Sommerbilanz 2026: Rekordwärme in allen neun Bundesländern, ein Drittel weniger Regen
Sechs Tage vor dem Ende des meteorologischen Sommers steht die Reihenfolge fest: 2026 ist der wärmste Sommer der Messgeschichte – in Österreich und in jedem einzelnen Bundesland. Was noch offen ist, sind die zweite Nachkommastelle und die Frage, wie trocken die Bilanz am Ende ausfällt. Denn zur Rekordwärme kommt ein Regendefizit von einem Drittel, im Osten von der Hälfte.
Bis zum 24. August liegen 85 der 92 Sommertage als Messdaten vor. Österreichweit beträgt die Abweichung gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020 bis dahin plus 2,55 Grad. Für die letzten Augusttage rechnen wir mit einer Abweichung von rund plus 2,5 Grad, wie sie die Ensemble-Prognosen von GFS (NOAA) und unserem eigenen Modell TAUWES zeigen. Daraus ergibt sich für den ganzen Sommer eine Abweichung von plus 2,55 Grad. Die Schwankungsbreite, die im Vorbericht vom 19. August noch 0,2 Grad betrug, ist auf 0,05 Grad geschrumpft: Was die letzten Augusttage am Sommermittel noch ändern können, ist begrenzt. Damit der bisherige Rekordhalter 2024 mit plus 2,24 Grad vorne bliebe, müsste die letzte Augustwoche im Mittel 1,5 Grad zu kühl ausfallen. Sie bringt aber zwei bis drei weitere Hitzetage und insgesamt zu warme Temperaturen – der Freitag könnte stellenweise 10 Grad wärmer ausfallen, als es für Ende August normal wäre.
Alle neun Bundesländer auf Platz eins
Vor einer Woche war der erste Platz erst in fünf Bundesländern gesichert, in der Steiermark lag 2026 sogar knapp hinter 2024. Das hat sich mit den zusätzlichen Messtagen geändert: Alle neun Bundesländer führen jetzt die Rangliste der Sommer seit 2000 an, in sieben davon ist der Vorsprung auf den bisherigen Rekordsommer größer als die Schwankungsbreite. Am deutlichsten ist dieser Abstand zum jeweils bisherigen Rekordsommer in Wien und Osttirol mit je 0,30 Grad (in beiden Fällen gegenüber 2024). Österreichweit beträgt der Vorsprung auf 2024 sogar 0,31 Grad – mehr als in jedem einzelnen Bundesland, weil der bisherige Rekordsommer nicht überall derselbe ist: In Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg war es 2003, und gegenüber 2024 liegt 2026 dort noch deutlicher vorn (Oberösterreich zum Beispiel um 0,48 Grad). Die höchste Abweichung vom Klimamittel 1991 bis 2020 weist weiterhin Vorarlberg auf: plus 3,03 Grad – fast ein Viertelgrad über dem bisherigen Vorarlberger Rekordsommer 2003 (plus 2,79 Grad). Am knappsten ist es in der Steiermark und in Tirol: Dort beträgt der Vorsprung auf die bisher heißesten Sommer – 2024 in der Steiermark, 2003 in Tirol – nur 0,04 beziehungsweise 0,05 Grad. Die Hitzetage am 27. und 28. August ziehen das Sommermittel aber noch einmal nach oben, sodass 2026 auch in diesen beiden Bundesländern den bisherigen Rekord überholen und auf Platz eins landen dürfte: hochgerechnet 2,44 statt 2,40 Grad in der Steiermark und 2,52 statt 2,47 Grad in Tirol.
| Bundesland | 2026 zu 1991–2020 | bisheriger Rekord | Vorsprung | 2026 zu 1961–1990 | Niederschlag |
|---|---|---|---|---|---|
| Vorarlberg | 3,03 | 2003: 2,79 | 0,24 | 4,63 | −39 % |
| Wien | 2,68 | 2024: 2,38 | 0,30 | 4,65 | −44 % |
| Osttirol (Bezirk Lienz) | 2,60 | 2024: 2,30 | 0,30 | 4,41 | −5 % |
| Burgenland | 2,57 | 2024: 2,44 | 0,13 | 4,39 | −52 % |
| Niederösterreich | 2,57 | 2024: 2,36 | 0,21 | 4,45 | −50 % |
| Oberösterreich | 2,56 | 2003: 2,28 | 0,28 | 4,42 | −40 % |
| Kärnten | 2,53 | 2024: 2,29 | 0,24 | 4,34 | −14 % |
| Tirol | 2,52 | 2003: 2,47 | 0,05 | 4,21 | −19 % |
| Salzburg | 2,50 | 2003: 2,41 | 0,08 | 4,31 | −26 % |
| Steiermark | 2,44 | 2024: 2,40 | 0,04 | 4,24 | −28 % |
| Österreich | 2,55 | 2024: 2,24 | 0,31 | 4,35 | −31 % |
Temperaturen in Grad, Schwankungsbreite 0,05 Grad; Niederschlag als Abweichung der Summe vom Mittel 1991–2020. Osttirol = Bezirk Lienz.
