Italientief am Mittwoch? Erste Chance auf größeren Niederschlag seit Wochen in Südösterreich
Seit Wochen wartet der Großteil Österreichs auf nennenswerten Regen, und in der ersten Oktoberhälfte ist im Osten und Süden nur ein Bruchteil der üblichen Menge gefallen. Nun zeichnet sich zum ersten Mal seit Langem eine Chance auf größere Niederschläge ab: Am Mittwoch, 21. Oktober, und am Donnerstag, 22. Oktober, dürfte sich über dem Mittelmeer ein Italientief bilden, das vor allem dem Süden Österreichs Regen bringt. Nach den aktuellen Modellrechnungen liegt der Schwerpunkt in Osttirol und Oberkärnten. Wie viel Niederschlag tatsächlich fällt, ist aber noch offen, und in der Nacht auf Donnerstag könnte der Regen in einzelnen höher gelegenen Tälern in Schneeregen oder Schneefall übergehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Mittwoch und Donnerstag ist ein Italientief mittlerweile relativ wahrscheinlich. Alle 190 Läufe der fünf Ensemble-Systeme ECMWF-IFS, ECMWF-AIFS, ICON-CH2-EPS, GEFS und ICON-EU-EPS berechnen für den Süden Österreichs zwischen Mittwochmittag und Donnerstagfrüh Niederschlag, kein einziger Lauf bleibt trocken.
- Der Schwerpunkt dürfte in Osttirol und Oberkärnten liegen. Das Tief dürfte feuchte Luft von Süden her gegen die Alpen schaufeln, an den Karnischen Alpen und am Alpenhauptkamm staut sie sich und regnet ab. Im Nordosten kommt davon nach allen Modellen nur wenig an.
- Wie viel Regen kommt, ist noch unsicher. Das europäische Ensemble rechnet für Lienz und Dellach im Drautal im Mittel mit 70 bis 80 Litern pro Quadratmeter, das Schweizer ICON-CH2-EPS mit 60 bis 115 Litern, das KI-Ensemble AIFS mit 45 bis 55 Litern, das amerikanische mit 40 bis 70 Litern und das deutsche nur mit 30 bis 45 Litern.
- In der Nacht auf Donnerstag könnte die Schneefallgrenze im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinken. Kurz vor dem Abklingen des Niederschlags sinkt die Temperatur in 850 Hektopascal nach dem Ensemble des GEFS auf knapp unter null Grad. Ob es tatsächlich für den ersten kleinen Wintereinbruch im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern reicht, lässt sich noch nicht sicher sagen.
- Eine verlässliche Prognose über Mittwoch und Donnerstag hinaus ist noch nicht möglich. In den Ensembles nehmen die Niederschlagssignale auch für die letzten sieben bis acht Oktobertage zu, eine grundlegende Umstellung der Wetterlage bis Ende Oktober ist also zumindest denkbar.
Seit Wochen fehlt in weiten Teilen Österreichs der Regen, und im Jahr 2026 fehlt stellenweise die Regenmenge eines halben Jahres
Der Oktober 2026 ist bisher einer der trockensten der jüngeren Vergangenheit. Wie wir am 12. Oktober berichtet haben, waren an der Wetterstation Wien Hohe Warte bis dahin erst 0,3 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Eisenstadt und Lienz ein bis zwei Prozent der im Oktober üblichen Menge. Daran hat sich in der vergangenen Woche wenig geändert: Bis einschließlich Samstag, 17. Oktober, sind in Wien Hohe Warte 0,7 Liter pro Quadratmeter zusammengekommen, in Lienz 2,9 Liter. Das sind nach 17 Tagen rund ein beziehungsweise drei Prozent der im Oktober üblichen Menge. Die kräftigen Störungen vom Atlantik blieben dem Alpenraum fern, und das Hoch über Mitteleuropa hielt stand. Nur im äußersten Westen Österreichs hat es im Oktober bereits ergiebig geregnet. Vor allem im Norden und Osten Österreichs fehlt im Jahr 2026 stellenweise die Regenmenge eines halben Jahres: Wie wir Ende September berichtet haben, ist dort seit Jahresbeginn an manchen Stationen weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags gefallen.
