Die Schneefallgrenze steigt bis 2100 um fast 900 Meter — Folgen für die Skigebiete in Kärnten und Osttirol
Heute fällt der Kernwinter-Niederschlag oberhalb von rund 1.290 m überwiegend als Schnee — ohne Klimaschutz verschiebt sich diese Grenze bis zum Ende des Jahrhunderts auf etwa 2.170 m. Was das für die Skigebiete in Kärnten und Osttirol bedeutet, berechnet am Beispiel des Skigebiets Ankogel bei Mallnitz.
📖 Zitierfähig: doi:10.5281/zenodo.20557243 · CC BY 4.0 · Autor: Mag. David Kaufmann
Die folgenden Ergebnisse sind für den Raum Mallnitz/Ankogel berechnet, gelten in ihren Höhenstufen aber näherungsweise für alle Skigebiete in Kärnten und Osttirol — ausgenommen sehr hoch gelegene Gebiete wie der Mölltaler Gletscher. Grundlage sind 29 beobachtete Winter (1991/92–2019/20) und 32 Klimamodell-Läufe[1,4] — mit und ohne Klimaschutz.
Inhalt
Die Schneefallgrenze steigt
Der Winterniederschlag nimmt in den Modellen leicht zu — entscheidend ist, ob er als Schnee fällt. Die Höhe, oberhalb derer im Kernwinter (Dez.–Feb.) mindestens 80 % der Niederschlagsmenge als Schnee fällt, liegt heute bei rund 1.290 m und steigt bis 2100 ohne Klimaschutz auf etwa 2.170 m — ein Anstieg um fast 900 Meter, über die Mittelstation (1.945 m) hinaus. Im März liegt die Schneefallgrenze jeweils rund 500 m höher[3].
Kernwinter Dez.–Feb.
(RCP 8.5)
gegenüber dem Kernwinter
Was das für die Skigebiete in Kärnten und Osttirol bedeutet
Die Schwellen dieser Analyse hängen allein von Seehöhe und Klima ab — sie lassen sich deshalb auf die Skigebiete in Kärnten und Osttirol insgesamt übertragen. Im ungünstigsten Szenario heißt das bis zum Ende des Jahrhunderts: Skigebieten in Kärnten und Osttirol, deren Pisten überwiegend unterhalb von etwa 1.600 m liegen, droht das Aus — selbst mit intensiver künstlicher Beschneiung ist dort kein verlässlicher Skibetrieb mehr möglich, weil die Kaltfenster für die Grundbeschneiung zu selten werden[1]. Zwischen rund 1.600 und 2.300 m bleibt der Betrieb möglich, verlangt aber deutlich mehr Beschneiungsaufwand. Verlässlich gesichert bleibt Skibetrieb ohne Klimaschutz erst oberhalb von rund 2.300–2.400 m — eine Höhe, die neben Gletscherskigebieten wie dem Mölltaler Gletscher nur Gebiete mit hoch gelegenen Bergstationen erreichen; am Ankogel liegt die Bergstation mit 2.636 m darüber.
Mit konsequentem Klimaschutz (RCP 4.5) entspannt sich das Bild deutlich: Dann bleibt Beschneiung oberhalb von etwa 1.750 m auch am Ende des Jahrhunderts gut möglich[1,6].
Grafiken für Medien: Beide Abbildungen stehen in Druckauflösung als PNG zur Verfügung (Schneefallgrenze, Höhenprofil) und dürfen bei Nennung der Quelle „Tauernwetter-Forschung / tauernwetter.at“ redaktionell verwendet werden.
Die Antwort auf einen Blick
Ist der Skibetrieb um 2050 gesichert? Ja. Mit und ohne Klimaschutz reichen die Kaltfenster an Mittel- und Bergstation für verlässliche Beschneiung. Die Talabfahrt braucht spürbar mehr Beschneiungsaufwand, bleibt aber machbar.