Ein Drittel weniger Regen – im Osten fehlt die Hälfte
Der Rekordsommer war nicht nur heiß, sondern auch ausgesprochen trocken. Von 1. Juni bis 24. August fielen im österreichweiten Flächenmittel 260 Liter pro Quadratmeter, normal wären in diesem Zeitraum 377 – ein Minus von 31 Prozent. Das Defizit verteilt sich sehr ungleich: Im Burgenland (−52 %) und in Niederösterreich (−50 %) kam nur die Hälfte des üblichen Sommerregens zusammen, in Wien (−44 %), Oberösterreich (−40 %) und Vorarlberg (−39 %) fehlten rund 40 Prozent. Je weiter nach Süden, desto kleiner wird das Minus: Kärnten liegt bei −14 %, und Osttirol ist mit −5 % das einzige Bundesland beziehungsweise die einzige Region, die nahezu ihren normalen Sommerniederschlag erreicht hat – dank der Gewitter, die sich im Juli und August immer wieder an den Südalpen entluden.
Die geringste Niederschlagsabweichung aller Bundesländer weist Kärnten mit −14 % auf. Doch selbst eine Abweichung von null Prozent hätte in diesem Sommer nicht gereicht: Bei plus 2,5 Grad gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020 ist deutlich mehr Wasser verdunstet als in einem durchschnittlichen Sommer. Um Bodenfeuchte und Grundwasserpegel stabil zu halten, hätte es deshalb nicht den normalen, sondern einen überdurchschnittlichen Niederschlag gebraucht – tatsächlich fiel aber in jedem Bundesland weniger als üblich.
Dass die Dürre auch im Süden so deutlich spürbar ist, obwohl der Sommer dort nur wenig unter dem Normalwert liegt, hat einen zweiten Grund: Das Defizit hat sich lange vor dem Sommer aufgebaut. Von Dezember 2025 bis Mai 2026 fielen in Kärnten nur 256 statt 407 Liter pro Quadratmeter, ein Minus von 37 Prozent – der Dezember, der März und der April blieben jeweils um rund 70 Prozent unter dem Mittel, einzig der Februar brachte mehr als üblich. Die Böden gingen also bereits ausgetrocknet in den Sommer, und was seither fiel, wurde durch die Verdunstung an den vielen Hitzetagen zu einem großen Teil sofort wieder aufgezehrt. Ein annähernd normaler Sommerniederschlag reicht unter diesen Bedingungen nicht aus, um das Defizit abzubauen.
101 neue Stationsrekorde, an elf Stationen 40 Grad oder mehr
Der Rekordsommer zeigt sich nicht nur im Flächenmittel, sondern auch an den einzelnen Wetterstationen. An 101 von 275 Standorten wurde die höchste Temperatur seit Beginn der jeweiligen Messreihe überboten – an mehr als jeder dritten Wetterstation, an der ein Vergleich möglich ist. Elf Standorte erreichten 40 Grad oder mehr, alle im Osten des Landes. An der Spitze bleiben die 41,2 Grad von Bad Deutsch-Altenburg und die 41,0 Grad von Wien-Stammersdorf, beide Anfang August gemessen. Neue Rekorde hat es seit Mitte August keine mehr gegeben; dass die Zahl gegenüber dem Vorbericht von 92 auf 101 gestiegen ist, liegt allein daran, dass mit dem längeren Zeitraum 16 weitere Stationen genug gültige Messtage für die Auswertung erreicht haben – 275 statt 259.
Juni, Juli, August: So verteilte sich die Hitze
Die Rekordbilanz beruht nicht auf einem einzigen Extremmonat. Der Juni lag in Österreich bei plus 2,77 Grad, der Juli bei plus 1,86 Grad, und der August kommt bis zum 24. auf plus 3,16 Grad – trotz der kühlen Tage nach der Kaltfront vom 18. August (minus 2,1 Grad) und vom 22. und 23. August (minus 1,9 und minus 1,5 Grad). Dass diese Abkühlung an der Bilanz kaum etwas ändert, zeigt, wie groß der Vorsprung aus der ersten Augusthälfte war: Die größte Hitzewelle der Messgeschichte hat den August bis zum 17. zu einer extremen Temperaturanomalie von plus 4,4 Grad gegenüber dem Klimamittel 1991 bis 2020 getrieben – gegenüber der Referenzperiode 1961 bis 1990 waren es sogar plus 6,2 Grad.
Warum war dieser Sommer so extrem heiß?
