Die heißeste Hitzewelle des Jahres könnte erst noch kommen – womöglich die heißeste seit Messbeginn
Vier bis fünf angenehme Sommertage stehen uns noch bevor. Danach zeichnet sich nach derzeitigem Stand zum Monatswechsel eine Hitzewelle ab, die den Juni klar übertreffen und bei den Temperaturen an die höchsten je in Österreich gemessenen Werte heranreichen oder diese übertreffen könnte. Wir haben tagelang gezögert, das zu schreiben – jetzt rechnen alle wichtigen Modelle ähnlich, und die Schwankungsbreite wird von Lauf zu Lauf kleiner. Wir würden diese Prognose gerne wieder abschwächen – doch im Moment deutet wenig darauf hin, dass wir das können.
Zuerst die gute Nachricht: bis Dienstag angenehmes Sommerwetter
Heute, Freitag
Ein sommerlicher Tag mit viel Sonnenschein. In ganz Kärnten und Osttirol scheint über weite Strecken die Sonne. Ab und zu ziehen zwar ein paar harmlose Wolken durch, es bleibt aber trocken. Der Wind weht mäßig aus Nordwest, auf den Bergen mit Böen bis 50 km/h. Nach Frühwerten von 4 bis 12 Grad wird es sehr warm mit Höchstwerten zwischen 19 Grad in Diex und 28 Grad im oberen Drautal. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 10 Grad.
Samstag
Am Samstag wird es noch eine Spur heißer. Nach einem oft klaren Start setzt sich rasch die Sonne durch und begleitet uns bis in den Nachmittag hinein. Erst am Abend ziehen von Osttirol her mehr Wolken auf, in den Hohen Tauern und in Osttirol gehen zum Abend hin auch ein paar Regenschauer und vielleicht teils heftige Gewitter nieder. Sonst bleibt es bis in die Nacht trocken. Der Wind dreht auf Südost und weht überwiegend schwach bis mäßig. Frühwerte von 5 bis 14 Grad, tagsüber wird es mit 23 bis 32 Grad heiß – am wärmsten im Rosental und im Lavanttal. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 16 Grad.
Sonntag
Am Sonntag machen sich mehr Wolken bemerkbar, und im Tagesverlauf wird es unbeständiger. In Osttirol und Oberkärnten setzt bereits um die Mittagszeit etwas Niederschlag ein, am Nachmittag gehen vor allem in den Tälern Osttirols teils sogar recht kräftige Schauer und Gewitter nieder. Nach und nach greifen Regenschauer und Gewitter auch auf Mittel- und Unterkärnten über. Der Wind weht mäßig aus Südwest, auf den Bergen lebhafter. Nach Frühwerten von 10 bis 17 Grad wird es mit 17 Grad in den Tauern und bis zu 29 Grad im Lavanttal deutlich kühler im Westen, im Osten bleibt es noch warm. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 12 Grad.
Montag
Am Montag beruhigt sich das Wetter wieder. Nach einem trüberen Start lockert es rasch auf, und tagsüber überwiegt der Sonnenschein, im Westen und in Osttirol scheint die Sonne von früh bis spät. Nur vereinzelt kann sich am Nachmittag ein kurzer, gewittriger Regenschauer bilden. Im Mölltal weht föhniger Nordwestwind. Die Temperaturen erreichen 20 bis 29 Grad, am wärmsten im Lavanttal und im Klagenfurter Becken. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 13 Grad.
Dienstag
Auch der Dienstag verläuft voraussichtlich sehr sonnig und trocken. Über den Bergen bilden sich am Nachmittag ein paar Quellwolken, die den freundlichen Eindruck aber kaum trüben. Es wird wieder heiß mit Höchstwerten zwischen 22 und 31 Grad, die höchsten Werte werden im Lavanttal und im Rosental erreicht. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 15 Grad.
Ab Mittwoch geht es aufwärts – sehr weit hinauf
Mit dem Mittwoch beginnt der Anstieg, und er hört vorerst nicht mehr auf. Die 14-Tage-Prognose für Klagenfurt zeigt ab Donnerstag durchgehend Werte von 35 Grad aufwärts, mit einem Höhepunkt um den 2. bis 4. August bei 38 bis 39 Grad. In Lienz liegen die wahrscheinlichsten Werte noch höher, dort ist bereits ab dem 30. Juli durchgehend die 38-Grad-Marke im Spiel.
