Schneewarnung: Extreme Schneemengen in Kärnten und Osttirol

| Mag. David Kaufmann
Schneepflug räumt Straße bei starkem Schneefall
Schneepflug im Einsatz bei starkem Schneefall. Foto: iStock / kellymarken

Februar 2026 – Am Mittwoch nimmt das Italientief Fahrt auf und bringt teils extreme Schneemengen nach Kärnten und Osttirol. Ab der Mittagszeit verstärkt sich der Niederschlag deutlich. In den Karnischen Alpen und Karawanken sind die größten Mengen zu erwarten. Die Schneefallgrenze sinkt durch Niederschlagsabkühlung vielerorts bis in tiefe Lagen. Die Lawinengefahr steigt auf groß, stellenweise auf die höchste Stufe sehr groß. Tauernwetter hat für weite Teile Kärntens und Osttirols Schneewarnungen herausgegeben – in Teilen Oberkärntens gilt die höchste Warnstufe.

Wetterwarnkarte Kärnten und Osttirol für Mittwoch, 4. Februar 2026 mit Warnstufe Violett in Teilen Oberkärntens
Wetterwarnungen für Mittwoch, 4. Februar 2026. Grafik: Tauernwetter.at

Die Prognose im Detail

Mittwoch, 4. Februar – Intensiver Schneefall ab Mittag

Bis zum mittleren Vormittag ist es abgesehen von dem Bereich entlang der Karnischen Alpen und Karawanken noch trocken. Vor oder um die Mittagszeit beginnt es allmählich in Kärnten und Osttirol immer öfter zu schneien oder zu regnen. Die Schneefallgrenze liegt zunächst zwischen 700 Meter im Westen und 1.200 Meter zwischen Bad Kleinkirchheim und der Pack.

Am Nachmittag verstärkt sich der Niederschlag deutlich und es schneit oder regnet dann intensiv. Aufgrund der Niederschlagsabkühlung sinkt die Schneefallgrenze oft bis in tiefe Lagen – so kann es beispielsweise in Lienz, in Hermagor, in Spittal oder in Villach schneien. Ob es sich auch im Klagenfurter Becken ausgeht, ist möglich, aber eher unwahrscheinlich.

In Summe kommen bis Donnerstagmittag in vielen tieferen Lagen Ober- und Mittelkärntens 10 bis 25 Zentimeter Neuschnee zusammen. In höher gelegenen Tälern sind verbreitet 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee zu erwarten. In den Hochlagen der Karnischen Alpen dürften zum Teil zwischen 60 Zentimeter und knapp 1 Meter Neuschnee zusammenkommen.

Die Lawinengefahr steigt in vielen Gebirgsgruppen Osttirols und Oberkärntens auf groß, stellenweise auch auf die höchste Warnstufe sehr groß. Vor allem auf höher gelegenen Straßen wird es teilweise zu größeren Verkehrsproblemen kommen. Die Temperaturen erreichen maximal 0 bis 5 Grad.

48-Stunden-Niederschlagsprognose ICON-D2 für Österreich mit Schwerpunkt Südösterreich
48-Stunden-Niederschlagsprognose ICON-D2. Daten: DWD / Grafik: Tauernwetter.at
Ensemble-Niederschlagsprognose für Klagenfurt, Villach, Kötschach-Mauthen und Mallnitz
Ensemble-Niederschlagsprognose für vier Orte in Kärnten. Grafik: Tauernwetter.at

Donnerstag, 5. Februar

Weiterhin haben die Wolken das Sagen und vor allem am Vormittag schneit und regnet es zeitweise. Die Schneefallgrenze steigt von teilweise tiefen Lagen stellenweise wieder auf 1.100 Meter Seehöhe an. Der Nachmittag verläuft schon weitgehend trocken. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen ein weiteres Mal 0 bis 5 Grad. Bitte beachten Sie die teilweise große, wenn nicht sehr große Lawinengefahr – Warnstufe 5 von 5 ist in den Karnischen Alpen wahrscheinlich.