Das Blockadehoch, das seit Ende September das Wetter in Österreich bestimmt, beginnt nun aber zu bröckeln. Von Norden her gelangt in der neuen Woche kühlere Luft in den Alpenraum und weiter bis zum Mittelmeer. Genau diese Konstellation ist die typische Ausgangslage für ein Italientief. Schon am 12. Oktober haben wir angedeutet, dass ein Italientief im letzten Oktoberdrittel nicht ausgeschlossen werden kann. Nach den aktuellen Modellrechnungen dürfte nun tatsächlich eines wetterwirksam werden.
Am Mittwoch und Donnerstag dürfte sich über dem Mittelmeer ein Tief bilden
Trifft die kühle Luft aus Norden auf das noch sehr warme Mittelmeer, entsteht über Oberitalien oder dem Golf von Genua häufig ein eigenständiges Tief. An seiner Vorderseite wird feuchte Mittelmeerluft von Süden gegen die Alpen geführt und staut sich an den Karnischen Alpen, den Karawanken und am Alpenhauptkamm. Für Osttirol und Oberkärnten ist das die Wetterlage, die den größten Teil des Jahresniederschlags bringt. Nach den aktuellen Berechnungen setzt der Regen am Mittwoch, 21. Oktober, gegen Mittag ein, erreicht am Nachmittag und Abend seinen Höhepunkt und klingt in der Nacht auf Donnerstag und am Donnerstagvormittag von Westen her ab. Die folgenden Karten zeigen die bis Donnerstag aufsummierten Niederschlagsmengen nach dem Hauptlauf des europäischen IFS und nach dem Schweizer ICON-CH2, dort lässt sich zwischen dem Lauf von 06 UTC und jenem von 00 UTC wechseln, sowie die 24-Stunden-Summe des amerikanischen GFS.
Wischen oder Pfeile: Lauf 06 UTC und Lauf 00 UTC im Vergleich
Die Modelle sind sich beim Ereignis einig, bei den Mengen aber nicht
Dass es am Mittwoch und Donnerstag im Süden regnet, berechnen alle großen Modelle. Das europäische Ensemble ECMWF-IFS mit 50 Läufen, das KI-Ensemble ECMWF-AIFS mit ebenfalls 50 Läufen, das Schweizer ICON-CH2-EPS mit 20 Läufen, das amerikanische GEFS mit 30 Läufen und das deutsche ICON-EU-EPS mit 40 Läufen bringen für Lienz, Dellach im Drautal, Mallnitz und Klagenfurt ausnahmslos Niederschlag in diesem Zeitfenster. In Klagenfurt fallen die Mengen mit Mitteln von 15 bis 35 Litern pro Quadratmeter deutlich kleiner aus als im Südstau. Bei den Mengen gehen sie aber weit auseinander, und das ist drei Tage vor dem Ereignis bei einem Italientief nicht ungewöhnlich: Liegt der Kern des Tiefs ein paar hundert Kilometer weiter östlich über der Adria, bleibt der Stau an den Karnischen Alpen deutlich schwächer.
Niederschlagssumme in Liter pro m²
Balken: Mittelwert aller Läufe des jeweiligen Ensembles, Summe von Mittwoch, 21. Oktober, bis Donnerstag, 22. Oktober 2026, gerundet. Die kleine Zahl darunter ist der Hauptlauf des Modells am selben Gitterpunkt: IFS HRES vom Sonntag, 00 UTC, AIFS vom Sonntag, 00 UTC, ICON-CH2 (Kontrolllauf) vom Sonntag, 06 UTC, GFS vom Sonntag, 00 UTC, ICON-EU vom Sonntag, 06 UTC. Läufe der Ensembles: ECMWF-IFS-ENS vom Sonntag, 18. Oktober, 00 UTC; ECMWF-AIFS-ENS (KI-Ensemble) vom Sonntag, 00 UTC; ICON-CH2-EPS (MeteoSchweiz, 20 Läufe und Kontrolllauf) vom Sonntag, 06 UTC; ICON-EU-EPS vom Sonntag, 06 UTC; GEFS für Lienz, Mallnitz und Klagenfurt vom Samstag, 18 UTC, für Dellach im Drautal vom Sonntag, 00 UTC. Die Spannweite der einzelnen Läufe ist groß: Im europäischen Ensemble reichen die Summen für Dellach im Drautal von rund 40 bis über 200 Liter pro Quadratmeter, im KI-Ensemble für Lienz von 20 bis 100 Liter, im Schweizer Ensemble für Lienz von 18 bis 112 Liter, im deutschen Ensemble für Lienz von 5 bis 85 Liter.
