Hitzewelle hält an: Rekord in Kärnten und Osttirol rückt näher
Datengrundlage: Tagesmaxima der GeoSphere Austria (Klimadatensatz). Ein Hitzetag ist ein Tag mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad.
Die neuesten Verlaufsgrafiken aus Messung und Ensemble-Prognose deuten für Klagenfurt und Lienz eine deutlichere Abkühlung zum Monatswechsel und zu Beginn des Juli an. Dieser Rückgang liegt innerhalb der Schwankungsbreite, die schon die gestrigen Prognosegrafiken gezeigt haben – die Abkühlung bestätigt sich damit zunehmend, gesichert ist sie aber noch nicht.
Für die Dauer heißt das: Einen neuen Rekord bei der Länge der Hitzewelle dürfte sie nach den aktuellen Modellrechnungen nicht bringen. Bei den Temperaturen ist am Sonntag dagegen einiges möglich – an einzelnen Stationen in Kärnten und Osttirol dürfte der jeweilige Juni-Rekord fallen, und auch der landesweite Juni-Rekord (38,3 Grad in Kärnten, 36,7 Grad in Osttirol) könnte überboten werden – in Osttirol liegt die Wahrscheinlichkeit dafür sogar bei rund 50 Prozent. Selbst der Allzeitrekord von 39,9 Grad in Kärnten beziehungsweise 38,9 Grad in Osttirol liegt im Bereich des Möglichen, ist nach heutigem Stand aber nicht sehr wahrscheinlich.
Die Hitzewelle in Kärnten und Osttirol dauert an und verschärft sich weiter. Nach derzeitigem Stand bleibt es die gesamte Woche durchgehend heiß, zum Wochenende hin steigen die Temperaturen noch weiter an. Am Sonntag rücken die Höchstwerte in den größeren Tälern und Becken bis an die 38 Grad heran und nähern sich damit den Rekordwerten des vergangenen Juni. Heute, am Dienstag, sorgen heftige Gewitter örtlich noch einmal für Starkregen, Hagel und Sturmböen, ehe die Gewittergefahr vorübergehend deutlich zurückgeht.
Gewittergefahr heute ein vorerst letztes Mal hoch
Der Dienstag bringt einen hochsommerlichen Tag mit viel Sonne, die im Tagesverlauf aber von Quellwolken getrübt wird. Am Vormittag scheint noch verbreitet die Sonne, im Laufe des Nachmittags bilden sich dann etliche Quellwolken. Daraus entstehen zwischen den Tauern über die Nockberge bis zur Pack sowie im Lavanttal, im Raum Villach und im Gailtal Regenschauer und Gewitter. Diese Gewitter fallen stellenweise heftig aus, mit Starkregen, Hagel und gefährlichen Sturmböen. Auch in Osttirol sind einzelne Gewitter möglich. Der Wind weht meist schwach bis mäßig aus östlichen Richtungen. Es wird heiß, die Temperaturen erreichen 25 Grad in Zell-Pfarre und bis zu 33 Grad in Villach, Maria Wörth und Ferlach. In 2000 Meter Seehöhe hat es rund 18 Grad.
Am Mittwoch dominiert in Kärnten und Osttirol der Sonnenschein, und es wird noch etwas heißer. Am Nachmittag bilden sich über dem Bergland einige Quellwolken. Vor allem in den Nockbergen, im Gurktal sowie im Lavanttal können daraus einzelne heftige Regenschauer oder Gewitter entstehen. In den meisten Landesteilen bleibt es aber trocken. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Ost. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 11 und 19 Grad, tagsüber steigen die Werte auf 26 Grad in Diex und bis zu 33 Grad in Wolfsberg. In 2000 Meter Seehöhe hat es rund 19 Grad.
