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Hohe Waldbrandgefahr in Kärnten und Osttirol: Lesachtal erst der Anfang?

| Mag. David Kaufmann | Mallnitz, Kärnten

Der Waldbrand im Lesachtal auf rund 35 Hektar Fläche ist das sichtbarste Ereignis einer meteorologischen Ausnahmesituation, die sich seit Wochen in Kärnten und Osttirol aufbaut. Die Waldbrandgefahr ist aktuell in weiten Teilen beider Länder hoch, in einzelnen Regionen liegt die Risikoeinschätzung auf der höchsten Warnstufe. Tauernwetter hat auf diese Entwicklung bereits in mehreren Artikeln seit Anfang April ausdrücklich hingewiesen und ordnet die meteorologischen Hintergründe nun erneut ein.

Trockene Nadelwaldböden bieten bei anhaltender Niederschlagsarmut ideale Bedingungen für die rasche Brandausbreitung
Trockene Nadelwaldböden bieten bei anhaltender Niederschlagsarmut ideale Bedingungen für die rasche Brandausbreitung. Symbolbild: Pixabay / pasja1000.

Die aktuelle Lage im Lesachtal

Im Bereich Promeggen östlich von Maria Luggau in der Gemeinde Lesachtal im Bezirk Hermagor brach der Waldbrand am Donnerstagabend gegen 21 Uhr aus. Innerhalb weniger Stunden breitete sich das Feuer auf acht Hektar Waldfläche aus. Bis Freitag in der Früh waren es bereits 25 Hektar, gegen 8:40 Uhr meldete die Landesalarm- und Warnzentrale eine Ausdehnung auf 35 Hektar.

Die Löscharbeiten mussten in der Nacht aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden und wurden um 7 Uhr fortgesetzt. Fünfzehn Feuerwehren aus dem Lesachtal, dem oberen Gailtal, dem Bezirk Spittal an der Drau und aus Osttirol stehen im Einsatz, unterstützt von zwei Hubschraubern. Die Bundesstraße 111 ist im betroffenen Abschnitt gesperrt. Die Ortschaft Xaveriberg ist nach Angaben des Bürgermeisters Bernhard Knotz zwar stark im Rauch verhüllt, aber nicht unmittelbar gefährdet.

Mittlere Warnstufe im Lesachtal – was das bedeutet

Bemerkenswert aus meteorologischer Sicht ist, dass das Lesachtal im ALPIXION-Waldbrandrisikoindex aktuell nur auf der mittleren Warnstufe liegt. Dass dort trotzdem ein Brand auf 35 Hektar entstehen konnte, zeigt, wie trügerisch das sein kann. Ein Waldbrand braucht immer eine Zündquelle, und wenn diese auf einen vorgeschädigten Bestand trifft, kann sich das Feuer auch bei mittlerer Risikostufe rasch ausbreiten. Das gilt insbesondere bei starkem Wind, wie er im Einsatzgebiet in der Nacht geherrscht hat.

Mittel bedeutet also nicht unbedenklich. Das Risiko ist geringer als in den Hochrisikogebieten, aber bei ungünstigen lokalen Bedingungen ist auch hier ein Großbrand möglich. Wenn schon auf mittlerer Stufe ein Ereignis dieses Ausmaßes auftritt, zeigt das, wie kritisch die Lage in jenen Regionen ist, die aktuell auf den höheren Warnstufen liegen.

Wo die Waldbrandgefahr aktuell am höchsten ist

Die Auswertung des ALPIXION-Waldbrandrisikoindex für Freitagnachmittag zeigt deutliche regionale Unterschiede.

