Dreimal so viele Hitzetage in Klagenfurt: Neue Klimaportale zeigen den Klimawandel für jeden Ort
Bis Anfang Juni lag das Jahr 2026 in Kärnten und Osttirol 2,6 Grad über dem Klimamittel der Periode 1961 bis 1990, gleichzeitig fehlten 39 Prozent des üblichen Niederschlags. Wer wissen will, wie sich solche Zahlen in der eigenen Gemeinde einordnen, findet ab sofort eine Antwort: Mit den beiden neuen Portalen tauernwetter.at/klima und tauernwetter.at/klimawandel stellt Tauernwetter die Klimaentwicklung für alle 165 Gemeinden Kärntens und Osttirols frei zugänglich dar. Die Auswertungen reichen vom Jahr 1961 bis zu den Szenarien für das Ende des Jahrhunderts und werden täglich aktualisiert.
Was die neuen Portale zeigen
Das Klimaportal unter tauernwetter.at/klima blickt zurück: Es zeigt die Abweichungskarten für Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein für Monate, Jahreszeiten und Jahre – vom laufenden Jahr bis 1961 zurück. Das Klimaentwicklungsportal unter tauernwetter.at/klimawandel führt diese Auswertung für jede einzelne Gemeinde fort und zeigt auch die Klimastreifen der Jahre. Jeder Ort hat seine eigene Seite mit der Erwärmung seit 1961, sämtlichen Wetterrekorden aus dem 1-Kilometer-Datenraster, der Entwicklung von Sommertagen, Hitzetagen, Frosttagen und Schneedeckentagen sowie den Klimaszenarien bis zum Jahr 2100. Abrufbar ist für jeden Ort auch, in welchem Jahr es die meisten Hitzetage gab, wann die kälteste Nacht gemessen wurde und welches Jahr das wärmste der gesamten Messreihe war. Beide Portale werden täglich aktualisiert: Auch sämtliche Allzeitrekorde und Kennzahlen im Klimaentwicklungsportal sind damit immer auf dem aktuellsten Stand.
Die Erwärmung im Langzeitvergleich
Den Rahmen für die Gemeindedaten liefert das Flächenmittel der gesamten Region. Das Jahr 2025 lag in Kärnten und Osttirol 2,49 Grad über dem Mittel der Periode 1961 bis 1990, das wärmste Jahr der Reihe war 2024 mit einer Abweichung von 3,00 Grad. Die Zeitreihe seit 1850 zeigt, wie ungewöhnlich die jüngste Entwicklung ist: Bis in die 1980er-Jahre wechselten sich kühle und warme Jahre ab, seither reiht sich ein zu warmes Jahr an das nächste.
Beispiel Klagenfurt: Die Hitzetage haben sich verdreifacht
Wie deutlich die Veränderung vor Ort ausfällt, zeigt die Landeshauptstadt. In Klagenfurt gab es in der Normalperiode 1961 bis 1990 im Schnitt 5,5 Hitzetage mit mindestens 30 Grad pro Jahr, in der Periode 1991 bis 2020 waren es bereits 16,5. Die Zahl hat sich damit verdreifacht. Den bisherigen Rekord hält das Jahr 2024 mit 39 Hitzetagen. Die Klimaszenarien zeigen, dass diese Entwicklung erst am Anfang steht: Im Szenario ohne wirksamen Klimaschutz kommen bis zum Zeitraum 2071 bis 2100 noch einmal rund 34 Hitzetage pro Jahr dazu. Ein durchschnittlicher Sommer am Ende des Jahrhunderts hätte in Klagenfurt damit etwa so viele Hitzetage wie das bisherige Rekordjahr 2024. Auch Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt und die es in Klagenfurt bisher kaum gibt, würden mit rund elf pro Jahr zur Normalität. Die Schneedeckentage sind bereits jetzt von durchschnittlich 95,7 auf 64,0 pro Jahr zurückgegangen.
Die Unterschiede zwischen den Orten bleiben groß: Am schwächsten fiel die Erwärmung seit 1961 in Mallnitz mit 1,1 Grad aus, am stärksten mit 1,6 Grad in Gemeinden des Kärntner Zentralraums, darunter Villach, Feldkirchen und Ossiach.
Zwei Wege bis 2100
Für den Blick nach vorn rechnet das Klimaentwicklungsportal zwei grundlegende Entwicklungen durch: ein Szenario mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen und ein Szenario, in dem die Emissionen weiter steigen. Die Ergebnisse sind sowohl als Flächenkarten im 1-Kilometer-Raster als auch punktgenau für jeden Ort abrufbar. Ausgewertet werden Kennzahlen, die den Alltag, den Tourismus und die Landwirtschaft unmittelbar betreffen: Sommertage und Hitzetage, Tropennächte, Frosttage und Eistage, Heiztage sowie die Schneedeckentage.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Tropennächten, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Sie sind in Kärnten und Osttirol bisher eine Seltenheit – im Szenario ohne wirksamen Klimaschutz werden sie in den Becken und Tälern Unterkärntens bis zum Ende des Jahrhunderts aber zum festen Bestandteil des Sommers.
Besonders deutlich fällt der Befund beim Schnee aus. Die Schneedeckentage gehen in beiden Szenarien in allen Lagen zurück, im Szenario ohne wirksamen Klimaschutz bis Ende des Jahrhunderts in den Tälern um mehrere Wochen und in den Hochlagen der Tauern teils um mehr als 100 Tage pro Jahr.
Datengrundlage und Methodik
Die Vergangenheitsanalysen beruhen auf dem SPARTACUS-Datensatz der GeoSphere Austria, der lückenlose Tageswerte für jeden Quadratkilometer Österreichs seit 1961 liefert. Der Blick in die Zukunft stützt sich auf die österreichischen ÖKS15-Klimaszenarien und die FuSE-AT-Schneesimulation. Weil sich das Klima in den vergangenen Jahren bereits stärker erwärmt hat, als es die Projektionen für 2030 vorgesehen haben, hat Tauernwetter die Temperaturpfade der Szenarien in eigenen Berechnungen an den tatsächlich gemessenen Klimaverlauf angepasst. Die tagesbasierten Kennzahlen wie Hitzetage sind deshalb als Untergrenzen zu verstehen, die reale Entwicklung dürfte eher darüber liegen.
Die neuen Portale erweitern die im Mai veröffentlichte Klimaanalyse für das Mölltal auf die gesamte Region. Ab sofort lässt sich unter tauernwetter.at/klima und tauernwetter.at/klimawandel für jeden Wohnort direkt abrufen, wie stark sich das lokale Klima bereits verändert hat und welche Entwicklung bis 2100 zu erwarten ist.
Quellen
Datenquellen: SPARTACUS von GeoSphere Austria sowie die österreichischen ÖKS15-Klimaszenarien und die FuSE-AT-Schneesimulation. Die Datensätze stehen unter der Lizenz CC BY 4.0.
Hinweis: Die Temperaturpfade der Klimaszenarien wurden von Tauernwetter in eigenen Berechnungen an den tatsächlich gemessenen Klimaverlauf angepasst. Tagesbasierte Kennzahlen wie Hitzetage sind als Untergrenzen zu verstehen.
Urheberrecht der Klimaportale und sämtlicher Grafiken in diesem Artikel: Alle in diesem Artikel gezeigten Grafiken, Karten und Auswertungen wurden von tauernwetter.at eigenständig aus den genannten Datensätzen berechnet und aufbereitet. Das ausschließliche Urheberrecht an diesen Grafiken und an den Klimaportalen liegt bei tauernwetter.at.
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