Der Donnerstag bringt erneut viel Sonne und große Hitze. Meist scheint die Sonne ungestört, am Nachmittag bilden sich nur ein paar harmlose Quellwolken über den Bergen. Schauer oder Gewitter bleiben die Ausnahme und beschränken sich auf das Bergland, sonst bleibt es verbreitet trocken. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südost. Nach Frühtemperaturen von 11 bis 19 Grad steigen die Temperaturen auf 27 Grad in Mallnitz und bis zu 33 Grad in Hermagor und Kötschach-Mauthen. In 2000 Meter Seehöhe hat es rund 19 Grad.
Zum Wochenende wird es brütend heiß
Am Freitag setzt sich das heiße Sommerwetter fort, und es wird noch etwas wärmer. Überwiegend scheint die Sonne. Erst am späten Nachmittag und zum Abend hin können sich in Osttirol, am Tauernhauptkamm und entlang der Karnischen Alpen einzelne, aber durchaus heftige Regenschauer oder Gewitter entwickeln. Die Höchstwerte erreichen 28 Grad in Preitenegg und bis zu 34 Grad im Lavanttal und im Raum Oberdrauburg.
Auch der Samstag verläuft brütend heiß und überwiegend sonnig. Tagsüber ziehen nur wenige Wolken durch, die Gewittergefahr bleibt gering. Am ehesten sind über den Tauern und in Osttirol am Nachmittag einzelne Quellwolken oder ein kurzer Schauer möglich. Die Temperaturen steigen weiter an und erreichen 29 Grad in Kals und bis zu 36 Grad in Ferlach.
Der Sonntag wird aus heutiger Sicht noch heißer und abermals überwiegend sonnig, auch wenn die Gewittergefahr wieder deutlich ansteigen könnte. Stellenweise ist am Nachmittag oder am Abend ein durchaus heftiges Gewitter möglich. Die Temperaturen steigen noch weiter an und erreichen 30 Grad in Reichenau und bis zu 38 Grad in Ferlach, Klagenfurt oder St. Andrä.
Eine Hitzeglocke liegt über West- und Mitteleuropa
Ursache für die anhaltende Hitze ist ein kräftiges Hochdruckgebiet, das sich über West- und Mitteleuropa festgesetzt hat. Es wirkt wie eine Glocke, unter der sich sehr warme Luft staut und kaum ausgetauscht wird. Aus Südwesten wird zusätzlich heiße Luft herangeführt. In rund 1500 Meter Seehöhe liegen die Temperaturen weit über dem langjährigen Mittel. Diese Hitzeglocke bleibt nach derzeitigem Stand bis Anfang Juli weitgehend stabil, weshalb die Hitze über viele Tage erhalten bleibt.
Am Sonntag rückt der Junirekord in Reichweite
An mehreren Tagen werden sogenannte Wüstentage erreicht, an denen die Höchsttemperatur 35 Grad oder mehr beträgt. Den Höhepunkt bringt aus heutiger Sicht der Sonntag. Für Klagenfurt zeigen die Modellrechnungen an diesem Tag eine Spanne von 35 bis 40 Grad, innerhalb derer 75 Prozent aller Berechnungen liegen. Der derzeit wahrscheinlichste Höchstwert liegt bei etwa 37 bis 38 Grad. Die 40-Grad-Marke lässt sich damit nicht mehr gänzlich ausschließen, auch wenn sie bei weitem nicht das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Sie ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Höchstwert von nur 35 Grad, und das verbleibende Viertel der Berechnungen liegt sogar außerhalb dieser Spanne.
Damit rückt der Junirekord für Kärnten und Osttirol in Reichweite. Er liegt bei 38,3 Grad und wurde erst im vergangenen Juni, am 26. Juni 2025, in Feistritz ob Bleiburg gemessen. Dass dieser Wert am Sonntag erreicht oder überschritten wird, ist durchaus möglich. Noch höher liegt der absolute Allzeitrekord für Kärnten und Osttirol mit 39,9 Grad, gemessen am 3. August 2013 in Dellach im Drautal. Dass am Sonntag erstmals die 40 Grad erreicht werden und dieser Allzeitrekord fällt, ist zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber bei weitem nicht die wahrscheinlichste Variante. Ein Allzeitrekord wird in der Regel erst Ende Juli oder im August gebrochen, nicht Ende Juni. Wie selten die 40-Grad-Marke in Österreich überhaupt ist, zeigt ein Blick in die Statistik: Bundesweit wurde sie bisher erst an drei Wetterstationen jemals erreicht – und das alle am selben Tag, dem 8. August 2013. An diesem Tag fiel in Bad Deutsch-Altenburg im Burgenland mit 40,5 Grad auch der bis heute gültige österreichische Allzeitrekord.
