Hitze-Höhepunkt am Sonntag: Juni-Rekorde wackeln
Datengrundlage: Tagesmaxima der GeoSphere Austria (Klimadatensatz). Ein Hitzetag ist ein Tag mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad.
Die Hitzewelle in Kärnten und Osttirol steuert auf ihren Höhepunkt zu. Das Wochenende bringt die bisher höchsten Temperaturen des Jahres, den Höhepunkt erreicht die Hitzewelle am Sonntag mit bis zu 38 Grad in den größeren Tälern und Becken. Damit geraten mehrere Juni-Rekorde in Reichweite, und im östlichen Flachland Österreichs wackelt sogar der Allzeitrekord. Am Sonntag entladen sich in Osttirol und im Westen Oberkärntens zugleich erste, teils unwetterartige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen.
Heute und morgen wird es noch heißer
Der Freitag bringt erneut viel Sonnenschein, und es wird noch etwas heißer. Meist scheint die Sonne von früh bis spät, nur über den Bergen bilden sich ein paar Quellwolken. Es bleibt im ganzen Land trocken. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südost. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 11 Grad im Defereggental und knapp über 20 Grad in Klagenfurt, tagsüber steigen die Werte auf 28 bis 35 oder 36 Grad. Am heißesten wird es im Lavanttal und im Klagenfurter Becken.
Der späteste Sonnenuntergang fällt wegen der elliptischen Erdbahn und der Erdneigung nicht mit dem längsten Tag des Jahres am 21. Juni zusammen, sondern findet heute gegen 21:10 Uhr statt.
Am Samstag wird es bei meist strahlendem Sonnenschein noch heißer. In ganz Kärnten und Osttirol überwiegt der sonnige Eindruck, nur über den Bergen im Norden bilden sich am Nachmittag ein paar Quellwolken. Es bleibt überall trocken. Der Wind weht schwach aus südöstlicher Richtung. Nach Frühtemperaturen von 12 bis 21 Grad wird es mit 30 bis 37 Grad sehr heiß. In 2000 Meter Seehöhe hat es rund 22 Grad.
Der Sonntag bringt den Höhepunkt der Hitze
Am Sonntag scheint zunächst noch verbreitet die Sonne, und es wird wieder sehr heiß. Im Tagesverlauf ziehen von Westen her stellenweise Wolken auf, oder es bilden sich Quellwolken. In Osttirol und entlang des Tauernhauptkamms gehen ab Mittag einige, teils sehr heftige Regenschauer und Gewitter nieder, die am Nachmittag und Abend auf weitere Teile Kärntens übergreifen können. Mit Starkregen, Hagel und Sturmböen ist dann zu rechnen. In der sehr heißen Luft können diese Gewitter unwetterartig ausfallen. Sonnig und trocken bleibt es in Teilen des Klagenfurter Beckens, im Jauntal und im Lavanttal. Der Südwind frischt auf, auf den Bergen weht kräftiger bis stürmischer Wind. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 12 und 22 Grad, die Höchstwerte erreichen 28 bis rekordverdächtige 38 Grad. Werte um die 38 Grad sind vor allem von Ferlach über Klagenfurt bis ins Lavanttal möglich.
Am Sonntag wackeln gleich mehrere Rekorde
Am Sonntag geraten gleich mehrere Rekorde in Reichweite. Für Klagenfurt zeigen die Modellrechnungen einen wahrscheinlichsten Höchstwert von 37 Grad, die Spanne reicht von 35 bis 40 Grad. In Kärnten und Osttirol rücken damit die Juni-Rekorde näher. Der Kärntner Juni-Rekord liegt bei 38,3 Grad, gemessen am 26. Juni 2025 in Feistritz ob Bleiburg, der Osttiroler bei 36,7 Grad, gemessen am 27. Juni 2019 in Lienz. Die absoluten Allzeitrekorde von 39,9 Grad in Kärnten (Dellach im Drautal) und 38,9 Grad in Osttirol (Lienz) liegen höher und dürften eher nicht fallen, ganz ausgeschlossen ist es aber nicht.
