WETTER & PROGNOSE

Italientief am Mittwoch? Erste Chance auf größeren Niederschlag seit Wochen in Südösterreich

| Mag. David Kaufmann | Mallnitz, Kärnten
Dunkle Regenwolken über einem Alpental im Herbst: Die Lärchen an den Hängen leuchten gelb und orange, auf den Gipfeln im Hintergrund liegt frischer Schnee, Nebelschwaden ziehen durch das Tal, unten schlängelt sich ein Bach zwischen Wiesen und einer kleinen Hütte.
Regenwolken über einem Alpental, Neuschnee auf den Bergen und herbstlich gefärbte Lärchen: So könnte es am Donnerstag in Osttirol und Oberkärnten aussehen, wenn das Italientief kommt. Symbolbild, erstellt mit künstlicher Intelligenz

Seit Wochen wartet der Großteil Österreichs auf nennenswerten Regen, und in der ersten Oktoberhälfte ist im Osten und Süden nur ein Bruchteil der üblichen Menge gefallen. Nun zeichnet sich zum ersten Mal seit Langem eine Chance auf größere Niederschläge ab: Am Mittwoch, 21. Oktober, und am Donnerstag, 22. Oktober, dürfte sich über dem Mittelmeer ein Italientief bilden, das vor allem dem Süden Österreichs Regen bringt. Nach den aktuellen Modellrechnungen liegt der Schwerpunkt in Osttirol und Oberkärnten. Wie viel Niederschlag tatsächlich fällt, ist aber noch offen, und in der Nacht auf Donnerstag könnte der Regen in einzelnen höher gelegenen Tälern in Schneeregen oder Schneefall übergehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Mittwoch und Donnerstag ist ein Italientief mittlerweile relativ wahrscheinlich. Alle 190 Läufe der fünf Ensemble-Systeme ECMWF-IFS, ECMWF-AIFS, ICON-CH2-EPS, GEFS und ICON-EU-EPS berechnen für den Süden Österreichs zwischen Mittwochmittag und Donnerstagfrüh Niederschlag, kein einziger Lauf bleibt trocken.
  • Der Schwerpunkt dürfte in Osttirol und Oberkärnten liegen. Das Tief dürfte feuchte Luft von Süden her gegen die Alpen schaufeln, an den Karnischen Alpen und am Alpenhauptkamm staut sie sich und regnet ab. Im Nordosten kommt davon nach allen Modellen nur wenig an.
  • Wie viel Regen kommt, ist noch unsicher. Das europäische Ensemble rechnet für Lienz und Dellach im Drautal im Mittel mit 70 bis 80 Litern pro Quadratmeter, das Schweizer ICON-CH2-EPS mit 60 bis 115 Litern, das KI-Ensemble AIFS mit 45 bis 55 Litern, das amerikanische mit 40 bis 70 Litern und das deutsche nur mit 30 bis 45 Litern.
  • In der Nacht auf Donnerstag könnte die Schneefallgrenze im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinken. Kurz vor dem Abklingen des Niederschlags sinkt die Temperatur in 850 Hektopascal nach dem Ensemble des GEFS auf knapp unter null Grad. Ob es tatsächlich für den ersten kleinen Wintereinbruch im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern reicht, lässt sich noch nicht sicher sagen.
  • Eine verlässliche Prognose über Mittwoch und Donnerstag hinaus ist noch nicht möglich. In den Ensembles nehmen die Niederschlagssignale auch für die letzten sieben bis acht Oktobertage zu, eine grundlegende Umstellung der Wetterlage bis Ende Oktober ist also zumindest denkbar.

