Trockenheit in Kärnten und Osttirol: Erste Gemeinden bangen um den Wasserdruck
Am heutigen Dienstag und am Mittwoch zieht ein Tief über Kärnten und Osttirol hinweg und bringt etwas Regen. Die Niederschlagsmengen reichen jedoch nicht annähernd aus, um die seit Wochen anhaltende Trockenheit zu beenden. Im südlichen Oberkärnten und in den westlichen Nockbergen kommen stellenweise 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter zusammen, in weiten Teilen Kärntens und Osttirols bleibt es bei weniger als 10 Litern. Anschließend folgt eine kalte Nacht mit Tiefstwerten bis unter minus fünf Grad in einigen höher gelegenen Tälern, bevor zum Wochenende mit Höchstwerten bis zu 25 Grad bereits wieder Sommerstimmung aufkommt. Das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn liegt im Flächenmittel bei minus 44 Prozent, in Klagenfurt sogar bei minus 51 Prozent und auf der Villacher Alpe bei rekordverdächtigen minus 58 Prozent.
Erste Gemeinden bangen um den Wasserdruck
In einzelnen Gemeinden Kärntens und Osttirols macht sich die anhaltende Trockenheit immer stärker bemerkbar. Erste Bürgermeister berichten, dass der Wasserdruck in den Leitungen spürbar nachlässt, weil die Quellschüttungen seit Wochen rückläufig sind. Auch wenn die Trinkwasserversorgung bislang gesichert ist, mehren sich die Aufrufe zum bewussten Umgang mit Wasser – etwa beim Bewässern von Gärten oder beim Befüllen privater Pools.
Das kurze Regenintermezzo am Dienstag und am Mittwoch wird an dieser Lage wenig ändern. Damit das Grundwasser und die Quellen wieder ausreichend gespeist werden, braucht es flächendeckende und ergiebige Niederschläge über mehrere Tage hinweg. Genau das ist nach derzeitigem Stand der Wettermodelle in der kommenden Woche nicht in Sicht.
Waldbrand im Lesachtal weitgehend unter Kontrolle
Der Waldbrand im Lesachtal hatte sich kurzzeitig auf rund 110 Hektar ausgebreitet und ist damit der größte Waldbrand in Kärnten seit Beginn der Aufzeichnungen. Mittlerweile ist die Lage halbwegs unter Kontrolle, dank des Einsatzes zahlreicher Feuerwehren konnte eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Noch am 24. April war von 35 Hektar die Rede, in den Tagen danach breitete sich das Feuer auf mehr als das Dreifache aus. Die anhaltende Trockenheit, die geringe Bodenfeuchte und die zeitweise lebhaften Winde erschwerten die Löscharbeiten erheblich.
Bereits seit Monaten weist Tauernwetter auf das wachsende Risiko hin. In den vergangenen Wochen war die Waldbrandgefahr in weiten Teilen Kärntens und Osttirols hoch bis sehr hoch, mehrere kleinere Waldbrände gab es bereits im März und im April. Der etwas Regen am heutigen Dienstag und am Mittwoch wird die Lage zwar vorübergehend entschärfen, doch bereits am Wochenende steigt die Waldbrandgefahr wieder deutlich an.
Wetterprognose bis Sonntag
Bis zum Wochenende stehen Kärnten und Osttirol zunächst unter dem Einfluss eines schwachen Tiefs, anschließend setzt sich rasch wieder ein Hochdruckgebiet durch. Viel Regen ist dabei nicht zu erwarten.
Noch pessimistischer fällt die Prognose des hochauflösenden ICON D2-Modells vom Deutschen Wetterdienst aus. Dieses rechnet mit noch weniger Niederschlag als das ALPIXION-Wettermodell von Tauernwetter – in einigen Orten könnte es demnach sogar komplett trocken bleiben.
Heute, Dienstag, der 28. April
Am heutigen Dienstag bleibt es zunächst trocken, allerdings überwiegen die Wolken. Vereinzelt zeigt sich noch die Sonne. Bis zum frühen Nachmittag setzt in Osttirol und in den höheren Lagen Oberkärntens leichter Regen ein, der sich anschließend auf weite Teile Kärntens ausbreitet. In den meisten Landesteilen kommen nur unergiebige Niederschlagsmengen zusammen. Die Schneefallgrenze liegt bei 2000 bis 2200 Metern. Der Wind weht meist schwach aus südlicher Richtung. Die Frühwerte liegen zwischen drei und zehn Grad, tagsüber werden 14 Grad in den höher gelegenen Tälern bis 21 Grad im oberen Drautal und im Klagenfurter Becken erreicht. In 2000 Meter Höhe hat es um fünf Grad.
Mittwoch, der 29. April
Am Mittwoch bleibt es trüb und unbeständig. In der ersten Tageshälfte regnet es vor allem im Klagenfurter Becken, im Lavanttal und in den Karawanken zeitweise etwas, in den Tauern und in Osttirol fällt nur wenig Niederschlag. Im weiteren Verlauf lockert es in Osttirol und im Mölltal allmählich auf, gegen Abend zeigt sich dort sogar wieder die Sonne. Die Schneefallgrenze sinkt im Tagesverlauf von rund 2000 auf 1500 bis 1700 Meter ab. Mit auffrischendem Nordostwind kommt spürbar kühlere Luft ins Land, auf den Bergen weht stürmischer Wind. Die Frühwerte liegen zwischen fünf und elf Grad, die Höchstwerte erreichen nur noch sieben bis 15 Grad – am wärmsten bleibt es im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es nur noch um vier Grad.