Noch deutlich heißer wird es am Sonntag im östlichen Flachland Österreichs. Zwischen dem Raum Amstetten und der ungarischen Grenze sind 39 bis 40 Grad zu erwarten, mit leicht föhnigem Südwind örtlich sogar knapp 41 Grad. Damit fällt der österreichische Juni-Rekord von 38,6 Grad, aufgestellt am 20. Juni 2013 in Waidhofen an der Ybbs, mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Sogar der österreichische Allzeitrekord von 40,5 Grad, gemessen am 8. August 2013 in Bad Deutsch-Altenburg, gerät in Gefahr. Ob er fällt, wird sehr knapp.
Die Karte zeigt die potenziellen Höchstwerte, also das, was unter optimalen Bedingungen erreichbar ist. Vor allem im östlichen Flachland liegen diese Werte ein bis zwei Grad über den tatsächlich erwarteten Höchstwerten. Mit dem leicht föhnigen Südwind im Norden und Osten sind dort sogar 42 Grad nicht gänzlich ausgeschlossen. Ob ein Rekord am Ende auch offiziell zu Buche steht, hängt zudem vom Zufall ab: Es gibt nur eine begrenzte Zahl WMO-konformer Wetterstationen, und genau am heißesten Punkt muss nicht zwangsläufig eine davon stehen.
Einzuordnen sind diese Werte vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Klimas. Solche Spitzenwerte treten immer häufiger auf, und ob Temperaturen wie an diesem Wochenende in einigen Jahren noch als derart außergewöhnlich gelten, ist aus Sicht von Tauernwetter fraglich.
Ursache der Hitze: eine Hitzeglocke über Europa
Ursache für die extreme Hitze ist ein kräftiges Hochdruckgebiet über West- und Mitteleuropa. Unter dieser Hitzeglocke staut sich sehr warme Luft, und aus Südwesten strömt zusätzlich heiße Luft heran. In rund 1500 Meter Seehöhe liegen die Temperaturen weit über dem langjährigen Mittel. Die folgende Animation zeigt die Entwicklung über die kommenden sieben Tage.
Ab Montag teilt eine Luftmassengrenze das Land
Am Montag überwiegen ganz im Westen von der Früh weg die Wolken, und es wird unbeständig. Wiederholt ziehen Regenschauer und teils heftige Gewitter durch, am häufigsten und teilweise schon am Vormittag in Osttirol und Oberkärnten. Im Klagenfurter Becken und im Südosten scheint bis in den Nachmittag hinein noch verbreitet die Sonne, hier bleibt es teilweise sogar trocken. In den westlichen Landesteilen kühlt es deutlicher ab, die Höchstwerte liegen zwischen 22 Grad in den Tauerntälern und 35 Grad im Klagenfurter Becken, möglichweise sind im Südosten nochmals 37 oder 38 Grad möglich. Auf den Bergen im Norden weht kräftiger Westwind. In 2000 Meter Seehöhe hat es nur noch rund 15 Grad.
Hinter diesem Wechsel steht eine Luftmassengrenze, die das Land von Montag an teilt. Im Westen, also in Osttirol und in Teilen Oberkärntens, sorgt die schwüle, energiereiche Luft für ein hohes Unwetterpotential, hier ist es nicht mehr ganz so heiß. Im Osten Kärntens bleibt es zunächst schwül, weiterhin heiß und vergleichsweise stabil.
Am Dienstag wechseln sich Sonne und Wolken ab. Im Großteil des Landes bleibt es zunächst trocken, am Nachmittag bilden sich aber erneut teils heftige Regenschauer und Gewitter, die meisten in Osttirol und Oberkärnten. Die Höchstwerte erreichen von West nach Ost 26 bis 34 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es tagsüber 15 bis 18 Grad.
Am Dienstag und Mittwoch verschiebt sich die Luftmassengrenze um einige Kilometer nach Westen und wieder zurück nach Osten. Dadurch bleibt es in Unterkärnten voraussichtlich bis einschließlich Mittwoch, dem 1. Juli, vielleicht sogar bis zum 2. Juli, sehr heiß.
