Die GeoSphere-Austria-Wetterstation Mallnitz (Stations-ID 149/18111, 1.197 m Seehöhe) liefert einen in den Alpen seltenen Datenschatz: eine nahezu lückenlose Klimareihe, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht. Diese 125 Jahre umfassende Messreihe dokumentiert eindrucksvoll, wie sich der Klimawandel in einem inneralpinen Hochtal bemerkbar macht. In diesem Artikel analysieren wir die wichtigsten Parameter – Temperatur, Schnee, Niederschlag und Kenntage – anhand interaktiver Grafiken.
Datenquelle und Methodik
Alle Daten stammen von der GeoSphere-Austria-Klimastation Mallnitz (ehemals ZAMG). Tauernwetter hat diese umfangreiche Datenreihe mit höchsten wissenschaftlichen Maßstäben ausgewertet und in interaktiven Grafiken aufbereitet.
Für einzelne Parameter in der Frühphase (v. a. vor 1930) liegen interpolierte Werte vor, die für die Trendvisualisierung geeignet sind, aber mit größerer Unsicherheit behaftet sein können.
1. Jahresmitteltemperatur: Der Erwärmungstrend
Die Jahresmitteltemperatur in Mallnitz ist im Verlauf der letzten Jahrzehnte deutlich angestiegen. Im Vergleichszeitraum 1940–1975 lag das Jahresmittel bei durchschnittlich 5,0 °C. In den letzten zehn Jahren (2015–2025) stieg dieser Wert auf 6,5 °C – ein Anstieg von +1,4 °C (+28 %). Das Jahr 2024 brachte mit 7,4 °C einen neuen Rekord für die gesamte Messreihe. Der Anstieg hat sich ab den 1980er-Jahren deutlich beschleunigt.
Jahresmitteltemperatur 1900–2025
Jahresmitteltemperatur in °C mit 10-Jahres-Mittel (dicke Linie) und linearem Trend (gestrichelt). Quelle: GeoSphere Austria, Station Mallnitz (1.197 m).
2. Monatliche Temperaturen im Wandel der Jahrzehnte
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich der monatlichen Temperaturen über verschiedene Zeiträume. Monatliche Höchst- und Tiefsttemperaturen liegen ab 1931 vor. Wir vergleichen drei Perioden: 1931–1959, 1960–1989 und 1990–2025. Die Erwärmung ist nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt – besonders die Sommermonate und der Frühling zeigen markante Zunahmen bei den Höchsttemperaturen.
Durchschnittliche Höchsttemperaturen pro Monat nach Periode
Monatsmittel der Tageshöchsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.
Auch die Tiefsttemperaturen haben sich verändert. Die Winterminima fallen weniger tief aus als früher – ein klares Zeichen für mildere Winter. Im Sommer liegen die Nachttemperaturen ebenfalls höher, was sich auf Gletscher und Permafrost in höheren Lagen auswirkt.
Durchschnittliche Tiefsttemperaturen pro Monat nach Periode
Monatsmittel der Tagestiefsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.
3. Sommertage, Eistage und Frosttage
Die sogenannten Kenntage sind aussagekräftige Indikatoren für den Klimawandel. Ein Sommertag wird gezählt, wenn das Temperaturmaximum mindestens 25 °C erreicht. Hitzetage (Maximum ≥ 30 °C) sind auf 1.197 m Seehöhe ein seltenes Phänomen – bisher traten sie in nur 9 von 95 Jahren auf, zuletzt 2019 mit gleich 5 Hitzetagen. Eistage sind Tage, an denen die Temperatur durchgehend unter dem Gefrierpunkt bleibt (Maximum < 0 °C). Frosttage werden registriert, wenn das Minimum unter 0 °C fällt. Für diese Parameter liegen erst ab 1931 verlässliche Messwerte vor.
Bemerkenswerte Veränderungen (Ø 1940–1975 vs. 2015–2025)
- Die Sommertage haben sich von durchschnittlich 9 auf 23 pro Jahr mehr als verdoppelt (+158 %). 2024 brachte mit 37 Sommertagen einen absoluten Rekord auf 1.197 m Seehöhe.
- Die Frosttage sind von durchschnittlich 154 auf 140 pro Jahr zurückgegangen – ein Rückgang von 14 Tagen (−9 %).
- Die Eistage sanken von durchschnittlich 43 auf 27 pro Jahr (−38 %), mit dem Tiefstwert von nur 9 Eistagen im Jahr 2024.