Seit Wochen fehlt in weiten Teilen Österreichs der Regen, und im Jahr 2026 fehlt stellenweise die Regenmenge eines halben Jahres

Der Oktober 2026 ist bisher einer der trockensten der jüngeren Vergangenheit. Wie wir am 12. Oktober berichtet haben, waren an der Wetterstation Wien Hohe Warte bis dahin erst 0,3 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Eisenstadt und Lienz ein bis zwei Prozent der im Oktober üblichen Menge. Daran hat sich in der vergangenen Woche wenig geändert: Bis einschließlich Samstag, 17. Oktober, sind in Wien Hohe Warte 0,7 Liter pro Quadratmeter zusammengekommen, in Lienz 2,9 Liter. Das sind nach 17 Tagen rund ein beziehungsweise drei Prozent der im Oktober üblichen Menge. Die kräftigen Störungen vom Atlantik blieben dem Alpenraum fern, und das Hoch über Mitteleuropa hielt stand. Nur im äußersten Westen Österreichs hat es im Oktober bereits ergiebig geregnet. Vor allem im Norden und Osten Österreichs fehlt im Jahr 2026 stellenweise die Regenmenge eines halben Jahres: Wie wir Ende September berichtet haben, ist dort seit Jahresbeginn an manchen Stationen weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags gefallen.

Österreichkarte der Niederschlagsabweichung vom 1. Jänner bis 16. Oktober 2026 gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020, Flächenmittel minus 33 Prozent: Der Norden und Osten, also Mühlviertel, Waldviertel, Weinviertel, Wien, Mostviertel und Nordburgenland, sind dunkelbraun eingefärbt mit 40 bis 60 Prozent zu wenig Niederschlag. Der Südwesten mit Osttirol, Oberkärnten und dem Klagenfurter Becken ist hellbraun bis beige mit 5 bis 20 Prozent Defizit.
Die Karte zeigt die Abweichung des Niederschlags vom 1. Jänner bis 16. Oktober 2026 vom Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Österreichweit fehlt rund ein Drittel des üblichen Niederschlags, im Mühlviertel, im Wald- und Weinviertel, in Wien und im Nordburgenland stellenweise 40 bis 60 Prozent. Am geringsten ist das Defizit mit 5 bis 20 Prozent in Teilen Osttirols, Oberkärntens und des Klagenfurter Beckens.

Das Blockadehoch, das seit Ende September das Wetter in Österreich bestimmt, beginnt nun aber zu bröckeln. Von Norden her gelangt in der neuen Woche kühlere Luft in den Alpenraum und weiter bis zum Mittelmeer. Genau diese Konstellation ist die typische Ausgangslage für ein Italientief. Schon am 12. Oktober haben wir angedeutet, dass ein Italientief im letzten Oktoberdrittel nicht ausgeschlossen werden kann. Nach den aktuellen Modellrechnungen dürfte nun tatsächlich eines wetterwirksam werden.

Am Mittwoch und Donnerstag dürfte sich über dem Mittelmeer ein Tief bilden

Trifft die kühle Luft aus Norden auf das noch sehr warme Mittelmeer, entsteht über Oberitalien oder dem Golf von Genua häufig ein eigenständiges Tief. An seiner Vorderseite wird feuchte Mittelmeerluft von Süden gegen die Alpen geführt und staut sich an den Karnischen Alpen, den Karawanken und am Alpenhauptkamm. Für Osttirol und Oberkärnten ist das die Wetterlage, die den größten Teil des Jahresniederschlags bringt. Nach den aktuellen Berechnungen setzt der Regen am Mittwoch, 21. Oktober, gegen Mittag ein, erreicht am Nachmittag und Abend seinen Höhepunkt und klingt in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstagvormittag von Westen her ab. Die folgenden Karten zeigen die bis Donnerstag aufsummierten Niederschlagsmengen nach dem Hauptlauf des europäischen IFS und nach dem Schweizer ICON-CH2, dort lässt sich zwischen dem Lauf von 06 UTC und jenem von 00 UTC wechseln, sowie die 24-Stunden-Summe des amerikanischen GFS.