Zur Einordnung: 39 Grad in Klagenfurt wären ein neuer Stationsrekord. Und in Lienz liegen die gerechneten Spitzenwerte über der Marke von Dellach im Drautal, die seit 2013 als Allzeitrekord für Kärnten und Osttirol gilt.
Der Österreich-Rekord steht auf der Kippe – wo, ist noch offen
Die extreme Hitze macht auch vor dem Alpenhauptkamm nicht Halt. Für Wien zeigen die Modelle vom 31. Juli an eine geschlossene Serie von 37 bis 41 Grad, mit dem Höhepunkt am 3. August.
Wo der höchste Wert Österreichs am Ende tatsächlich gemessen wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Am heißesten wird es voraussichtlich im Süden und im Osten des Landes – also entweder in den Tälern und Becken Kärntens und Osttirols, etwa im Lavanttal, im Jauntal oder im oberen Drautal, oder im östlichen und südöstlichen Flachland, etwa im Marchfeld, im Wiener Becken, am Neusiedler See, im südlichen Burgenland oder in der Südsteiermark. Diese Gebiete kommen alle als Rekordkandidat infrage, und mehrere von ihnen haben in der Vergangenheit schon Höchstmarken geliefert.
Sicher ist nur: Wenn sich die aktuellen Läufe bewahrheiten, geraten die Allzeitrekorde nicht nur in einzelnen Bundesländern in Reichweite, sondern praktisch überall. Die höchste jemals in Österreich gemessene Temperatur steht seit dem 8. August 2013 bei 40,5 Grad in Bad Deutsch-Altenburg. Der Rekord für Kärnten und Osttirol liegt bei 39,9 Grad, aufgestellt in Dellach im Drautal wenige Tage zuvor. Für Tirol steht die Marke bei 38,9 Grad in Lienz, gemessen am selben Tag. Und in Wien-Innere Stadt wurden erst am 28. Juni dieses Jahres glatte 40,0 Grad gemessen, ein neuer Stationsrekord.
Angegeben sind die höchsten je an diesen Stationen gemessenen Werte. Alle vier Marken stammen bis auf Wien aus der Hitzewelle des Augusts 2013.
Warum wir erst jetzt darüber berichten
Die Signale gibt es seit mehreren Tagen. Wir haben sie bewusst nicht veröffentlicht – aus zwei Gründen.
Erstens war der Zeitraum schlicht zu weit weg. Eine Hitzewelle zehn Tage im Voraus anzukündigen, ist meteorologisch unseriös, solange die Streuung der Modelle groß ist. Zweitens war es zunächst vor allem das amerikanische GFS, das die extremen Werte gerechnet hat. Die europäischen Modelle IFS und AIFS zeigten zwar ebenfalls eine sehr heiße Phase, aber deutlich moderater.
Das hat sich in den letzten Läufen geändert. IFS und AIFS sind nachgezogen, und ihre Schwankungsbreite ist inzwischen sogar geringer als jene von GFS – die europäischen Modelle sind sich ihrer Sache also besonders sicher. Wenn drei unabhängige Modellsysteme unterschiedlicher Bauart auf dasselbe Ergebnis zulaufen und die Streuung gleichzeitig schrumpft, ist das der Punkt, an dem man es sagen muss.
Ein Modell rechnet noch moderater: AIGFS, ein KI-basiertes System, das sich derzeit in der Erprobungsphase befindet und noch nicht zu den maßgeblichen Modellen zählt. Wir erwähnen es der Vollständigkeit halber. Ein Grund zur Entwarnung ist das aktuell aber nicht.
Der Grund liegt in der Funktionsweise dieser Modelle. KI-Systeme wie AIFS und AIGFS liefern im Alltag oft sogar bessere Prognosen als die herkömmlichen Standardmodelle IFS und GFS. Bei Extremereignissen kehrt sich das jedoch um. Die KI-Modelle wurden mit den Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte trainiert, also mit Werten aus der Vergangenheit. Temperaturen, die in diesen Trainingsdaten so noch nie vorgekommen sind, kann eine KI schwerer einordnen – und genau dann, bei möglichen Rekordwerten, ist ihre Prognose weniger verlässlich als jene der physikalisch rechnenden Modelle.
Ab Tag fünf rechnen alle mit denselben zwei Modellen
Ein Punkt, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft untergeht: Für die ersten Tage stehen den Wetterdiensten hochauflösende regionale Modelle zur Verfügung, die einzelne Täler und Gewitterzellen auflösen können. Diese Modelle reichen aber nur zwei bis drei Tage, in manchen Konfigurationen fünf.
