 | 106 | 107 |
| GrazGraz Universität | 3 | 4 % | 63 | 54 | 40 |
| KlagenfurtKlagenfurt Flughafen | 12 | 14 % | 91 | 85 | 51 |
| EisenstadtEisenstadt | 1 | 2 % | 56 | 49 | 42 |
| LienzLienz | 2 | 2 % | 105 | 108 | 61 |
Die bisherigen Summen sind vorläufige Werte bis einschließlich Sonntag, 11. Oktober 2026.
Wie groß die Lücke ist, zeigt ein Blick auf das Klimamittel: An vielen Orten fallen im Oktober üblicherweise um die 100 Liter und mehr. In Bregenz sind es 116 Liter, in Lienz 105 Liter, in Salzburg 101 Liter und in Klagenfurt 91 Liter. Abgesehen vom äußersten Westen dürfte dieser Monatsdurchschnitt kaum irgendwo erreicht werden. Wie die Tabelle außerdem zeigt, sind auch der November und der Dezember im Klimamittel keine trockenen Monate: In Lienz fallen im November üblicherweise 108 Liter, in Bregenz 106 Liter, in Klagenfurt 85 Liter und in Salzburg 82 Liter. Das ist Wasser, das die Speicher vor dem Winter füllen sollte.
Nur im äußersten Westen hat es bereits ergiebig geregnet
Ganz anders sieht die Bilanz in Vorarlberg aus. Dort sind bereits größere Regenmengen zusammengekommen: In Bregenz sind seit Monatsbeginn 86,9 Liter pro Quadratmeter gefallen, das sind 75 Prozent des Oktobermittels von 116 Litern. Allein am Donnerstag, 8. Oktober, wurden dort 50,7 Liter gemessen, am Samstag, 10. Oktober, kamen weitere rund 28 Liter dazu. Die INCA-Analyse der letzten sechs Tage zeigt das Rheintal, den Bregenzerwald und das Tiroler Oberland in Violett, also mit 50 bis über 100 Litern. Über dem Oktobermittel liegt zwar noch keine der zehn Stationen, der Monat hat aber noch knapp drei Wochen. Wenn es in Vorarlberg noch an zwei oder drei Tagen regnet, kann das Monatsmittel dort durchaus erreicht oder überschritten werden. Im Rest Österreichs ist das nach heutigem Stand nicht zu erwarten. Innsbruck hat mit 35,8 Litern immerhin gut die Hälfte des Oktobermittels erreicht, der Großteil davon fiel am Sonntag, 4. Oktober.
Der Grund für den Unterschied liegt in der Wetterlage. Die atlantischen Störungen, die in den vergangenen Tagen Mitteleuropa erreichten, kamen von Nordwesten und stauten sich an den Vorarlberger und Nordtiroler Bergen. Weiter östlich waren sie bereits abgeschwächt, und im Süden der Alpen kam fast nichts mehr an. Für Kärnten, Osttirol und den Osten Österreichs bräuchte es eine andere Wetterlage, am ehesten ein Italientief mit feuchter Luft aus dem Mittelmeerraum.
Die Wettermodelle berechnen für die zweite Oktoberhälfte kaum Niederschlag
Genau diese Wetterlage ist vorerst nicht in Sicht. Die Hauptläufe der großen globalen Modelle vom Montag, 12. Oktober, 00 UTC, also das europäische Modell ECMWF-IFS, das amerikanische GFS und das deutsche ICON, berechnen für die zweite Oktoberhälfte in weiten Teilen Österreichs nur geringe Niederschlagsmengen. Das Hochdruckgebiet, das schon weite Teile des Septembers und die ersten Oktobertage geprägt hat, bleibt bestimmend oder baut sich nach kurzen Unterbrechungen immer wieder neu auf.
