Klimaanalyse Mölltal: Wie sich das Klima in Mallnitz und Obervellach verändert
Sommer- und Wintertemperaturen, Niederschlag und Klimahüllen heimischer Baumarten im Vergleich zweier Höhenstufen von 1971 bis 2025.
Obervellach
Obervellach 2020–25
Mallnitz
Mallnitz 2020–25
Temperatur-Anstieg (Trend 1971–2025)
Die Sommer erwärmen sich mit +2,6 bis +3,5 °C deutlich stärker als die Winter (+1,3 °C) – der entscheidende Faktor für die zunehmende Dürrebelastung der Bäume.
Niederschlags-Veränderung (Trend 1971–2025)
Juni, Juli, August
Dezember, Jänner, Februar
Jänner bis Dezember
Inhalt
Ausgangslage und Methode
Für die Klimaanalyse des Mölltals wurden die Messdaten zweier Wetterstationen ausgewertet: Mallnitz auf 1.197 m Seehöhe und Obervellach auf 688 m. Der Vergleich zweier Höhenstufen im selben Tal erlaubt es, den Höhengradienten direkt zu messen und Rückschlüsse auf die Klimaentwicklung in verschiedenen Höhenlagen zu ziehen.
Der gewählte Ansatz geht bewusst über die Betrachtung der Jahresmitteltemperatur hinaus: Stattdessen werden Sommertemperaturen (Juni–August) und Sommerniederschläge als Maß für die Dürrebelastung sowie Wintertemperaturen (Dezember–Februar) und Winterniederschläge als Maß für die Schneedecke und Wasserspeicherung getrennt betrachtet. Diese Werte werden anschließend mit den Klimahüllen heimischer und potenzieller Baumarten abgeglichen.
Sommertemperatur: Der entscheidende Faktor
Die mittlere Sommertemperatur (Juni–August) ist in den letzten 55 Jahren an beiden Stationen deutlich gestiegen:
- Obervellach (688 m): +0,64 °C pro Dekade. Das Sommermittel (JJA = Juni, Juli, August) lag in den 1970er-Jahren bei 15,8 °C, in den 2020er-Jahren bei 18,8 °C.
- Mallnitz (1.197 m): +0,48 °C pro Dekade. Von 12,8 °C in den 1970ern auf 15,4 °C in den 2020ern.
Kernbefund: In Obervellach nähert sich das aktuelle Sommermittel (18,8 °C) der oberen Grenze der Fichten-Klimahülle (18 °C). Die Fichte gerät auf dieser Höhenstufe zunehmend unter Dürrestress.
Sommer- und Winterniederschlag
Der Sommerniederschlag zeigt an beiden Stationen einen leicht positiven Trend, der aber stark von Einzelereignissen geprägt ist. In Mallnitz stieg der Sommerniederschlag (Juni–August) von durchschnittlich 331 mm in den 1970ern auf 449 mm in den 2020ern.
Der Winterniederschlag ist für die Wasserversorgung im Sommer entscheidend, weil er als Schnee gespeichert wird und im Frühjahr langsam abschmilzt. In Mallnitz zeigt er keinen eindeutigen Trend, in Obervellach ist er stabil.
Klimahüllen: Was bedeutet das für die Baumarten?
Die Klimahülle einer Baumart beschreibt den Temperatur- und Niederschlagsbereich, in dem sie natürlicherweise vorkommt. Die vollständige Analyse zeigt die Dekadenmittelwerte beider Stationen im Kontext der Klimahüllen von sieben Baumarten: Fichte, Lärche, Zirbe, Tanne, Buche, Eiche und Douglasie.
Ergebnis: In Obervellach wandert das Klima aus dem Kernbereich der Fichte in den Bereich von Buche, Tanne und Douglasie. In Mallnitz liegt die Fichte noch im Optimum, aber die Temperaturen nähern sich auch hier zunehmend der Obergrenze. Die Lärche verliert auf beiden Höhenstufen zunehmend ihren klassischen Temperaturvorteil.