Die Hauptläufe zeigen, wie beweglich die Lage drei Tage vor dem Ereignis noch ist. Der Hauptlauf des europäischen IFS vom Sonntag, 00 UTC, ist der nasseste (erste Karte oben): An den Karnischen Alpen und im Gailtal berechnet er 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter, im übrigen Osttirol und im oberen Drautal 50 bis 80 Liter. Das hochauflösende ICON-CH2 des Schweizer Wetterdienstes hat von 00 auf 06 UTC noch zugelegt, wie der Vergleich der beiden Karten zeigt, und kommt bis Donnerstagnachmittag auf 50 bis 65 Liter in Osttirol, 80 bis 105 Liter im oberen Drautal und im Gailtal und 100 bis 150 Liter an den Karnischen Alpen. Das KI-Modell AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage und das amerikanische GFS berechnen in ihren Hauptläufen vom Sonntag, 00 UTC, eine ähnliche Verteilung mit dem Maximum an den Karnischen Alpen und im oberen Drautal, aber kleinere Mengen (GFS-Karte oben). Am zurückhaltendsten ist das mittelfristige ICON-Modell des Deutschen Wetterdienstes: Sein Hauptlauf hatte für Lienz am Samstagabend rund 45 Liter berechnet, am Sonntag um 00 UTC nur mehr 14 und um 06 UTC wieder rund 25 Liter; abseits der Staulagen an den Karnischen Alpen bleibt er bei 10 bis 20 Litern.
Solche Sprünge von Lauf zu Lauf sind bei einem Italientief normal, weil schon die Lage des Tiefkerns über die Stärke des Staus entscheidet. Deshalb stützen wir uns bei den Mengen auf die Ensembles, die diese Bandbreite abbilden: Das deutsche Ensemble etwa liegt für Lienz und Mallnitz trotz des springenden Hauptlaufs stabil bei 25 bis 30 Litern, einzelne Läufe kommen auf über 80. Dass es komplett trocken bleibt, rechnet derzeit kein einziges Modell und kein einziger Ensemble-Lauf: Alle 190 Läufe der fünf Ensembles bringen zumindest etwas Niederschlag nach Osttirol und Oberkärnten. Und selbst wenn die Mengen entgegen dem Großteil der Berechnungen eher gering ausfallen sollten, wird jeder Tropfen von der Natur dringend gebraucht.
Im Südwesten Österreichs bleibt kein einziger Lauf des amerikanischen Ensembles trocken
Für Dellach im Drautal, das im oberen Drautal zwischen Lienzer Dolomiten und Kreuzeckgruppe liegt und bei Südstaulagen zu den niederschlagsreichsten Orten Kärntens gehört, zeigt das amerikanische Ensemble GEFS vom Sonntag, 00 UTC, ein eindeutiges Bild. Alle 30 Läufe und der Kontrolllauf bringen zwischen Mittwochmittag und Donnerstagvormittag Niederschlag, die Summen reichen bis Freitag von rund 25 bis über 110 Liter pro Quadratmeter. Das Mittel der Läufe liegt bei rund 70 Litern, der Kontrolllauf ebenfalls. Danach bleibt es nach den meisten Läufen bis zum Wochenende weitgehend trocken, einzelne Läufe berechnen aber bereits ab dem 23. Oktober ein weiteres Tiefdruckgebiet.
Im Nordosten Österreichs bleiben die Niederschlagsmengen vorerst gering
Ganz anders sieht es im Nordosten aus. Für Wien zeigt dasselbe Ensemble am Mittwoch und Donnerstag zwar ebenfalls bei fast allen Läufen etwas Regen, die Mengen bleiben aber klein. Das Mittel der Läufe liegt bis zum Wochenende bei rund 10 Litern pro Quadratmeter, der Kontrolllauf bei 7 Litern, nur einzelne Läufe kommen auf 20 bis 27 Liter. Für die ausgetrockneten Böden im Osten ist das zwar besser als nichts, das Niederschlagsdefizit des Oktobers bleibt damit aber bestehen.
