WETTERLAGE

70 Liter in Weitensfeld, 11 in Feldkirchen: Die Gewitterbilanz der Woche

| Mag. David Kaufmann | Mallnitz, Kärnten
Karte der Niederschlagssumme in Kärnten und Osttirol vom 12. bis 18. Juli 2026 mit sehr unterschiedlichen Regenmengen.
Die Niederschlagssumme der vergangenen sechs Tage: Weitensfeld kam auf 76 Liter pro Quadratmeter, Feldkirchen nur auf 11. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

Wenige Kilometer entscheiden über 60 Liter Regen: In Weitensfeld sind von Freitag- bis Samstagfrüh 70 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Klagenfurt waren es im selben Zeitraum 2 Liter. Die Gewitter dieser Woche haben Kärnten und Osttirol also genau so getroffen, wie wir es am Dienstag angekündigt hatten: örtlich sehr viel, anderswo fast nichts. Für die Trockenheit im Land ändert das wenig, denn dem Juli fehlt bislang die Hälfte des üblichen Niederschlags.

Nass oder trocken: Eine Frage von Kilometern

In unserem Beitrag vom Dienstag haben wir geschrieben, dass in einzelnen Orten bis zum Wochenende um die 100 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen könnten, während es stellenweise nur für knapp 20 Liter reicht. Genau so ist es gekommen. Über die vergangenen sechs Tage summierten sich in Weitensfeld 76 Liter pro Quadratmeter, in St. Andrä 39 und in Kornat 34. Am anderen Ende der Skala stehen Feldkirchen und Völkermarkt mit jeweils 11 Litern.

Der Grund dafür liegt in der Natur von Gewittern: Sie bringen große Regenmengen in sehr kurzer Zeit, sind räumlich aber eng begrenzt. Eine einzelne Zelle kann über einem Tal 50 Liter abladen, während im Nachbartal kein Tropfen fällt. Deshalb lässt sich bei solchen Wetterlagen zwar gut sagen, dass es Gewitter geben wird, aber kaum, wen genau sie treffen.

Karte der 24-stündigen Niederschlagssumme in Kärnten und Osttirol mit einem Schwerpunkt von 70 Litern in Weitensfeld.
Die Niederschlagssumme von Freitag- bis Samstagfrüh: In Weitensfeld fielen 70 Liter pro Quadratmeter, in Klagenfurt nur 2. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria)

Der Wetterbericht für die kommenden Tage

Heute, Samstag

Zunächst gibt es am Vormittag verbreitet einiges an Sonnenschein, dazu wird es bis zum frühen Nachmittag sommerlich heiß mit Werten bis 30 Grad. Am Nachmittag bilden sich zahlreiche Quellwolken, und ausgehend von den Bergen entstehen Regenschauer und Gewitter, die im Laufe des Nachmittags und Abends auf weite Teile des Landes übergreifen. Stellenweise können die Gewitter heftig ausfallen, örtlich sind auch Hagel, Starkregen und Sturmböen nicht ausgeschlossen. Der Wind weht schwach bis mäßig aus West, im Klagenfurter Becken bleibt er den ganzen Tag über schwach, auf den Bergen weht er mäßig aus Nordwest. Die Frühwerte liegen zwischen 13 und 20 Grad, die Höchstwerte erreichen 20 Grad in den höher gelegenen Tälern der Tauern und bis zu 30 Grad im Klagenfurter Becken sowie im Raum Villach. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 15 Grad.

Morgen, Sonntag

Am Sonntag scheint zunächst verbreitet die Sonne und es wird noch einmal sehr warm. Am Nachmittag ziehen dann von Westen her Wolken auf, und ab dem späten Nachmittag bilden sich neuerlich Regenschauer und Gewitter. Vereinzelt können die Schauer kräftig ausfallen. Es weht schwacher bis mäßiger Wind aus Südost, im Mölltal macht sich zeitweise föhniger Nordwind bemerkbar. Nach Frühwerten von 8 bis 17 Grad steigen die Temperaturen auf 20 Grad in den Nockbergen und den Tälern der Tauern und auf bis zu 30 Grad in Villach und im Rosental. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.

