Trockenheit in Kärnten: Italientief brachte kaum Regen, erste Gemeinden rufen zum Wassersparen auf
Das Italientief, auf das in Kärnten und Osttirol seit Tagen gehofft wurde, hat deutlich weniger Regen gebracht als in den Wettermodellen angekündigt war. Verbreitet fielen in Kärnten und Osttirol nur 2 bis 8 Liter pro Quadratmeter – viel zu wenig, um die anhaltende Trockenheit in irgendeiner Form zu mildern. Damit ist das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn 2026 weiter gewachsen und erreicht im Flächenmittel für Kärnten und Osttirol mittlerweile 41 Prozent. In einzelnen Regionen fehlen inzwischen mehr als 50 Prozent des üblichen Niederschlags.
Das Defizit seit Jahresbeginn wächst weiter
Die aktuellen Klimadaten von GeoSphere Austria zeigen das Ausmaß der anhaltenden Trockenheit deutlich. Vom 1. Jänner bis zum 15. April 2026 sind im Flächenmittel für Kärnten und Osttirol 41 Prozent weniger Niederschlag gefallen als im langjährigen Klimamittel der Periode 1961 bis 1990. Besonders stark ausgeprägt ist das Defizit in einigen Regionen Mittelkärntens, vom Klagenfurter Becken bis ins Gurktal und im Bereich der Villacher Alpe.
Auf der Villacher Alpe sind seit Jahresbeginn nur 155 Millimeter Niederschlag gefallen. Üblich wären in diesem Zeitraum 354 Millimeter – es fehlen also knapp 200 Liter pro Quadratmeter, das entspricht einem Defizit von 56 Prozent. In Weitensfeld im Gurktal beträgt das Defizit 54 Prozent, dort sind statt der üblichen 150 Millimeter nur 70 Millimeter gefallen. Auch in der Landeshauptstadt Klagenfurt fehlt seit Jahresbeginn rund die Hälfte des üblichen Niederschlags.
Das Italientief enttäuschte auf ganzer Linie
Noch in der Vorwoche hatten die Wettermodelle für das Italientief verbreitet 20 bis 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter angekündigt, in den Staulagen der Karnischen Alpen und der Karawanken sogar darüber. Eingetroffen ist davon nur ein Bruchteil. In ganz Kärnten und Osttirol wurden während des Durchzugs des Tiefs lediglich 2 bis 8 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das ist weniger, als in einer durchschnittlichen Aprilwoche an Regen fällt, und steht in keinem Verhältnis zu den Mengen, die für einen spürbaren Ausgleich des Defizits nötig gewesen wären.
Um das einzuordnen: In einem durchschnittlichen April fallen an den meisten Stationen in Kärnten rund 50 Liter pro Quadratmeter, das sind etwa 10 bis 15 Liter pro Woche. Die 2 bis 8 Liter dieser Woche liegen deutlich unter diesem Wochenschnitt. Das Niederschlagsdefizit ist damit durch das Italientief nicht kleiner geworden, sondern in vielen Landesteilen sogar weiter angewachsen.
Bis Sonntag keine nennenswerten Niederschläge
In den kommenden Tagen bleibt das Wetter in Kärnten und Osttirol weitgehend trocken. Am Freitag und Samstag scheint verbreitet die Sonne, bei Höchstwerten zwischen 13 und 23 Grad. Erst am Sonntagnachmittag ziehen in Osttirol und Oberkärnten einzelne Regenschauer auf, die sich am Abend auf weite Teile Kärntens ausbreiten könnten. Die erwarteten Regenmengen bleiben aber gering. Die ALPIXION-Prognose zeigt bis Sonntagabend verbreitet weniger als 5 Millimeter Niederschlag.
Nächstes Italientief in Sicht – doch die Skepsis wächst
Die Wettermodelle berechnen für die kommende Woche und darüber hinaus erneut ein Italientief mit ergiebigerem Niederschlag für Kärnten und Osttirol. Das amerikanische GFS-Modell zeigt in seiner 16-Tage-Prognose für Ende April und den Übergang in den Mai wieder kräftigere Regenmengen, in den Staulagen der Karnischen Alpen und Karawanken sogar erhebliche Mengen. In einigen höher gelegenen Tälern Osttirols und Oberkärntens wäre sogar Schneefall möglich.
Allerdings ist an dieser Stelle größte Vorsicht geboten. Seit Mitte Dezember 2025 taucht in den Wettermodellen mit auffälliger Regelmäßigkeit ein Italientief mit ergiebigem Niederschlag für Kärnten auf – immer fünf bis sieben Tage in der Zukunft, wie eine Karotte, die einem vor der Nase baumelt. Fast jedes Mal hat das Tief wenige Tage vor dem erwarteten Eintreffen die Zugbahn geändert und Kärnten nur gestreift oder ist südlich beziehungsweise östlich an uns vorbeigezogen. Das jüngste Italientief hat sich nahtlos in diese Serie eingereiht.