Für Vorhersagen über mehr als eine Woche sind Ensemble-Prognosen aussagekräftiger als ein einzelner Modelllauf. Dabei wird dasselbe Modell 30-mal mit leicht veränderten Startbedingungen gerechnet. Sind sich die meisten dieser Berechnungen einig, ist die Prognose verlässlicher. Das amerikanische Ensemble GEFS zeigt für die nächsten 16 Tage in Wien, Linz, Innsbruck und Klagenfurt ein ähnliches Bild: Im Ensemble-Mittel fällt bis 28. Oktober kaum Niederschlag. Regen berechnen zwar immer wieder einzelne Läufe, das sind aber Ausreißer und nicht der Trend.
In Wien und Linz bleibt es nach dem Ensemble-Mittel bis Ende Oktober weitgehend trocken
Für Wien zeigt das Ensemble in den kommenden 16 Tagen so gut wie keinen Niederschlag. Das Ensemble-Mittel bleibt bis 28. Oktober fast durchgehend bei null, nur um den 24. und den 27. Oktober zeigen ein paar Ausreißer Regen. Ab Montag, 19. Oktober, sinkt die Temperatur in rund 1.500 Metern Höhe vorübergehend auf etwa 1 Grad, es wird also für ein paar Tage kühler, danach liegt sie wieder nahe dem Klimamittel. In Linz fallen am Mittwoch, 14. Oktober, und am Donnerstag, 15. Oktober, ein paar Liter pro Quadratmeter, anschließend bleibt es auch dort im Hauptszenario bis Monatsende weitgehend trocken.
Im Westen nehmen die Signale in der letzten Oktoberwoche etwas zu, die Mengen bleiben aber gering
In Innsbruck zeigen die Läufe am 14. und 15. Oktober einen kleinen Niederschlagsschub, zwischen 17. und 20. Oktober geringe Mengen und ab dem 23. Oktober bei mehreren Berechnungen Regen. Das Ensemble-Mittel bleibt aber auch dann bei etwa einem Liter in sechs Stunden. Die Streuung ist in der letzten Oktoberwoche groß, die Prognose wird dann also unsicherer. Ergiebiger Regen ist aber auch im Westen nach heutigem Stand nicht in Sicht.
In Klagenfurt zeigen einzelne Läufe ab dem 19. Oktober ein Mittelmeertief
Für Klagenfurt ist das Diagramm am interessantesten. Nach den geringen Mengen vom Montag, 12. Oktober, bleibt es bis zum Wochenende trocken. Ab Montag, 19. Oktober, berechnen dann mehrere Läufe Niederschlag, der Kontrolllauf sogar bis 11 Liter in sechs Stunden. Gleichzeitig sinkt die Temperatur in rund 1.500 Metern Höhe im Mittel auf etwa 2 Grad, im Kontrolllauf auf minus 4 Grad. Trifft kühle Höhenluft auf das noch warme westliche Mittelmeer, entsteht dort rasch ein Tief, das feuchte Luft gegen die Alpen führt. Das Ensemble-Mittel bleibt aber bei wenigen Litern, und die große Mehrheit der Berechnungen zeigt kein Italientief. Nach heutigem Stand ist eine solche Entwicklung um die Monatsmitte also eher unwahrscheinlich. Für das letzte Oktoberdrittel ist ein Italientief dagegen nicht ganz auszuschließen, weil die Streuung dann deutlich zunimmt und die Prognose offener wird.
Unterm Strich fehlt in den meisten Landesteilen Ende Oktober also noch mehr Regen als heute. Der Oktober ist klimatologisch kein trockener Monat, und jede Woche, in der es nicht regnet, vergrößert die Lücke, die ein späterer Regen erst wieder schließen muss. Umso wichtiger wird die Frage, was der November und der Winter bringen.
Das Langfristmodell ECMWF SEAS5 erwartet einen sehr milden und nassen November
Für Zeiträume von mehreren Wochen bis Monaten greifen wir auf das Saisonmodell SEAS5 des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage zurück, dessen Daten über den Copernicus Climate Data Store bereitgestellt werden. Das Modell wird 51-mal gerechnet, und für Österreich werten wir aus, wie viele dieser Läufe einen Monat zu warm, normal oder zu kalt beziehungsweise zu trocken, normal oder zu nass berechnen. Als Referenz dient dabei die Periode 1993 bis 2016, mit der das Modell kalibriert ist. Die Auswertung für alle sechs Vorlaufmonate gibt es laufend aktualisiert auf unserer Seite zur Langfristprognose für Österreich.