Österreichkarte des Modells ECMWF IFS mit der seit Sonntag, 18. Oktober 2026, 2 Uhr, aufsummierten Niederschlagsmenge bis Donnerstag, 22. Oktober, 14 Uhr, Lauf vom 18. Oktober, 00 UTC: Karnische Alpen, Lienzer Dolomiten und Gailtal rot bis violett mit 100 bis 150 Litern pro Quadratmeter, Osttirol und oberes Drautal gelb bis orange mit 50 bis 80 Litern, Mölltal gelb mit 40 bis 50 Litern, Unterkärnten und Klagenfurter Becken grün bis gelb mit 25 bis 40 Litern, Norden Österreichs grün mit 10 bis 25 Litern, Osten und Wien blau mit 2 bis 7 Litern.
Die Karte zeigt die vom Hauptlauf des europäischen Modells IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage berechnete Niederschlagsmenge von Sonntag, 18. Oktober 2026, 2 Uhr, bis Donnerstag, 22. Oktober, 14 Uhr (Lauf vom Sonntag, 00 UTC). Es ist der nasseste der großen Hauptläufe: An den Karnischen Alpen, in den Lienzer Dolomiten und im Gailtal liegen die Werte bei 100 bis 150 Litern pro Quadratmeter, im übrigen Osttirol und im oberen Drautal bei 50 bis 80 Litern, im Mölltal bei 40 bis 50 Litern. Für Unterkärnten und das Klagenfurter Becken rechnet das Modell mit 25 bis 40 Litern, für den Norden Österreichs mit 10 bis 25 Litern, für den Osten und Wien nur mit 2 bis 7 Litern.
Österreichkarte des Modells ICON-CH2 mit der seit Sonntag, 18. Oktober 2026, 8 Uhr, aufsummierten Niederschlagsmenge bis Donnerstag, 22. Oktober, 15 Uhr, Lauf vom 18. Oktober, 06 UTC: Osttirol gelb bis orange mit 50 bis 65 Litern pro Quadratmeter, oberes Drautal und Gailtal rot mit 80 bis 105 Litern, Karnische Alpen rot bis violett mit 100 bis 150 Litern, Klagenfurter Becken und Raum Villach grün mit 20 bis 35 Litern, Osten Kärntens blau mit rund 10 Litern, Norden und Osten Österreichs hellblau mit 1 bis 10 Litern. Eingezeichnete Ortswerte unter anderem 64 und 52 in Osttirol, 105 im oberen Drautal, 91 und 81 im Gailtal, 34 bei Villach und 23 im Klagenfurter Becken.
Österreichkarte des Modells ICON-CH2 mit der seit Sonntag, 18. Oktober 2026, 2 Uhr, aufsummierten Niederschlagsmenge bis Donnerstag, 22. Oktober, 15 Uhr, Lauf vom 18. Oktober, 00 UTC: Osttirol gelb bis orange mit 40 bis 60 Litern pro Quadratmeter, oberes Drautal und Gailtal orange bis rot mit 60 bis 80 Litern, Karnische Alpen rot bis violett mit über 100 Litern, Unterkärnten grün bis blau mit 5 bis 20 Litern, Norden und Osten hellblau mit 1 bis 5 Litern. Stationswerte unter anderem 61 in Lienz, 78 im Gailtal, 64 im oberen Drautal, 16 bei Villach und 3,7 in Klagenfurt.
ICON-CH2, Lauf 06 UTC