Einzuordnen sind diese Werte vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Klimas. Mit jedem heißen Sommer schreiben wir bereits an der neuen Klimareferenzperiode von 2001 bis 2030 mit. Ob Temperaturen wie in dieser Woche nach 2030 noch als derart außergewöhnlich gelten, ist aus Sicht von Tauernwetter fraglich.
Auch die Dauer ist außergewöhnlich
Nicht nur die Höhe der Temperaturen ist bemerkenswert, sondern auch die Dauer. Der bisherige Rekord in der Kärntner Landeshauptstadt liegt bei 15 Hitzetagen in Folge, also 15 Tagen mit mindestens 30 Grad am Stück. Er wurde vor genau einem Jahr in Klagenfurt aufgestellt, vom 22. Juni bis zum 6. Juli 2025. Die aktuelle Hitzewelle hat in Klagenfurt am 18. Juni begonnen. Hält sie ohne Unterbrechung bis zum 3. Juli an, käme Klagenfurt auf 16 Hitzetage in Folge und würde diesen Rekord übertreffen. Derzeit scheint es allerdings eher so, als würde es Anfang Juli abkühlen – dann würde dieser Rekord halten. Ob es tatsächlich zum längsten Hitzeabschnitt der Kärntner Messgeschichte reicht, lässt sich aber erst in den kommenden Tagen sicher sagen. Vom österreichweiten Dauerrekord ist man ohnehin weit entfernt: Die längste Hitzewelle des Landes brachte es auf 24 Hitzetage in Folge, gemessen im Sommer 2013 in Neusiedl am See.
Entlastung erst oberhalb von rund 1000 Meter Seehöhe
Die stärkste Hitzebelastung tritt in den größeren Tälern und Becken auf, allen voran im Klagenfurter Becken und im Rosental. Etwas Glück haben die Menschen oberhalb von rund 1000 Meter Seehöhe, wo es im Vergleich zu den Tälern und Becken erträglicher bleibt. Auch dort wird es sehr warm und stellenweise heiß. Wer am Wochenende echte Abkühlung sucht, muss allerdings hoch hinaus, denn selbst in 2000 Meter Seehöhe werden dann voraussichtlich mehr als 20 Grad erreicht. Es könnte sein, dass in den kommenden Tagen zum zweiten Mal überhaupt die höchste, rote Hitzewarnstufe für Kärnten ausgegeben wird. Auch in Osttirol rückt die zweithöchste Warnstufe näher.
Hitze ist die tödlichste aller Wettergefahren
Hinter den eindrucksvollen Temperaturwerten steht ein ernstes Gesundheitsrisiko. Hitzewellen sind die tödlichste aller Wettergefahren. Sie fordern in Österreich und auch in Kärnten und Osttirol weit mehr Todesopfer als Hochwasser, heftige Gewitter und Stürme zusammen. Laut dem Hitze-Mortalitätsmonitoring der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit starben im Sommer des Vorjahres, von Juni bis September 2025, in Kärnten geschätzt 43 Menschen an den Folgen der Hitze. Österreichweit weist das Monitoring für denselben Zeitraum 449 hitzebedingte Todesfälle aus.
Der Umgang mit der Hitze unterscheidet sich grundlegend von dem mit anderen Naturgefahren. Wenn ein Hochwasser oder eine Mure Häuser bedroht und Menschenleben gefährdet, wird sofort evakuiert, der Zivilschutzalarm läuft, und die Medien berichten rund um die Uhr. Eine Hitzewelle entwickelt sich dagegen langsam über viele Tage. Sie kennt keinen einzelnen Moment, in dem ein Krisenstab augenblicklich eingreifen muss, und sie hinterlässt keine zerstörten Straßen oder überfluteten Keller.