Übermorgen, Montag

Am Montag überwiegen anfangs die Wolken, im Tagesverlauf zeigt sich aber immer wieder auch die Sonne. Am freundlichsten bleibt es im Klagenfurter Becken und im Rosental. Ab dem Nachmittag entstehen erneut einzelne Regenschauer, am ehesten entlang der Karnischen Alpen, im oberen Drautal und in Osttirol. Unwetter sollten keine mehr dabei sein. Bei schwachem Wind aus Südost bleibt es sommerlich warm mit Frühwerten von 5 bis 14 Grad und Höchstwerten zwischen 19 Grad in den höher gelegenen Tälern und 27 Grad im Rosental. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 14 Grad.

Dienstag

Am Dienstag hängen viele Wolken über dem Land und immer wieder gehen Regenschauer nieder. Am Nachmittag kann es kurzzeitig auch kräftig regnen. Trockene Phasen und ein paar sonnige Auflockerungen gibt es am ehesten in Osttirol. Es weht mäßiger, auf den Bergen zeitweise lebhafter Wind aus Nordwest. Es kühlt merklich ab, die Höchstwerte kommen nur noch auf 15 bis 25 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 12 Grad.

Mittwoch

Am Mittwoch beruhigt sich das Wetter allmählich. Nach einem freundlichen Vormittag ziehen zwar wieder ein paar Wolken durch, meist bleibt es aber trocken, und in Osttirol scheint den ganzen Tag lang sogar verbreitet die Sonne. Die Temperaturen erreichen voraussichtlich 18 bis 26 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 14 Grad.

Heute noch einmal hohe Unwettergefahr

Auch heute sind noch einmal bis zu 30 Grad möglich. Das ist zwar weniger heiß als gestern, für kräftige Gewitter reicht die Energie am Nachmittag aber allemal, die Unwettergefahr bleibt daher hoch. Morgen geht sie mit den langsam sinkenden Höchstwerten bereits etwas zurück.

In der kommenden Woche bleibt es unbeständig, die Temperaturen liegen dann in Kärnten und Osttirol zwischen 20 und etwa 25 Grad. Damit fehlt den Gewittern die Antriebsenergie, und die Unwettergefahr sinkt deutlich. Für die kommenden 48 Stunden gilt allerdings noch einmal dasselbe wie in den Tagen zuvor: Die Regenschauer und Gewitter werden nicht jeden treffen, örtlich sind aber wieder sehr große Niederschlagsmengen in kürzester Zeit möglich, so wie gestern in Weitensfeld.

Karte der berechneten Niederschlagsmengen für Kärnten und Osttirol bis Montagfrüh.
Die berechneten Niederschlagsmengen bis Montagfrüh: Auch in den kommenden beiden Tagen fällt der Regen wieder sehr unterschiedlich aus. (Grafik: Tauernwetter, Daten: DWD)

Warum der Sommerregen so wichtig ist

Ein Blick auf die Jahresverteilung des Niederschlags zeigt einen deutlichen Unterschied: In den Wintermonaten fallen in vielen Orten Kärntens und Osttirols keine 50 Liter pro Quadratmeter im Monat, im Sommer sind es teilweise mehr als 150 Liter. Diesen Vorsprung braucht der Sommer aber auch, denn bei großer Hitze und intensiver Sonneneinstrahlung ist die Verdunstung um ein Vielfaches höher als im Winter. Von 100 Litern Sommerregen bleibt im Boden und im Grundwasser deutlich weniger übrig als von derselben Menge im Winter. Ein Niederschlagsdefizit im Sommer wiegt deshalb oft schwerer als eines im Winter: Es trifft die Trinkwasserversorgung, lässt die Waldbrandgefahr steigen und drückt die Bilanz des gesamten Jahres.

