Klimawandel in Obervellach: 55 Jahre Klimadaten

Mag. David Kaufmann Lesezeit: ca. 15 Minuten

📖 Zitierfähig: doi:10.5281/zenodo.20520799 · CC BY 4.0 · Autor: Mag. David Kaufmann

Die GeoSphere-Austria-Wetterstation Obervellach (Stations-ID 69, 688 m Seehöhe) misst seit September 1970 das Klima im unteren Mölltal. Anders als die hochgelegene Station Mallnitz (1.197 m) liegt Obervellach in der Tallage am Talboden – dort, wo Menschen wohnen, Landwirtschaft betrieben wird und der Wald an seine wärmebedingten Grenzen stößt. Die 55 Jahre umfassende Messreihe (1971–2025) zeigt einen besonders markanten Klimawandel: Auf dieser Seehöhe schlagen Erwärmung und Schneerückgang noch stärker durch als im Hochtal.

Datenquelle und Methodik

Alle Daten stammen vom GeoSphere-Austria-DataHub, Station Obervellach (ID 69), aus den qualitätsgeprüften Datensätzen klima-v2-1y (Jahreswerte), klima-v2-1m (Monatswerte) und klima-v2-1d (Tageswerte). Hitzetage und Schneekennzahlen wurden von Tauernwetter aus den Tageswerten berechnet.

Für die Jahre 1981–1986 liegen aufgrund einer Stationslücke keine Jahreswerte vor. Die Schneehöhe wurde aus der Handmessung (bis 2017) und der automatischen Schneepegelmessung (ab 2019) kombiniert; im Sommer werden die Schneepegel deaktiviert (kein Schnee). Daten unter CC BY 4.0.

1. Jahresmitteltemperatur: Der Erwärmungstrend

Die Jahresmitteltemperatur in Obervellach ist seit 1971 deutlich angestiegen. In den 1970er-Jahren (1971–1980) lag das Jahresmittel bei durchschnittlich 7,3 °C, im letzten Jahrzehnt (2016–2025) bei 9,1 °C – ein Anstieg von +1,8 °C (+25 %) in nur einem halben Jahrhundert. Das Jahr 2024 war mit 9,8 °C das wärmste der gesamten Messreihe, gefolgt von 2023 (9,6 °C). Das kühlste Jahr bleibt 1978 mit 6,4 °C.

Jahresmitteltemperatur 1971–2025

Jahresmitteltemperatur in °C mit 10-Jahres-Mittel (dicke Linie) und Trend (gestrichelt). Lücke 1981–1986. Quelle: GeoSphere Austria, Station Obervellach (688 m).

Normalperioden im Vergleich: 1971–2000 → 1991–2020

Da die Obervellacher Messreihe erst 1971 beginnt, ist die international übliche Referenzperiode 1961–1990 nicht verfügbar. Als frühestmögliche Klimanormalperiode dient daher 1971–2000, gegenübergestellt der jüngsten Periode 1991–2020:

GrößeØ 1971–2000Ø 1991–2020Veränderung
Jahresmitteltemperatur7,6 °C8,4 °C+0,8 °C
Sommermittel (Juni–August)16,1 °C17,3 °C+1,2 °C
Jahresniederschlag867 mm956 mm+89 mm (+10 %)

[*] Klimanormalperioden, berechnet aus den Werten des GeoSphere DataHub (klima-v2-1y / klima-v2-1m), Station Obervellach (ID 69). In der Periode 1971–2000 fehlen die Jahre 1981–1986 (Mittel daher aus 24 Jahren); 1991–2020 ist vollständig (30 Jahre). Werte gerundet.

2. Monatliche Temperaturen im Wandel

Der Vergleich der Monatstemperaturen über drei Perioden – 1971–1990, 1991–2010 und 2011–2025 – zeigt, dass die Erwärmung nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt ist. Besonders die Sommermonate und der Spätwinter haben sich erwärmt.

Durchschnittliche Höchsttemperaturen pro Monat nach Periode

Monatsmittel der Tageshöchsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.

Auch die Tiefsttemperaturen sind gestiegen. Mildere Nächte bedeuten weniger Frost – mit Folgen für Vegetation, Landwirtschaft und die Dauer der Schneedecke.

Durchschnittliche Tiefsttemperaturen pro Monat nach Periode

Monatsmittel der Tagestiefsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.

3. Sommertage, Hitzetage, Eis- und Frosttage

Die Kenntage sind besonders aussagekräftige Indikatoren. Ein Sommertag wird gezählt, wenn das Temperaturmaximum mindestens 25 °C erreicht, ein Hitzetag ab 30 °C. Eistage bleiben durchgehend unter dem Gefrierpunkt (Maximum < 0 °C), Frosttage haben ein Minimum unter 0 °C. Auf 688 m Seehöhe sind die Veränderungen drastisch.

