Erst noch 34 Grad, dann der Schnitt: Kaltfront beendet Österreichs Rekordsommer
Der Sommer 2026 war mit relativ großem Abstand der wärmste Sommer der Messgeschichte, und in den ersten Septembertagen haben etliche Stationen im Westen und Süden Österreichs noch einen neuen Stationsrekord für den September aufgestellt. Doch nach wochenlanger Hitze bahnt sich nun die nachhaltige Umstellung auf den Frühherbst an. Bevor eine markante Kaltfront das Land erreicht, erreichen die Temperaturen am Dienstag noch einmal für September rekordverdächtig hohe Werte, vor allem im Osten. Ab Mittwoch folgt dann der Schnitt: Schauer, Gewitter und ein spürbarer Dämpfer für das Thermometer.
Der Wochenverlauf im Überblick
- Montag: Zunächst sonnig, ab dem Nachmittag erste Schauer und teils kräftige Gewitter von Tirol über die Tauern bis nach Kärnten.
- Dienstag: Der wärmste Tag der Woche mit Spitzenwerten bis 34 Grad im Osten und viel Sonnenschein.
- Mittwoch: Zweigeteiltes Wetter. Im Westen regnet es sich bei knapp 17 Grad ein, im Osten hält sich der Spätsommer noch bis zum Abend bei über 30 Grad.
- Ab Donnerstag: Österreichweit spürbar kühler mit Höchstwerten zwischen 14 und 22 Grad.
Dienstag bringt noch einmal Hitze bis 34 Grad
Bevor der Luftmassenwechsel ansteht, zeigt der Sommer noch einmal seine ganze Kraft. Für die zweite Septemberwoche bringt der Dienstag außergewöhnlich hohe Temperaturen: Im Osten und Südosten, besonders in Wien, im Nordburgenland und in Niederösterreich, steigen die Werte verbreitet auf 30 bis 34 Grad. Im Süden und Westen wird es mit 23 bis 29 Grad ebenfalls sommerlich warm.
Wie warm die Luftmasse tatsächlich ist, offenbart der Blick auf die Gipfel: In 2000 Metern Höhe liegen die Temperaturen am Dienstag zwischen 15 Grad auf den Lienzer Dolomiten und knapp 20 Grad am Patscherkofel bei Innsbruck. Abgesehen von einzelnen Gewittern über dem Tauernhauptkamm bleibt es im ganzen Land sonnig und trocken.
Mittwoch: Eine Kaltfront teilt das Land
Am Mittwoch erreicht die atlantische Störung Österreich von Westen her. Das führt zu einer Zweiteilung quer durch die Bundesländer. Im Westen, in Vorarlberg, Tirol und Oberkärnten, setzt schon am Vormittag teils kräftiger Regen ein. Die Temperaturen sacken spürbar ab, in Vorarlberg werden oft nur noch 17 Grad erreicht, in den Tauerntälern rund 18 Grad.
Im Osten und Südosten, in Wien, im Burgenland und im Lavanttal, scheint vor der Front noch lange die Sonne. Mit lebhaftem Südwind wird vor der Front noch einmal sehr warme Luft herangeführt: Im Seewinkel, im Weinviertel und im südlichen Lavanttal steigen die Temperaturen auf 30 bis 33 Grad. Erst gegen Abend und in der Nacht auf Donnerstag greifen die Schauer und Gewitter mit auffrischendem West- bis Nordwestwind auch auf den Osten und das Klagenfurter Becken über.
Dass dieser Wechsel von Dauer ist, zeigen die Ensembleberechnungen des amerikanischen GFS-Modells: Auf rund 1500 Metern Seehöhe, in 850 Hektopascal, sinkt die Temperatur über Wien innerhalb eines Tages von 20 Grad auf rund 8 Grad. Praktisch alle 30 Member sehen einen deutlichen Temperaturrückgang, die Unsicherheit ist gering. Danach stabilisieren sich die Berechnungen für längere Zeit um oder etwas über dem jahreszeitlichen Durchschnitt. Die Hitze dürfte sich damit diese Woche für heuer wohl verabschieden.
Für Klagenfurt sieht das Bild ähnlich aus, nur mit einer Verzögerung von einigen Stunden: Der Temperaturrückgang von fast 10 Grad in etwa 1500 Metern Seehöhe setzt in der Nacht auf Donnerstag ein, weil die kühle Luft den Süden erst nach dem Osten erreicht. Auch hier liegt der Großteil der Member anschließend ungefähr um oder etwas über dem Klimamittel.
