Bis zu 1 Meter Schnee: Großes Italientief trifft Kärnten am Mittwoch
3. Februar 2026 – Bereits am Dienstag schneit es stellenweise etwas in Oberkärnten und Osttirol (Details in unserer gestrigen Prognose). Doch nach einer Wetterberuhigung in der Nacht auf Mittwoch nimmt das Italientief im Laufe des Mittwochs wieder Fahrt auf – und diesmal deutlich stärker. In den Karnischen Alpen, etwa am Nassfeld, sind bis zu 1 Meter Neuschnee möglich. Die Lawinengefahr steigt in Oberkärnten und Osttirol auf groß, stellenweise auf die höchste Warnstufe sehr groß. Auf höher gelegenen Straßen ist mit erheblichen Verkehrsproblemen zu rechnen.
Die Prognose im Detail
Mittwoch, 4. Februar – Das große Italientief
Bis zum mittleren Vormittag ist es in den meisten Landesteilen noch trocken. Vor oder um die Mittagszeit beginnt es überall in Kärnten und Osttirol zu schneien und zu regnen. Die Schneefallgrenze liegt zunächst zwischen 700 Meter im Westen und 1.200 Meter zwischen Bad Kleinkirchheim und der Pack.
Bereits am frühen Nachmittag verstärkt sich der Niederschlag deutlich und es schneit dann intensiv. Aufgrund der Niederschlagsabkühlung sinkt die Schneefallgrenze oft bis in tiefe Lagen – so kann es beispielsweise in Lienz, in Hermagor, in Spittal oder in Villach schneien. Ob es sich auch im Klagenfurter Becken ausgeht, ist möglich, aber eher unwahrscheinlich.
In Summe kommen bis Donnerstagmittag in vielen tieferen Lagen Ober- und Mittelkärntens 10 bis 25 Zentimeter Neuschnee zusammen. In höher gelegenen Tälern sind verbreitet 30 bis 60 Zentimeter Neuschnee zu erwarten. In den Karnischen Alpen, zum Beispiel am Nassfeld, dürften zum Teil bis zu 1 Meter Neuschnee zusammenkommen.
„Ein durchschnittlicher Februar bringt in Kärnten und Osttirol rund 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Am Mittwoch erwarten wir diese Menge in etwas mehr als 24 Stunden, stellenweise sogar das Doppelte – ein ganzer Monatsniederschlag an nur einem Tag."
— Mag. David Kaufmann, Tauernwetter
Die Lawinengefahr steigt in vielen Gebirgsgruppen Osttirols und Oberkärntens auf groß, stellenweise auch auf die höchste Warnstufe sehr groß. Vor allem auf höher gelegenen Straßen wird es teilweise zu größeren Verkehrsproblemen kommen. Die Temperaturen erreichen maximal 0 bis 5 Grad.
Donnerstag, 5. Februar
Weiterhin haben die Wolken das Sagen und vor allem am Vormittag schneit und regnet es zeitweise. Die Schneefallgrenze steigt von teilweise tiefen Lagen stellenweise wieder auf 1.100 Meter Seehöhe an. Der Nachmittag verläuft schon weitgehend trocken. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen ein weiteres Mal 0 bis 5 Grad. Bitte beachten Sie die teilweise große, wenn nicht sehr große Lawinengefahr – Warnstufe 5 von 5 ist in den Karnischen Alpen wahrscheinlich.
Hinweis zur Prognosesicherheit
Dieser Artikel wird rund 24 Stunden vor Eintreffen des größeren Italientiefs veröffentlicht. Die grundsätzliche Prognose dürfte sich nicht mehr wesentlich verändern. Allerdings: Bei Italientiefs kann es auch unmittelbar beim Eintreffen noch zu größeren Verschiebungen kommen – im ungünstigsten Fall könnten die genauen Niederschlagsmengen stärker variieren als hier dargestellt. Wir aktualisieren diesen Artikel bei wesentlichen Änderungen.
Übersicht
| Tag | Wetter | Temperatur |
|---|---|---|
| Mi, 4.2. | Spätestens ab Mittag intensiver Schneefall, Lawinengefahr steigt in einigen Regionen auf groß bis sehr groß | 0 bis +5 °C |
| Do, 5.2. | Vormittags noch Schnee und Regen, am Nachmittag weitgehend trocken | 0 bis +5 °C |
Warum lösen 35 cm Neuschnee die höchste Warnstufe aus?