Genau das ist das Tückische daran. Weil die Gefahr nicht akut und nicht sichtbar ist, wird sie in der öffentlichen Wahrnehmung leicht unterschätzt. Hitze fordert ihre Opfer meist im Verborgenen, weshalb sie als stille Naturgefahr gilt. Die gesundheitlichen Folgen lassen sich im Einzelfall oft nicht eindeutig zuordnen, und die genannten Zahlen sind statistische Schätzwerte, deren tatsächliches Ausmaß sich nur schwer vollständig erfassen lässt.
Hitzeschutzplan des Landes bleibt die ganze Woche aktiv
Der Hitzeschutzplan des Landes Kärnten ist seit Donnerstag, dem 18. Juni, aktiv. Wie Tauernwetter auf Anfrage aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Beate Prettner erfahren hat, wird er voraussichtlich die gesamte Woche aktiv bleiben. Das Land aktiviert den Plan, sobald an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen mit starker oder extremer Wärmebelastung zu rechnen ist. Im Rahmen des Plans werden Gesundheits-, Pflege-, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen informiert und auf Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Menschen hingewiesen. Wer kann, sollte anstrengende Tätigkeiten in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlegen, ausreichend Wasser trinken und ältere Menschen, Kleinkinder sowie Tiere im Blick behalten. Wer Fragen zum Schutz vor der Hitze hat, erreicht das kostenlose Hitzetelefon des Gesundheitsministeriums unter 0800 880 800.
Wie lange dauert die Hitzewelle noch an?
Nach derzeitigem Stand deutet vieles darauf hin, dass es zu Beginn des Juli abkühlt. Die meisten Modellrechnungen zeigen für den 30. Juni oder den 1. Juli eine Abkühlung, nur ein kleinerer Teil lässt die Hitze auch danach weiter bestehen. Gesichert ist das aber noch nicht: Ob es zum Monatswechsel tatsächlich abkühlt und – falls ja – ob die Abkühlung nachhaltig ist oder nur eine kurze Unterbrechung bleibt, lässt sich derzeit nicht sagen. Im vergangenen Jahr folgte auf den extrem heißen Juni ein ruhigerer Juli mit spürbarer Entspannung – ob sich das wiederholt, ist offen.
Wir bleiben für Sie dran
Wir halten Sie auf tauernwetter.at und in der Tauernwetter-App über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden.
Quellen
Datenquellen: Die Temperatur- und Gewitterabschätzungen beruhen auf einem Ensemble der Modelle IFS (ECMWF), ICON-EU (DWD) und GFS (NOAA) sowie dem hochauflösenden TAUERNWETTER® ALPIXION-Wettermodell. Die gezeigten Temperaturprognosen für Klagenfurt und Lienz wurden mittels 850-hPa-Downscaling aus diesen Modelldaten berechnet. Die Darstellung der Temperaturabweichung in rund 1500 Meter Seehöhe über Europa beruht auf Daten der US-Wetterbehörde NOAA.
Messwerte und Rekorde: Die gemessenen Temperaturwerte sowie die im Factsheet und in den Verlaufsgrafiken genannten Hitze- und Rekordzahlen stammen aus dem Datahub der GeoSphere Austria (Stationsmessnetz TAWES bzw. Klimadatensatz).
Hitzebedingte Todesfälle: Die Angaben stammen aus dem Hitze-Mortalitätsmonitoring der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), veröffentlicht im Juni 2026 für den Sommer 2025.
Hitzeschutzplan: Die Information zur fortgesetzten Aktivierung des Hitzeschutzplans beruht auf einer Auskunft aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Beate Prettner an Tauernwetter.
Urheberrecht der Grafiken: Die in diesem Artikel gezeigten Wettergrafiken wurden von tauernwetter.at aufbereitet, berechnet und visualisiert. Das Urheberrecht an diesen Grafiken liegt bei tauernwetter.at. Titelbild: iStock.com.
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