Für den November 2026 ist das Signal klar: 57 Prozent der Läufe berechnen für Österreich einen zu warmen Monat, 29 Prozent einen normalen und nur 14 Prozent einen zu kalten. Beim Niederschlag ist das Signal sogar noch deutlicher. 65 Prozent der Läufe zeigen einen zu nassen November, 27 Prozent einen zu trockenen und nur 8 Prozent einen normalen. Nach einem trockenen Oktober wäre das eine gute Nachricht, denn der November ist, wie die Tabelle oben zeigt, im Klimamittel vielerorts ein niederschlagsreicher Monat.
Dass das Modell einen nassen November berechnet, passt zu den außergewöhnlich hohen Wassertemperaturen. Das Mittelmeer und weite Teile des Nordatlantiks sind nach dem außergewöhnlich heißen Sommer noch immer viel wärmer als üblich. Warmes Wasser bedeutet mehr Verdunstung und damit mehr Feuchtigkeit in der Luft, und pro Grad Erwärmung kann die Luft rund sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Sobald die Tiefdruckgebiete den Alpenraum wieder erreichen, könnten die warmen Meere die Niederschlagsmengen deshalb deutlich erhöhen.
Auch der Winter dürfte sehr mild werden
Das Temperatursignal bleibt auch über den November hinaus bestehen. Für den Dezember 2026 berechnen 76 Prozent der Läufe zu warme Verhältnisse in Österreich, für den Jänner 2027 sind es 65 Prozent und für den Februar 2027 61 Prozent. Im Mittel der drei Wintermonate liegt die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter bei rund zwei Dritteln. Für Kärnten und Osttirol fällt das Signal im Dezember mit 82 Prozent sogar noch deutlicher aus. Ein sehr milder Winter ist nach heutigem Stand also das wahrscheinlichste Szenario. Die Grafik zeigt die Wahrscheinlichkeiten für Temperatur und Niederschlag in allen vier Monaten von November bis Februar auf einen Blick.
Beim Niederschlag ist das Bild für den Winter weniger eindeutig. Für den Dezember überwiegen mit 45 Prozent leicht die trockenen Läufe, im Jänner sind zu trocken, normal und zu nass mit 31, 35 und 33 Prozent etwa gleich wahrscheinlich, und im Februar liegen normal und zu nass mit 43 und 41 Prozent vorne. Für Kärnten und Osttirol zeigt das Modell im Dezember mit 51 Prozent dagegen einen Überhang an nassen Läufen. Ein klares Niederschlagssignal gibt es für den Winter also nicht. Wir gehen dennoch davon aus, dass die warmen Meere bei einer Umstellung der Wetterlage für überdurchschnittliche Niederschlagsmengen sorgen können. Sehr nasse Abschnitte sind in diesem Winter daher gut möglich, auch wenn sich die Langfristmodelle beim Niederschlag für die Wintermonate noch nicht ganz festlegen. Für den November ist das Signal dagegen eindeutig: 65 Prozent der Berechnungen ergeben einen zu nassen Monat. Dass der November tatsächlich zu nass ausfallen wird, ist dennoch keineswegs sicher.
Mild heißt nicht ohne Schnee, und auf die Trockenheit kann auch zu viel Regen folgen
Ein milder Winter bedeutet nicht, dass es keine Kaltphasen gibt. Auch in einem insgesamt zu warmen Winter sind Kälteeinbrüche mit Schnee bis ins Flachland möglich, und auch in den milden Wintern der letzten Jahrzehnte gab es immer wieder einzelne deutlich zu kalte Wochen. Für die Schneelage in höheren Lagen ist ein milder Winter mit viel Niederschlag sogar oft besser als ein kalter und trockener.
