NIEDERSCHLAG

Italientief bringt dem Süden Österreichs bis zu 120 Liter Regen in 48 Stunden

| Mag. David Kaufmann | Mallnitz, Kärnten
Karte Österreichs mit der INCA-Niederschlagssumme der letzten 48 Stunden bis Freitag, 11. September, 4 Uhr: Kärnten und Osttirol in Orange bis Violett mit 40 bis über 100 Litern pro Quadratmeter, das übrige Österreich in Blau und Grün mit wenigen Litern pro Quadratmeter.
Die Karte zeigt die Niederschlagssumme der letzten 48 Stunden bis Freitag, 11. September, 4 Uhr, nach der INCA-Analyse auf 1 Kilometer Auflösung. Die Kreise zeigen die gemessenen Summen der Stationen. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

Ein Italientief hat Kärnten und Osttirol in den vergangenen 48 Stunden die ergiebigsten Regenfälle seit Monaten gebracht. Zwischen Mittwochfrüh und Freitagfrüh fielen im ganzen Land verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter, entlang der Karawanken und der Karnischen Alpen sowie vom Klagenfurter Becken über das Jauntal bis ins Lavanttal flächendeckend 80 bis 120 Liter. Am Paulitschsattel sind bereits 112 Liter gefallen, im Bodental 100 Liter. Nach dem Februar und dem Juni ist es erst das dritte Italientief in diesem Jahr, das dem Süden Österreichs nennenswerten Niederschlag gebracht hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • 48-Stunden-Mengen: In Kärnten und Osttirol fielen in 48 Stunden verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter. Entlang der Karawanken und der Karnischen Alpen sowie vom Klagenfurter Becken über das Jauntal bis ins Lavanttal waren es 80 bis 120 Liter.
  • Höchste Stationswerte: Die größte Menge meldete der Paulitschsattel mit 112 Litern, das Bodental kam auf 100 Liter. Dahinter folgen Bad Eisenkappel mit 82 Litern, Ferlach mit 78 Litern und Feldkirchen mit 76 Litern.
  • Niederschlag seit dem 1. September: In Völkermarkt sind seit Monatsbeginn 96 Liter gefallen, in Klagenfurt 93 Liter. Für Klagenfurt entspricht das rund 90 Prozent der üblichen Menge eines ganzen Septembers.
  • Ausblick bis zum 25. September: Der GFS-Lauf von Donnerstagabend rechnet besonders für den Süden Österreichs mit weiteren 50 bis 80 Litern, der neueste Lauf verlagert den Schwerpunkt nach Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg und Osttirol. Der September dürfte im Süden in beiden Fällen etwas mehr Niederschlag als üblich bringen.
  • Die nächsten Tage: Das Wetter wird zunehmend sonnig und wärmer. In der Früh wird es aber empfindlich kalt, in höher gelegenen Tälern und im Gurktal sinken die Temperaturen auf bis zu 2 Grad.

Wo in den letzten 48 Stunden am meisten Regen fiel

Das Tief zog von Oberitalien über die Adria nach Osten und schaufelte dabei feuchte Mittelmeerluft an die Alpensüdseite. Diese Anströmung aus Süden bis Südosten hat in Kärnten eine klare Verteilung hinterlassen: Die größten Mengen gab es dort, wo die Luft zuerst auf die Berge trifft, an den Karawanken, in den Karnischen Alpen und im Klagenfurter Becken. Nach Norden hin, im Bereich der Hohen Tauern und der Nockberge, nahm der Regen schrittweise ab. In Mallnitz fielen 45 Liter und in Kals 40 Liter, entlang der Karawanken fiel dagegen mehr als das Doppelte.

Die INCA-Analyse von GeoSphere Austria, die Radar, Stationen und Gelände auf einem Kilometer Auflösung verbindet, zeigt Spitzen von 120 Litern pro Quadratmeter im Bereich der Karawanken. Der meiste Niederschlag fiel entlang der Karawanken: Am Paulitschsattel und im Bodental, zwei Stationen des Hydrographischen Dienstes Kärnten, sind bis Freitag, 7 Uhr, bereits 112 beziehungsweise 100 Liter pro Quadratmeter gefallen, und 10 bis 15 Liter kommen dort heute noch dazu. Im TAWES-Stationsnetz von GeoSphere Austria führt Bad Eisenkappel mit 82 Litern, gefolgt von Ferlach mit 78 und Feldkirchen mit 76 Litern.