Wischen oder Pfeile: Lauf 06 UTC und Lauf 00 UTC im Vergleich

Der jüngere Lauf des Schweizer Modells ICON-CH2 vom Sonntag, 06 UTC, mit der Niederschlagsmenge von Sonntag, 18. Oktober 2026, 8 Uhr, bis Donnerstag, 22. Oktober, 15 Uhr. Gegenüber dem Lauf von 00 UTC legt das Modell im Südstau noch zu: Für Osttirol liegen die Werte nun bei 50 bis 65 Litern pro Quadratmeter, im oberen Drautal und im Gailtal bei 80 bis 105 Litern, an den Karnischen Alpen bei 100 bis 150 Litern. Das Klagenfurter Becken und der Raum Villach bekommen 20 bis 35 Liter, der Osten Kärntens rund 10 Liter, der Norden Österreichs 3 bis 10 Liter, der Osten 1 bis 3 Liter.
Österreichkarte des Modells GFS mit der Niederschlagssumme der 24 Stunden bis Donnerstag, 22. Oktober 2026, 5 Uhr, Lauf vom 18. Oktober, 00 UTC: Der Schwerpunkt liegt mit 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter über den Karnischen Alpen, den Lienzer Dolomiten und dem oberen Drautal, Oberkärnten und Osttirol sind mit 25 bis 50 Litern grün bis gelb eingefärbt, Unterkärnten mit 10 bis 20 Litern dunkelblau. Im Norden und Osten Österreichs liegen die Mengen nur bei 2 bis 10 Litern.
Die Karte zeigt die vom Hauptlauf des amerikanischen Modells GFS berechnete Niederschlagssumme der 24 Stunden von Mittwoch, 21. Oktober, 5 Uhr, bis Donnerstag, 22. Oktober 2026, 5 Uhr (Lauf vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC). Der Schwerpunkt liegt mit 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter an den Karnischen Alpen und im oberen Drautal, im Norden und Osten Österreichs kommen nur wenige Liter zusammen.

Die Modelle sind sich beim Ereignis einig, bei den Mengen aber nicht

Dass es am Mittwoch und Donnerstag im Süden regnet, berechnen alle großen Modelle. Das europäische Ensemble ECMWF-IFS mit 50 Läufen, das KI-Ensemble ECMWF-AIFS mit ebenfalls 50 Läufen, das Schweizer ICON-CH2-EPS mit 20 Läufen, das amerikanische GEFS mit 30 Läufen und das deutsche ICON-EU-EPS mit 40 Läufen bringen für Lienz, Dellach im Drautal, Mallnitz und Klagenfurt ausnahmslos Niederschlag in diesem Zeitfenster. In Klagenfurt fallen die Mengen mit Mitteln von 15 bis 35 Litern pro Quadratmeter deutlich kleiner aus als im Südstau. Bei den Mengen gehen sie aber weit auseinander, und das ist drei Tage vor dem Ereignis bei einem Italientief nicht ungewöhnlich: Liegt der Kern des Tiefs ein paar hundert Kilometer weiter östlich über der Adria, bleibt der Stau an den Karnischen Alpen deutlich schwächer.

Niederschlagssumme in Liter pro m²

LienzOsttirol
ECMWF-IFS-ENS 50 Läuferund 70Hauptlauf 85
ECMWF-AIFS-ENS 50 Läuferund 55Hauptlauf 40
ICON-CH2-EPS 20 Läuferund 60Hauptlauf 90
GEFS 30 Läuferund 40Hauptlauf 70
ICON-EU-EPS 40 Läuferund 30Hauptlauf 25
Dellach im DrautalOberkärnten
ECMWF-IFS-ENS 50 Läuferund 80Hauptlauf 125
ECMWF-AIFS-ENS 50 Läuferund 45Hauptlauf 40
ICON-CH2-EPS 20 Läuferund 115Hauptlauf 150
GEFS 30 Läuferund 70Hauptlauf 70
ICON-EU-EPS 40 Läuferund 45Hauptlauf 45
MallnitzMölltal, Hohe Tauern
ECMWF-IFS-ENS 50 Läuferund 50Hauptlauf 60
ECMWF-AIFS-ENS 50 Läuferund 35Hauptlauf 25
ICON-CH2-EPS 20 Läuferund 60Hauptlauf 95
GEFS 30 Läuferund 35Hauptlauf 45
ICON-EU-EPS 40 Läuferund 25Hauptlauf 35
KlagenfurtUnterkärnten
ECMWF-IFS-ENS 50 Läuferund 35Hauptlauf 35
ECMWF-AIFS-ENS 50 Läuferund 35Hauptlauf 25
ICON-CH2-EPS 20 Läuferund 25Hauptlauf 30
GEFS 30 Läuferund 30Hauptlauf 35
ICON-EU-EPS 40 Läuferund 15Hauptlauf 10

