70 Liter in Weitensfeld, 11 in Feldkirchen: Die Gewitterbilanz der Woche
Wenige Kilometer entscheiden über 60 Liter Regen: In Weitensfeld sind von Freitag- bis Samstagfrüh 70 Liter pro Quadratmeter gefallen, in Klagenfurt waren es im selben Zeitraum 2 Liter. Die Gewitter dieser Woche haben Kärnten und Osttirol also genau so getroffen, wie wir es am Dienstag angekündigt hatten: örtlich sehr viel, anderswo fast nichts. Für die Trockenheit im Land ändert das wenig, denn dem Juli fehlt bislang die Hälfte des üblichen Niederschlags.
Nass oder trocken: Eine Frage von Kilometern
In unserem Beitrag vom Dienstag haben wir geschrieben, dass in einzelnen Orten bis zum Wochenende um die 100 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen könnten, während es stellenweise nur für knapp 20 Liter reicht. Genau so ist es gekommen. Über die vergangenen sechs Tage summierten sich in Weitensfeld 76 Liter pro Quadratmeter, in St. Andrä 39 und in Kornat 34. Am anderen Ende der Skala stehen Feldkirchen und Völkermarkt mit jeweils 11 Litern.
Der Grund dafür liegt in der Natur von Gewittern: Sie bringen große Regenmengen in sehr kurzer Zeit, sind räumlich aber eng begrenzt. Eine einzelne Zelle kann über einem Tal 50 Liter abladen, während im Nachbartal kein Tropfen fällt. Deshalb lässt sich bei solchen Wetterlagen zwar gut sagen, dass es Gewitter geben wird, aber kaum, wen genau sie treffen.
Der Wetterbericht für die kommenden Tage
Heute, Samstag
Zunächst gibt es am Vormittag verbreitet einiges an Sonnenschein, dazu wird es bis zum frühen Nachmittag sommerlich heiß mit Werten bis 30 Grad. Am Nachmittag bilden sich zahlreiche Quellwolken, und ausgehend von den Bergen entstehen Regenschauer und Gewitter, die im Laufe des Nachmittags und Abends auf weite Teile des Landes übergreifen. Stellenweise können die Gewitter heftig ausfallen, örtlich sind auch Hagel, Starkregen und Sturmböen nicht ausgeschlossen. Der Wind weht schwach bis mäßig aus West, im Klagenfurter Becken bleibt er den ganzen Tag über schwach, auf den Bergen weht er mäßig aus Nordwest. Die Frühwerte liegen zwischen 13 und 20 Grad, die Höchstwerte erreichen 20 Grad in den höher gelegenen Tälern der Tauern und bis zu 30 Grad im Klagenfurter Becken sowie im Raum Villach. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 15 Grad.
Morgen, Sonntag
Am Sonntag scheint zunächst verbreitet die Sonne und es wird noch einmal sehr warm. Am Nachmittag ziehen dann von Westen her Wolken auf, und ab dem späten Nachmittag bilden sich neuerlich Regenschauer und Gewitter. Vereinzelt können die Schauer kräftig ausfallen. Es weht schwacher bis mäßiger Wind aus Südost, im Mölltal macht sich zeitweise föhniger Nordwind bemerkbar. Nach Frühwerten von 8 bis 17 Grad steigen die Temperaturen auf 20 Grad in den Nockbergen und den Tälern der Tauern und auf bis zu 30 Grad in Villach und im Rosental. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.
Übermorgen, Montag
Am Montag überwiegen anfangs die Wolken, im Tagesverlauf zeigt sich aber immer wieder auch die Sonne. Am freundlichsten bleibt es im Klagenfurter Becken und im Rosental. Ab dem Nachmittag entstehen erneut einzelne Regenschauer, am ehesten entlang der Karnischen Alpen, im oberen Drautal und in Osttirol. Unwetter sollten keine mehr dabei sein. Bei schwachem Wind aus Südost bleibt es sommerlich warm mit Frühwerten von 5 bis 14 Grad und Höchstwerten zwischen 19 Grad in den höher gelegenen Tälern und 27 Grad im Rosental. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 14 Grad.
Dienstag
Am Dienstag hängen viele Wolken über dem Land und immer wieder gehen Regenschauer nieder. Am Nachmittag kann es kurzzeitig auch kräftig regnen. Trockene Phasen und ein paar sonnige Auflockerungen gibt es am ehesten in Osttirol. Es weht mäßiger, auf den Bergen zeitweise lebhafter Wind aus Nordwest. Es kühlt merklich ab, die Höchstwerte kommen nur noch auf 15 bis 25 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 12 Grad.