Darüber hinaus arbeitet ab etwa dem fünften, spätestens dem siebten Tag praktisch jeder Wetterdienst weltweit mit denselben beiden Globalmodellen: dem europäischen IFS des ECMWF und dem amerikanischen GFS der NOAA. Dazu kommen inzwischen die KI-Modelle wie AIFS, die auf denselben Ausgangsdaten aufsetzen. Wer eine Prognose für den zehnten Tag liest – egal bei welchem Wetterdienst, egal in welcher App – bekommt am Ende eine Aufbereitung dieser beiden Rechnungen.
Das ist keine Schwäche einzelner Dienste, sondern eine physikalische Grenze. Globale Modelle mit dieser Rechenleistung betreiben weltweit nur eine Handvoll Institutionen. Der Unterschied zwischen den Anbietern liegt darin, wie sie diese Daten aufbereiten, statistisch nachbearbeiten und einordnen – nicht darin, dass irgendjemand über bessere Rohdaten verfügen würde.
Für diesen Artikel heißt das: Wenn IFS und GFS auseinanderlaufen, kann niemand seriös sagen, welches recht behält. Wenn sie zusammenlaufen, so wie jetzt, ist das das stärkste Argument, das die Meteorologie auf zehn Tage zu bieten hat.
Nicht die Wetterlage ist neu, sondern das Niveau
Die beiden Karten der 850-hPa-Temperaturabweichung zeigen, worum es geht. Für Freitag, den 31. Juli, rechnet GFS über dem Alpenraum eine Abweichung von zwölf Grad und mehr gegenüber dem Klimamittel – in rund 1500 Metern Höhe. Für Montag, den 3. August, verlagert sich dieser Kern etwas nach Westen, bleibt aber über dem Alpenraum extrem ausgeprägt.
Was das in der Praxis heißt: Die Luft, die zu uns kommt, war vorher über Nordafrika oder der westlichen Sahara. Sie bringt keine Feuchtigkeit mit und lässt sich durch nächtliche Ausstrahlung kaum abkühlen. Genau diese Kombination erzeugt Rekordwerte.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Abweichung selbst. Zwölf Grad über dem Mittel hat es auch in früheren Jahrzehnten schon gegeben – 2003 und 2015 etwa. Bemerkenswert ist, worauf sie sich draufsetzt. Das Klimamittel ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich nach oben gewandert, und dieselbe Wetterlage bringt deshalb heute Temperaturen hervor, die vor fünfzehn oder zwanzig Jahren schlicht nicht erreichbar gewesen wären. Die Zirkulation ist nicht neu. Das Niveau, auf dem sie stattfindet, schon.
Die Waldbrandgefahr startet bereits auf hohem Niveau
Was diese Hitzewelle von jener im Juni unterscheidet, ist die Ausgangslage. Der Boden ist trocken, und zwar seit Monaten.
Vom 1. bis 22. Juli fiel in Kärnten und Osttirol im Flächenmittel 32 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel 1991 bis 2020. In weiten Teilen Oberkärntens und Osttirols liegt das Defizit noch deutlich darüber. Nur zwei kleine Gebiete – im mittleren Gurktal und im Südosten – sind durch die Gewitter der vergangenen Wochen im Soll.
Entsprechend sieht die Waldbrandgefahr schon heute aus: In den inneralpinen Tälern Osttirols und im Mölltal steht die Prognose bereits auf „hoch", großflächig im Land auf „mittel". Von diesem Niveau aus beginnt die Hitzewelle. Wenn zehn Tage lang 35 bis 40 Grad ohne nennenswerten Regen folgen, ist eine flächige Ausweitung auf die höchste Stufe wahrscheinlich.
Was zehn extrem heiße Tage für die Wasserversorgung bedeuten
Bei Temperaturen um 38 Grad verdunstet in Kärnten und Osttirol jeden Tag eine erhebliche Wassermenge aus Böden, Pflanzen und Gewässern, während gleichzeitig kaum Regen nachkommt. Über eine zehntägige Hitzewelle summiert sich das zu einem erheblichen Wasserdefizit, und das trifft auf ohnehin schon niedrige Grundwasserstände.
Kritisch wird es vor allem für kleine Versorgungsgebiete, die nur auf wenige Quellen angewiesen sind. Sie haben keine Puffer. Wenn der August so verläuft, wie ihn die Modelle derzeit rechnen, halten wir es für wahrscheinlich, dass einzelne Gemeinden Einschränkungen bei der Wasserentnahme verordnen müssen. Für den Großteil der Kärntner und Osttiroler Gemeinden gilt das nicht – aber die Zahl der betroffenen dürfte steigen.