Sommertage pro Jahr (Maximum ≥ 25 °C)
Anzahl der Sommertage pro Jahr. Rot hervorgehoben: Jahre mit 25 oder mehr Sommertagen.
Hitzetage pro Jahr (Maximum ≥ 30 °C)
Anzahl der Hitzetage pro Jahr. Auf 1.197 m Seehöhe ein seltenes Ereignis – in 95 Jahren Messgeschichte wurden nur in 9 Jahren Hitzetage registriert.
Frosttage pro Jahr (Minimum < 0 °C)
Anzahl der Frosttage pro Jahr mit linearem Trend.
Eistage pro Jahr (Maximum < 0 °C)
Anzahl der Eistage pro Jahr mit linearem Trend.
4. Schnee im Wandel
Für eine Bergregion wie Mallnitz ist der Schnee von zentraler Bedeutung – für Tourismus, Wasserversorgung und Ökosysteme gleichermaßen. Die Daten zeigen einen beunruhigenden Trend: Sowohl die maximale Schneehöhe als auch die Anzahl der Tage mit geschlossener Schneedecke gehen langfristig zurück.
Die durchschnittlichen Schneedeckentage sind von 106 pro Jahr (Ø 1940–1975) auf nur noch 74 in den letzten zehn Jahren zurückgegangen – ein Rückgang von 32 Tagen (−30 %). Die Jahre 2024 und 2025 verzeichneten jeweils nur noch 31 Schneedeckentage. Die durchschnittliche maximale Schneehöhe sank von 69 cm (Ø 1940–1975) auf 54 cm (2015–2025, −21 %). Dabei treten extreme Schneewinter mit über 100 cm weiterhin auf – zuletzt 2020 und 2021 –, allerdings ist die Häufigkeit solcher Ereignisse langfristig zurückgegangen.
Maximale Schneehöhe pro Jahr (cm)
Maximale Gesamtschneehöhe pro Jahr in Zentimetern mit linearem Trend.
Schneedeckentage pro Jahr
Tage mit geschlossener Schneedecke pro Jahr.
Extremschneefall: Maximaler 3-Tages-Neuschnee pro Jahr (cm)
Höchster 3-Tages-Neuschneewert pro Jahr in Zentimetern (ab 1983, Beginn der täglichen Neuschneemessung). Die rote Linie markiert die 50-cm-Schwelle für Starkschneefälle.
5. Jahresniederschlag
Beim Niederschlag ist das Bild weniger eindeutig als bei der Temperatur. Der Jahresniederschlag in Mallnitz schwankt erheblich zwischen rund 520 mm (1918) und über 1.400 mm (2020). Ein klarer Langzeittrend ist weniger ausgeprägt, allerdings deuten die Daten der letzten Jahrzehnte auf eine leichte Zunahme hin. Das könnte auf intensivere Niederschlagsereignisse zurückzuführen sein – ein typisches Merkmal des Klimawandels auch im Alpenraum.
Jahresniederschlag 1900–2025 (mm)
Jahresniederschlag in Millimetern mit linearem Trend.
Auch beim monatlichen Niederschlag lohnt sich ein Blick auf die Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte. Die folgende Grafik vergleicht die durchschnittlichen Monatsniederschläge über vier Perioden (Niederschlagsdaten liegen ab 1900 nahezu lückenlos vor).
Durchschnittlicher Monatsniederschlag nach Periode
Monatsniederschlag (mm), gemittelt über die jeweilige Periode.
6. Fazit: Der Klimawandel in Mallnitz in Zahlen
Die 125 Jahre umfassende Klimareihe der GeoSphere-Austria-Station Mallnitz zeichnet ein klares Bild: Der Klimawandel ist im inneralpinen Raum kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern messbare Realität.
Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:
Diese Veränderungen haben weitreichende Konsequenzen: Die Gletscher rund um Mallnitz – darunter jene an Hochalmspitze und Ankogel – verlieren rasant an Masse. Die Vegetationsperiode verlängert sich, die Baumgrenze verschiebt sich nach oben, und der natürliche Wasserkreislauf verändert sich. Für den Wintertourismus bedeutet weniger Schnee auf 1.200 m Seehöhe eine zunehmende Herausforderung.
Die Daten aus Mallnitz fügen sich nahtlos in das globale Bild ein – und machen den Klimawandel in einer Auflösung sichtbar, die auf Gemeindeebene direkte Relevanz hat.