ALPIXION-Waldbrandgefahrenkarte für Kärnten und Osttirol am 24. April 2026
Die ALPIXION-Waldbrandgefahrenkarte zeigt am Freitag, 24. April 2026, verbreitet hohe Waldbrandgefahr in Kärnten und Osttirol. Im Lavanttal und entlang der Koralpe wird stellenweise die höchste Stufe „sehr hoch“ erreicht. Modell: TAUERNWETTER ® ALPIXION. Grafik: tauernwetter.at

Höchste Warnstufe

Auf der höchsten Warnstufe „sehr hoch“ liegen aktuell vor allem exponierte Lagen im östlichen Kärnten. Deutlich sichtbar sind Risikoschwerpunkte rund um Wolfsberg und St. Andrä im Lavanttal sowie entlang der Koralpe. Auch in einzelnen Hanglagen Osttirols und an wenigen exponierten Stellen im Oberen Drautal wird die höchste Stufe erreicht. In diesen Gebieten kann schon ein Zigarettenstummel, ein Grillfeuer oder Funkenflug von Maschinen einen Großbrand auslösen.

Hohe Warnstufe

Auf der hohen Warnstufe liegen weite Teile Mittelkärntens, das Lavanttal, das Untere und das Obere Drautal, das Mölltal sowie die inneralpinen Tallagen Osttirols rund um Matrei und östlich von Lienz. Auch dort können sich Brände bei Wind rasch ausbreiten.

Mittlere Warnstufe

Auf mittlerer Stufe liegen aktuell das Lesachtal, das Obere Gailtal, das Gebiet rund um das Nassfeld, das Klagenfurter Becken, die Karawanken, das Rosental sowie einzelne Regionen im unteren Lavanttal. Auch hier gilt: Vorsicht ist geboten, das Risiko ist real, wie der Brand im Lesachtal zeigt.

Die aktuelle Waldbrandrisikokarte ist unter tauernwetter.at/modelle abrufbar und wird viermal täglich mit jedem neuen Modelllauf aktualisiert.

Warum die Brandgefahr im April 2026 flächendeckend so hoch ist

Die Lage hat sich über Monate aufgebaut und ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Tauernwetter hat in mehreren Artikeln seit Anfang April ausdrücklich auf diese Entwicklung hingewiesen, zuletzt in der Einschätzung vom 16. April.

Massives Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn

Seit 1. Jänner 2026 haben Kärnten und Osttirol im Durchschnitt rund 42 Prozent weniger Niederschlag erhalten als im Klimamittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. In einzelnen Regionen ist das Defizit noch deutlich ausgeprägter. Auf der Villacher Alpe sind seit Jahresbeginn nur 155 von üblicherweise 354 Millimetern gefallen, in Weitensfeld im Gurktal 70 von 150 Millimetern. Auch in der Landeshauptstadt Klagenfurt fehlt seit Jahresbeginn rund die Hälfte des üblichen Niederschlags.

Niederschlagsabweichung Kärnten und Osttirol vom 1. Jänner bis 23. April 2026
Das Niederschlagsdefizit in Kärnten und Osttirol beträgt seit Jahresbeginn 42 Prozent gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990. Daten: GeoSphere Austria SPARTACUS. Grafik: tauernwetter.at

Ein Italientief Mitte April, auf das seit Tagen gehofft worden war, brachte in der gesamten Region lediglich zwei bis acht Liter pro Quadratmeter. Diese Menge befeuchtet den Boden kurzfristig, verbessert den Wasserhaushalt im Wald aber nicht nachhaltig. Das Defizit ist in den vergangenen Tagen sogar weiter angewachsen.

Temperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel

Parallel zur Trockenheit liegen die Temperaturen seit Jahresbeginn rund 2,3 Grad über dem Mittel der Referenzperiode 1961 bis 1990. Höhere Temperaturen beschleunigen die Verdunstung. Je wärmer es ist, desto mehr Feuchtigkeit entzieht die Luft dem Boden und der Vegetation, selbst dann, wenn es nicht aktiv trocken im Sinne fehlenden Niederschlags ist. Weniger Niederschlag und gleichzeitig mehr Verdunstung – das verstärkt sich gegenseitig und macht die Brandgefahr so akut.

Die Rolle des Windes

Die meisten Waldbrände entstehen nicht bei maximaler Hitze, sondern bei maximaler Windaktivität. Wind trägt Glut und Funkenflug über größere Distanzen und liefert gleichzeitig Sauerstoff an die Brandfront. In einem trockenen Bestand aus Nadelbäumen mit hohem Harzanteil genügt wenig, um aus einem begrenzten Glimmbrand ein flächiges Feuer zu machen. Das aktuelle Ereignis im Lesachtal ist dafür das direkteste Beispiel: Der Bezirksfeuerwehrkommandant hat ausdrücklich den in der Nacht herrschenden Wind als entscheidenden Faktor für die rasche Ausbreitung genannt.

