WETTERWISSEN

Klimaanalyse Mölltal: Wie sich das Klima in Mallnitz und Obervellach verändert

Sommer- und Wintertemperaturen, Niederschlag und Klimahüllen heimischer Baumarten im Vergleich zweier Höhenstufen von 1971 bis 2025.

| Mag. David Kaufmann
Fichtenwald im Gegenlicht – Symbol für die Zukunft der Baumarten im Mölltal unter dem Klimawandel.
Fichtenwald: Wie lange noch? Die Fichte gerät im Mölltal zunehmend unter Druck. Symbolbild: Leonhard Niederwimmer / Pixabay.
+0,64 °C
pro Dekade · Sommertemp.
Obervellach
18,8 °C
JJA-Mittel
Obervellach 2020–25
+0,48 °C
pro Dekade · Sommertemp.
Mallnitz
15,4 °C
JJA-Mittel
Mallnitz 2020–25

Temperatur-Anstieg (Trend 1971–2025)

+3,5 °C
Sommer · Obervellach
+2,6 °C
Sommer · Mallnitz
+1,3 °C
Winter · Obervellach
+1,3 °C
Winter · Mallnitz
+2,2 °C
Jahresmittel · Obervellach
+1,7 °C
Jahresmittel · Mallnitz

Die Sommer erwärmen sich mit +2,6 bis +3,5 °C deutlich stärker als die Winter (+1,3 °C) – der entscheidende Faktor für die zunehmende Dürrebelastung der Bäume.

Niederschlags-Veränderung (Trend 1971–2025)

+131 / +67 mm
Sommer · Mallnitz / Obervellach
Juni, Juli, August
+43 / +27 mm
Winter · Mallnitz / Obervellach
Dezember, Jänner, Februar
+362 / +175 mm
Jahr gesamt · Mallnitz / Obervellach
Jänner bis Dezember

Inhalt

  1. Ausgangslage und Methode
  2. Sommertemperatur: Der entscheidende Faktor
  3. Sommer- und Winterniederschlag
  4. Klimahüllen: Was bedeutet das für die Baumarten?
  5. Klimaprojektionen bis 2100
  6. Schatt- und Sonnseiten: Exposition und Höhe
  7. Wald der Zukunft: Risikobewertung und Empfehlung
  8. Vollständige Analyse als PDF

Ausgangslage und Methode

Für die Klimaanalyse des Mölltals wurden die Messdaten zweier Wetterstationen ausgewertet: Mallnitz auf 1.197 m Seehöhe und Obervellach auf 688 m. Der Vergleich zweier Höhenstufen im selben Tal erlaubt es, den Höhengradienten direkt zu messen und Rückschlüsse auf die Klimaentwicklung in verschiedenen Höhenlagen zu ziehen.

Der gewählte Ansatz geht bewusst über die Betrachtung der Jahresmitteltemperatur hinaus: Stattdessen werden Sommertemperaturen (Juni–August) und Sommerniederschläge als Maß für die Dürrebelastung sowie Wintertemperaturen (Dezember–Februar) und Winterniederschläge als Maß für die Schneedecke und Wasserspeicherung getrennt betrachtet. Diese Werte werden anschließend mit den Klimahüllen heimischer und potenzieller Baumarten abgeglichen.

Sommertemperatur: Der entscheidende Faktor

Die mittlere Sommertemperatur (Juni–August) ist in den letzten 55 Jahren an beiden Stationen deutlich gestiegen:

  • Obervellach (688 m): +0,64 °C pro Dekade. Das Sommermittel (JJA = Juni, Juli, August) lag in den 1970er-Jahren bei 15,8 °C, in den 2020er-Jahren bei 18,8 °C.
  • Mallnitz (1.197 m): +0,48 °C pro Dekade. Von 12,8 °C in den 1970ern auf 15,4 °C in den 2020ern.

Kernbefund: In Obervellach nähert sich das aktuelle Sommermittel (18,8 °C) der oberen Grenze der Fichten-Klimahülle (18 °C). Die Fichte gerät auf dieser Höhenstufe zunehmend unter Dürrestress.

Sommer- und Winterniederschlag

Der Sommerniederschlag zeigt an beiden Stationen einen leicht positiven Trend, der aber stark von Einzelereignissen geprägt ist. In Mallnitz stieg der Sommerniederschlag (Juni–August) von durchschnittlich 331 mm in den 1970ern auf 449 mm in den 2020ern.

Der Winterniederschlag ist für die Wasserversorgung im Sommer entscheidend, weil er als Schnee gespeichert wird und im Frühjahr langsam abschmilzt. In Mallnitz zeigt er keinen eindeutigen Trend, in Obervellach ist er stabil.

Klimahüllen: Was bedeutet das für die Baumarten?

Die Klimahülle einer Baumart beschreibt den Temperatur- und Niederschlagsbereich, in dem sie natürlicherweise vorkommt. Die vollständige Analyse zeigt die Dekadenmittelwerte beider Stationen im Kontext der Klimahüllen von sieben Baumarten: Fichte, Lärche, Zirbe, Tanne, Buche, Eiche und Douglasie.

Ergebnis: In Obervellach wandert das Klima aus dem Kernbereich der Fichte in den Bereich von Buche, Tanne und Douglasie. In Mallnitz liegt die Fichte noch im Optimum, aber die Temperaturen nähern sich auch hier zunehmend der Obergrenze. Die Lärche verliert auf beiden Höhenstufen zunehmend ihren klassischen Temperaturvorteil.