Karte von Kärnten und Osttirol mit der INCA-Niederschlagssumme der letzten 48 Stunden: Entlang der Karawanken und der Karnischen Alpen sowie vom Klagenfurter Becken über das Jauntal bis ins Lavanttal violett eingefärbte Flächen mit 80 bis 120 Litern pro Quadratmeter, im Bereich der Tauern Gelb und Orange mit 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter. Weiße Kreise zeigen Stationssummen wie 82 in Bad Eisenkappel und 78 in Ferlach.
Die Karte zeigt die Regenmengen der letzten 48 Stunden in Kärnten und Osttirol bis Freitag, 4 Uhr. Am meisten fiel entlang der Karawanken und der Karnischen Alpen sowie vom Klagenfurter Becken über das Jauntal bis ins Lavanttal, im Bereich der Tauern wurden die Mengen kleiner. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

Österreichweit zeigt sich, dass viele Landesteile kaum Niederschlag abbekommen haben. Nur sehr wenig geregnet hat es im Mühlviertel und im Waldviertel, im oberösterreichischen Zentralraum sowie in Wien und im Weinviertel, dort kamen in den 48 Stunden meist unter 10 Liter pro Quadratmeter zusammen. In Wien und Linz fielen je 8 Liter. Entlang der Alpennordseite waren es etwas mehr, in Salzburg und Innsbruck 21 Liter, in Bregenz 20 Liter und in St. Pölten 29 Liter. Selbst Graz kam nur auf 35 Liter. Bei einem Italientief strömt die feuchte Luft von Süden an die Alpensüdseite, staut sich an den Karnischen Alpen und Karawanken und bringt dort sehr ergiebige Niederschläge. Nördlich des Alpenhauptkamms kommt davon nur wenig an, dort liegen die Niederschlagsschwerpunkte bei Nordwest- und Nordlagen.

Karte Österreichs mit der INCA-Niederschlagssumme der letzten 48 Stunden bis Freitag, 11. September, 4 Uhr: Kärnten und Osttirol in Orange bis Violett mit 40 bis über 100 Litern pro Quadratmeter, das übrige Österreich in Blau und Grün mit wenigen Litern pro Quadratmeter.
Die Karte zeigt die Niederschlagssumme der letzten 48 Stunden bis Freitag, 11. September, 4 Uhr, nach der INCA-Analyse auf 1 Kilometer Auflösung. Die Kreise zeigen die gemessenen Summen der Stationen. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)
StationLetzte 48 Stunden (l/m²)Seit 1. September (l/m²)
Bad Eisenkappel8294
Ferlach7893
Feldkirchen7689
Kötschach7492
Dellach im Drautal7386
Völkermarkt7296
Arriach7177
Villach6985
Klagenfurt6793
Preitenegg6580
Weitensfeld6583
St. Veit an der Glan6479
St. Andrä im Lavanttal6281
Weißensee6185
Hermagor6174
Kornat6179
Sillian5583
Spittal an der Drau5055
Lienz4779
Mallnitz4563
Obervellach4561
St. Jakob im Defereggen4346
Kals am Großglockner4045

Die Tabelle zeigt die gemessenen Niederschlagssummen bis Freitag, 11. September, 4 Uhr. Die Werte stammen aus den 10-Minuten-Daten der Wetterstationen von GeoSphere Austria. Bei St. Andrä ist die Summe seit 1. September wegen einer Datenlücke aus der INCA-Analyse ergänzt.