Balken: Mittelwert aller Läufe des jeweiligen Ensembles, Summe von Mittwoch, 21. Oktober, bis Donnerstag, 22. Oktober 2026, gerundet. Die kleine Zahl darunter ist der Hauptlauf des Modells am selben Gitterpunkt: IFS HRES vom Sonntag, 00 UTC, AIFS vom Sonntag, 00 UTC, ICON-CH2 (Kontrolllauf) vom Sonntag, 06 UTC, GFS vom Sonntag, 00 UTC, ICON-EU vom Sonntag, 06 UTC. Läufe der Ensembles: ECMWF-IFS-ENS vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC; ECMWF-AIFS-ENS (KI-Ensemble) vom Sonntag, 00 UTC; ICON-CH2-EPS (MeteoSchweiz, 20 Läufe und Kontrolllauf) vom Sonntag, 06 UTC; ICON-EU-EPS vom Sonntag, 06 UTC; GEFS für Lienz, Mallnitz und Klagenfurt vom Samstag, 18 UTC, für Dellach im Drautal vom Sonntag, 00 UTC. Die Spannweite der einzelnen Läufe ist groß: Im europäischen Ensemble reichen die Summen für Dellach im Drautal von rund 40 bis über 200 Liter pro Quadratmeter, im KI-Ensemble für Lienz von 20 bis 100 Liter, im Schweizer Ensemble für Lienz von 18 bis 112 Liter, im deutschen Ensemble für Lienz von 5 bis 85 Liter.

Die Hauptläufe zeigen, wie beweglich die Lage drei Tage vor dem Ereignis noch ist. Der Hauptlauf des europäischen IFS vom Sonntag, 00 UTC, ist der nasseste (erste Karte oben): An den Karnischen Alpen und im Gailtal berechnet er 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter, im übrigen Osttirol und im oberen Drautal 50 bis 80 Liter. Das hochauflösende ICON-CH2 des Schweizer Wetterdienstes hat von 00 auf 06 UTC noch zugelegt, wie der Vergleich der beiden Karten zeigt, und kommt bis Donnerstagnachmittag auf 50 bis 65 Liter in Osttirol, 80 bis 105 Liter im oberen Drautal und im Gailtal und 100 bis 150 Liter an den Karnischen Alpen. Das KI-Modell AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage und das amerikanische GFS berechnen in ihren Hauptläufen vom Sonntag, 00 UTC, eine ähnliche Verteilung mit dem Maximum an den Karnischen Alpen und im oberen Drautal, aber kleinere Mengen (GFS-Karte oben). Am zurückhaltendsten ist das mittelfristige ICON-Modell des Deutschen Wetterdienstes: Sein Hauptlauf hatte für Lienz am Samstagabend rund 45 Liter berechnet, am Sonntag um 00 UTC nur mehr 14 und um 06 UTC wieder rund 25 Liter; abseits der Staulagen an den Karnischen Alpen bleibt er bei 10 bis 20 Litern.

Solche Sprünge von Lauf zu Lauf sind bei einem Italientief normal, weil schon die Lage des Tiefkerns über die Stärke des Staus entscheidet. Deshalb stützen wir uns bei den Mengen auf die Ensembles, die diese Bandbreite abbilden: Das deutsche Ensemble etwa liegt für Lienz und Mallnitz trotz des springenden Hauptlaufs stabil bei 25 bis 30 Litern, einzelne Läufe kommen auf über 80. Dass es komplett trocken bleibt, rechnet derzeit kein einziges Modell und kein einziger Ensemble-Lauf: Alle 190 Läufe der fünf Ensembles bringen zumindest etwas Niederschlag nach Osttirol und Oberkärnten. Und selbst wenn die Mengen entgegen dem Großteil der Berechnungen eher gering ausfallen sollten, wird jeder Tropfen von der Natur dringend gebraucht.