Freitag, 6. Februar

Ein weiterer unbeständiger Tag steht uns bevor. Entlang der südlichen Landesgrenzen kann es etwas regnen, ab rund 1.000 Meter Seehöhe schneien. Ab und zu greifen diese Niederschläge auch auf die nördlicheren Landesteile über. Vorübergehend kann sich nördlich der Drau eventuell auch kurz die Sonne zeigen. Die Temperaturen steigen auf 1 bis 6 Grad, wobei es vor allem in tieferen Lagen nochmals milder wird.

Samstag, 7. Februar

Hochnebel oder Wolken überwiegen. Immer wieder fallen daraus einige Schneeflocken oder Regentropfen. Die Chancen auf Sonne steigen im Lauf des Tages in Osttirol. Die Höchstwerte erreichen 1 bis 6 Grad.

Sonntag, 8. Februar

In ganz Kärnten und Osttirol wechseln sich dichte Wolkenfelder und etwas Sonne ab, auch Hochnebel mischt stellenweise wieder mit. Es bleibt weitgehend trocken und tagsüber wird es etwas weniger mild mit Höchstwerten zwischen 0 und 5 Grad.

Übersicht

Tag Wetter Temperatur
Mi, 4.2.Ab dem Nachmittag intensiver Niederschlag, Schneefallgrenze sinkt im Westen bis in tiefe Lagen0 bis +5 °C
Do, 5.2.Vormittags noch Schnee und Regen, am Nachmittag weitgehend trocken0 bis +5 °C
Fr, 6.2.Unbeständig, vor allem im Süden etwas Schneefall oder Regen+1 bis +6 °C
Sa, 7.2.Hochnebel und Wolken, einzelne Schneeflocken oder Regentropfen möglich+1 bis +6 °C
So, 8.2.Wolkenfelder und etwas Sonne, weitgehend trocken0 bis +5 °C

Warum schneit es bei Italientiefs oft bis in tiefe Lagen? Niederschlagsabkühlung und isothermer Schneefall

Bei diesem Italientief liegt die Schneefallgrenze zunächst bei 700 bis 1.200 Meter Seehöhe. Doch bei intensivem Niederschlag sinkt sie häufig bis in die Tallagen – ein Phänomen, das in der Meteorologie als Niederschlagsabkühlung bekannt ist.

So funktioniert Niederschlagsabkühlung: Wenn Regen oder Schnee durch die Luft fällt, verdunstet ein Teil der Niederschlagsteilchen. Diese Verdunstung entzieht der umgebenden Luft Wärme – die Luftschicht unterhalb der Wolken kühlt dadurch ab. Je intensiver der Niederschlag, desto stärker die Abkühlung. Im Extremfall kühlt die gesamte Luftsäule bis zum Boden auf 0 Grad ab. Meteorologen sprechen dann von einer isothermen Atmosphäre – und in diesem Zustand schneit es bis ganz hinunter, obwohl die Temperatur kurz zuvor noch bei +3 oder +4 Grad lag.

Warum tritt das in Oberkärnten und Osttirol besonders häufig auf? Dieses Phänomen kommt in Oberkärnten und Osttirol wesentlich häufiger vor als in anderen Teilen Österreichs. Das hat mehrere Gründe: Die Täler – Gailtal, Lesachtal, Drautal, Mölltal – sind relativ eng und von hohen Bergen umgeben. Die Luft wird in diesen Tälern weniger durchmischt, sodass die Verdunstungsabkühlung besonders effizient wirkt. Gleichzeitig liegen die Talböden auf 500 bis 700 Meter Seehöhe – nahe genug an der typischen Schneefallgrenze bei Italientiefs, damit die Niederschlagsabkühlung die Schneefallgrenze bis auf Talniveau drücken kann. Hinzu kommt die enorme Niederschlagsintensität: Die feuchte Luft wird von Süden gegen die Karnischen Alpen und Karawanken gedrückt und muss aufsteigen. Dieser Staueffekt erzeugt sehr hohe Niederschlagsraten, was die Abkühlung zusätzlich verstärkt. Im Gegensatz dazu wirken bei Nordstaulagen in den nördlichen Alpen häufig föhnige Effekte auf der Südseite, die die Luft erwärmen – diesen Gegeneffekt gibt es bei Südstaulagen in Oberkärnten nicht.