Die Schneefallgrenze könnte im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinken
Der Großteil des Niederschlags fällt am Mittwoch noch als Regen bis weit hinauf. Die Temperatur in 850 Hektopascal, also in rund 1500 Metern Höhe, liegt am Mittwochnachmittag nach dem europäischen Modell noch bei 7 bis 9 Grad. In der Nacht auf Donnerstag fließt dann von Norden her kühlere Luft ein, und die Schneefallgrenze sinkt mit dem Rest des Niederschlags ab. Nach dem Ensemble des GEFS für den Gitterpunkt Dellach im Drautal geht die 850-Hektopascal-Temperatur kurz vor dem Abklingen des Niederschlags auf knapp unter null Grad zurück. Das Diagramm beschreibt die Luftmasse über dem Südwesten, nicht den Ort selbst: In Dellach im Drautal auf 610 Metern Seehöhe bleibt es bei Regen. Im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern könnte der Niederschlag gegen Ende aber in Schneeregen oder Schneefall übergehen.
Ob das tatsächlich passiert, ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Kommt die Kaltluft etwas später, ist der Niederschlag schon vorbei, bevor es kalt genug wird. Kommt sie früher oder fällt der Niederschlag kräftiger, kann die Schneefallgrenze durch die Schmelzabkühlung in engen Tälern auch tiefer sinken als berechnet. Für einen ersten kleinen Wintereinbruch im Mittelgebirge und in einzelnen höher gelegenen Tälern reicht es nach dem heutigen Stand nur bei einem Teil der Läufe.
Ob sich Ende Oktober die Grundwetterlage nachhaltig umstellt, ist weiter offen
Interessant ist, was nach dem Italientief kommt. Ob es danach wieder für längere Zeit trocken bleibt oder ob sich mittelfristig ein Ende der großen Trockenheit abzeichnet, lässt sich noch nicht sagen. Derzeit nehmen in den Ensembles die Niederschlagssignale auch für die letzten sieben bis acht Oktobertage zu, in mehreren Läufen folgt zwischen dem 25. und dem 30. Oktober ein weiteres Tief über dem Mittelmeer. Die Streuung ist in diesem Zeitraum aber so groß, dass daraus noch keine Prognose abgeleitet werden kann. Eine grundlegende Umstellung der Wetterlage bis Ende Oktober ist zumindest denkbar, mehr aber auch nicht.
Es bleibt zu hoffen, dass es im letzten Oktoberdrittel auch abseits des äußersten Westens Österreichs zu etwas mehr Niederschlag kommt. Für die Natur wären die Mengen, die die Modelle derzeit für Mittwoch und Donnerstag berechnen, in jedem Fall gut. Das europäische IFS und das Schweizer ICON-CH2 rechnen stellenweise auch mit über 100 Litern pro Quadratmeter. Das Risiko von Hochwasser, Überschwemmungen und Muren bleibt aus heutiger Sicht vorerst aber gering: Größere Regenmengen sind zwar durchaus nicht ausgeschlossen, es sieht derzeit aber nicht danach aus, als würden extreme Regenmengen bevorstehen. Eine Einschränkung gehört dazu: Kleinräumige Muren lassen sich bei einem Italientief erst sehr kurzfristig sicher ausschließen, auch wenn sie sich derzeit nicht abzeichnen. Ob sich das Bild im November aufgrund der rekordwarmen Meere ändert, bleibt abzuwarten.
So geht es in den kommenden Tagen weiter
Am Montag und Dienstag bleibt es in Österreich noch weitgehend trocken, die Temperaturen gehen aber stellenweise bereits leicht zurück. Am Mittwoch setzt von Südwesten her Regen ein, der Schwerpunkt liegt am Mittwochnachmittag und in der Nacht auf Donnerstag in Osttirol und Oberkärnten, am Donnerstag klingt der Niederschlag ab. Wie groß die Mengen werden und ob die Schneefallgrenze im Südwesten bis ins Mittelgebirge sinkt, entscheidet sich erst in den kommenden Modellläufen. Die Entwicklung lässt sich laufend auf unserer Modellseite, in den Ensemble-Prognosen und bei den Meteogrammen verfolgen.