Mittwoch
Am Mittwoch beruhigt sich das Wetter allmählich. Nach einem freundlichen Vormittag ziehen zwar wieder ein paar Wolken durch, meist bleibt es aber trocken, und in Osttirol scheint den ganzen Tag lang sogar verbreitet die Sonne. Die Temperaturen erreichen voraussichtlich 18 bis 26 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 14 Grad.
Heute noch einmal hohe Unwettergefahr
Auch heute sind noch einmal bis zu 30 Grad möglich. Das ist zwar weniger heiß als gestern, für kräftige Gewitter reicht die Energie am Nachmittag aber allemal, die Unwettergefahr bleibt daher hoch. Morgen geht sie mit den langsam sinkenden Höchstwerten bereits etwas zurück.
In der kommenden Woche bleibt es unbeständig, die Temperaturen liegen dann in Kärnten und Osttirol zwischen 20 und etwa 25 Grad. Damit fehlt den Gewittern die Antriebsenergie, und die Unwettergefahr sinkt deutlich. Für die kommenden 48 Stunden gilt allerdings noch einmal dasselbe wie in den Tagen zuvor: Die Regenschauer und Gewitter werden nicht jeden treffen, örtlich sind aber wieder sehr große Niederschlagsmengen in kürzester Zeit möglich, so wie gestern in Weitensfeld.
Warum der Sommerregen so wichtig ist
Ein Blick auf die Jahresverteilung des Niederschlags zeigt einen deutlichen Unterschied: In den Wintermonaten fallen in vielen Orten Kärntens und Osttirols keine 50 Liter pro Quadratmeter im Monat, im Sommer sind es teilweise mehr als 150 Liter. Diesen Vorsprung braucht der Sommer aber auch, denn bei großer Hitze und intensiver Sonneneinstrahlung ist die Verdunstung um ein Vielfaches höher als im Winter. Von 100 Litern Sommerregen bleibt im Boden und im Grundwasser deutlich weniger übrig als von derselben Menge im Winter. Ein Niederschlagsdefizit im Sommer wiegt deshalb oft schwerer als eines im Winter: Es trifft die Trinkwasserversorgung, lässt die Waldbrandgefahr steigen und drückt die Bilanz des gesamten Jahres.
Dem Juli fehlt bislang die Hälfte des Regens
Genau das ist derzeit der Fall. Der Juli weist in Kärnten und Osttirol aktuell ein Niederschlagsdefizit von rund 50 Prozent auf. Damit der Monat noch in den Bereich des langjährigen Klimanormalwertes rückt, müsste die zweite Monatshälfte einen Überschuss von 100 Prozent bringen, also doppelt so viel Regen wie üblich. Das ist sehr unwahrscheinlich, denn flächendeckender und ergiebiger Landregen ist weiterhin nicht in Sicht.
Damit steuert der Juli im Großteil des Landes auf ein neuerliches Niederschlagsdefizit zu, und das nach einem ohnehin schon trockenen ersten Halbjahr. Seit Jahresbeginn fehlen in Kärnten und Osttirol rund 25 Prozent des üblichen Niederschlags.
Ausblick: Keine Hitzewelle, aber auch kein Landregen
Die mittelfristigen Prognosen zeigen ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite ist für die kommende Woche keine ausgeprägte Hitzewelle in Sicht, und Schauer bringen immer wieder etwas Regen. Auf der anderen Seite fehlt weiterhin der flächendeckende, ergiebige Landregen, der die Böden wirklich durchfeuchten würde.
Für die niedrigen Grundwasserpegel bedeutet das keine Entspannung. Immerhin geht mit den kühleren Temperaturen und der etwas höheren Luftfeuchtigkeit die zuletzt hohe Waldbrandgefahr zumindest vorübergehend zurück. Wir halten Sie auf tauernwetter.at mit täglich mehrfach aktualisierten Ortsprognosen für alle Gemeinden in Kärnten und Osttirol auf dem Laufenden.
Quellen
Messdaten und Analysen: INCA- und SPARTACUS-Datensätze der GeoSphere Austria, von Tauernwetter unter der Lizenz CC BY 4.0 bezogen. Prognosen: ICON-D2 des Deutschen Wetterdienstes sowie GFS und GEFS-Ensemble der US-Wetterbehörde NOAA.
Urheberrecht an allen Grafiken in diesem Artikel: Alle gezeigten Karten und Diagramme wurden von tauernwetter.at eigenständig erstellt. Das ausschließliche Urheberrecht daran liegt bei tauernwetter.at.
Tauernwetter in Google News & Discover folgen
Markiere Tauernwetter als bevorzugte Quelle und sieh unsere Wetter-Artikel häufiger in deinem Google‑Feed.
Als bevorzugte Quelle in Google festlegen