Erst das dritte ergiebige Italientief des Jahres

Solche Wetterlagen waren heuer selten. Nach dem Februar und dem Juni ist dieses Tief erst das dritte Italientief 2026, das im Süden Österreichs signifikanten Niederschlag gebracht hat. In normalen Jahren liefern Italientiefs den größten Teil des Regens in Kärnten und Osttirol, vor allem im Frühjahr und im Herbst. Ihr weitgehendes Ausbleiben von März bis August hat das Niederschlagsdefizit im Süden wesentlich mitverursacht, das im wärmsten Sommer der Messgeschichte noch durch die hohe Verdunstung verschärft wurde.

Dass der Regen jetzt über zwei Tage verteilt und ohne Unwetter fiel, ist für die Böden und die Vegetation ideal. Die Mengen konnten weitgehend versickern, statt oberflächlich abzufließen.

Seit 1. September hat Klagenfurt 90 Prozent seines üblichen Monatsniederschlags erreicht

Zusammen mit den Regenfällen der ersten Septembertage summieren sich die Mengen seit Monatsbeginn in Kärnten und Osttirol bereits auf 45 bis 100 Liter pro Quadratmeter. Völkermarkt liegt bei 96 Litern und Bad Eisenkappel bei 94 Litern, Klagenfurt und Ferlach kommen auf je 93 Liter. Für Klagenfurt bedeutet das nach nur zehn Tagen rund 90 Prozent der Regenmenge, die im Klimamittel 1991 bis 2020 in einem ganzen September fällt. Auch in Osttirol, wo dieses Tief etwas weniger Niederschlag brachte, kommt Sillian auf 83 und Lienz auf 79 Liter.

Karte von Kärnten und Osttirol mit der INCA-Niederschlagssumme seit 1. September: Verbreitet 60 bis 120 Liter pro Quadratmeter, Stationskreise mit 96 in Völkermarkt, 94 in Bad Eisenkappel und je 93 in Klagenfurt und Ferlach.
Seit dem 1. September sind in Kärnten und Osttirol verbreitet 60 bis 120 Liter pro Quadratmeter zusammengekommen. Die Kreise zeigen die gemessenen Stationssummen bis Freitag, 4 Uhr. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

In den anderen Bundesländern fiel deutlich weniger Niederschlag: In Wien wurden seit Monatsbeginn 9 Liter gemessen, in Linz waren es 16 Liter, in Innsbruck 21 Liter und in Salzburg 22 Liter. Die große Trockenheit im Norden und Osten des Landes ist damit nach wie vor ein großes Problem und nicht gebrochen.

Karte Österreichs mit der INCA-Niederschlagssumme seit 1. September: Der Süden von Osttirol bis zum Lavanttal in Orange bis Violett mit 60 bis über 150 Litern pro Quadratmeter, Nord- und Ostösterreich in Blau mit 10 bis 30 Litern pro Quadratmeter.
Österreichweit fiel der Regen der ersten Septemberdekade fast ausschließlich im Süden. In Wien wurden seit Monatsbeginn 9 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Klagenfurt waren es 93 Liter pro Quadratmeter. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

Ausblick: Die Modelle lassen auf weiteren Regen hoffen

Einige Wettermodelle deuten darauf hin, dass der Süden Österreichs in der zweiten Septemberhälfte weitere ergiebigere Regenfälle erhalten könnte. Das amerikanische Modell GFS rechnete im Lauf von Donnerstagabend bis zum 25. September besonders für den Süden Österreichs mit zusätzlichen 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter. Im übrigen Österreich fällt nach dieser Berechnung deutlich weniger: Im Norden und Osten, von Oberösterreich bis Wien und ins Burgenland, sind es meist 20 bis 40 Liter, in Salzburg, Nordtirol und der Obersteiermark werden 40 bis 60 Liter erwartet.

