Wie sich das Klima in Mallnitz bis 2100 entwickelt
Von der gemessenen Vergangenheit in die Zukunft: eine Auswertung der SPARTACUS-Analysedaten der GeoSphere Austria für den Gitterpunkt Mallnitz (1.189 m) seit 1961 — und die Szenarien für das Ende des Jahrhunderts.
📖 Zitierfähig: doi:10.5281/zenodo.20555992 · CC BY 4.0 · Autor: Mag. David Kaufmann
5,3 → 6,4 °C
(1961–90: 7,1)
157,9 → 133,5
+109,8 mm
Das Ergebnis ist eindeutig: Die Jahresmitteltemperatur in Mallnitz stieg von 5,3 °C (Normalperiode 1961–1990) auf 6,4 °C (1991–2020) — ein Plus von 1,1 °C. Das wärmste Jahr der gesamten Messreihe war 2024 mit 8,3 °C; der Klimawandel ist hier messbare Gegenwart, kein Zukunftsszenario. Die Zahl der Sommertage (≥ 25 °C) hat sich von durchschnittlich 7,1 auf 15,9 pro Jahr mehr als verdoppelt.
Inhalt
Daten und Methode
Grundlage der Auswertung ist der 1-km-Gitterpunkt Mallnitz (46,9876° N, 13,1715° O) des SPARTACUS-v2-Datensatzes der GeoSphere Austria[1] mit Tageswerten seit 1961. Die Werte beziehen sich auf die Gitterzelle, nicht auf eine Messstation. Eine ergänzende Auswertung der Mallnitzer Stationsmessreihe ab 1900 bietet die Studie „Klimawandel in Mallnitz: 125 Jahre Klimadaten“. Die Schneedaten stammen aus SNOWGRID-CL v2[2], die Schnee-Zukunft aus dem FuSE-AT/SNOWGRID-CL-Ensemble[3] und die Klimaszenarien aus ÖKS15[4] (Änderungssignale gegenüber 1971–2000).
An die reale Erwärmung angepasst: Das Klima hat sich bereits stärker erwärmt, als es alle Projektionen für 2030 vorhergesehen haben. Diese Erkenntnis ist in die Berechnungen eingeflossen — die Temperaturpfade wurden an den tatsächlich gemessenen Verlauf adaptiert.
Klimarekorde in Mallnitz
am 26.06.2019
am 13.01.1987
am 05.12.2020
26.12.1963 – 16.02.1964
Jahresmitteltemperatur
Das wärmste Jahr in Mallnitz war 2024 mit 8,3 °C, das kälteste 1962 mit 4,2 °C. Der Vergleich der WMO-Normalperioden zeigt eine Erwärmung um 1,1 °C (5,3 °C → 6,4 °C). Die vollständige Zeitreihe 1961–2025 mit allen Jahreswerten enthält der PDF-Bericht[5]; tagesaktuelle interaktive Grafiken zeigt das Klimaportal unter tauernwetter.at/klimawandel/mallnitz.
Sommertage, Hitzetage, Frost- und Eistage
Sommertage (≥ 25 °C) gab es am häufigsten im Jahr 2024 (38 Tage), Hitzetage (≥ 30 °C) am häufigsten 2019 (5 Tage). Die Entwicklung verläuft deutlich nach oben.
Die Kälteseite des Klimawandels: Frosttage (Tiefstwert unter 0 °C) gingen von durchschnittlich 164,9 auf 148,0 pro Jahr zurück, Eistage (Dauerfrost) von 49,7 auf 38,1.
Schnee im Wandel
Schneedeckentage (mindestens 1 cm Schnee) gab es zuletzt im Schnitt 133,5 pro Jahr (1991–2020) — das sind 24,4 Tage weniger als 1961–1990 (157,9 Tage). Die größte Schneehöhe der gesamten Reihe: 198 cm am 10.02.2021.
Schneedaten: SNOWGRID-CL[2] (GeoSphere Austria), 1-km-Gitterpunkt.
