Bis 38 Grad in Kärnten und Osttirol – ab Freitag wackelt der österreichische Hitzerekord
Die Hitzewelle, die wir am vergangenen Freitag angekündigt haben, hat begonnen. Bis Freitag steigen die Höchstwerte in Kärnten und Osttirol schrittweise auf 38 Grad, im Osten Österreichs werden am Freitag örtlich Werte um 40 Grad erreicht. Ihren Höhepunkt dürfte die Hitze allerdings erst ab Montag, dem 3. August, erreichen.
Für Montag nennen unsere Modelle in Bad Deutsch-Altenburg östlich von Wien 41 Grad als wahrscheinlichsten Wert. Dort steht seit dem 8. August 2013 der österreichische Allzeitrekord von 40,5 Grad. In Klagenfurt liegt der wahrscheinlichste Wert für Montag bei 38 Grad, in Lienz bei 37, in Wien bei 40.
Am 24. Juli haben wir geschrieben, dass wir diese Prognose gerne wieder abschwächen würden. Dafür fehlt bislang die Grundlage: Einzelne Modelle haben die Höchstwerte zwar um ein bis zwei Grad zurückgenommen, am Gesamtbild ändert das jedoch wenig.
Heute und morgen steigt die Hitze weiter an
Mittwoch. Hochsommerlich heiß, in der zweiten Tageshälfte stellenweise gewittrig. Der Vormittag verläuft in Kärnten und Osttirol durchwegs sonnig, ab Mittag türmen sich über den Bergen rasch mächtige Quellwolken auf. Ab dem frühen Nachmittag entstehen über den Bergen Osttirols und Oberkärntens einige, teils kräftige Gewitter, örtlich mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Gegen Abend greifen einzelne Schauer und Gewitter auf Teile Mittelkärntens über, weiter östlich bleibt es trocken. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südost. Nach Frühwerten von 10 bis 18 Grad wird es mit 28 bis 36 Grad brütend heiß, am wärmsten im Rosental. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 20 Grad.
Donnerstag. Die Sonne scheint von früh bis spät, lediglich über den Bergen bilden sich am Nachmittag ein paar harmlose Quellwolken. Es bleibt überall trocken. Der Wind weht nur schwach aus Nordwest. Nach Frühwerten von 12 bis 19 Grad wird es mit 28 bis 37 Grad neuerlich extrem heiß. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 20 Grad.
Freitag bringt den ersten Höhepunkt – und im Westen Gewitter
Der Freitag beginnt sonnig und bringt tagsüber den ersten Höhepunkt der Hitzewelle. Ab dem frühen Nachmittag bauen sich in Teilen Osttirols und in den Hohen Tauern immer mehr Quellwolken auf, dazu einige kräftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Östlich davon ziehen nur ein paar Wolken durch, bis zum Abend bleibt es trocken. Der Südwind frischt in den nördlichen Landesteilen lebhaft auf. Bei Frühwerten von 14 bis 20 Grad klettern die Temperaturen auf 31 bis 38 Grad. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 21 Grad.
Österreichweit liegen die Höchstwerte am Freitag zwischen 30 und 40 Grad. Von Oberösterreich bis ins Nordburgenland wird die 40-Grad-Marke örtlich erreicht. Damit rückt der Allzeitrekord von 40,5 Grad, gemessen am 8. August 2013 in Bad Deutsch-Altenburg, bereits am Freitag in greifbare Nähe. Wahrscheinlich wird er an diesem Tag noch knapp verfehlt, sicher ist das aber nicht.
Am Wochenende steigt im Westen die Gewittergefahr
Am Samstag bleibt es heiß, die Spitzenwerte gehen aber vorübergehend etwas zurück. In Unterkärnten scheint den ganzen Tag die Sonne. In den westlichen Landesteilen bilden sich nach ein paar sonnigen Stunden gegen Mittag die ersten Gewitter, am Nachmittag sind auch Unwetter möglich. Weiter im Osten bleibt es bis zum Abend trocken. Die Höchstwerte liegen zwischen 24 Grad in höher gelegenen Tälern Oberkärntens und 35 Grad im Lavanttal. In 2000 Meter Seehöhe hat es um 18 Grad.
Am Sonntag setzt sich nach derzeitigem Stand wieder überall die Sonne durch. Am Nachmittag quellen über dem Bergland erneut Wolken auf, in Oberkärnten geht gegen Abend vereinzelt ein Gewitter nieder. Es bleibt sehr heiß mit 27 bis 38 Grad.
Österreichweit bringt das Wochenende 27 bis 39 Grad. An der Grenze zur Slowakei sind punktuell 40 Grad möglich.