Karte Österreichs mit der vom Modell GFS erwarteten Niederschlagssumme von 10. bis 25. September: Kärnten, Osttirol und die Obersteiermark in Orange mit 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter, die Karawanken in Rosa und Rot mit über 100 Litern pro Quadratmeter, der Osten in Grün mit 20 bis 40 Litern pro Quadratmeter.
Die Karte zeigt die vom Modell GFS erwartete Niederschlagssumme von Donnerstagabend, 10. September, bis 25. September nach dem Lauf vom 10. September, 18 UTC. Der Schwerpunkt bleibt im Süden. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA, Modell GFS)

Der neueste GFS-Lauf von Freitag, 0 UTC, zeigt allerdings schon wieder ein anderes Bild: Die größten Mengen bis zum 27. September liegen demnach in Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg und Osttirol mit 50 bis 80 Litern, in Unterkärnten sind es nur noch 15 bis 30 Liter.

Karte Österreichs mit der vom GFS-Lauf von Freitag, 0 UTC, erwarteten Niederschlagssumme bis 27. September: Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg und Osttirol in Orange mit 50 bis 80 Litern pro Quadratmeter, Unterkärnten in Grün mit 15 bis 30 Litern, der Osten in Dunkelgrün und Blau mit unter 20 Litern.
Die Karte zeigt die vom GFS-Lauf von Freitag, 11. September, 0 UTC, erwartete Niederschlagssumme bis Sonntag, 27. September, 2 Uhr. Gegenüber dem Lauf vom Vorabend liegt der Schwerpunkt nun in Vorarlberg, Nordtirol, Salzburg und Osttirol. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA, Modell GFS)

Das KI-Modell AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage berechnet den Schwerpunkt der Niederschläge in der zweiten Septemberhälfte hingegen entlang der Alpennordseite: Von Salzburg über die Obersteiermark bis ins Mostviertel kommen bis zum 26. September 70 bis 100 Liter pro Quadratmeter zusammen, in Kärnten bleibt es bei 25 bis 40 Litern und in Osttirol bei 15 bis 25 Litern.

Karte Österreichs mit der vom KI-Modell AIFS erwarteten Niederschlagssumme bis 26. September: Ein Band in Orange und Rosa mit 70 bis 100 Litern pro Quadratmeter von Salzburg über die Obersteiermark bis ins Mostviertel, Kärnten in Gelb und Grün mit 25 bis 40 Litern, Osttirol in Grün mit 15 bis 25 Litern.
Die Karte zeigt die vom KI-Modell AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage erwartete Niederschlagssumme bis Samstag, 26. September, 2 Uhr, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Der Schwerpunkt liegt hier entlang der Alpennordseite. (Grafik: Tauernwetter, Daten: ECMWF, Modell AIFS)

Das europäische Modell IFS desselben Zentrums gilt als das treffsicherste globale Wettermodell. Es rechnet bis zum 26. September für ganz Österreich mit 40 bis 100 Litern pro Quadratmeter. Den Schwerpunkt legt auch dieses Modell an die Alpennordseite: Entlang der Nordalpen, von Nordtirol über das Salzkammergut und die Voralpen bis zum Wienerwald, fallen nach dieser Berechnung mehr als 100 Liter.

Karte Österreichs mit der vom Modell IFS erwarteten Niederschlagssumme bis 26. September: Ein dunkelrotes Band mit mehr als 100 Litern pro Quadratmeter entlang der Nordalpen von Nordtirol über das Salzkammergut und die Voralpen bis zum Wienerwald, das übrige Österreich in Orange und Rosa mit 40 bis 100 Litern.
Die Karte zeigt die vom Modell IFS erwartete Niederschlagssumme bis Samstag, 26. September, 2 Uhr, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Der Schwerpunkt liegt entlang der Nordalpen von Nordtirol bis zum Wienerwald. (Grafik: Tauernwetter, Daten: ECMWF, Modell IFS)

