Klimawandel in Villach: Über 70 Jahre Klimadaten

Mag. David Kaufmann Lesezeit: ca. 15 Minuten

📖 Zitierfähig: doi:10.5281/zenodo.21219893 · CC BY 4.0 · Autor: Mag. David Kaufmann

Die GeoSphere-Austria-Wetterstation Villach Stadt (Stations-ID 100, 493 m Seehöhe) liegt im Villacher Becken am Fuß des Dobratsch, nahe dem Zusammenfluss von Drau und Gail. Ihre homogenisierte Messreihe reicht bis 1956 zurück und umfasst damit rund 70 Jahre. Sie zeigt, wie sich der Klimawandel in einer inneralpinen Beckenlage auswirkt: mit kräftig steigenden Sommertemperaturen, mehr Hitzetagen und einem deutlichen Rückgang von Schnee und Eis.

Datenquelle und Methodik

Alle Daten stammen von der GeoSphere-Austria-Klimastation Villach Stadt (Nr. 100, ehemals ZAMG). Die homogenisierte Langreihe führt die Standorte Villach (bis November 1993) und Villach Stadt (ab Dezember 1993) in einer durchgehenden amtlichen Reihe zusammen. Tauernwetter hat diese Reihe aus den GeoSphere-DataHub-Datensätzen ausgewertet und in interaktiven Grafiken aufbereitet.

Das Villacher Becken ist durch seine Tallage klimatisch geprägt: Im Sommer staut sich Wärme, im Winter bilden sich bei ruhigem Hochdruckwetter Kaltluftseen mit Nebel und Inversionen. Mit rund 1.150 mm Jahresniederschlag zählt der Raum Villach zu den niederschlagsreicheren Beckenlagen Kärntens.

1. Jahresmitteltemperatur: Der Erwärmungstrend

Die Jahresmitteltemperatur in Villach ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Im Vergleichszeitraum 1956–1975 lag das Jahresmittel bei durchschnittlich 7,7 °C. In den letzten elf Jahren (2015–2025) stieg dieser Wert auf 10,4 °C – ein Anstieg von +2,7 °C. Das Jahr 2024 brachte mit 11,2 °C den höchsten Wert der gesamten Messreihe, 2025 folgte mit 11,1 °C. Der Anstieg hat sich ab den 1990er-Jahren beschleunigt.

Jahresmitteltemperatur 1956–2025

Jahresmitteltemperatur in °C mit 10-Jahres-Mittel (dicke Linie) und linearem Trend (gestrichelt). Quelle: GeoSphere Austria, Station Villach Stadt (493 m).

2. Monatliche Temperaturen im Wandel der Jahrzehnte

Der Vergleich der monatlichen Temperaturen zeigt, wo sich die Erwärmung am stärksten auswirkt. Verglichen werden drei Perioden: 1956–1975, 1976–1999 und 2000–2025. Die Erwärmung ist nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt – besonders die Sommermonate zeigen die stärksten Zunahmen bei den Höchsttemperaturen, was zur Zunahme der Hitzetage führt.

Durchschnittliche Höchsttemperaturen pro Monat nach Periode

Monatsmittel der Tageshöchsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.

Auch die Tiefsttemperaturen haben sich verändert. Die Winterminima fallen weniger tief aus als früher – strenge Inversionsfröste im Becken werden seltener. Im Sommer bleiben die Nachttemperaturen höher, was warme Nächte begünstigt.

Durchschnittliche Tiefsttemperaturen pro Monat nach Periode

Monatsmittel der Tagestiefsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.

3. Sommertage, Hitzetage, Eistage und Frosttage

Die Kenntage machen die Auswirkungen des Klimawandels besonders greifbar. Ein Sommertag wird gezählt, wenn das Temperaturmaximum mindestens 25 °C erreicht. Hitzetage (Maximum ≥ 30 °C) sind in Villach auf 493 m im Beckenklima häufig – in 66 von 68 auswertbaren Messjahren wurden Hitzetage registriert. Eistage sind Tage, an denen die Temperatur durchgehend unter dem Gefrierpunkt bleibt. Frosttage werden gezählt, wenn das Minimum unter 0 °C fällt.

Bemerkenswerte Veränderungen (Ø 1956–1975 vs. 2015–2025)

  • Die Sommertage stiegen von durchschnittlich 47 auf 85 pro Jahr (+80 %). 2003 brachte mit 101 Sommertagen den Rekord der Messreihe.
  • Die Hitzetage stiegen von durchschnittlich 6 auf 28 pro Jahr – mehr als eine Vervierfachung (+364 %). 2003 hält mit 42 Hitzetagen den Rekord.
  • Die Frosttage gingen von durchschnittlich 125 auf 94 pro Jahr zurück (−25 %). 2014 erreichte mit nur 60 Frosttagen den niedrigsten Wert.
  • Die Eistage sanken von durchschnittlich 32 auf 8 pro Jahr (−73 %). 2025 verzeichnete nur noch 2 Eistage.

Sommertage pro Jahr (Maximum ≥ 25 °C)

Anzahl der Sommertage pro Jahr. Rot hervorgehoben: Jahre mit 80 oder mehr Sommertagen.