Die Antwort steckt in der Kombination aus Wärme und Trockenheit. Wo der Boden Wasser hat, geht ein großer Teil der Sonnenenergie in die Verdunstung und kühlt die bodennahe Luft. Sind die Böden ausgetrocknet, fällt diese Kühlung weg, die gesamte Energie heizt Boden und Luft, und die Luftmasse wird noch trockener – eine Rückkopplung zwischen Boden und Atmosphäre, die sich mit jeder Hitzewelle selbst verstärkt. Die Temperaturen von 40 Grad und mehr Anfang August waren nicht nur der Erderwärmung, sondern vor allem dieser extremen Trockenheit geschuldet: Mit normal feuchten Böden wäre dieselbe Wetterlage um einige Grad kühler ausgefallen.
Die extremen Temperaturen dieses Sommers gehen auf das Zusammentreffen zweier Faktoren zurück, und keiner davon hätte allein gereicht: Die Dürre ohne den Klimawandel hätte keine 41 Grad hervorgebracht, und der Klimawandel ohne die Dürre ebenso wenig. Phasen großer Trockenheit treten durch den Klimawandel zwar häufiger auf, unter anderem, weil sich der Jetstream verändert; dass die aktuelle Dürre ohne den Klimawandel nicht möglich gewesen wäre, lässt sich wissenschaftlich aber nicht belegen. Für die Temperaturen ist die Sache klarer: Ohne die Erwärmung der letzten Jahrzehnte wären 41 Grad und mehr in Österreich selbst bei ausgetrockneten Böden undenkbar gewesen.
Daraus folgt auch ein Ausblick. Dass Sommer in den nächsten Jahren die 2,55 Grad des Sommers 2026 im Flächenmittel übertreffen, ist gut möglich – der Trend zeigt seit Jahrzehnten in diese Richtung. Der neue Allzeitrekord von 41,2 Grad dürfte dagegen so lange Bestand haben, wie eine Dürre dieses Ausmaßes ausbleibt, und dass sie sich gleich im nächsten Sommer wiederholt, ist statistisch sehr unwahrscheinlich. Unserer Einschätzung nach wären Temperaturen von 41 Grad und mehr bei einem ungebremsten Temperaturanstieg in rund 15 Jahren auch ohne ausgeprägte Trockenheit sehr wohl möglich – also selbst bei einem durchschnittlichen Frühjahrs- und Sommerniederschlag.
Im Vergleich zur WMO-Referenzperiode 1961 bis 1990: plus 4,35 Grad
Die Weltorganisation für Meteorologie empfiehlt für die Bewertung des Klimawandels weiterhin die feste Bezugsperiode 1961 bis 1990. Gegenüber diesem älteren Mittel liegt der Sommer 2026 in Österreich bei plus 4,35 Grad, in Wien und Vorarlberg über 4,6 Grad. In dieser Betrachtung wird auch sichtbar, wie sich die Ausgangslage verschoben hat: Seit dem Jahr 2000 blieb kein einziger Sommer unter dem Mittel 1961 bis 1990, selbst der kühlste dieser 27 Sommer, der Sommer 2005, lag noch 0,7 Grad darüber. Die drei Jahrhundertsommer 2003, 2024 und 2026 stehen in dieser Reihe mit plus 4,0, plus 4,1 und plus 4,4 Grad.
Kärnten und Osttirol: Rekord bei der Temperatur, kaum Abweichung beim Niederschlag
Für Kärnten und Osttirol gemeinsam ergibt die Hochrechnung plus 2,54 Grad, 0,26 Grad vor dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024. Beim Niederschlag steht der Süden deutlich besser da als der Rest des Landes: Kärnten liegt bei −14 %, Osttirol bei −5 %, in Osttirol und Kärnten gesamt bei −12 % – damit sind die beiden Regionen in diesem Sommer die feuchtesten Österreichs, mit deutlichem Abstand vor Tirol (−19 %). Der Rekordsommer im Süden war also vor allem ein Sommer der vielen Hitzetage, also der Tage, an denen die Höchsttemperatur 30 Grad oder mehr erreicht, weniger einer der Dürre – anders als im Nordosten, wo beides zusammenkam.
Die endgültige Bilanz folgt am 1. September
Am 27. und 28. August erreicht noch einmal Hitze das Land, danach wird es zum Monatswechsel unbeständiger und kühler – an der Reihenfolge ändert das nichts mehr, offen ist nur die zweite Nachkommastelle. Am 1. September, sobald die Messdaten des gesamten Sommers vorliegen, erscheint auf Tauernwetter die abschließende Bilanz: mit den endgültigen Temperaturabweichungen für Österreich und alle Bundesländer und – neu – den gemessenen Niederschlagssummen aller Wetterstationen, also den absoluten Litern pro Quadratmeter von Juni bis August für jeden Ort. Der Vorbericht vom 19. August zeigt, wie sich die Hochrechnung bis heute entwickelt hat.