Im Südwesten Österreichs bleibt kein einziger Lauf des amerikanischen Ensembles trocken

Für Dellach im Drautal, das im oberen Drautal zwischen Lienzer Dolomiten und Kreuzeckgruppe liegt und bei Südstaulagen zu den niederschlagsreichsten Orten Kärntens gehört, zeigt das amerikanische Ensemble GEFS vom Sonntag, 00 UTC, ein eindeutiges Bild. Alle 30 Läufe und der Kontrolllauf bringen zwischen Mittwochmittag und Donnerstagvormittag Niederschlag, die Summen reichen bis Freitag von rund 25 bis über 110 Liter pro Quadratmeter. Das Mittel der Läufe liegt bei rund 70 Litern, der Kontrolllauf ebenfalls. Danach bleibt es nach den meisten Läufen bis zum Wochenende weitgehend trocken, einzelne Läufe berechnen aber bereits ab dem 23. Oktober ein weiteres Tiefdruckgebiet.

Ensemble-Diagramm des Modells GEFS für Dellach im Drautal, Niederschlagssumme seit Laufbeginn, Lauf vom 18. Oktober 2026, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf: Bis zum 21. Oktober bleiben alle Kurven bei null, zwischen dem 21. und 22. Oktober steigen sie steil an und erreichen bis 23. Oktober Werte zwischen rund 25 und über 110 Litern pro Quadratmeter, das Ensemble-Mittel liegt bei rund 70 Litern, der Kontrolllauf ebenfalls. Danach verlaufen die meisten Kurven flach, einzelne steigen ab dem 25. Oktober weiter an.
Die Ensemble-Prognose des amerikanischen Modells GEFS für Dellach im Drautal (Lauf vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf) zeigt die Niederschlagssumme der kommenden acht Tage. Alle Läufe bringen zwischen dem 21. und dem 22. Oktober Niederschlag, das Mittel der Läufe liegt bei rund 70 Litern pro Quadratmeter, die Spanne reicht von rund 25 bis über 110 Liter.

Im Nordosten Österreichs bleiben die Niederschlagsmengen vorerst gering

Ganz anders sieht es im Nordosten aus. Für Wien zeigt dasselbe Ensemble am Mittwoch und Donnerstag zwar ebenfalls bei fast allen Läufen etwas Regen, die Mengen bleiben aber klein. Das Mittel der Läufe liegt bis zum Wochenende bei rund 10 Litern pro Quadratmeter, der Kontrolllauf bei 7 Litern, nur einzelne Läufe kommen auf 20 bis 27 Liter. Für die ausgetrockneten Böden im Osten ist das zwar besser als nichts, das Niederschlagsdefizit des Oktobers bleibt damit aber bestehen.

Ensemble-Diagramm des Modells GEFS für Wien, Niederschlagssumme seit Laufbeginn, Lauf vom 18. Oktober 2026, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf: Bis zum 21. Oktober bleiben fast alle Kurven bei null, am 22. Oktober steigen sie auf Werte zwischen 1 und 15 Litern pro Quadratmeter, einzelne Läufe auf 20 bis 27 Liter. Das Ensemble-Mittel erreicht bis 26. Oktober rund 10 Liter, der Kontrolllauf 7 Liter.
Die Ensemble-Prognose des Modells GEFS für Wien (Lauf vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf): Am 22. Oktober fällt in fast allen Läufen etwas Regen, die Mengen bleiben aber mit einem Mittel von rund 10 Litern pro Quadratmeter bis zum Wochenende klein. Nur einzelne Läufe kommen auf 20 bis 27 Liter.