Und um 2100? Mit konsequentem Klimaschutz (RCP 4.5) an Mittel- und Bergstation ja, im Tal nur mit hohem Beschneiungsaufwand. Ohne Klimaschutz (RCP 8.5) bleibt der Betrieb oberhalb von rund 2.300–2.400 m gesichert — die Bergstation (2.636 m) liegt deutlich darüber. Unterhalb von etwa 1.600 m ist Beschneiung dann nicht mehr verlässlich.
| Zeithorizont & Szenario | Talabfahrt ~1.200 m | Mittelstation 1.945 m | Bergstation 2.636 m |
|---|---|---|---|
| um 2050 — mit und ohne Klimaschutz | erhöhter Aufwand | gesichert | gesichert |
| um 2100 — konsequenter Klimaschutz (RCP 4.5) | erhöhter Aufwand | gesichert | gesichert |
| um 2100 — ohne Klimaschutz (RCP 8.5) | nicht mehr verlässlich | erhöhter Aufwand | gesichert |
Bewertung aus drei Kriterien: Kaltfenster für die Grundbeschneiung (Nov.–Dez.), Schneefallgrenze im Kernwinter (Dez.–Feb.) und Naturschneedecke. Schwellen und Methode im Abschnitt Methodik.
Einordnung: Die Veränderungen bis 2050 sind kaum mehr aufzuhalten — selbst ein sofortiger Emissionsstopp würde daran wenig ändern. Der große Unterschied entsteht zwischen 2050 und 2100: konsequenter Klimaschutz oder weiter steigende Emissionen. Die finanzierten Anlagen wirken über ihre Lebensdauer von 20–30 Jahren — in diesem Zeitraum bleiben die Kaltfenster in allen Höhenlagen ausreichend. Ein Speicherteich erhöht die in kurzen Kaltfenstern nutzbare Wassermenge; seine Bedeutung wächst, je kürzer diese Fenster werden.
Was ist ein Beschneiungstag?
Eine Beschneiungsstunde ist eine Stunde, in der die Feuchtkugeltemperatur — die für Schneekanonen maßgebliche Kombination aus Lufttemperatur und Luftfeuchte — unter −2 °C liegt. Erst ab etwa drei zusammenhängenden solchen Stunden lohnt der Anlagenbetrieb: Anfahren, Einregeln von Wasser- und Luftdruck und eine brauchbare Schneequalität benötigen diese Mindestdauer. Als Beschneiungstag zählt hier daher ein Tag mit mindestens drei Beschneiungsstunden.
Je weiter oben am Berg, desto mehr Tage pro Saison ist Beschneiung thermisch möglich — mit zunehmender Seehöhe steigt die Zahl der Kaltfenster deutlich an, und der Abstand zwischen den Szenarien wird kleiner. Das vollständige Höhenprofil (1.200–3.000 m) zeigt der PDF-Bericht[6].
Grundbeschneiung vor Weihnachten
Entscheidend für den Saisonstart ist, ob im November und Dezember genug Kaltfenster für den Aufbau der Grundschneedecke zusammenkommen. Von 61 möglichen Tagen sind heute im Tal 40 kalt genug, an der Bergstation 56. Ohne Klimaschutz (RCP 8.5) verbleiben im Tal um 2100 nur noch 16 Tage — zu wenig für eine verlässliche Grundbeschneiung. An der Bergstation bleiben 39 Tage; dort gelingt der Saisonstart weiterhin.
von 61 Tagen · um 2050 noch 31–35
unter der Schwelle von 20 Tagen
Saisonstart weiterhin gesichert
In den vergangenen Wintern konnte das Ankogelgebiet mangels Schnee oft erst Anfang Jänner öffnen. Der Ausbau der Beschneiung zielt genau darauf: die Kaltfenster im November und Dezember zu nutzen und den Saisonstart zu Weihnachten aus eigener Kraft abzusichern.