Bei diesem Italientief gibt Tauernwetter für Teile Oberkärntens und Osttirols die höchste Warnstufe (Violett) heraus, die der Warnstufe Rot im europäischen MeteoAlarm-System entspricht. Die Schwelle liegt bei über 35 Zentimetern Neuschnee innerhalb von 36 Stunden. Manchen mag das für schneereiche Regionen wie das Lesachtal oder die Karnischen Alpen wenig erscheinen – dort hat es in den letzten 20 Jahren durchaus schon 150 bis 200 Zentimeter Neuschnee bei einzelnen Ereignissen gegeben. Dennoch gibt es gute Gründe für diese einheitliche Schwelle:
Einheitliche Schwellenwerte: Wetterdienste verwenden feste, regionsunabhängige Grenzwerte, um die Vergleichbarkeit der Warnungen zu gewährleisten. Die höchste Warnstufe wird bei über 35 Zentimetern in 36 Stunden ausgelöst – egal ob im Lesachtal oder in einem städtischen Gebiet.
Schwerer, nasser Schnee: Bei Italientiefs fällt häufig nasser, schwerer Schnee. Bereits 35 Zentimeter davon belasten Dächer und Bäume mit rund 60 bis 70 Kilogramm pro Quadratmeter. Die Folge: Schneebruch an Ästen und Stromleitungen, im schlimmsten Fall großflächige Stromausfälle.
Grenzen des Winterdienstes: Ab dieser Schneemenge kann der Winterdienst Straßen nicht mehr durchgehend frei halten. In einem Tal wie dem Lesachtal – das über weite Strecken nur über eine einzige Zufahrtsstraße, die B111, die Gailtalstraße, erreichbar ist – bedeutet starker Schneefall oder ein Lawinenabgang rasch eine vollständige Isolation. Es gibt keine Ausweichroute. In städtischen Gebieten bricht bei solchen Mengen der Verkehr aufgrund der schieren Räummasse zusammen.
Massive Störungen im Alltag: Die Warnstufe bewertet nicht, wie viel Schnee eine Region „gewohnt" ist, sondern die physikalische Belastung für Infrastruktur, Natur und Verkehrswege – also großflächige Stromausfälle, den Stillstand des öffentlichen Verkehrs oder gesperrte Straßen.
Das Ziel jeder Warnung: Dass möglichst gar nichts passiert
Das Ziel einer Wetterwarnung ist nicht, im Nachhinein recht zu behalten. Das Ziel ist, dass wenn irgendwie möglich gar nichts passiert. Viele Auswirkungen eines solchen Schneeereignisses lassen sich vermeiden oder zumindest abschwächen, wenn sich die Menschen in den betroffenen Gebieten auf die Wetterlage einstellen. Konkret heißt das: Autofahren auf das Nötigste beschränken, Schneelast an Gebäuden im Auge behalten und sich über die aktuelle Lawinensituation informieren.
Wenn die Bevölkerung sich vorbildhaft an die Wetterbedingungen anpasst und tatsächlich wenig passiert, gibt es erfahrungsgemäß immer wieder einzelne Stimmen, die sagen: „Es ist doch fast gar nichts passiert – die Warnung war übertrieben." Dieses Phänomen ist in der Risikokommunikation als Präventionsparadoxon bekannt: Gerade weil die Warnung erfolgreich war und die Menschen ihr Verhalten angepasst haben, bleiben die befürchteten Schäden aus. Der Erfolg der Warnung wird dadurch unsichtbar.
Das Ausbleiben von Schäden ist also kein Zeichen dafür, dass die Warnung unnötig war – sondern im besten Fall ein Zeichen dafür, dass sie gewirkt hat.
Wir halten Sie auf dem Laufenden und aktualisieren diesen Artikel bei Bedarf.
Für aktuelle Wetterwarnungen besuchen Sie tauernwetter.at/warnungen
Quellen: 72-Stunden-Niederschlagsprognose: ICON-CH2-EPS / MeteoSchweiz (Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie). Alle Daten CC BY 4.0.
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