Hitzetage pro Jahr (Maximum ≥ 30 °C)

Anzahl der Hitzetage pro Jahr. In Villach ein regelmäßiges Phänomen – die Anzahl hat sich mehr als vervierfacht.

Frosttage pro Jahr (Minimum < 0 °C)

Anzahl der Frosttage pro Jahr mit linearem Trend.

Eistage pro Jahr (Maximum < 0 °C)

Anzahl der Eistage pro Jahr mit linearem Trend.

4. Schnee im Wandel

In einer Beckenlage auf 493 m ist Schnee weniger beständig als im Gebirge – der Rückgang fällt dennoch klar aus. Die durchschnittlichen Schneedeckentage gingen von 83 pro Jahr (Ø 1956–1975) auf 45 in den letzten elf Jahren zurück – ein Rückgang von 38 Tagen (−46 %). 2024 verzeichnete 25, das Jahr 2025 nur noch 5 Schneedeckentage.

Die durchschnittliche maximale Schneehöhe sank von 57 cm (Ø 1956–1975) auf 28 cm (2015–2025, −51 %). Der Rekord stammt aus dem Jahr 1986 mit 94 cm, der schneereichste Winter der jüngeren Reihe. Schneereiche Winter werden im Villacher Becken seltener.

Maximale Schneehöhe pro Jahr (cm)

Maximale Gesamtschneehöhe pro Jahr in Zentimetern mit linearem Trend.

Schneedeckentage pro Jahr

Tage mit geschlossener Schneedecke pro Jahr.

Extremschneefall: Maximaler 3-Tages-Neuschnee pro Jahr (cm)

Höchster 3-Tages-Neuschneewert pro Jahr in Zentimetern (ab 1983, Beginn der durchgehenden Neuschneemessung). Die rote Linie markiert die 30-cm-Schwelle für Starkschneefälle im Tal.

5. Jahresniederschlag

Beim Niederschlag zeigt sich in Villach kein signifikanter Langzeittrend. Der Jahresniederschlag schwankt erheblich zwischen rund 800 mm und über 1.600 mm. Im Durchschnitt liegt Villach mit etwa 1.140 mm deutlich über Klagenfurt und zählt zu den niederschlagsreicheren Beckenlagen Kärntens. Zwischen den beiden WMO-Normalperioden nahm der Jahresniederschlag leicht zu (+3 %).

Jahresniederschlag 1956–2025 (mm)

Jahresniederschlag in Millimetern mit linearem Trend.

Auch beim monatlichen Niederschlag lohnt sich ein Blick auf die Veränderungen. Die folgende Grafik vergleicht die durchschnittlichen Monatsniederschläge über drei Perioden.

Durchschnittlicher Monatsniederschlag nach Periode

Monatsniederschlag (mm), gemittelt über die jeweilige Periode.

6. Klimatabelle: Normalwerte 1991–2020

Die folgende Klimatabelle zeigt die Klimanormalwerte der Station Villach Stadt für die aktuelle, international gebräuchliche WMO-Referenzperiode 1991–2020. Sie fasst den durchschnittlichen Jahresgang von Temperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer und Niederschlagstagen zusammen und dient als Vergleichsbasis für die oben gezeigten langfristigen Trends.

Klimadaten JänFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez Jahr
Mittl. Temperatur (°C)[1] −1,80,35,110,014,918,720,319,714,69,64,0−1,2 9,5
Mittl. Tagesmax. (°C)[1] 2,86,211,916,621,425,327,326,521,015,38,12,5 15,4
Mittl. Tagesmin. (°C)[1] −4,9−3,60,34,89,213,014,514,510,36,01,5−3,6 5,2
Niederschlag (mm)[1] 415258799611613214312211911874 1.150
Sonnenstunden (h/d)[1] 3,75,06,36,77,27,98,48,16,64,92,92,8 5,9
Tage mit Niederschlag (≥ 1 mm)[2] 4,75,36,68,810,611,011,111,18,58,28,46,8 101,1

[1] Mittl. Temperatur, Tagesmaximum/-minimum, Niederschlag und Sonnenscheindauer: WMO-Klimanormalperiode 1991–2020, GeoSphere Austria DataHub (klima-v2-1m), Station Villach Stadt. Das in der Spalte „Jahr" angegebene Temperatur-Jahresmittel (9,5 °C) stimmt mit dem Mittel der zwölf Monatswerte überein.
[2] Tage mit Niederschlag: eigene Auswertung der Tagesdaten (GeoSphere DataHub, klima-v2-1d) für 1991–2020. Ein Niederschlagstag ist nach meteorologischer Konvention ein Tag mit einer Niederschlagssumme von mindestens 1,0 mm (Regen oder Schmelzwasser).