Jahresbilanzen im Detail
Mittelwerte der beiden Normalperioden und Rekordjahre im Überblick:
| Kennzahl | Ø 1961–90 | Ø 1991–2020 | Maximum (Jahr) |
|---|---|---|---|
| Hitzetage (Tmax ≥ 30 °C) | 0,2 | 0,3 | 5 (2019) |
| Sommertage (Tmax ≥ 25 °C) | 7,1 | 15,9 | 38 (2024) |
| Tropennächte (Tmin ≥ 20 °C) | 0,0 | 0,0 | – |
| Frosttage (Tmin < 0 °C) | 164,9 | 148,0 | 185 (1980) |
| Eistage (Tmax < 0 °C) | 49,7 | 38,1 | 74 (2005) |
| Frostwechseltage (Tmin < 0 °C und Tmax ≥ 0 °C) | 115,2 | 109,9 | 152 (1974) |
| Starkniederschlagstage (≥ 20 mm/Tag) | 9,7 | 12,1 | 18 (2008) |
Niederschlag im Wandel
Im Vergleich der Normalperioden fällt heute im Schnitt 109,8 mm (+11,5 %) mehr Niederschlag pro Jahr. Auffällig ist die jahreszeitliche Verschiebung: Der Sommer wird feuchter, der Winter tendenziell trockener.
954,0 → 1.063,8 mm / Jahr
362,3 → 409,5 mm / Jahr
134,1 → 128,8 mm / Jahr
Ausblick ÖKS15[4] (2071–2100): Jahresniederschlag rund +7 %, im Winter +16–17 % — bei steigenden Temperaturen aber öfter Regen statt Schnee.
Blick in die Zukunft 2071–2100
Die österreichischen Klimaszenarien (ÖKS15)[4] rechnen zwei Wege durch — jeweils im Vergleich zu heute (Mittel 1991–2020):
| Ferne Zukunft 2071–2100 · Änderung ggü. 1991–2020 | 🌍 RCP 4.5 mit Klimaschutz | 🔥 RCP 8.5 weiter wie bisher |
|---|---|---|
| Jahresmitteltemperatur | +2,6 °C | +4,5 °C |
| Sommertage (≥ 25 °C) | +22,3 | +47,2 |
| Hitzetage (≥ 30 °C) | +4,0 | +15,0 |
| Frosttage | −47 | −79 |
| Schneedeckentage | −40 | −73 |
Mit Klimaschutz (RCP 4.5, Emissionen sinken ab Mitte des Jahrhunderts) verlängert sich die Wachstumssaison um rund 36 Tage; im Winter fallen +17 % Niederschlag — öfter Regen statt Schnee. Ohne Klimaschutz (RCP 8.5, Emissionen steigen ungebremst) verlängert sich die Wachstumssaison um rund 65 Tage, im Winter fallen +16 % Niederschlag. Die Schneedeckentage-Zukunft beruht auf der Schneemodell-Simulation FuSE-AT/SNOWGRID-CL[3], Ensemble-Median je Szenario gegenüber 1991–2020.
Temperaturpfad: gemessen und projiziert
Gemessene Jahresmitteltemperatur seit 1961 — am Kurvenende öffnet sich der Fächer der Zukunft: Die gestrichelten Linien zeigen den wahrscheinlichsten Weg je Szenario (an die real gemessene Erwärmung angepasst), die farbigen Bänder die Modell-Bandbreite:
Wie verändern sich die Winter am Ankogel, dem Hausberg von Mallnitz? Die Antwort gibt unsere Analyse „Die Schneefallgrenze steigt bis 2100 um fast 900 Meter — Folgen für die Skigebiete in Kärnten und Osttirol“.
Vollständiger Klimabericht als PDF
7 Seiten mit Klimastreifen, allen Zeitreihen-Grafiken (Temperatur, Kenntage, Schnee, Niederschlag), Jahresbilanzen und dem Temperaturpfad bis 2085.
PDF herunterladenKlimabericht_Mallnitz_Tauernwetter.pdf (ca. 2,4 MB)
Zitiervorschlag
Kaufmann, D. (2026): Klimawandel in Mallnitz — Klimadaten seit 1961. Tauernwetter, Stand 5. Juni 2026. Online: tauernwetter.at/klimawandel/mallnitz · DOI: 10.5281/zenodo.20555992