Wie unsicher diese Berechnungen sind, zeigen die Ensembles des GFS-Modells mit ihren 30 gleichberechtigten Läufen. Für Linz wie für Klagenfurt sind sich die Member nur bis etwa 17. September einig: Bis dahin bleibt es in 850 Hektopascal, also in rund 1500 Metern Höhe, mit 12 bis 15 Grad spätsommerlich warm, dann fällt die Temperatur um 5 bis 8 Grad. Für Klagenfurt rechnet die Mehrheit der Member am 17. und 18. September mit Regen, einzelne Member sehen bis zu 30 Liter je sechs Stunden. Danach laufen die Berechnungen weit auseinander: Am 21. September reicht die Spanne in 850 Hektopascal von 3 bis 17 Grad, beim Niederschlag zeigen manche Member trockene Tage, andere kräftige Schauer. Auffällig ist dabei der Hauptlauf, die grüne Linie: Er lässt die Warmluft ab dem 19. September mit 15 bis 18 Grad in 850 Hektopascal zurückkehren und geht erst nach dem 23. September wieder auf 11 bis 13 Grad zurück, und auch der Kontrolllauf, die blaue Linie, folgt ihm. Der Kontrolllauf ist der Lauf des Ensembles ohne veränderte Startbedingungen, der Hauptlauf ist die eigentliche Modellvorhersage mit feinerem Rechengitter. Die Mehrheit der 30 Member bleibt dagegen bei 5 bis 12 Grad. Der Hauptlauf ist in diesem Fall also ein Ausreißer, auch wenn er für die Prognose ein relativ großes Gewicht hat: Er wird von den anderen Membern sozusagen überstimmt. Dass die Temperatur nach der Kaltfront wieder ansteigt, zeigen fast alle Member, ob nur leicht oder deutlich, ist aber noch sehr unsicher. Dazu kommt: Der Rückgang um den 17. September bringt die Temperatur in 850 Hektopascal lediglich auf den Mittelwert der Jahre 1991 bis 2020 zurück, die rote Linie in den Diagrammen. Davor und danach liegen die meisten Member darüber. Insgesamt wird dieser September damit deutlich zu warm ausfallen. Eine verlässliche Aussage, wo und wie viel es in der zweiten Septemberhälfte regnet, ist derzeit nicht möglich.

Ensemblediagramm des GFS-Modells für Linz mit 30 Membern, Lauf vom 11. September: Die Temperatur in 850 Hektopascal steigt bis 16. September auf 13 bis 15 Grad, fällt am 17. September auf 6 bis 8 Grad und läuft danach zwischen 3 und 17 Grad weit auseinander. Der Niederschlag zeigt vereinzelte Spitzen einzelner Member.
Das GFS-Ensemble für Linz mit 30 Membern, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Nach dem 17. September laufen die Member bei der Temperatur in 850 Hektopascal um bis zu 15 Grad auseinander, beim Niederschlag zeigt nur ein Teil der Member nennenswerte Mengen. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA GEFS)
Ensemblediagramm des GFS-Modells für Klagenfurt mit 30 Membern, Lauf vom 11. September: Die Temperatur in 850 Hektopascal liegt bis 16. September bei 12 bis 15 Grad und fällt danach auf rund 9 Grad, mit großer Streuung ab 18. September. Beim Niederschlag gibt es am 17. und 18. September deutliche Signale, einzelne Member zeigen bis zu 30 Liter pro Quadratmeter je 6 Stunden.
Das GFS-Ensemble für Klagenfurt mit 30 Membern, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Am 17. und 18. September rechnet die Mehrheit der Member mit Regen, danach sind sich die Member weder bei der Temperatur noch beim Niederschlag einig. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA GEFS)

Auch das Ensemble des KI-Modells AIFS mit seinen 50 Membern zeigt für Salzburg dasselbe Muster: Bis zum 16. September liegen die Member eng beisammen und steigen auf 15 bis 18 Grad in 850 Hektopascal, am 17. September folgt der Rückgang auf 3 Grad. Danach liegen die Member nahe oder etwas über dem Klimamittel, sie streuen dabei zwischen 0 und 20 Grad. Beim Niederschlag gibt es ab dem 19. September deutliche Signale, einzelne Member zeigen Spitzen bis zu 20 Liter je sechs Stunden. Regen ist also wahrscheinlich, wann und wie viel davon fällt, ist offen.