Wo wie viel Regen zusammenkommt
Mit der Kaltfront kommt im Westen und Südwesten Landregen auf, auch sonst entstehen Regenschauer und Gewitter, die Verteilung fällt allerdings unterschiedlich aus. Der Schwerpunkt liegt tendenziell im Westen und Südwesten: Entlang der Karnischen Alpen, im Gailtal und im Lesachtal sowie in Teilen Nordtirols und Vorarlbergs stauen sich die Wolken, bis Samstagfrüh können hier verbreitet 30 bis 50 Millimeter fallen. Für das Klagenfurter Becken sind die Mengen noch etwas ungewiss, die Modelle deuten derzeit auf wenige bis rund 15 Millimeter hin. Im Nordosten, Osten und Südosten fällt deutlich weniger, die Front zieht hier vergleichsweise zügig durch.
Am Donnerstag bleibt es unbeständig und mit 14 bis 22 Grad, in Kärnten und Osttirol nur 11 bis 17 Grad, durchwegs herbstlich. Am Freitag setzt sich die Wetterberuhigung fort: Nach Nebelauflösung scheint wieder häufiger die Sonne bei angenehmen 16 bis 24 Grad.
Für die Natur ist diese Umstellung eine sehr gute Nachricht. Der zu erwartende Regen sollte die große Trockenheit zunächst im Westen und Südwesten lindern, und im Verlauf des Herbstes könnte sich die Lage auch anderswo entspannen. Eine Entwarnung ist das allerdings noch nicht: Wegen der extrem hohen Temperaturen ist heuer sehr viel mehr Wasser verdunstet als normal, und seit Dezember 2025 besteht ein großes Niederschlagsdefizit, das ein paar Regentage nicht ausgleichen können.
Ausblick: Was die Modelle für den Herbst andeuten
Nach dem Ende des Hochsommers blickt die Meteorologie auf die kommenden Monate. Das europäische Langfristmodell SEAS5 von Copernicus und dem Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage zeichnet für Oktober, November und auch Dezember zwei klare Signale. Das erste ist das überhitzte Mittelmeer als Nachschub an Feuchtigkeit: Sowohl das Mittelmeer als auch Teile des Nordatlantiks weisen derzeit Wassertemperaturen auf, wie sie so noch nie gemessen wurden. Da wärmeres Wasser mehr Feuchtigkeit an die Luft abgibt, tragen heranziehende Tiefdruckgebiete mehr Energie mit sich. Für Österreich, insbesondere für die Alpensüdseite, erhöht das im Herbst die Wahrscheinlichkeit für ergiebige Niederschläge bei Südstau.
Damit steigt auch ein gewisses Hochwasserpotential, und zwar aus drei Gründen. Erstens nimmt die Luft je Grad Erwärmung rund sieben Prozent mehr Wasserdampf auf, über einem rekordwarmen Meer sind die Tiefs also regelrecht vollgesogen. Zweitens regnet sich diese Feuchtigkeit bei Südströmung im Stau an den Alpen konzentriert auf wenige Täler ab, statt sich über das Land zu verteilen. Drittens sind die Böden nach Monaten der Dürre ausgedörrt und verhärtet, sie nehmen Wasser anfangs nur langsam auf, ein großer Teil eines Starkregens fließt daher oberflächlich ab, statt zu versickern. So können trotz der Trockenheit binnen weniger Tage die Pegel einiger Flüsse deutlich steigen.
Das zweite Signal ist die milde Grundströmung bis in den Winter: Trotz einzelner Kaltlufteinbrüche rechnen die Ensembleberechnungen für Oktober und November mit überdurchschnittlich milden Monatsmitteln. Für den Oktober zeigt der Lauf vom 1. September über dem Alpenraum eine Abweichung von 0,7 bis 1,5 Grad über dem Klimamittel, für den November sogar 1 bis 2 Grad, mit dem Schwerpunkt über Frankreich und den Westalpen.
Wie eindeutig die Verteilung der 51 Member ist, zeigen die Wahrscheinlichkeiten für Kärnten und Osttirol. Bei der Temperatur liegt die Chance auf einen zu warmen Monat im Oktober bei 53 Prozent und im November bei 55 Prozent, auf einen zu kalten Monat dagegen nur bei 14 beziehungsweise 16 Prozent. Beim Niederschlag ist das Bild weniger klar: Im Oktober halten sich zu trocken mit 41 Prozent und zu nass mit 37 Prozent fast die Waage, im November kippt es mit 33 gegen 25 Prozent leicht ins Nasse. Eine ähnliche Verteilung berechnet das Modell bis zum Jahresende.
Saisonale Vorhersagen liefern allerdings nur Tendenzen für den Monatsdurchschnitt und keine Aussage über einzelne Tage oder Wetterlagen. Ein paar sehr kalte Tage mit Schnee auf den Bergen wären im Herbst vollkommen normal, und ebenso normal wäre es, wenn es im November auch einmal weiter herab schneit. Am Gesamtbild eines milden Herbstes ändert das nichts. Die Hitze aber dürfte sich mit dieser Woche für heuer verabschieden.