In den kommenden Tagen werden in Kärnten und Osttirol immer wieder Windspitzen zwischen 30 und 50 Kilometern pro Stunde erwartet, in exponierten Lagen auch darüber.

Der Waldbrandrisikoindex von ALPIXION

Das ALPIXION-Wettermodell von Tauernwetter berechnet für jede Region in Kärnten und Osttirol einen eigenen Waldbrandrisikoindex. In den Index fließen der Niederschlag der vergangenen Wochen, Lufttemperatur, Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit und die Vegetationsphase ein. Daraus ergibt sich für jeden Punkt eine Gefahrenstufe von sehr gering bis sehr hoch.

Die Berechnung erfolgt in einer räumlichen Auflösung von 800 Metern, deutlich feiner als in überregionalen Wettermodellen. Der Index dient als operatives Hilfsmittel für Gemeinden, Feuerwehren, Forstverwaltungen und die Bevölkerung, die auf Basis der meteorologischen Einschätzung eigene Maßnahmen planen können.

Wetterprognose bis Montag – kaum Niederschlag in Sicht

Die Wetterlage bleibt in den kommenden vier Tagen weitgehend stabil. Nennenswerte Niederschläge sind bis Montagabend nicht zu erwarten. Die ALPIXION-Niederschlagsprognose zeigt für den Zeitraum bis Montag, 27. April um 22 Uhr MESZ, in weiten Teilen Kärntens weniger als zwei Millimeter. Lediglich im Oberen Gailtal rund um Greifenburg sind lokal bis zu neun Millimeter möglich, in Osttirol zwischen drei und sechs Millimetern. Das entspricht auch dort keiner substanziellen Entspannung für den Wasserhaushalt.

ALPIXION-Niederschlagsprognose für Kärnten bis Montag 27. April 2026
Die akkumulierte Niederschlagsprognose des ALPIXION-Modells für die kommenden vier Tage bis Montagabend, 27. April 2026. In weiten Teilen Kärntens werden weniger als zwei Millimeter erwartet. Lediglich im Oberen Gailtal rund um Greifenburg und in Teilen Osttirols sind etwas größere Mengen möglich. Modell: TAUERNWETTER ® ALPIXION. Grafik: tauernwetter.at

Morgen, Samstag (25. April 2026)

Am Samstag scheint von früh bis spät die Sonne, nur ganz vereinzelt ziehen harmlose Wolkenfelder durch. Der Nordwind macht sich kaum noch bemerkbar, nur auf den Bergen weht er lebhaft aus Nordwest. Nach einer kühlen Nacht mit Frühwerten zwischen minus 1 Grad im Gurktal und 9 Grad im oberen Drautal wird es nochmals deutlich wärmer, die Temperaturen steigen auf 18 bis 26 Grad. Am wärmsten wird es im oberen Drautal und im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es um 6 Grad.

Übermorgen, Sonntag (26. April 2026)

Ein zweigeteilter Tag. Am Vormittag scheint verbreitet die Sonne, im Laufe des Nachmittags ziehen dann von Westen her immer mehr Wolken auf. Bis zum Abend wird es in Osttirol und Oberkärnten dicht bewölkt, weiter östlich bleibt es länger freundlich. Trocken bleibt es aber überall. Der Nordwestwind frischt tagsüber auf und weht in den nördlichen Landesteilen lebhaft, auf den Bergen stürmisch. Frühwerte zwischen 0 und 11 Grad, die Höchstwerte liegen noch einmal bei 16 Grad in den Tälern der Tauern und bis zu 26 Grad im Gurktal und im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es um 8 Grad.