Ensemblediagramm des KI-Modells AIFS für Salzburg mit 50 Membern: Die Temperatur in 850 Hektopascal steigt bis 16. September auf 15 bis 18 Grad, fällt am 17. September auf 3 Grad und streut danach zwischen 0 und 20 Grad. Beim Niederschlag gibt es ab 19. September deutliche Signale mit Spitzen einzelner Member bis 20 Liter je sechs Stunden.
Das AIFS-Ensemble für Salzburg mit 50 Membern, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Nach dem Rückgang am 17. September liegen die Member nahe oder etwas über dem Klimamittel und laufen dabei weit auseinander. (Grafik: Tauernwetter, Daten: ECMWF, Modell AIFS)
Hintergrund

Warum Meteorologen auf 850 Hektopascal Parameter schauen

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Die Druckfläche 850 Hektopascal liegt in rund 1500 Metern Höhe. Abgesehen von den Hochgebirgstälern hat der Boden dort kaum noch Einfluss auf die Lufttemperatur: Nebel, Kaltluftseen in den Tälern oder der Wärmeinseleffekt in einer Stadt verfälschen die Temperatur nahe der Erdoberfläche, in 1500 Metern zeigt sie dagegen, wie warm oder kalt die Luftmasse selbst ist. Die Seehöhe dieser Druckfläche ist nicht fix, sie schwankt je nach Luftdruck und Temperatur: Bei hohem Luftdruck und warmer Luft liegt sie höher, bei tiefem Luftdruck und kalter Luft tiefer, weil kalte Luft dichter ist und der Druck darin mit der Höhe schneller abnimmt. Die Wettermodelle rechnen deshalb nicht in festen Höhenmetern, sondern in Druckflächen, und 850 Hektopascal liegen je nach Wetterlage zwischen etwa 1300 und 1600 Metern. Deshalb erkennt man an der Temperatur in dieser Druckfläche, also in rund 1500 Metern, am zuverlässigsten, wann eine Kaltfront oder Warmluft ankommt und wie stark ein Wetterumschwung ausfällt.

Natürlich wollen die Menschen wissen, wie warm es vor ihrer Haustür wird, und das ist die Temperatur in 2 Metern über dem Boden, wie sie Wetter-Apps anzeigen. Für die ersten Tage berechnen hochaufgelöste Modelle wie ICON-D2, C-LAEF, ICON-CH2 oder das Tauernwetter-Modell ALPIXION diesen Wert mit einem Rechengitter von einem bis zwei Kilometern, das Täler, Hänge und Becken abbildet. Diese Modelle reichen aber nur 72 bis 120 Stunden in die Zukunft, also höchstens fünf Tage. Darüber hinaus bleiben nur die grob aufgelösten globalen Modelle: Das amerikanische GFS rechnet mit rund 25 Kilometern pro Gitterpunkt, das europäische IFS mit etwa 9 Kilometern, was besser ist, für die Alpen aber noch immer nicht ausreicht. In einem solchen Gitter verschwinden ganze Täler, und die berechnete 2-Meter-Temperatur kann um mehrere Grad danebenliegen. Die Temperatur in 850 Hektopascal ist von diesen Problemen nicht betroffen und bleibt daher auch auf zehn Tage hinaus aussagekräftig. Meteorologen sehen sie sich deshalb gemeinsam mit den Niederschlagssignalen an, so wie in den beiden Diagrammen.

Tauernwetter berechnet die 2-Meter-Temperaturen für die Tage sechs bis zehn nach der MOS-Methode, Model Output Statistics, einem in der Meteorologie etablierten Verfahren: aus der Temperatur in 850 Hektopascal und der erwarteten Wetterlage. Die Berechnung wurde mit langjährigen Messreihen kalibriert, also mit dem Vergleich, wie warm es an den einzelnen Orten bei ähnlichen Höhenwerten und Wetterlagen in der Vergangenheit tatsächlich geworden ist. Als grobe Faustregel gilt: Die Höchsttemperatur in den Tälern liegt an einem sonnigen Tag etwa 10 bis 13 Grad über dem Wert in 850 Hektopascal, an trüben Tagen deutlich weniger. Die 13 bis 15 Grad bis zum 16. September bedeuten also spätsommerliche Höchstwerte um 25 Grad, der Rückgang auf 6 bis 9 Grad danach bringt herbstliche Höchstwerte von 15 bis 20 Grad. Bei einem Ensemble werden die 30 Läufe für genau diese Temperatur verglichen: Liegen die Linien eng beisammen, ist die Prognose sicher, laufen sie auseinander wie hier ab dem 18. September, ist die Entwicklung offen.