Eine ungewöhnlich lange Hitzewelle
Nicht nur die Spitzenwerte sind bemerkenswert, sondern auch die Dauer. Der Rekord für die längste Hitzewelle in Klagenfurt liegt bei 15 Hitzetagen in Folge, also 15 Tagen mit mindestens 30 Grad am Stück. Die aktuelle Hitzewelle hat in Klagenfurt am 18. Juni begonnen. Hält die Hitze in Unterkärnten wie erwartet bis Anfang Juli an, könnte dieser Rekord eingestellt werden. Dass er gebrochen wird, ist nicht auszuschließen, aber nicht die wahrscheinlichste Variante. Vom österreichweiten Dauerrekord von 24 Hitzetagen in Folge, gemessen im Sommer 2013 in Neusiedl am See, ist die aktuelle Hitzewelle ohnehin weit entfernt.
Entlastung und hohe UV-Belastung auf den Bergen
Die stärkste Hitzebelastung tritt in den größeren Tälern und Becken auf. Oberhalb von 1000 bis 1500 Meter Seehöhe bleibt es im Vergleich erträglicher, weil die Tageswerte niedriger ausfallen und die nächtliche Abkühlung besser funktioniert. Achtung gilt der Sonne: An den kommenden Tagen erreicht der UV-Index den Wert 11 und damit die höchste Stufe extrem, in der Höhe ist die Belastung noch größer.
Hitze – die unterschätzte Gefahr
Diese Rekordzahlen sind beunruhigend, denn hinter ihnen steht ein ernstes Gesundheitsrisiko. Hitzewellen sind mittlerweile in Österreich und in Westeuropa die tödlichste aller Wettergefahren: Sie fordern weit mehr Todesopfer als Hochwasser, Gewitter und Stürme zusammen. Laut dem Hitze-Mortalitätsmonitoring der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit starben im Sommer 2025 in Kärnten geschätzt 43 Menschen an den Folgen der Hitze, österreichweit waren es 449. Weil sich die Gefahr langsam und im Verborgenen entwickelt, gilt sie als stille Naturgefahr und wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft unterschätzt.
Hitzeschutzplan des Landes bleibt aktiv
Der Hitzeschutzplan des Landes Kärnten ist seit dem 18. Juni aktiv und bleibt es vermutlich bis weit in die nächste Woche hinein. Wer kann, sollte anstrengende Tätigkeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen, ausreichend trinken und ältere Menschen, Kleinkinder sowie Tiere im Blick behalten. Wer Fragen zum Schutz vor der Hitze hat, erreicht das kostenlose Hitzetelefon des Gesundheitsministeriums unter 0800 880 800.
Wir bleiben für Sie dran
Wir halten Sie auf tauernwetter.at und in der Tauernwetter-App über die weitere Entwicklung und mögliche Rekorde am Sonntag auf dem Laufenden.
Quellen
Datenquellen: Die Temperatur- und Gewitterabschätzungen beruhen auf den Modellen C-LAEF (GeoSphere Austria), ICON-CH2-EPS (MeteoSwiss), IFS (ECMWF) und GFS (NOAA) sowie dem hochauflösenden TAUERNWETTER® ALPIXION-Wettermodell. Die Temperaturprognosen für Klagenfurt und Lienz wurden aus diesen Modelldaten berechnet. Die Darstellung der Temperaturabweichung in rund 1500 Meter Seehöhe über Europa beruht auf Daten der US-Wetterbehörde NOAA. Die Modelldaten von GeoSphere Austria, MeteoSwiss und ECMWF werden unter der Lizenz CC BY 4.0 abgerufen. Alle Rechte an den daraus erstellten Grafiken und Texten liegen bei tauernwetter.at.
Messwerte und Rekorde: Die im Text genannten Hitze- und Rekordzahlen stammen aus dem Datahub der GeoSphere Austria (Stationsmessnetz TAWES bzw. Klimadatensatz).
Hitzebedingte Todesfälle: Die Angaben stammen aus dem Hitze-Mortalitätsmonitoring der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) für den Sommer 2025.
Urheberrecht der Grafiken: Die in diesem Artikel gezeigten Wettergrafiken wurden von tauernwetter.at aufbereitet, berechnet und visualisiert. Das Urheberrecht an diesen Grafiken liegt bei tauernwetter.at. Titelbild: Adina Voicu / Pixabay.
Tauernwetter in Google News & Discover folgen
Markiere Tauernwetter als bevorzugte Quelle und sieh unsere Wetter-Artikel häufiger in deinem Google‑Feed.
Als bevorzugte Quelle in Google festlegen