Eine Besonderheit kommt in den engen Tälern dazu. Wenn bei großen Niederschlagsmengen die Luft nur wenig über null Grad warm ist, kühlt sie durch den fallenden und schmelzenden Niederschlag ab. Die Schneefallgrenze sinkt dann innerhalb weniger Stunden bis auf den Talboden, und bei Temperaturen um null Grad kann es über viele Stunden isotherm schneien. Solche Lagen bringen in Osttirol, in Oberkärnten und in manch anderen inneralpinen Tälern gelegentlich enorme Neuschneemengen, auch wenn die Luftmasse an sich mild ist. Mit sehr warmen Meeren und viel Feuchtigkeit in der Luft wird dieses Szenario im kommenden Winter wahrscheinlicher.
Und schließlich bleibt das Risiko, dass es in einem relativ kurzen Zeitraum viel zu viel regnet. Im Spätherbst und im Winter sind bei einem Italientief über dem außergewöhnlich warmen Mittelmeer in kurzer Zeit sehr große Regenmengen denkbar, die zu Überflutungen führen könnten. Das Hochwasser im September 2024 in Niederösterreich hat gezeigt, wie schnell aus einer langen Trockenheit ein Jahrhundertereignis werden kann, und die Südstaulagen im November 2019 und im Dezember 2020 haben in Osttirol und Oberkärnten vor Augen geführt, welche Regen- und Schneemengen ein Mittelmeertief in wenigen Tagen bringen kann. Die Hoffnung, dass sich die Wasserspeicher über den Winter wieder füllen, ist berechtigt. Am besten füllen sie sich aber langsam über Wochen und nicht mit einem einzigen Starkregenereignis innerhalb weniger Tage.
Wie verlässlich sind Langfristprognosen für den Alpenraum?
So deutlich die Signale für einen milden Winter sind, so vorsichtig sollte man sie lesen. Saisonmodelle berechnen keinen Wetterablauf, sondern einen groben Trend für einen ganzen Monat. Für den Alpenraum sind sie mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, weil die Modelldaten nur in einem Raster von rund 100 Kilometern vorliegen und die Alpen darin nur grob abgebildet sind. Gerade beim Niederschlag, der in den Bergen stark von der Anströmung abhängt, ist die Treffsicherheit begrenzt. Dazu kommt, dass es in der Referenzperiode 1993 bis 2016 deutlich kühler war als in den letzten Jahren. Ein Teil des Wärmesignals ist also schlicht der Klimatrend. Bei der Temperatur ist die Richtung dennoch klar: Ein milder Winter ist deutlich wahrscheinlicher als ein kalter, und das passt zum bisherigen Verlauf des Jahres 2026. Beim Niederschlag ist das Signal deutlich unsicherer. Die warmen Meere speichern große Mengen an Feuchtigkeit und bergen damit das Potenzial für große Niederschlagsmengen, sollte sich die Wetterlage entsprechend umstellen. Ob, wann und wie oft das geschieht, lässt sich aus den Modellen aber nicht ablesen.
Diese Wetterentwicklung erwartet Österreich in den kommenden Wochen
Vor allem im Osten bleiben die Böden bis Ende Oktober viel zu trocken, und auch die Grundwasserstände und Quellschüttungen dürften vorerst weiter zurückgehen. Für den Start der Wintersaison heißt das: Naturschnee ist vorerst nicht in Sicht, und ein sehr milder November würde auch das Beschneien erschweren. Bringt der Winter wie vom Modell ECMWF SEAS5 angedeutet viel Niederschlag, könnten sich die Wasserspeicher wieder füllen und die Berge eine gute Schneedecke bekommen. Fällt aber zu viel Niederschlag in zu kurzer Zeit, steigt die Gefahr von Überflutungen. Aktuelle Karten und Modellläufe gibt es laufend auf der Modellseite, in den Ensemble-Prognosen, bei den Meteogrammen und auf der Seite zur Langfristprognose für Österreich.