Die Schneefallgrenze könnte im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinken

Der Großteil des Niederschlags fällt am Mittwoch noch als Regen bis weit hinauf. Die Temperatur in 850 Hektopascal, also in rund 1500 Metern Höhe, liegt am Mittwochnachmittag nach dem europäischen Modell noch bei 7 bis 9 Grad. In der Nacht auf Donnerstag fließt dann von Norden her kühlere Luft ein, und die Schneefallgrenze sinkt mit dem Rest des Niederschlags ab. Nach dem Ensemble des GEFS für den Gitterpunkt Dellach im Drautal geht die 850-Hektopascal-Temperatur kurz vor dem Abklingen des Niederschlags auf knapp unter null Grad zurück. Das Diagramm beschreibt die Luftmasse über dem Südwesten, nicht den Ort selbst: In Dellach im Drautal auf 610 Metern Seehöhe bleibt es bei Regen. Im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern könnte der Niederschlag gegen Ende aber in Schneeregen oder Schneefall übergehen.

Ob das tatsächlich passiert, ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Kommt die Kaltluft etwas später, ist der Niederschlag schon vorbei, bevor es kalt genug wird. Kommt sie früher oder fällt der Niederschlag kräftiger, kann die Schneefallgrenze durch die Schmelzabkühlung in engen Tälern auch tiefer sinken als berechnet. Für einen ersten kleinen Wintereinbruch im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern reicht es nach dem heutigen Stand nur bei einem Teil der Läufe.

Ensemble-Diagramm des Modells GEFS für Dellach im Drautal, Temperatur in 850 Hektopascal und Niederschlag je sechs Stunden, Lauf vom 18. Oktober 2026, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf: Die Temperatur in 850 Hektopascal steigt bis zum 21. Oktober mittags auf rund 9 Grad und sinkt dann bis zum 22. Oktober rasch auf Werte um 1 Grad, der Kontrolllauf und mehrere Läufe gehen am 22. und 23. Oktober auf knapp unter null Grad zurück, danach wird es wieder milder. Der Niederschlag setzt am 21. Oktober ein, der Kontrolllauf erreicht am Abend über 30 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden, das Mittel rund 22 Liter, am 22. Oktober fallen bei sinkender Temperatur noch kleinere Mengen.
Die Temperatur in 850 Hektopascal, also in rund 1500 Metern Höhe, und der Niederschlag je sechs Stunden nach dem Ensemble des GEFS für Dellach im Drautal (Lauf vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC, 30 Läufe und Kontrolllauf). Der Hauptteil des Niederschlags fällt am Mittwochnachmittag und -abend noch bei 5 bis 9 Grad in 1500 Metern, also als Regen. In der Nacht auf Donnerstag sinkt die Temperatur rasch, der Kontrolllauf und mehrere Läufe gehen kurz vor dem Abklingen des Niederschlags auf knapp unter null Grad zurück. Das Diagramm beschreibt die Luftmasse in 1.500 Metern Höhe über dem Südwesten, im Tal selbst fällt Regen. Ob die Schneefallgrenze damit bis ins Mittelgebirge und in einzelne höher gelegene Täler sinkt, hängt davon ab, wie viel Niederschlag dann noch fällt.

Ob sich Ende Oktober die Grundwetterlage nachhaltig umstellt, ist weiter offen

Interessant ist, was nach dem Italientief kommt. Ob es danach wieder für längere Zeit trocken bleibt oder ob sich mittelfristig ein Ende der großen Trockenheit abzeichnet, lässt sich noch nicht sagen. Derzeit nehmen in den Ensembles die Niederschlagssignale auch für die letzten sieben bis acht Oktobertage zu, in mehreren Läufen folgt zwischen dem 25. und dem 30. Oktober ein weiteres Tief über dem Mittelmeer. Die Streuung ist in diesem Zeitraum aber so groß, dass daraus noch keine Prognose abgeleitet werden kann. Eine grundlegende Umstellung der Wetterlage bis Ende Oktober ist zumindest denkbar, mehr aber auch nicht.