In der Praxis bedeutet das: Auch wenn ein Wettermodell zunächst Regen für Orte wie Hermagor, Spittal oder Villach berechnet, kann der Niederschlag dort nach wenigen Stunden in Schnee übergehen – oft schneller und tiefer reichend als die Modelle es initial zeigen.

Unsere Warnungen für den 4. Februar erklärt

Tauernwetter hat für dieses Schneeereignis abgestufte Warnungen herausgegeben. Die Warnstufen orientieren sich nicht nur an der erwarteten Gesamtmenge, sondern vor allem an der Niederschlagsintensität – also daran, wie viel Schnee in welchem Zeitraum fällt.

Warnstufe Violett (Warnstufe 3 – höchste Stufe): Gilt für Gebiete, in denen über 25 Zentimeter Neuschnee innerhalb von 12 bis 15 Stunden fallen könnten – etwa im Bereich der Karnischen Alpen, im oberen Gailtal und im Lesachtal.

Warnstufe Rot (Warnstufe 2): Gilt für Gebiete, in denen über 15 Zentimeter Neuschnee innerhalb von 12 Stunden fallen könnten – betrifft weite Teile Ober- und Mittelkärntens sowie den Süden Osttirols.

Zum Vergleich: Die standardmäßigen Warnschwellen für Neuschnee beziehen sich auf Zeiträume von 24 bis 36 Stunden und liegen bei über 25 Zentimetern für Warnstufe Rot und über 35 Zentimetern für die höchste Warnstufe. Da bei diesem Italientief der Großteil des Niederschlags aber innerhalb von nur rund 12 Stunden fällt, werden die Warnstufen bereits bei absolut gesehen geringeren Neuschneemengen erreicht. Rechnet man die Mengen auf 24 Stunden hoch, würden in den meisten Gebieten ohnehin auch die regulären 24-Stunden-Schwellen für die jeweilige Warnstufe erreicht werden.

Warum sind 25 Zentimeter Neuschnee in 12 Stunden extrem? Weil dem Winterdienst kaum Zeit bleibt, gegen diese Schneemassen anzukommen. Bei einer Schneefall-Rate von über 2 Zentimetern pro Stunde sind Straßen schneller zugeschneit als sie geräumt werden können. Der schwere, nasse Schnee bei Italientiefs belastet zudem Bäume und Stromleitungen: 25 Zentimeter nasser Neuschnee entsprechen einer Last von rund 40 bis 50 Kilogramm pro Quadratmeter. Schneebruch an Bäumen und Stromleitungen mit großflächigen Stromausfällen sind bei solchen Raten keine Seltenheit. Und schließlich steigt bei so kurzer, intensiver Belastung die Lawinengefahr besonders rasch an, weil die Schneedecke keine Zeit hat, sich zwischen den Schüben zu setzen.

Hinweis

Dieser Artikel ersetzt unsere gestrige Prognose mit aktualisierten Daten und Warnungen. Wir aktualisieren diesen Artikel bei wesentlichen Änderungen der Lage.

Wir halten Sie auf dem Laufenden und aktualisieren diesen Artikel bei Bedarf.

Für aktuelle Wetterwarnungen besuchen Sie tauernwetter.at/warnungen

Quellen: 48-Stunden-Niederschlagsprognose und Ensemble-Daten: ICON-D2 / DWD (Deutscher Wetterdienst).

Urheberrecht des Inhaltes und der Grafiken: tauernwetter.at

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