Klimabilanz Frühling 2026: Rekorddürre, Schnee im Mai und historische Hitze in Kärnten und Osttirol
Der Frühling 2026 war in Kärnten und Osttirol eine Jahreszeit der Wetterextreme. Die Monate März, April und Mai brachten nicht nur eine außergewöhnliche Trockenheit, sondern auch einen abrupten Wechsel von winterlichen Bedingungen Mitte Mai bis zu hochsommerlicher Hitze rund um Pfingsten.
Ein wichtiges Wort vorweg: Wir bei Tauernwetter verwenden das Wort „Rekord" in diesem Zusammenhang nur ungern. Ein Rekord steht oft für eine sportliche Höchstleistung. Die klimatologischen Entwicklungen und Abweichungen, die wir in diesem Frühjahr dokumentieren mussten, betrachten wir hingegen mit großer Sorge.
Die historische Dürre: Trockene Böden und Aufrufe zum Wassersparen
Was sich in den letzten Monaten bereits abgezeichnet hatte, ist nun Gewissheit: Die Trockenheit hat nicht nur an einzelnen Stationen, sondern im kompletten Flächenmittel von Kärnten und Osttirol einen Tiefstwert erreicht. Mit einer Abweichung von mehr als 50 Prozent unter dem üblichen Frühlings-Niederschlag war es das trockenste Frühjahr seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen.
Besonders deutlich zeigt sich die Lage im Westen: In Osttirol und im westlichen Oberkärnten fehlten rund 60 Prozent des ohnehin dringend benötigten Niederschlags. An der Wetterstation Lienz lag das Defizit sogar bei 67 Prozent.
Die Auswirkungen dieser ausbleibenden Niederschläge sind mittlerweile im Alltag der Menschen angekommen: Die sinkenden Grundwasserspiegel führen zu einer akuten Wasserknappheit, weshalb bereits zahlreiche Gemeinden in Kärnten und Osttirol ihre Bevölkerung dringend zum Wassersparen aufrufen mussten. Gleichzeitig sorgten die ausgetrockneten Böden für eine seit Jahrzehnten nicht mehr beobachtete Brandgefahr. Dies gipfelte in einer auffälligen Häufung von Waldbränden im Frühjahr, darunter der verheerende Großbrand im Lesachtal, der als der größte Waldbrand in die Geschichte Kärntens eingeht.
Auch der isolierte Blick auf den Mai zeigt das Niederschlagsdefizit deutlich auf.
Mai-Wetter: Von winterlicher Kälte zur historischen Hitze
Der Wonnemonat Mai zeigte in diesem Jahr zwei völlig gegensätzliche Gesichter. Noch Mitte des Monats sorgte ein kräftiger Kälteeinbruch gebietsweise für Allzeit-Kälterekorde. Isothermie und kalte Höhenluft ließen den Schnee gebietsweise tief in die Täler Kärntens und Osttirols hinabreichen, was für Mitte Mai bemerkenswert weit war.
Das Kälteintermezzo war jedoch nur von kurzer Dauer. Pünktlich zu Pfingsten baute sich eine kräftige Hitzewelle auf. In Osttirol wurde in Lienz mit 33,3 °C ein neuer absoluter Allzeitrekord für den Monat Mai aufgestellt. In Kärnten wurde der Allzeitrekord in Feldkirchen knapp verfehlt, gemittelt über alle Wetterstationen des Landes war es jedoch die größte und flächendeckendste Hitzewelle, die Kärnten in einem Mai jemals erfasst hat.
Alleine am Dienstag nach Pfingsten, dem 26. Mai, fiel an der Hälfte aller Kärntner Wetterstationen und an fast allen Stationen in Osttirol der bisherige Mai-Allzeitrekord.
Der Gesamtblick auf den Frühling: Knapp am obersten Podest vorbei
Trotz dieser Hitzewelle landete der Frühling 2026 in der Gesamtbewertung „nur" auf dem 3. Platz der wärmsten Frühlinge seit dem Jahr 1851. Der Grund dafür liegt genau in dem beschriebenen Kälteeinbruch Mitte des Monats. Dieser drückte die Monatsbilanz nach unten, sodass der Mai 2026 verglichen mit dem ohnehin schon sehr warmen neueren Klimamittel 1991 bis 2020 letztlich nur leicht zu mild ausfiel. Dennoch fehlten dem Frühling 2026 nur wenige Zehntelgrad, um die Plätze 1 und 2 zu erreichen.
Begleitet wurden Trockenheit und Wärme von einem Überschuss an Sonnenstunden, der die Austrocknung der Böden zusätzlich verstärkte.
Wetter-Extreme im Überblick
Hier sind die jeweils markantesten fünf Stationen für den gesamten Frühling und für den Einzelmonat Mai im direkten Vergleich. Hinweis: Zum besseren Vergleich vergleichbarer Lebensräume wurden die reinen Hochgebirgsstationen Sonnblick und Kölnbreinsperre in dieser Liste nicht berücksichtigt.
Die Top 5 des gesamten Frühlings 2026 (März, April, Mai)
Absolutes Temperatur-Maximum (höchste Einzelwerte)
- Lienz: +33,3 °C (am 26.05.)
- Ferlach: +33,0 °C (am 26.05.)