Dem Juli fehlt bislang die Hälfte des Regens

Genau das ist derzeit der Fall. Der Juli weist in Kärnten und Osttirol aktuell ein Niederschlagsdefizit von rund 50 Prozent auf. Damit der Monat noch in den Bereich des langjährigen Klimanormalwertes rückt, müsste die zweite Monatshälfte einen Überschuss von 100 Prozent bringen, also doppelt so viel Regen wie üblich. Das ist sehr unwahrscheinlich, denn flächendeckender und ergiebiger Landregen ist weiterhin nicht in Sicht.

Karte der Niederschlagsabweichung in Kärnten und Osttirol vom 1. bis 15. Juli 2026 mit verbreitet rund 50 Prozent zu wenig Regen.
Die Niederschlagsabweichung vom 1. bis zum 15. Juli: Im Landesschnitt fehlt gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990 rund die Hälfte des üblichen Regens. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria SPARTACUS)

Damit steuert der Juli im Großteil des Landes auf ein neuerliches Niederschlagsdefizit zu, und das nach einem ohnehin schon trockenen ersten Halbjahr. Seit Jahresbeginn fehlen in Kärnten und Osttirol rund 25 Prozent des üblichen Niederschlags.

Karte der Niederschlagsabweichung in Kärnten und Osttirol seit Jahresbeginn mit verbreitet zu geringen Regenmengen.
Die Niederschlagsabweichung vom 1. Jänner bis zum 16. Juli: In Kärnten und Osttirol fehlen gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990 rund 23 Prozent des üblichen Niederschlags. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GeoSphere Austria SPARTACUS)

Ausblick: Keine Hitzewelle, aber auch kein Landregen

Die mittelfristigen Prognosen zeigen ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite ist für die kommende Woche keine ausgeprägte Hitzewelle in Sicht, und Schauer bringen immer wieder etwas Regen. Auf der anderen Seite fehlt weiterhin der flächendeckende, ergiebige Landregen, der die Böden wirklich durchfeuchten würde.

Ensemble-Diagramm der Temperatur in 850 Hektopascal für Klagenfurt mit zunächst unterdurchschnittlichen Werten.
Die Temperaturentwicklung in rund 1500 Meter Höhe über Klagenfurt: In der kommenden Woche liegen die Werte zunächst unter dem Klimamittel (rote Linie), erst gegen Ende des Monats deutet sich wieder wärmere Luft an. (Grafik: Tauernwetter, Daten: NOAA GEFS)
Karte der Temperaturabweichung in 850 Hektopascal über Europa für Dienstag mit kühler Luft über dem Alpenraum.
Die Temperaturabweichung in rund 1500 Meter Höhe am Dienstag: Der Alpenraum liegt in kühler Luft, von einer neuen Hitzewelle ist zumindest nächste Woche noch nichts zu sehen. (Grafik: Tauernwetter, Daten: GFS/NOAA)

Für die niedrigen Grundwasserpegel bedeutet das keine Entspannung. Immerhin geht mit den kühleren Temperaturen und der etwas höheren Luftfeuchtigkeit die zuletzt hohe Waldbrandgefahr zumindest vorübergehend zurück. Wir halten Sie auf tauernwetter.at mit täglich mehrfach aktualisierten Ortsprognosen für alle Gemeinden in Kärnten und Osttirol auf dem Laufenden.

Quellen

Messdaten und Analysen: INCA- und SPARTACUS-Datensätze der GeoSphere Austria, von Tauernwetter unter der Lizenz CC BY 4.0 bezogen. Prognosen: ICON-D2 des Deutschen Wetterdienstes sowie GFS und GEFS-Ensemble der US-Wetterbehörde NOAA.

Urheberrecht an allen Grafiken in diesem Artikel: Alle gezeigten Karten und Diagramme wurden von tauernwetter.at eigenständig erstellt. Das ausschließliche Urheberrecht daran liegt bei tauernwetter.at.

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