Bemerkenswerte Veränderungen (Ø 1971–1980 vs. 2016–2025)

  • Die Sommertage haben sich von durchschnittlich 27 auf 60 pro Jahr mehr als verdoppelt (+125 %). Das Rekordjahr 2003 brachte 84 Sommertage.
  • Die Hitzetage stiegen von durchschnittlich 1,5 auf 13 pro Jahr – fast eine Verachtfachung. 2024 wurden mit 21 Hitzetagen so viele wie nie zuvor registriert.
  • Die Eistage sanken von 26 auf 17 pro Jahr (−34 %), die Frosttage von 117 auf 106 (−10 %).

Sommertage pro Jahr (Maximum ≥ 25 °C)

Anzahl der Sommertage pro Jahr. Rot hervorgehoben: Jahre mit 50 oder mehr Sommertagen.

Hitzetage pro Jahr (Maximum ≥ 30 °C)

Anzahl der Hitzetage pro Jahr mit 10-Jahres-Mittel und Trend. Auf 688 m Seehöhe von einem seltenen zu einem alljährlichen Phänomen geworden.

Frosttage pro Jahr (Minimum < 0 °C)

Anzahl der Frosttage pro Jahr mit Trend.

Eistage pro Jahr (Maximum < 0 °C)

Anzahl der Eistage pro Jahr mit Trend.

4. Schnee im Wandel

Am Talboden auf 688 m ist Schnee ohnehin vergänglicher als im Hochtal – und der Rückgang ist umso deutlicher. Die durchschnittlichen Schneedeckentage gingen von 70 pro Jahr (Ø 1971–1980) auf nur noch rund 39 im letzten Jahrzehnt zurück (−45 %). Die maximale Schneehöhe sank im selben Zeitraum von durchschnittlich 60 cm auf 36 cm (−39 %). Die schneereichsten Winter der Reihe liegen früh: 1975 mit 103 cm. In den letzten Jahren erreichte nur der Winter 2020/21 noch einmal 97 cm, während 2024 mit nur 4 cm Maximalschneehöhe einen Tiefstwert markierte.

Hinweis zur Schneemessung: Bis 2017 wurde die Schneehöhe per Hand gemessen, ab 2019 durch einen automatischen Schneepegel. Für 2015, 2017 und 2018 fehlen ausreichend Tageswerte; diese Jahre sind in den Schnee-Grafiken nicht enthalten. Im Sommer werden die Schneepegel deaktiviert, da kein Schnee liegt.

Maximale Schneehöhe pro Jahr (cm)

Maximale Gesamtschneehöhe pro Jahr in Zentimetern mit Trend.

Schneedeckentage pro Jahr

Tage mit geschlossener Schneedecke (≥ 1 cm) pro Jahr mit Trend.

5. Jahresniederschlag

Beim Niederschlag ist das Bild – wie überall im Alpenraum – weniger eindeutig als bei der Temperatur. Der Jahresniederschlag in Obervellach schwankt zwischen rund 640 mm (1974) und über 1.380 mm (2014). Über die gesamte Reihe zeigt sich ein leichter Anstieg von durchschnittlich 858 mm (Ø 1971–1980) auf 962 mm (2016–2025, +12 %). Entscheidend ist aber weniger die Menge als die Form: Ein wachsender Anteil fällt als Regen statt als Schnee.

Jahresniederschlag 1971–2025 (mm)

Jahresniederschlag in Millimetern mit Trend. Lücke 1981–1986.

Durchschnittlicher Monatsniederschlag nach Periode

Monatsniederschlag (mm), gemittelt über die jeweilige Periode.

6. Klimawandel-Vorschau: Wie geht es weiter?

Die gemessenen Trends sind eindeutig – doch wohin führt der Weg? In unserer Klimaanalyse Mölltal haben wir die Messreihen von Obervellach, Mallnitz und Döllach mit den Klimaszenarien für Österreich (ÖKS15) und den Klimahüllen heimischer Baumarten verschnitten. Die folgenden Projektionen für die Jahresmitteltemperatur in Obervellach (Ausgangswert 9,1 °C, Mittel 2016–2025) fassen das Ergebnis zusammen:

Moderates Szenario (RCP 4.5): 9,1 °C → 10,1 °C bis 2100 (+1,0 °C) – gelingt eine spürbare Reduktion der Treibhausgase.
Tauernwetter-Schätzung: 9,1 °C → 11,6 °C bis 2100 (+2,5 °C) – Fortschreibung des aktuell gemessenen Trends.
Worst-Case (RCP 8.5): 9,1 °C → 13,1 °C bis 2100 (+4,0 °C) – bei ungebremstem Emissionswachstum.