Das ist kein Zufall, sondern die Folge einer stabilen Großwetterlage, die Niederschlagssysteme seit Monaten um Kärnten und Osttirol herumlenkt. Solange sich diese Gesamtlage nicht grundlegend ändert, bleibt das Vertrauen in jede Langfristprognose mit ergiebigem Regen für Kärnten begrenzt. Eine ehrliche Einschätzung lautet daher: Man darf hoffen, sollte aber nicht darauf bauen.
Erste Gemeinden rufen zum Wassersparen auf
Die anhaltende Trockenheit hat bereits konkrete Auswirkungen auf die Wasserversorgung. Bereits im Jänner hatte der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer zum Wassersparen aufgerufen, nachdem die Quellschüttung der Stadtgemeinde von 120 auf 58 Liter pro Sekunde zurückgegangen war. Seither hat sich die Lage nicht entspannt, im Gegenteil. Auch die Gemeinde Malta startete im März einen Aufruf zum Trinkwassersparen in bestimmten Ortschaften, um die Versorgung weiterhin gewährleisten zu können.
Anfang April hat die Gemeinde Reißeck nachgezogen. Bürgermeister Stefan Schupfer erklärte, es bestehe zwar kein Wassernotstand, doch müssten Poolbefüllungen nun koordiniert erfolgen, damit der Wasserstand in den Hochbehältern nicht in Bedrängnis gerate. Besonders kleinere Gemeinden, die auf einzelne Quellfassungen angewiesen sind, geraten in Zugzwang. Größere Städte mit breiterer Versorgungsinfrastruktur sind vorerst weniger verwundbar, doch auch dort wird die Lage zunehmend kritisch beobachtet.
Schneeschmelze bringt nur kurze Entlastung
Ein weiterer Faktor verschärft die Situation: Die Schneereserven in den Bergen sind heuer weit unterdurchschnittlich. In normalen Jahren trägt die Schneeschmelze im Mai und Juni wesentlich zur Speisung der Bäche, Flüsse und Quellen bei. Dieser natürliche Puffer fehlt heuer weitgehend. Zwar liegen die Flusspegel derzeit durch die einsetzende Schmelze vorübergehend etwas höher, doch sobald der ohnehin geringe Schnee aufgebraucht ist, werden die Pegelstände abrupt zurückgehen – und diesmal ohne den üblichen Nachschub, der die Schmelze in normalen Jahren über Wochen streckt.
Saisonprognose: Mai und Juni weiterhin zu trocken
Die experimentelle Saisonprognose des amerikanischen Climate Prediction Center (CFSv2-Modell) gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Sowohl für den Mai als auch für den Juni 2026 zeigt das Modell unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen im Alpenraum. Erst ab Juli deutet sich wieder etwas ergiebigerer Niederschlag für unsere Region an.
Diese Langfristmodelle haben zwar eine höhere Eintreffwahrscheinlichkeit als ein Münzwurf, sie sind aber experimentell und können sich in alle Richtungen ändern. Bemerkenswert ist jedoch ein anderer Befund: Bis einschließlich Oktober zeigt das CFSv2-Modell keinen einzigen Monat, der nicht zu mild prognostiziert wird. Die Kombination aus zu warm und zu trocken über Monate hinweg wäre die denkbar ungünstigste.
Risiko extremer Sommertemperaturen durch ausgetrocknete Böden
Die anhaltende Trockenheit birgt noch ein weiteres, oft übersehenes Risiko. Wenn die Böden ausgetrocknet sind, fehlt im Sommer die Verdunstungskühlung. Normalerweise wird ein erheblicher Teil der Sonnenenergie dafür aufgewendet, Bodenwasser zu verdunsten, was die Luft kühlt. Fällt dieser Effekt weg, geht die gesamte Sonnenenergie in die direkte Erwärmung der Luft. In der Fachliteratur wird dieser Temperaturzuschlag an Hitzetagen auf 2 bis 5 Grad geschätzt.
Vereinfacht gesagt: Regionen, in denen es im vergangenen Sommer 37 oder 38 Grad hatte, könnten bei vergleichbarer Großwetterlage heuer aufgrund der ausgetrockneten Böden 40 oder 41 Grad erreichen, im ungünstigsten Fall sogar darüber. Das Klagenfurter Becken mit seiner Kessellage wäre davon besonders betroffen. Ein solcher Temperatursprung würde die Dürre auf den Feldern nochmals verschärfen und könnte den Ertrag bei Getreide und Grünland massiv einbrechen lassen.