Klimaprojektionen bis 2100
Die aktuellen Messwerte zeigen, dass die Erwärmung bereits deutlich über dem moderaten Szenario (RCP 4.5) liegt: In Obervellach beträgt das Sommermittel (Juni–August) 2020–25 bereits 18,8 °C – ein Wert, den RCP 4.5 erst für Ende des Jahrhunderts projiziert hatte. Unter dem Worst-Case-Szenario (RCP 8.5) könnte die Sommertemperatur in Obervellach bis 2100 auf über 23 °C steigen. Die Tauernwetter-Schätzung rechnet mit etwa 22 °C – in beiden Fällen wäre die Fichte auf dieser Höhenstufe vollständig aus ihrem Klimaoptimum gedrängt.
In Mallnitz liegt das Sommermittel mit 15,4 °C noch im Fichtenoptimum. Bis 2100 steigt es nach der Tauernwetter-Schätzung auf knapp 19 °C und erreicht damit die Obergrenze der Fichte. Unter RCP 8.5 würde es mit über 20 °C deutlich darüber hinausgehen.
Jahresmitteltemperatur-Projektionen nach Szenario
Die folgenden Diagramme zeigen die gemessene Jahresmitteltemperatur seit 1971 und die projizierte Erwärmung bis 2100. Die grün gestrichelte Linie markiert die Fichte-Obergrenze bei 9 °C Jahresmittel.
Mallnitz: 6,6 → 7,6 °C (+1,0)
Obervellach: 9,1 → 10,1 °C (+1,0)
Mallnitz: 6,6 → 10,6 °C (+4,0)
Obervellach: 9,1 → 13,1 °C (+4,0)
Mallnitz: 6,6 → 9,1 °C (+2,5)
Obervellach: 9,1 → 11,6 °C (+2,5)
Schatt- und Sonnseiten: Exposition und Höhe
Ein Südhang auf 1.200 m Seehöhe hat heute sommerklimatisch ähnliche Bedingungen wie ein Nordhang auf 700 m. Der gemessene Höhengradient zwischen den beiden Stationen beträgt 0,68 °C pro 100 Höhenmeter. Die Expositionskorrektur (ca. ±1,5 °C zwischen reinem Nord- und Südhang) verschiebt die effektive Klimazone um rund 220 Höhenmeter.
Mit einem 90-m-Höhenmodell (DEM), das im ALPIXION-Wettermodell von Tauernwetter verwendet wird, lässt sich für jede Rasterzelle im Mölltal die geschätzte Sommertemperatur (Juni–August) nach Höhe und Exposition berechnen.
Wald der Zukunft im Mölltal
Risikobewertung der Baumarten
Die Klimahülle allein reicht nicht – Borkenkäfer, Dürre, Windschäden und Schneebruch entscheiden mit, welche Baumarten zukunftsfähig sind.
| Baumart | Borkenkäfer | Dürre/Hitze | Windschäden | Schneebruch | Klimazukunft |
|---|---|---|---|---|---|
| Fichte | HOCH | HOCH | HOCH | hoch | schlecht |
| Tanne | gering | gut | gut | mittel | sehr gut |
| Bergahorn | – | gut | gut | – | sehr gut |
| Lärche | gering | gut | gut | – | gut |
| Buche | – | mittel | gut | – | gut |
| Eiche | gering | sehr gut | sehr gut | – | gut (Tal) |
Empfehlung: Mischwald der Zukunft
N = Nordhang (Schattseite) | S = Südhang (Sonnseite)
N: Buche + Tanne + Bergahorn | S: Eiche + Bergahorn + Buche
Fichte: langfristig nicht mehr empfohlen
N: Tanne + Fichte + Bergahorn (Mischwald) | S: Tanne + Bergahorn + Buche + Lärche (keine Fichte)
N: Fichte + Tanne + Bergahorn + Lärche | S: Tanne + Bergahorn + Lärche
Zirbe + Lärche (natürliche Leitarten)
Grundsatz: Vielfalt statt Monokultur. Mischwald mit Tanne und Bergahorn als Rückgrat ist auf allen Höhenstufen die klimarobusteste Lösung.
Vollständige Analyse als PDF
33 Seiten mit allen Zeitreihen, Klimahüllen-Diagrammen, Projektionen, Risikobewertung und Mischwald-Empfehlung.
PDF herunterladenKlimaanalyse_Mallnitz_Obervellach.pdf (ca. 200 KB)