Was uns noch retten könnte
Zehn Tage sind in der Meteorologie eine lange Zeit, und wir schreiben diesen Artikel ausdrücklich in der Hoffnung, ihn in ein paar Tagen entschärfen zu können.
Realistische Szenarien für eine Abschwächung gibt es. Eine früher als gerechnete Störung von Westen würde den Aufbau der Hitze unterbrechen. Ein etwas anderer Verlauf der Höhenströmung würde die heißeste Luft westlich oder östlich an uns vorbeiführen. Und selbst wenn die Großwetterlage hält, entscheiden lokale Faktoren – Bodenfeuchte, Bewölkung am Vormittag, Föhneffekte – über die letzten zwei, drei Grad, und genau die machen bei Rekorden den Unterschied.
Wichtig zur Interpretation der Grafiken: Neben dem wahrscheinlichsten Wert ist dort auch die Schwankungsbreite aller 30 Ensemble-Mitglieder eingezeichnet – und die reicht in beide Richtungen.
Beschriftet ist nur der obere Rand, der stellenweise über 44 Grad hinausgeht. Diese Werte stammen von einzelnen Mitgliedern und liegen am äußersten Rand des physikalisch Möglichen. Sie sind keine Prognose, sondern die Antwort auf die Frage, wie weit es theoretisch gehen könnte. Wir nennen sie hier bewusst nicht als Erwartungswert.
Genauso aufschlussreich ist der untere Rand, auch wenn dort keine Zahl steht. Er zeigt, dass einzelne Mitglieder zum Höhepunkt der Hitzewelle auch deutlich kühlere Werte rechnen – die Bandbreite liegt an manchen Tagen bei mehr als zehn Grad. Je breiter das Band, desto weniger einig sind sich die Modellläufe. Genau deshalb aktualisieren wir die Prognose täglich: Solange das Band so weit auseinandergeht, ist die Hitzewelle in dieser Form weder gesichert noch ausgeschlossen.
Zusammenfassung
- Bis Dienstag bleibt es angenehm sommerlich mit 28 bis 32 Grad, am Sonntag ziehen zwischendurch Schauer und Gewitter durch.
- Ab Mittwoch steigen die Temperaturen steil an, den Höhepunkt der Hitzewelle erwarten wir zwischen dem 2. und 4. August.
- Die wahrscheinlichsten Höchstwerte liegen bei bis zu 39 Grad in Klagenfurt, bis zu 41 Grad in Lienz und bis zu 41 Grad in Wien – im östlichen Flachland noch etwas darüber.
- Der Allzeitrekord für Kärnten liegt bei 39,9 Grad (Dellach im Drautal, 2013), jener für Osttirol bei 38,9 Grad (Lienz, 2013) und der österreichische bei 40,5 Grad (Bad Deutsch-Altenburg, 2013).
- Ob der Österreich-Rekord im Süden oder im Osten fällt, ist noch offen – beide Regionen kommen als Kandidat infrage.
- Anders als im Juni, als Kärnten mit 36,5 Grad klar unter den Rekorden blieb, wäre der Süden diesmal besonders stark betroffen.
- Ab dem fünften bis siebten Tag arbeiten alle Wetterdienste mit denselben Globalmodellen IFS und GFS; beide rechnen inzwischen ähnlich, und die Schwankungsbreite nimmt ab.
- Die Waldbrandgefahr startet bereits von einem hohen Niveau, das Niederschlagsdefizit im Juli beträgt 32 Prozent.
- In einzelnen kleinen Versorgungsgebieten sind Einschränkungen bei der Wasserversorgung möglich.
Für alle Gemeinden in Kärnten und Osttirol stehen auf tauernwetter.at täglich mehrfach aktualisierte Ortsprognosen bereit. Wir aktualisieren die Hitze-Prognose laufend.
Quellen
Prognosen: GFS und GEFS-Ensemble der US-Wetterbehörde NOAA, IFS und AIFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) sowie das hauseigene 800-Meter-Modell ALPIXION von Tauernwetter.
Titelbild: iStock (Symbolbild). Urheberrecht an allen übrigen Grafiken in diesem Artikel: Alle gezeigten Karten und Diagramme wurden von tauernwetter.at eigenständig erstellt. Das ausschließliche Urheberrecht daran liegt bei tauernwetter.at.
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