Klimaprojektionen bis 2100

Die aktuellen Messwerte zeigen, dass die Erwärmung bereits deutlich über dem moderaten Szenario (RCP 4.5) liegt: In Obervellach beträgt das Sommermittel (Juni–August) 2020–25 bereits 18,8 °C – ein Wert, den RCP 4.5 erst für Ende des Jahrhunderts projiziert hatte. Unter dem Worst-Case-Szenario (RCP 8.5) könnte die Sommertemperatur in Obervellach bis 2100 auf über 23 °C steigen. Die Tauernwetter-Schätzung rechnet mit etwa 22 °C – in beiden Fällen wäre die Fichte auf dieser Höhenstufe vollständig aus ihrem Klimaoptimum gedrängt.

In Mallnitz liegt das Sommermittel mit 15,4 °C noch im Fichtenoptimum. Bis 2100 steigt es nach der Tauernwetter-Schätzung auf knapp 19 °C und erreicht damit die Obergrenze der Fichte. Unter RCP 8.5 würde es mit über 20 °C deutlich darüber hinausgehen.

Jahresmitteltemperatur-Projektionen nach Szenario

Die folgenden Diagramme zeigen die gemessene Jahresmitteltemperatur seit 1971 und die projizierte Erwärmung bis 2100. Die grün gestrichelte Linie markiert die Fichte-Obergrenze bei 9 °C Jahresmittel.

RCP 4.5 (moderat)
Mallnitz: 6,6 → 7,6 °C (+1,0)
Obervellach: 9,1 → 10,1 °C (+1,0)
RCP 8.5 (Worst Case)
Mallnitz: 6,6 → 10,6 °C (+4,0)
Obervellach: 9,1 → 13,1 °C (+4,0)
Tauernwetter-Schätzung
Mallnitz: 6,6 → 9,1 °C (+2,5)
Obervellach: 9,1 → 11,6 °C (+2,5)

Schatt- und Sonnseiten: Exposition und Höhe

Ein Südhang auf 1.200 m Seehöhe hat heute sommerklimatisch ähnliche Bedingungen wie ein Nordhang auf 700 m. Der gemessene Höhengradient zwischen den beiden Stationen beträgt 0,68 °C pro 100 Höhenmeter. Die Expositionskorrektur (ca. ±1,5 °C zwischen reinem Nord- und Südhang) verschiebt die effektive Klimazone um rund 220 Höhenmeter.

Mit einem 90-m-Höhenmodell (DEM), das im ALPIXION-Wettermodell von Tauernwetter verwendet wird, lässt sich für jede Rasterzelle im Mölltal die geschätzte Sommertemperatur (Juni–August) nach Höhe und Exposition berechnen.

Wald der Zukunft im Mölltal

Risikobewertung der Baumarten

Die Klimahülle allein reicht nicht – Borkenkäfer, Dürre, Windschäden und Schneebruch entscheiden mit, welche Baumarten zukunftsfähig sind.

Baumart Borkenkäfer Dürre/Hitze Windschäden Schneebruch Klimazukunft
FichteHOCHHOCHHOCHhochschlecht
Tannegeringgutgutmittelsehr gut
Bergahorngutgutsehr gut
Lärchegeringgutgutgut
Buchemittelgutgut
Eichegeringsehr gutsehr gutgut (Tal)

Empfehlung: Mischwald der Zukunft

N = Nordhang (Schattseite) | S = Südhang (Sonnseite)

Obervellach / Talsohle (600–900 m)
N: Buche + Tanne + Bergahorn | S: Eiche + Bergahorn + Buche
Fichte: langfristig nicht mehr empfohlen
Döllach / Großkirchheim (1.000–1.200 m)
N: Tanne + Fichte + Bergahorn (Mischwald) | S: Tanne + Bergahorn + Buche + Lärche (keine Fichte)
Mallnitz (1.200–1.400 m)
N: Fichte + Tanne + Bergahorn + Lärche | S: Tanne + Bergahorn + Lärche
Waldgrenze (über 1.800 m)
Zirbe + Lärche (natürliche Leitarten)

Grundsatz: Vielfalt statt Monokultur. Mischwald mit Tanne und Bergahorn als Rückgrat ist auf allen Höhenstufen die klimarobusteste Lösung.

Vollständige Analyse als PDF

33 Seiten mit allen Zeitreihen, Klimahüllen-Diagrammen, Projektionen, Risikobewertung und Mischwald-Empfehlung.

PDF herunterladen

Klimaanalyse_Mallnitz_Obervellach.pdf (ca. 200 KB)

Klimahüllen abgeleitet aus: Ellenberg/Leuschner (2010), Kölling (2007), BFW Praxisinformation. Klimaszenarien und historische Messwerte wurden teilweise unter der Lizenz CC BY 4.0 mit Daten der GeoSphere Austria verwendet. Klimaprojektionen: CLIMA-MAP / ÖKS15 (CCCA). Höhenmodell: 90-m-DEM (Tauernwetter ALPIXION). Der Projektionsdatensatz wurde durch Tauernwetter angepasst, da der prognostizierte Temperaturanstieg bis 2030 bereits deutlich unter dem Wert lag, der bis 2025 tatsächlich erreicht wurde.

© Mag. David Kaufmann / tauernwetter.at · Mai 2026