Donnerstag, der 30. April: Frost und Sonnenschein
Am Donnerstag setzt sich rasch das Hoch durch. In den frühen Morgenstunden ziehen letzte Wolkenfelder ab, anschließend scheint von früh bis spät die Sonne. Es bleibt verbreitet trocken. Nach einer kalten Nacht mit Frühwerten zwischen minus fünf Grad in einigen höher gelegenen Tälern und plus vier Grad im unteren Lavanttal wird es tagsüber wieder freundlicher. Der Nordostwind weht in den nördlichen Landesteilen noch lebhaft bis kräftig, auf den Bergen stürmisch. Die Höchstwerte liegen zwischen elf und 18 Grad, am wärmsten im Lavanttal. In 2000 Meter Höhe hat es um sechs Grad.
Freitag, der 1. Mai
Am Staatsfeiertag scheint nach einem frostigen Start in ganz Kärnten und Osttirol die Sonne, voraussichtlich von früh bis spät. Der Nordostwind weht in den nördlichen Landesteilen noch lebhaft bis kräftig, auf den Bergen stürmisch, im Süden bleibt es ruhiger. Tagsüber wird es milder mit Höchstwerten zwischen 14 und 21 Grad. In 2000 Meter Höhe hat es um neun Grad.
Samstag, der 2. Mai
Auch der Samstag bringt voraussichtlich viel Sonnenschein und es wird sehr mild. Der Wind lässt nach und spielt kaum mehr eine Rolle. Die Höchstwerte erreichen 16 bis 23 Grad, ganz vereinzelt auch schon wieder knapp 25 Grad, am wärmsten im oberen Drautal. In 2000 Meter Höhe hat es um elf Grad.
Sonntag, der 3. Mai: Bis zu 25 Grad
Am Sonntag scheint nach den Modellen aus heutiger Sicht von früh bis spät die Sonne und es wird noch eine Spur wärmer. Verbreitet werden 18 bis 25 Grad erreicht, am wärmsten im oberen Drautal und im Lavanttal. Damit liegt die Temperaturabweichung erneut deutlich über dem langjährigen Mittel für Anfang Mai. Innerhalb von vier Tagen schwanken die Tiefstwerte und die Höchstwerte teilweise um rund 30 Grad.
Niederschlagsdefizit erreicht immer alarmierendere Werte
Seit dem 1. Jänner 2026 fehlen in Kärnten und Osttirol im Flächenmittel 44 Prozent des üblichen Niederschlags. Das geht aus den aktuellen Klimadaten hervor. An mehreren Stationen liegt die Abweichung sogar bei mehr als 50 Prozent.
In Klagenfurt wurden bis zum 26. April 2026 lediglich 89 Millimeter Niederschlag gemessen. Im langjährigen Mittel der Periode 1961 bis 1990 sind es zu diesem Zeitpunkt 183 Millimeter, das entspricht einem Defizit von 51 Prozent.
Auf der Villacher Alpe ist die Lage noch deutlicher: Statt der üblichen 391 Millimeter kamen erst 166 Millimeter zusammen, ein Minus von 58 Prozent. In Weitensfeld, im Bezirk Sankt Veit an der Glan, liegen die Werte bei 74 Millimetern gegenüber 168 Millimetern im Klimamittel, das entspricht einem Defizit von 56 Prozent.
Die kommenden Niederschläge am Dienstag und Mittwoch werden an diesem Bild kaum etwas ändern. Selbst die maximalen 20 Liter pro Quadratmeter im südlichen Oberkärnten und in den westlichen Nockbergen reichen bei weitem nicht, um die ausgetrockneten Böden in der Tiefe wieder feucht zu bekommen. In den meisten Regionen Kärntens und Osttirols werden weniger als 10 Liter pro Quadratmeter erwartet.
Waldbrandgefahr steigt am Wochenende erneut auf „hoch“
Die kurze Entspannung durch den Regen am Dienstag und Mittwoch dauert nur wenige Tage. Bereits am Wochenende erreicht die Waldbrandgefahr in weiten Teilen Kärntens und Osttirols nach den Berechnungen des ALPIXION-Modells wieder die Stufe „hoch“. In einzelnen Regionen, etwa im Lavanttal oder im oberen Drautal, ist am Sonntag auch wieder die Stufe „sehr hoch“ möglich.
Dahinter steckt die rasche Erwärmung nach der kühlen Wochenmitte, die trockenen Böden und der Nordostwind, der noch bis Freitag anhält und die Vegetation weiter austrocknet. Der wenige Regen am Dienstag und Mittwoch macht nur die oberste Bodenschicht feucht, darunter bleibt es trocken.
Ausblick: Hoffen auf Niederschlag ab dem 5. Mai
Ab Montag, dem 5. Mai, könnte es wieder zu Niederschlägen kommen – zumindest wenn es nach dem amerikanischen Wettermodell GFS geht. Die meisten anderen Modelle sehen für die kommende Woche jedoch noch keinen nennenswerten Niederschlag. Solange kein ergiebiger Regen absehbar ist, bleiben wir bei unserer vorsichtigen Einschätzung.
Die Trockenheit ist längst nicht mehr nur eine Wetterlaune, sondern ein handfestes Problem für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung einzelner Gemeinden und den Schutz vor Waldbränden. Tauernwetter wird die Lage in den kommenden Tagen weiter beobachten und an dieser Stelle berichten.
Quellen: TAUERNWETTER ® ALPIXION Modell, DWD ICON D2, GeoSphere Austria SPARTACUS via CC BY 4.0, Landesalarm- und Warnzentrale Kärnten. Titelbild: Lisa Redfern auf Pixabay.
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