Der Höhepunkt kommt Anfang nächster Woche
Zwischen Sonntag und Montag könnte die Hitze nach den aktuellsten Modellunterlagen noch einmal zulegen. Für Montag, den 3. August, zeigen unsere Stationsprognosen folgende wahrscheinlichste Werte:
| Station | Montag, 3. August | Bandbreite (90 %) | Bestehender Rekord |
|---|---|---|---|
| Bad Deutsch-Altenburg | 41 Grad | bis 42 | 40,5 Grad (8. August 2013) |
| Wien | 40 Grad | bis 41 | 40,0 Grad (28. Juni 2026) |
| Klagenfurt | 38 Grad | bis 39 | 38,1 Grad (28. Juli 2013) |
| Lienz | 37 Grad | bis 39 | 38,9 Grad (3. August 2013) |
Die Spalte „Bandbreite (90 %)" gibt an, welchen Wert 90 Prozent der 30 Ensemble-Mitglieder nicht überschreiten. Sie ist nicht die Prognose, sondern beschreibt, wie weit die Hitze nach oben reichen könnte. Einzelne Läufe rechnen noch höher, diese Ausreißer nennen wir bewusst nicht als Erwartungswert. In den Diagrammen weiter unten ist zusätzlich der oberste Rand aller Läufe beschriftet, der deshalb etwas über den Werten dieser Tabelle liegt.
Für Kärnten und Osttirol heißt das: Der Kärntner Allzeitrekord von 39,9 Grad, aufgestellt am 3. August 2013 in Dellach im Drautal, ist schwerer zu erreichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Kärnten die 40-Grad-Marke fällt, schätzen wir auf etwa 35 Prozent. Ausgeschlossen ist es nicht, wahrscheinlich aber auch nicht. Deutlich näher liegt der Klagenfurter Stationsrekord von 38,1 Grad aus dem Juli 2013: Er könnte am Montag durchaus fallen.
Der Dienstag bleibt auf ähnlichem Niveau, danach geht es langsam zurück. Am Mittwoch, dem 5., und am Donnerstag, dem 6. August, sind im Osten noch einmal 38 bis 39 Grad möglich – für den Rekord dürfte das aber nicht mehr reichen.
Wie wahrscheinlich der Rekord tatsächlich fällt
Wir nennen dafür eine Zahl, weil ein bloßes „könnte" nichts aussagt und sich im Nachhinein weder bestätigen noch widerlegen lässt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen Freitag, dem 31. Juli, und Dienstag, dem 4. August, an einer österreichischen Wetterstation mehr als 40,5 Grad gemessen werden, schätzen wir auf rund 55 Prozent.
Wichtig dabei: Der Freitag ist der erste Tag, an dem es überhaupt möglich wird – nicht der Tag, an dem es passieren muss. Die größte Chance sehen wir am Montag und Dienstag. Fallen kann der Rekord an jedem dieser Tage.
Dafür spricht, dass der wahrscheinlichste Wert für Bad Deutsch-Altenburg am Montag mit 41 Grad bereits über dem Rekord liegt, und dass mit Freitag, Montag und Dienstag gleich drei Tage in Frage kommen. Dazu kommt der trockene Boden: Wo keine Feuchtigkeit mehr zu verdunsten ist, geht die eingestrahlte Energie fast vollständig in die Erwärmung der Luft. Das ist einer der größten Hebel für Extremwerte überhaupt.
Dagegen spricht die Erfahrung, dass ein Rekord in einem gut ausgebauten Messnetz meist nur knapp fällt. Es geht hier nicht um mehrere Grad, sondern um einige Zehntelgrad – und die entscheiden sich an Details wie einer einzelnen Wolke am Nachmittag.
Warum es diesmal mehr Gewitter gibt
Der Unterschied zur Hitzewelle im Juni liegt darin, dass die Luft nicht durchgehend stabil bleibt. Ab Mittwochnachmittag bilden sich über den Bergen Osttirols und Oberkärntens fast täglich Quellwolken, aus denen kräftige Gewitter entstehen können.
Bei diesen Temperaturen ist die verfügbare Energie hoch. Die Gewitter treten zwar eher vereinzelt auf, fallen dann aber heftig aus: Auf engem Raum können in kurzer Zeit große Regenmengen zusammenkommen, dazu Hagel und Sturmböen. Auf ausgetrocknetem Boden läuft ein solcher Starkregen oberflächlich ab, statt zu versickern, und kann Muren und lokale Überflutungen auslösen. Der Trockenheit hilft das trotzdem wenig, weil jeweils nur kleine Flächen getroffen werden und der Boden das Wasser kaum aufnimmt.
Wer in dieser Woche im Gebirge unterwegs ist, sollte die Gewittergefahr im Auge behalten.
Waldbrandgefahr und Wasserversorgung
Der Boden ist seit Monaten trocken, und die Hitzewelle beginnt bereits von einem erhöhten Niveau der Waldbrandgefahr aus. Mit jedem weiteren Tag ohne nennenswerten Regen steigt die Gefahr flächig weiter an. Für Freitag rechnet ALPIXION im Lavanttal, im Jauntal, im Klagenfurter Becken, in Teilen Osttirols sowie im oberen Mölltal und im Maltatal bereits mit hoher Waldbrandgefahr, im übrigen Land überwiegend mit mittlerer.