Es bleibt zu hoffen, dass es im letzten Oktoberdrittel auch abseits des äußersten Westens Österreichs zu etwas mehr Niederschlag kommt. Für die Natur wären die Mengen, die die Modelle derzeit für Mittwoch und Donnerstag berechnen, in jedem Fall gut. Das europäische IFS und das Schweizer ICON-CH2 rechnen stellenweise auch mit über 100 Litern pro Quadratmeter. Das Risiko von Hochwasser, Überschwemmungen und Muren bleibt aus heutiger Sicht vorerst aber gering: Größere Regenmengen sind zwar durchaus nicht ausgeschlossen, es sieht derzeit aber nicht danach aus, als würden extreme Regenmengen bevorstehen. Eine Einschränkung gehört dazu: Kleinräumige Muren lassen sich bei einem Italientief erst sehr kurzfristig sicher ausschließen, auch wenn sie sich derzeit nicht abzeichnen. Ob sich das Bild im November aufgrund der rekordwarmen Meere ändert, bleibt abzuwarten.

So geht es in den kommenden Tagen weiter

Am Montag und Dienstag bleibt es in Österreich noch weitgehend trocken, die Temperaturen gehen aber stellenweise bereits leicht zurück. Am Mittwoch setzt von Südwesten her Regen ein, der Schwerpunkt liegt am Mittwochnachmittag und in der Nacht auf Donnerstag in Osttirol und Oberkärnten, am Donnerstag klingt der Niederschlag ab. Wie groß die Mengen werden und ob die Schneefallgrenze im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinkt, entscheidet sich erst in den kommenden Modellläufen. Die Entwicklung lässt sich laufend auf unserer Modellseite, in den Ensemble-Prognosen und bei den Meteogrammen verfolgen.

Lizenzen

Folgende Rohdaten wurden bezogen unter CC BY 4.0:

Messwerte (Oktobersummen Wien Hohe Warte und Lienz): GeoSphere Austria klima-v2-1d, Niederschlagssummen 1. bis 17. Oktober 2026, vorläufige Werte

Niederschlagsabweichung 1. Jänner bis 16. Oktober 2026 (Karte): GeoSphere Austria SPARTACUS v3, Tagesanalyse auf 1 km, Abweichung vom Mittel 1991–2020, aufbereitet von tauernwetter.at

Normalwerte 1991–2020 (Oktobermittel Wien Hohe Warte und Lienz): GeoSphere Austria klima-v2-1m, homogenisierte Monatswerte, aufbereitet von tauernwetter.at

Ensemble-Werte Lienz, Dellach im Drautal, Mallnitz und Klagenfurt (Grafik, Text): ECMWF IFS-ENS Open Data, Lauf 17. Oktober 2026, 18 UTC; Hauptlauf IFS (Text): ECMWF IFS Open Data, Lauf 18. Oktober 2026, 00 UTC

Niederschlagskarte AIFS: ECMWF AIFS Single Open Data, Lauf 18. Oktober 2026, 00 UTC

Niederschlagskarte ICON-CH2: MeteoSchweiz Open Data, Lauf 18. Oktober 2026, 00 UTC

Weitere Rohdaten: Niederschlagskarte GFS sowie Ensemble-Diagramme Dellach im Drautal und Wien: NOAA GFS und GEFS (Lauf 18. Oktober 2026, 00 UTC), GEFS-Werte Lienz, Mallnitz und Klagenfurt (Grafik) aus dem Lauf 17. Oktober 2026, 18 UTC; Ensemble-Werte ICON-EU-EPS (Grafik, Text) und ICON-EU Hauptlauf (Text): Deutscher Wetterdienst Open Data

Titelbild: Symbolbild, erstellt mit künstlicher Intelligenz.

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