Ehrliche Einordnung statt Alarmismus
Ein direkter Zusammenhang zwischen der aktuellen Trockenheit und dem Klimawandel ist für Kärnten und Osttirol nicht belegt. In den letzten 30 Jahren ist es in der Region beim Niederschlag sogar minimal feuchter geworden. Der Klimawandel zeigt sich in Kärnten vor allem über die Temperatur, nicht über den Niederschlag. Was wir derzeit erleben, ist in erster Linie eine ungünstige Großwetterlage, die sich über Monate verfestigt hat. Solche Phasen hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, wenn auch selten in dieser Dauer.
Der Klimawandel kann aber über die höheren Temperaturen die Auswirkungen der Trockenheit verstärken, weil wärmere Luft mehr Wasser verdunstet und die Böden schneller austrocknet. Genau über diesen Weg drohen im Sommer die beschriebenen extremen Temperaturwerte.
Zum jetzigen Zeitpunkt und auf Basis des aktuellen Prognosestandes ist es angebracht, die ernste Lage klar zu benennen. Es geht hier nicht um Alarmismus, sondern darum, die Gefahren jener Szenarien zu skizzieren, die derzeit meteorologisch am wahrscheinlichsten sind. Natürlich ist es möglich, dass es in zwei Wochen doch noch ergiebig regnet und der Mai und Juni feucht ausfallen. In diesem Fall würden wir uns freuen, auch wenn sich vermutlich etliche Menschen über das trübe Wetter beschweren würden. Bisher hat sich die Hoffnung auf den rettenden Regen allerdings seit vielen Monaten jedes Mal zerschlagen.
Die Wetteraussichten für Kärnten und Osttirol bis Montag
Morgen, Freitag (17. April 2026)
Viel Sonne und mild. Nach einer frischen Nacht mit Frühwerten von 0 bis 8 Grad scheint am Freitag von früh bis spät die Sonne, fast überall bleibt der Himmel den ganzen Tag wolkenlos. Nur in Mittelkärnten können am Nachmittag ganz vereinzelt ein paar Tropfen fallen, die den sonnigen Eindruck aber nicht trüben. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Nord, in den Tauern und Nockbergen zum Teil auch lebhaft. Die Temperaturen steigen auf 13 Grad in den höher gelegenen Tälern Unterkärntens und bis zu 22 Grad im Klagenfurter Becken. In 2000 Meter Höhe hat es um 5 Grad.
Übermorgen, Samstag (18. April 2026)
Am Samstag geht es ähnlich sonnig weiter. In der Früh ist es mit 1 bis 9 Grad noch frisch, im Defereggental oder im oberen Mölltal könnte es sogar leicht frostig sein. In den meisten Landesteilen scheint die Sonne den ganzen Tag von einem weitgehend wolkenlosen Himmel, nur in den Nockbergen und in Mittelkärnten mischen sich am Nachmittag ein paar Wolkenfelder dazu, es bleibt aber überall trocken. Bei schwachem bis mäßigem Nordwind klettern die Temperaturen auf 14 Grad in den Nockbergen und bis zu 23 Grad im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es um 7 Grad.
Sonntag (19. April 2026)
Am Sonntagvormittag scheint noch verbreitet die Sonne, nur in Osttirol verdichten sich die Wolken schon am späten Vormittag. Ab Mittag setzt dort stellenweise etwas Regen ein, der sich am Nachmittag auf Oberkärnten ausbreitet. Zum Abend hin ist dann überall ein Regenschauer oder ein Gewitter nicht ausgeschlossen. Die Frühwerte liegen bei 3 bis 8 Grad. Es weht zunehmend kräftiger Südwind, auf den Bergen sind am Abend sogar stürmische Böen möglich. Die Höchstwerte erreichen 14 Grad in den Tauern und bis zu 23 Grad im Klagenfurter Becken. In 2000 Meter Höhe hat es um 7 Grad.
Ausblick: Montag (20. April 2026)
Am Montag überwiegen voraussichtlich den ganzen Tag dichte Wolken und ab und zu kann es regnen. Der Regen legt allerdings immer wieder längere Pausen ein, und allzu viel Regen ist nach aktuellem Stand nicht zu erwarten. Im Norden des Landes weht kräftiger bis stürmischer Nordwind, in den Tauern und Nockbergen sind Sturmböen möglich. Im Klagenfurter Becken bleibt es dagegen windschwach. Bei Frühwerten von 5 bis 11 Grad erreichen die Höchstwerte nur noch 12 Grad in den Tauern bis 21 Grad in Klagenfurt.
Quellen: TAUERNWETTER ® ALPIXION Modell, GeoSphere Austria SPARTACUS via CC BY 4.0, GFS/NOAA, NOAA CPC/CFSv2. Titelbild: iStock / ligora.
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