Naturschnee als Rückhalt
Tage mit natürlicher Schneedecke pro Jahr: im Tal heute 134, um 2100 noch 91 (RCP 4.5) bzw. 53 (RCP 8.5) — Werte wie auf tauernwetter.at/klimawandel/mallnitz[5]. Über 2.400 m bleibt die Schneedecke selbst im ungünstigsten Fall an die 200 Tage liegen; dort trägt der Naturschnee auch künftig einen erheblichen Teil des Bedarfs.
Schneedeckentage pro Jahr
mit / ohne Klimaschutz
auch im ungünstigsten Fall
Beschneiungstage je Standort
Beschneiungstage pro Saison (Nov.–März) an den drei Standorten — Ensemble-Median der Klimamodelle[1,4], aufgesetzt auf die beobachtete Gegenwart:
| Standort | heute 1991–2020 | um 2050 RCP 4.5 | um 2050 RCP 8.5 | um 2100 RCP 4.5 | um 2100 RCP 8.5 |
|---|---|---|---|---|---|
| Mallnitz Ort (1.190 m) | 111 | 97 | 88 | 86 | 53 |
| Ankogel Mittelstation (1.945 m) | 127 | 119 | 110 | 109 | 76 |
| Ankogel Bergstation (2.636 m) | 144 | 141 | 136 | 137 | 117 |
Hinweis zum Gelände: Oberhalb von etwa 2.800 m ist der Untergrund überwiegend felsig — eine befahrbare Piste braucht dort eine deutlich höhere Schneedecke; viele Kaltfenster bedeuten also nicht automatisch geringen Schneibedarf.
Methodik und Grenzen
Methodik in Kürze
Beschneiungstage: tägliche Stunden mit Feuchtkugeltemperatur ≤ −2 °C (FuSE-AT, 1-km-Gitter)[1]; ein Beschneiungstag = mindestens 3 solcher Stunden. Zukunft: 32 Klimamodell-Läufe (je 16× RCP 4.5 / 8.5)[4], Ensemble-Median 2041–2060 („2050“) und 2081–2100 („2100“), als Änderung auf die beobachtete Gegenwart aufgesetzt.
Naturschnee: tägliche Schneehöhe (SNOWGRID-CL, 1 km)[2], Schneedeckentag ab 1 cm; Talwert abgeglichen mit tauernwetter.at/klimawandel/mallnitz[5] (dort Fenster 2071–2100, daher geringfügig mildere Werte).
Schneefallgrenze: ereignisbasierte Auswertung von 871 Niederschlagstagen der Mallnitzer Reihe 1991–2020[3], Höhenverschiebung mit 0,55 °C je 100 m.
Bewertung (Tabelle oben): grün = über 30 Kaltfenster-Tage im Nov./Dez. und Schneefallgrenze nicht über der Höhenstufe; gelb = 20–30 Tage; rot = unter 20 Tage (Grundbeschneiung nicht mehr verlässlich).
Grenzen der Aussage
Die Werte beschreiben das thermische Potenzial; Wasserverfügbarkeit, Wind und betriebliche Faktoren sind nicht enthalten. Einzelne Winter streuen stark um die Mittelwerte. Klimamodelle haben die reale Erwärmung tendenziell unterschätzt — die Zukunftswerte sind eher als obere Grenze zu lesen.
Vollständige Analyse als PDF
5 Seiten Fachbriefing mit Höhenprofil-Grafik (1.200–3.000 m), Bewertung je Höhenlage, Saisonstart-Kennzahlen, Schneefallgrenze und vollständiger Methodik.
PDF herunterladenSchneesicherheit_Ankogel_Tauernwetter-Forschung.pdf (ca. 1,8 MB)
Zitiervorschlag
Kaufmann, D. (2026): Schneesicherheit im Skigebiet Ankogel im Klimawandel — Analyse für die Gemeinde Mallnitz. Tauernwetter-Forschung, A-9822 Mallnitz. Version 1.0, Stand 5. Juni 2026. DOI: 10.5281/zenodo.20557243