Wie weit die Berechnungen auseinanderliegen, zeigt das KI-Modell AIGFS der NOAA: Es berechnet für denselben Zeitraum entlang der Alpennordseite sogar 150 bis 400 Liter pro Quadratmeter und für Kärnten 100 bis 200 Liter. Dieses Extremszenario stützt derzeit kein anderes Modell, es ist sehr unwahrscheinlich und zeigt vor allem, wie groß die Bandbreite der möglichen Entwicklungen zwei Wochen im Voraus ist.

Karte Österreichs mit der vom KI-Modell AIGFS der NOAA berechneten Niederschlagssumme bis 27. September: Ein breites Band in Violett und Dunkelrot mit 150 bis 400 Litern pro Quadratmeter entlang des gesamten Alpenbogens von Vorarlberg bis ins Mostviertel, Kärnten in Rot mit 100 bis 200 Litern, nur der Nordosten in Gelb und Grün mit 30 bis 60 Litern.
Die Karte zeigt die vom KI-Modell AIGFS der NOAA berechnete Niederschlagssumme bis Sonntag, 27. September, 2 Uhr, Lauf vom 11. September, 0 UTC. Dieses Extremszenario mit 150 bis 400 Litern pro Quadratmeter entlang der Alpen stützt derzeit kein anderes Modell und gilt als unwahrscheinlich. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA, Modell AIGFS)

Aber auch wenn sich die Variante mit dem Schwerpunkt an der Alpennordseite durchsetzt, hätte der Süden Österreichs durch den bereits gefallenen Regen im September etwas mehr Niederschlag als üblich. Das akute Niederschlagsdefizit der letzten Monate wird dadurch gemindert, wenn auch nicht vollständig ausgeglichen: Allein im Sommer fehlte österreichweit fast ein Drittel des üblichen Regens.

Prognosen über mehr als fünf Tage hinaus sind mit großer Vorsicht zu lesen. An welchen Tagen genau es regnen wird, ist noch unklar. Dass der Süden Österreichs in den kommenden zwei Wochen aber weitere Niederschläge abbekommt, zeigen mehrere Modelle übereinstimmend. Aktuelle Karten gibt es laufend auf der Modellseite und in den Ensemble-Prognosen.

Die nächsten Tage in Kärnten und Osttirol werden sonniger und wärmer, die Frühwerte aber kalt

In den nächsten fünf Tagen wird es in Kärnten und Osttirol allmählich sonniger und wärmer. Allerdings werden die Frühtemperaturen empfindlich kalt, stellenweise kann sogar Bodenfrost nicht ganz ausgeschlossen werden, da die Temperaturen in einigen höher gelegenen Tälern oder auch im Gurktal auf bis zu 2 oder 3 Grad absinken dürften.

Heute, Freitag

Im Westen lösen sich die Nebelfelder am Vormittag auf und die Sonne setzt sich durch. Vom Klagenfurter Becken bis ins Lavanttal ziehen dagegen bis in den Nachmittag hinein noch einige Regenschauer durch, am meisten Regen fällt entlang der Karawanken. Zum Abend hin beruhigt sich das Wetter zunehmend und spätestens in der Nacht bleibt es überall trocken. Der Ostwind weht schwach bis mäßig. Frühwerte 9 bis 13 Grad, die Höchstwerte liegen von 12 Grad im Jauntal und im Bereich der Saualpe bis 20 Grad im Mölltal. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 9 Grad.

Morgen, Samstag

Der Samstag bringt viel Sonne. In Osttirol und im oberen Drautal ist der Himmel über weite Strecken wolkenlos, in den übrigen Landesteilen lösen sich morgendliche Hochnebel- oder Wolkenfelder bis Mittag auf. Es bleibt überall trocken. Der Nordwind macht sich kaum bemerkbar. Nach frischen Frühwerten von 3 bis 12 Grad steigen die Temperaturen auf 14 bis 20 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 10 Grad.