Besonders aufschlussreich ist der Sommer: Das Sommermittel (Juni–August) liegt in Obervellach bereits bei 18,8 °C (2020–2025) – ein Wert, den das moderate Szenario RCP 4.5 erst für das Ende des Jahrhunderts erwartet hatte. Bis 2100 könnte die Sommertemperatur auf über 22 °C (Tauernwetter-Schätzung) bis 23 °C (RCP 8.5) klettern. Damit wäre die Fichte auf dieser Höhenstufe vollständig aus ihrem Klimaoptimum gedrängt – das Klima wandert in den Bereich von Buche, Tanne, Bergahorn und Douglasie. Die Details und Karten dazu finden Sie in unserem Waldbericht für das Mölltal.

7. Fazit: Der Klimawandel in Obervellach in Zahlen

Die 55 Jahre umfassende Klimareihe der GeoSphere-Austria-Station Obervellach zeigt den Klimawandel in der Tallage mit aller Deutlichkeit – auf 688 m Seehöhe sind die Veränderungen sogar ausgeprägter als im hochgelegenen Mallnitz.

Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:

+1,8
Temperaturanstieg: Die Jahresmitteltemperatur stieg von 7,3 °C (Ø 1971–1980) auf 9,1 °C (Ø 2016–2025) – ein Anstieg von +1,8 °C (+25 %). 2024 war mit 9,8 °C das wärmste Jahr der Messreihe.
×2
Mehr Sommertage: Die Tage mit 25 °C und mehr stiegen von 27 auf 60 (+125 %). Die Hitzetage (≥ 30 °C) verachtfachten sich von 1,5 auf 13 – 2024 wurden 21 erreicht.
−34%
Weniger Frost und Eis: Die Eistage gingen von 26 auf 17 zurück (−34 %), die Frosttage von 117 auf 106 (−10 %).
−45%
Schneerückgang: Die Schneedeckentage sanken von 70 auf 39 pro Jahr (−45 %), die maximale Schneehöhe von 60 auf 36 cm (−39 %).
+12%
Mehr Niederschlag: Der Jahresniederschlag stieg leicht von 858 mm auf 962 mm (+12 %) – bei wachsendem Regen- statt Schneeanteil.

Für eine Talgemeinde wie Obervellach bedeutet das konkret: längere und heißere Sommer mit zunehmender Trockenstress-Gefahr für Wald und Landwirtschaft, kürzere Schneeperioden und ein steigender Anpassungsdruck auf die heimische Forstwirtschaft. Die Daten machen den Klimawandel auf Gemeindeebene messbar – und liefern die Grundlage für vorausschauende Entscheidungen.

Vollständige Analyse als PDF

Alle Klimadaten, Grafiken und Quellen dieser Auswertung als zitierfähiges PDF-Dokument zum Herunterladen.

Klimawandel Obervellach (PDF)

Lizenz CC BY 4.0 · Datengrundlage GeoSphere Austria

Quellen & Zitation

Diesen Artikel zitieren:
Kaufmann, D. (2026): Klimawandel in Obervellach – 55 Jahre Klimadaten (1971–2025). Tauernwetter, Wetterwissen. Datengrundlage: GeoSphere Austria, Station Obervellach (ID 69). Online: tauernwetter.at/wetterwissen/klimawandel_in_obervellach.html
  • GeoSphere Austria (2026): DataHub – Messstationen Klimadaten der Station Obervellach (ID 69). Datensätze klima-v2-1y, klima-v2-1m und klima-v2-1d. Lizenz CC BY 4.0. data.hub.geosphere.at
  • Chimani, B. et al. (2016): ÖKS15 – Klimaszenarien für Österreich. Daten, Methoden, Klimaanalyse. Climate Change Centre Austria (CCCA), Endbericht.
  • Tauernwetter (2026): Klimaanalyse Mölltal: Mallnitz & Obervellach 1971–2025 (Wald der Zukunft). Zum Waldbericht
  • Datenabruf und Auswertung: Tauernwetter, mittels eigener Skripte über die GeoSphere-DataHub-API. Stand: Juni 2026.
Hinweis zur Datenqualität: Die verwendeten Daten stammen aus den offiziellen, qualitätsgeprüften Datensätzen der GeoSphere Austria und stehen unter der CC BY 4.0-Lizenz. Für die Stationslücke 1981–1986 und die Übergangsjahre der Schneemessung (2015, 2017, 2018) liegen keine Werte vor; diese sind in den Grafiken als Lücken sichtbar.
Link kopiert ✓