Die Kombination aus Temperaturen bis 26 Grad, geringer Luftfeuchte und lebhaftem bis stürmischem Nordwestwind ist aus Sicht der Waldbrandvorhersage besonders ungünstig, und das gerade in jenen östlichen Landesteilen, in denen der ALPIXION-Index bereits die höchste Warnstufe anzeigt.

Montag (27. April 2026)

Am Montag überwiegen zunächst die Wolken, im Laufe des Vormittags setzt sich aber in weiten Teilen des Landes die Sonne durch. In Osttirol bleibt es dagegen trüb, vom Pustertal bis ins Lienzer Becken regnet es zeitweise, im oberen Mölltal gehen gegen Abend ein paar Regenschauer nieder. Der Wind dreht auf Süd und weht in den Tauern und auf den Bergen lebhaft bis kräftig. Frühwerte zwischen 4 und 9 Grad, die Höchstwerte erreichen 15 Grad in den höher gelegenen Tälern und bis zu 23 Grad im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es um 10 Grad.

Wie entwickelt sich die Situation weiter?

Auch über Montag hinaus ist kein größeres Niederschlagsereignis in Sicht. Derzeit zeichnet sich in den Wettermodellen kein Niederschlagsereignis ab, das die Lage spürbar entspannen könnte. Seit Mitte Dezember 2025 taucht in den Modellen zwar immer wieder ein Italientief mit ergiebigem Niederschlag auf, aber fast jedes Mal hat es kurz vor dem erwarteten Eintreffen die Zugbahn geändert oder Kärnten nur gestreift. Ob sich daran etwas ändert, lässt sich frühestens Mitte nächster Woche seriös einschätzen.

Solange es nicht ordentlich regnet, bleibt die Waldbrandgefahr in Kärnten und Osttirol auf hohem Niveau. In einzelnen Hochrisiko-Regionen ist mit einer weiteren Verschärfung zu rechnen, wenn die Trockenphase andauert.

Hydrologische Einordnung

Die unmittelbar sichtbare Trockenheit an der Oberfläche, also staubende Äcker, trockene Waldböden und vertrocknende Wiesen, ist nur ein Teil des Bildes. Parallel dazu beobachten die zuständigen Stellen den Zustand der Gewässer und des Grundwassers. Niedrige Grundwasserstände und abnehmende Quellschüttungen entwickeln sich deutlich langsamer als die Oberflächentrockenheit, können aber bei anhaltender Trockenheit über Monate hinweg zum ernsthaften Problem werden.

Aktuelle hydrologische Daten zur Situation in Kärnten veröffentlicht der Hydrographische Dienst Kärnten auf hydrographie.ktn.gv.at und im Echtzeit-Dashboard auf hydrodash.ktn.gv.at. Für Fragen zur konkreten Trinkwasserversorgung sind die jeweiligen kommunalen Wasserversorger zuständig.

Was jetzt wichtig ist

Für die Bevölkerung in den Regionen mit hoher oder höchster Waldbrandgefahr bedeutet die aktuelle Lage äußerste Vorsicht. Offene Feuer im Wald und in der Nähe trockener Vegetation sind strikt zu vermeiden, ebenso das Wegwerfen von Zigarettenstummeln. Wer einen Waldbrand bemerkt, sollte umgehend die Feuerwehr unter 122 verständigen.

Tauernwetter beobachtet die Entwicklung in den kommenden Tagen und aktualisiert den Waldbrandrisikoindex mit jedem Modelllauf viermal täglich. Bei einsetzendem Niederschlag oder markanten Änderungen der Wetterlage informieren wir gesondert.

Weiterführende Informationen

Die aktuelle Waldbrandrisikokarte des ALPIXION-Modells ist unter tauernwetter.at/modelle jederzeit abrufbar. Aktuelle hydrologische Daten veröffentlicht der Hydrographische Dienst Kärnten auf hydrographie.ktn.gv.at.

Quellen: TAUERNWETTER ® ALPIXION Modell, GeoSphere Austria SPARTACUS via CC BY 4.0, Landesalarm- und Warnzentrale Kärnten, ORF Kärnten. Titelbild: Pixabay / pasja1000.

Urheberrecht des Inhaltes und der Grafiken: tauernwetter.at

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