- Dellach im Drautal: +32,9 °C (am 26.05.)
- Feldkirchen: +32,5 °C (am 26.05.)
- St. Andrä im Lavanttal: +32,5 °C (am 26.05.)
Absolutes Temperatur-Minimum (tiefste Einzelwerte)
- Villacher Alpe: −10,4 °C (am 27.03.)
- St. Jakob im Defereggental: −9,1 °C (am 28.03.)
- Flattnitz: −7,3 °C (am 23.03.)
- Weitensfeld: −6,9 °C (am 31.03.)
- Katschberg: −6,9 °C (am 27.03.)
Niederschlagsreichste Orte (Gesamtsumme)
- Loiblpass: 308 mm
- Bad Bleiberg: 166 mm
- Villacher Alpe: 162 mm
- Bad Eisenkappel: 160 mm
- Ferlach: 156 mm
Niederschlagsärmste Orte (Gesamtsumme)
- Lienz: 54 mm
- Döllach: 55 mm
- Gmünd: 57 mm
- Virgen: 62 mm
- Obervellach: 63 mm
Sonnigste Orte (Gesamtdauer)
- St. Veit an der Glan: 708 h
- Klagenfurt Flughafen: 705 h
- Treibach-Althofen: 699 h
- Pörtschach: 690 h
- Dellach: 684 h
Trübste Orte (Gesamtdauer)
- Mallnitz: 474 h
- Loiblpass: 495 h
- Döllach: 496 h
- Flattnitz: 499 h
- Katschberg: 557 h
Die Top 5 des Monats Mai 2026
Absolutes Temperatur-Maximum (höchste Einzelwerte)
- Lienz: +33,3 °C (am 26.05.)
- Ferlach: +33,0 °C (am 26.05.)
- Dellach im Drautal: +32,9 °C (am 26.05.)
- Feldkirchen: +32,5 °C (am 26.05.)
- St. Andrä im Lavanttal: +32,5 °C (am 26.05.)
Absolutes Temperatur-Minimum (tiefste Einzelwerte)
- Villacher Alpe: −6,5 °C (am 13.05.)
- St. Jakob im Defereggental: −5,0 °C (am 13.05.)
- Flattnitz: −4,9 °C (am 01.05.)
- Weitensfeld: −4,7 °C (am 01.05.)
- Kanzelhöhe: −3,9 °C (am 13.05.)
Niederschlagsreichste Orte (Gesamtsumme)
- Loiblpass: 227 mm
- Ferlach: 115 mm
- Villacher Alpe: 105 mm
- Bad Eisenkappel: 104 mm
- Klagenfurt Flughafen: 102 mm
Niederschlagsärmste Orte (Gesamtsumme)
- Lienz: 22 mm
- Sillian: 32 mm
- Weißensee-Gatschach: 34 mm
- Virgen: 38 mm
- Döllach: 38 mm
Sonnigste Orte (Gesamtdauer)
- Völkermarkt: 291 h
- St. Veit an der Glan: 286 h
- Feistritz ob Bleiburg: 280 h
- Treibach-Althofen: 279 h
- Klagenfurt Flughafen: 277 h
Trübste Orte (Gesamtdauer)
- Mallnitz: 179 h
- Döllach: 196 h
- Flattnitz: 205 h
- Katschberg: 213 h
- Loiblpass: 214 h
Fazit: Ein Frühling als Weckruf
Der Frühling 2026 hat uns in Kärnten und Osttirol eindrücklich vor Augen geführt, wie rasch und unerbittlich Wetterextreme mittlerweile aufeinander folgen. Die Kombination aus historischer Trockenheit, späten Kälteeinbrüchen in den Tälern und einer noch nie dagewesenen Mai-Hitzewelle mit Hitzetagen selbst in Hochtälern wie in Großkirchheim ist mehr als nur eine statistische Randnotiz – sie verdeutlicht die zunehmende Dynamik und Verwundbarkeit unseres alpinen Lebensraums.
Tauernwetter wird diese Entwicklungen mit seinen hochauflösenden Regionalmodellen weiterhin analysieren und einordnen. Gehen Sie in den kommenden Wochen achtsam mit unseren Wasserressourcen um und vermeiden Sie offenes Feuer im Waldbereich. Kommen Sie trotz der Trockenheit gut in den anstehenden Sommer.
Quellen
Datenquellen: ERA5 vom Copernicus Climate Change Service der Europäischen Union sowie SPARTACUS, SOCRATES, HISTALP und Stationsdaten von GeoSphere Austria. Alle Datensätze stehen unter der Lizenz CC BY 4.0.
Hinweis: Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union. Der für diese Klimastudie verwendete ERA5-Datensatz wird im Rahmen des Copernicus Climate Change Service vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) betrieben.
Titelbild: iStock (kostenpflichtige Standardlizenz – nicht unter CC BY 4.0).
Urheberrecht der Klimastudie und sämtlicher Grafiken in diesem Artikel: Alle in diesem Artikel gezeigten Grafiken, Karten und Auswertungen wurden von tauernwetter.at eigenständig aus den genannten Datensätzen berechnet und aufbereitet. Das ausschließliche Urheberrecht an diesen Grafiken und an der gesamten Klimastudie liegt bei tauernwetter.at.
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