Für die Wasserversorgung gilt, was wir vergangene Woche geschrieben haben: Kritisch könnte es für einzelne kleine Versorgungsgebiete werden, die von wenigen Quellen abhängen. Sie haben weniger Puffer. Für den Großteil der österreichischen Gemeinden besteht kein Anlass zur Sorge.
Waldbrände in Westeuropa – weiterhin ziehen dünne Rauchschwaden nach Österreich
In Spanien, Frankreich und Italien brennt es seit Tagen. Mit der südwestlichen Höhenströmung wird der Rauch quer über den Kontinent verfrachtet und erreicht auch Österreich. Er liegt allerdings in mehreren Kilometern Höhe. Zu sehen ist er höchstens als milchiger Schleier am Himmel, die Luftqualität am Boden bleibt davon unberührt.
Wie viel Rauch in der Luft liegt, beschreibt die optische Dicke. Sie gibt an, wie stark die Schwebeteilchen das Sonnenlicht auf dem Weg durch die Atmosphäre abschwächen, gemessen bei einer Wellenlänge von 550 Nanometern. Für Österreich rechnet der europäische Copernicus-Dienst heute mit Werten um 0,03. Bis Samstag und Sonntag steigen sie an, verbreitet auf 0,05 bis 0,1, in Teilen des Landes bis 0,14. Das ist immer noch weit entfernt von dichtem Rauch, wie er derzeit über Spanien liegt – dort werden Werte über 0,5 erreicht.
Für die Hitze hat das zwei gegenläufige Folgen. Beide sind klein, aber in einer Lage, in der es um wenige Zehntelgrad geht, können sie den Ausschlag geben:
- Die Rauchschicht dämpft die Sonneneinstrahlung ein wenig. Nach unserer Abschätzung fehlen dadurch an einem Hitzetag etwa zwei Zehntelgrad. Genau diese zwei Zehntel könnten am Ende darüber entscheiden, ob die 40,5 Grad erreicht werden oder nicht.
- Weniger Einstrahlung bedeutet aber auch weniger Antrieb für Quellwolken. Bilden sich dadurch weniger Gewitter, bleibt der Himmel länger frei und die Temperatur steigt am Nachmittag ungestörter weiter – das macht einen Rekord wieder wahrscheinlicher.
Welcher der beiden Effekte überwiegt, lässt sich vorab nicht sagen. Beide bewegen sich unterhalb dessen, was ein Wettermodell sauber auflösen kann.
Wie es nach dem 4. August weitergeht
Bis einschließlich Dienstag, dem 4. August, liegen die Modelle eng beieinander. Danach laufen die Ensemble-Mitglieder auseinander, und in einem Teil von ihnen tauchen die ersten Niederschlagssignale auf. Der wahrscheinlichste Wert für Klagenfurt fällt am Freitag, dem 7. August, auf 27 Grad.
Belastbar ist daraus: Die Hitze hält wohl mindestens bis Mittwoch oder Donnerstag der kommenden Woche an. Danach wird ein Wetterwechsel, samt Abkühlung wahrscheinlicher, gesichert ist er nicht.
Zusammenfassung
- Die Hitze steigt bis Freitag schrittweise an, in Kärnten und Osttirol auf bis zu 38 Grad.
- Den Höhepunkt erwarten wir am Montag, dem 3. August, mit 38 Grad in Klagenfurt und 37 Grad in Lienz.
- In Bad Deutsch-Altenburg liegt der wahrscheinlichste Wert für Montag bei 41 Grad, schon am Freitag bei 40 Grad. Der österreichische Allzeitrekord liegt bei 40,5 Grad.
- Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Rekord zwischen Freitag und Dienstag, dem 4. August, fällt, schätzen wir auf rund 55 Prozent.
- Anders als im Juni ist diesmal zumindest im Westen fast täglich die Neigung für Gewitter an den Nachmittagen erhöht, im Bergland besteht hier teilweise Unwetterpotential.
- Die Waldbrandgefahr steigt weiter, in kleinen Versorgungsgebieten sind Einschränkungen bei der Wasserentnahme möglich.
- Ab dem 4. August nimmt die Unsicherheit stark zu, ein Ende der Hitzewelle oder zumindest der ganz großen Hitze wird dann wahrscheinlicher.
Für alle Gemeinden in Kärnten und Osttirol stehen auf tauernwetter.at täglich mehrfach aktualisierte Ortsprognosen bereit. Wir aktualisieren diesen Beitrag bei Bedarf.
Quellen
Prognosen: GFS und GEFS-Ensemble der US-Wetterbehörde NOAA sowie die hauseigenen Modelle ALPIXION und TAUWES von Tauernwetter. Rauch- und Satellitendaten: Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) sowie EUMETSAT und NASA.
Urheberrecht an allen Grafiken in diesem Artikel: Alle gezeigten Karten und Diagramme wurden von tauernwetter.at eigenständig erstellt. Das ausschließliche Urheberrecht daran liegt bei tauernwetter.at.
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