Übermorgen, Sonntag

Am Sonntag scheint von der Früh weg die Sonne, erst am Nachmittag ziehen im Bereich der Hohen Tauern dichtere Wolken auf. Regnen sollte es dabei nicht. Bei schwachem Südwind liegen die Frühwerte zwischen 2 und 11 Grad, tagsüber werden 15 bis 21 Grad erreicht. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.

Montag

Am Montag setzt sich das sonnige Wetter fort, nur zwischendurch ziehen harmlose Wolkenfelder vorüber. Es wird spätsommerlich warm mit Höchstwerten von 17 bis 23 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 11 Grad.

Dienstag

Auch der Dienstag verläuft voraussichtlich sehr sonnig und es wird noch etwas wärmer. Die Temperaturen erreichen 19 bis 25 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.

Der Ausblick für ganz Österreich

Österreichweit bleibt der Freitag im Osten noch wolkig und nass, danach setzt sich das ruhige Spätsommerwetter mit einzelnen Störungen an der Alpennordseite durch. Der Süden bleibt dabei meist auf der sonnigen Seite.

Heute, Freitag

In der Osthälfte Österreichs überwiegen die Wolken und zeitweise regnet es. Erst zum Abend hin lockern die Wolken teilweise auf. Trocken bleibt es im äußersten Westen und Südwesten, dort kommt ab und zu die Sonne hervor. Der Wind weht meist nur schwach, im Nordosten zeitweise lebhaft. Die Höchstwerte liegen nur mehr zwischen 12 und 19 Grad, im Südwesten sind etwa im Mölltal 20 Grad möglich, im äußersten Westen bis zu 22 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 7 Grad.

Morgen, Samstag

Am Samstag scheint zumindest zeitweise überall die Sonne, am längsten in der Westhälfte. In der Früh liegen stellenweise Nebelfelder, tagsüber ziehen vor allem in der Osthälfte dichtere Wolken und vereinzelt auch Regenschauer durch. Im Osten weht mäßiger Nordwestwind. Nach einem frischen Morgen mit 10 Grad oder darunter erreichen die Temperaturen am Nachmittag 14 bis 24 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um die Mittagszeit um 10 Grad.

Übermorgen, Sonntag

Der Sonntag bringt überall zumindest ein paar sonnige Stunden. Am Nachmittag ziehen von Nordwesten her mehr Wolken auf, am Abend fällt vom Tiroler Unterland bis Oberösterreich stellenweise etwas Regen. Dazu weht mäßiger Wind aus Nord bis Nordwest. Die Höchstwerte erreichen 15 bis 25 Grad, in 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.

Montag

Am Montag wechseln Sonne und dichtere Wolken, dazu gehen ein paar Regenschauer nieder, die meisten an der Alpennordseite von Salzburg ostwärts. Im Süden bleibt es überwiegend sonnig. Der Wind weht mäßig bis lebhaft aus West bis Nordwest. Die Temperaturen erreichen 17 bis 26 Grad, am wärmsten wird es im Westen und Südwesten.

Dienstag

Der Dienstag verläuft trocken und überwiegend sonnig. Am Nachmittag liegen die Temperaturen bei 19 bis 25 Grad, in Tirol stellenweise bis 28 Grad.

Lizenzen

Folgende Rohdaten wurden bezogen unter CC BY 4.0:

GeoSphere Austria: INCA-Analyse (inca-v1-1h-1km) (Niederschlagskarten); TAWES-Stationsdaten (tawes-v1-10min) (Stationssummen)

ECMWF: IFS und AIFS Open Data (Prognosekarten und AIFS-Ensemble)

Weitere Rohdaten: NOAA GFS und NOAA GEFS sowie NOAA AIGFS (Prognosekarten und Ensemble-Diagramme, gemeinfrei); Hydrographischer Dienst Kärnten (Stationswerte Bodental und Paulitschsattel)

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