Periodenvergleich der WMO-Normalperioden 1961–1990 → 1991–2020

Der direkte Vergleich der beiden offiziellen WMO-Klimanormalperioden macht die Erwärmung in Villach unmittelbar sichtbar:

GrößeØ 1961–1990Ø 1991–2020Veränderung
Jahresmitteltemperatur7,7 °C9,5 °C+1,8 °C
Sommermittel (Juni–August)17,3 °C19,6 °C+2,2 °C
Jahresniederschlag1.115 mm1.149 mm+34 mm (+3 %)

[3] WMO-Klimanormalperioden, berechnet aus den Werten des GeoSphere DataHub (klima-v2-1y / klima-v2-1m), Station Villach Stadt. In der Vergleichsperiode 1961–1990 fehlten für 1969 und 1982 zu viele Messtage; diese beiden Jahre bleiben als Lücke ausgewiesen, die übrigen 28 Jahre sind vollständig. Die Normalperiode 1991–2020 beruht auf vollständigen 30 Jahren. Werte gerundet; die Veränderung ergibt sich aus den gerundeten Periodenmitteln.

7. Fazit: Der Klimawandel in Villach in Zahlen

Die über 70 Jahre umfassende Klimareihe der GeoSphere-Austria-Station Villach Stadt zeigt ein klares Bild: Das Beckenklima verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels – Hitzeextreme nehmen deutlich zu, der Winter verliert an Kälte und Schnee.

Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:

+2,7
Temperaturanstieg: Die Jahresmitteltemperatur stieg von 7,7 °C (Ø 1956–1975) auf 10,4 °C (Ø 2015–2025) – ein Anstieg von +2,7 °C. 2024 wurde mit 11,2 °C der höchste Wert der gesamten Messreihe erreicht.
+38
Mehr Sommertage: Die Anzahl der Tage mit 25 °C und mehr stieg von durchschnittlich 47 auf 85 (+80 %). 2003 brachte mit 101 Sommertagen den Rekord.
+22
Hitzetage vervierfacht: Die Hitzetage (≥ 30 °C) stiegen von durchschnittlich 6 auf 28 pro Jahr (+364 %). 2003 hält mit 42 Hitzetagen den Rekord.
−55
Weniger Frost- und Eistage: Die Frosttage gingen von 125 auf 94 zurück (−25 %). Die Eistage sanken von 32 auf 8 (−73 %).
−38
Schneerückgang: Die Schneedeckentage gingen von 83 auf 45 zurück (−46 %). Die maximale Schneehöhe sank von 57 auf 28 cm (−51 %). 2025 verzeichnete nur noch 5 Schneedeckentage.
+3 %
Niederschlag leicht steigend: Der Jahresniederschlag liegt bei rund 1.150 mm und nahm zwischen den Normalperioden um 3 % zu. Auffällig sind hohe Schwankungen des Jahresniederschlags zwischen nassen und trockenen Jahren.

Die Erwärmung fällt in Villach stärker aus als in höher gelegenen Orten, weil sich die Wärme im Becken staut. Am deutlichsten zeigt sich das bei den Hitzetagen: Aus durchschnittlich 6 pro Jahr sind 28 geworden. Das spürt man bei der Gesundheit, beim Kühlbedarf und in der Landwirtschaft. Zugleich liegt im Winter immer seltener Schnee – und mit ihm fehlt im Frühjahr das Schmelzwasser.

Vollständige Analyse als PDF

Über 70 Jahre Klimadaten, Grafiken, Klimatabelle und Quellen dieser Auswertung als zitierfähiges PDF-Dokument zum Herunterladen.

Klimawandel Villach (PDF)

Lizenz CC BY 4.0 · Datengrundlage GeoSphere Austria

Quellen & Zitation

Diesen Artikel zitieren:
Kaufmann, D. (2026): Klimawandel in Villach – über 70 Jahre Klimadaten (1956–2025). Tauernwetter, Wetterwissen. Datengrundlage: GeoSphere Austria, Station Villach Stadt (ID 100). Zenodo, doi:10.5281/zenodo.21219893. Online: tauernwetter.at/wetterwissen/klimawandel_in_villach.html
  • GeoSphere Austria (2026): DataHub – Messstationen-Klimadaten der Station Villach Stadt (ID 100). Datensätze klima-v2-1y, klima-v2-1m und klima-v2-1d. Lizenz CC BY 4.0. data.hub.geosphere.at
  • Kaufmann, D. (2026): Klimadaten und Klimawandel-Kennzahlen Villach 1956–2025 (GeoSphere-Station Villach Stadt). Zenodo. doi:10.5281/zenodo.21219893 – zugrunde liegender Datensatz dieser Auswertung.
  • Datenabruf und Auswertung (inkl. Niederschlagstage ≥ 1 mm sowie Kenn- und Schneetage aus Tageswerten): Tauernwetter, mittels eigener Skripte über die GeoSphere-DataHub-API. Stand: Juli 2026.
Hinweis zur Datenqualität: Die hier verwendeten Daten stammen aus den offiziellen, qualitätsgeprüften Datensätzen der GeoSphere Austria. Die homogenisierte Messreihe ab 1956 gilt als zuverlässig; für 1969 und 1982 sind einzelne Jahre wegen Stationsverlegungen unvollständig und werden als Lücke ausgewiesen. Die Daten werden unter der CC BY 4.0-Lizenz bereitgestellt.
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