89 Prozent bedeckt: Die größte Sonnenfinsternis über Österreich seit 1999
Heute Abend schiebt sich der Mond vor die Sonne. Um 19:26 Uhr beginnt die Finsternis, gegen 20:15 Uhr ist der Höhepunkt erreicht – dann sind je nach Standort 86 bis 89 Prozent der Sonne bedeckt. So viel war es über Österreich zuletzt am 11. August 1999.
Der Haken: Der Höhepunkt fällt fast genau mit dem Sonnenuntergang zusammen. Im Osten Österreichs ist die Sonne bereits untergegangen, bevor die Finsternis ihr Maximum erreicht, im Westen steht sie nur noch ein bis zwei Grad über dem Horizont. Wer etwas sehen will, braucht einen Standort mit freiem Blick nach Westen – und eine Sonnenfinsternisbrille.
Der Ablauf Ort für Ort
Die Zeiten und Bedeckungsgrade sind für neun Orte durchgerechnet. Der Unterschied zwischen West und Ost ist klein, entscheidend ist die Sonnenhöhe: Je weiter westlich, desto länger bleibt die Sonne über dem Horizont.
| Ort | Beginn | Maximum | bedeckt | Sonne beim Maximum |
|---|---|---|---|---|
| Bregenz | 19:27 | 20:18 | 89 % | geht um 20:41 Uhr unter |
| Innsbruck | 19:27 | 20:18 | 89 % | geht um 20:34 Uhr unter |
| Salzburg | 19:26 | 20:17 | 88 % | geht um 20:28 Uhr unter |
| Linz | 19:25 | 20:15 | 87 % | geht um 20:24 Uhr unter |
| Lienz | 19:28 | 20:18 | 89 % | geht um 20:28 Uhr unter |
| Mallnitz | 19:27 | 20:18 | 88 % | geht um 20:28 Uhr unter |
| Klagenfurt | 19:28 | 20:18 | 88 % | bereits untergegangen |
| Graz | 19:27 | 20:17 | 88 % | bereits untergegangen |
| Wien | 19:25 | 20:15 | 86 % | bereits untergegangen |
Im Osten geht die Sonne vor dem Höhepunkt unter
In Wien geht die Sonne um 20:15 Uhr unter – exakt dann, wenn die Finsternis ihren größten Wert erreicht. Sichtbar sind dort also nur die letzten Minuten davor, mit etwa 85 Prozent Bedeckung knapp über dem Horizont. In Graz und Klagenfurt ist es ähnlich. Im Westen bleibt mehr Zeit: In Innsbruck steht die Sonne beim Maximum noch gut einen Grad hoch, in Bregenz gut zwei.
Die Animation zeigt den Verlauf im Zwei-Minuten-Takt. Schraffiert ist jenes Gebiet, in dem die Sonne bereits untergegangen ist – die Linie wandert im Lauf des Abends von Osten nach Westen über das Land.
Das Wetter spielt mit
In fast ganz Österreich ist die Sicht gut bis ausgezeichnet, im Flachland und im Osten bleibt es nahezu wolkenlos. Etwas anders schaut es stellenweise im Süden aus: Über Kärnten, Osttirol und entlang der Alpensüdseite rechnet das Modell mit einigen Quellwolken, die den Blick zur Sonne kurz trüben können. Ein Gewitter bildet sich, wenn überhaupt, nur ganz vereinzelt.
Sonnenfinsternisbrille nicht vergessen
Für den Blick in die Sonne braucht es eine geprüfte Sonnenfinsternisbrille nach EN ISO 12312-2 – auch wenn die Sonne tief steht und rot erscheint. Eine normale Sonnenbrille reicht dafür nicht, und wer ein Fernglas oder Teleobjektiv nutzt, muss den Filter vor der Linse anbringen.
Ein Blick nach unten lohnt sich übrigens auch: Unter Laubbäumen wirkt jede kleine Lücke zwischen den Blättern wie eine Lochkamera. Statt runder Lichtflecken liegen während der Finsternis Hunderte kleine Sonnensicheln auf dem Boden.
Die nächsten Gelegenheiten
Die nächste größere Finsternis steht am 2. August 2027 bevor. Dann sind in Wien rund 46 Prozent der Sonne bedeckt, in Klagenfurt 54 Prozent. Der Höhepunkt liegt um 11:20 Uhr, die Sonne steht mehr als 50 Grad über dem Horizont – um sie zu sehen, braucht es diesmal keinen Standort mit freiem Blick nach Westen.
Auf eine totale Sonnenfinsternis muss Österreich noch lange warten. Erst am 3. September 2081 zieht der Kernschatten wieder über das Land, und dann liegt fast ganz Kärnten und Osttirol darin: Lienz, Klagenfurt, Villach und Mallnitz erleben die Sonne für kurze Zeit vollständig verdeckt, ebenso Innsbruck, Bregenz und Graz. Wien schrammt mit 96 Prozent knapp daran vorbei, Salzburg mit 99,8 Prozent noch knapper. Der Höhepunkt liegt dann um 09:47 Uhr bei einer Sonne, die gut 30 Grad hoch steht.