Kärnten: Schneedecke täuscht über extreme Trockenheit hinweg
Wer heute durch Kärnten und Osttirol fährt, sieht eine weiße Winterlandschaft. In den Tälern liegen zwischen 1 und 25 Zentimeter Schnee, auf den Bergen deutlich mehr. Der Winter scheint angekommen zu sein. Doch der Schein trügt: Exakt zur Winterhalbzeit am 14. Jänner zeigen die Daten ein alarmierendes Bild. Seit Beginn des meteorologischen Winters am 1. Dezember fehlen in Kärnten und Osttirol rund zwei Drittel des üblichen Niederschlags. Die dünne Schneedecke verdeckt eine der trockensten Winterperioden seit vielen Jahren.
Die Niederschlagsbilanz: Minus 66 Prozent seit Winterbeginn
Die Karte zeigt das Ausmaß der Trockenheit: Im gesamten Westen Kärntens und in Osttirol liegt die Niederschlagsabweichung bei minus 60 bis minus 80 Prozent. Nur im Raum Völkermarkt fiel etwas mehr Niederschlag als im Rest des Landes.
Am stärksten betroffen ist das Gebiet zwischen dem Defereggental und Sillian sowie das obere Drautal mit rund 80 Prozent Niederschlagsdefizit. Für die Wasserversorgung im kommenden Sommer könnte das Folgen haben.
Auch der Jänner bleibt deutlich unter dem Soll
Auch die erste Jännerhälfte brachte keine Entspannung. Mit einer landesweiten Abweichung von minus 33 Prozent setzt sich das Defizit fort. Im Gailtal und in Osttirol liegen die Werte bei bis zu minus 70, teils sogar bei minus 80 Prozent.
Einzig zwischen Völkermarkt und St. Veit zeigt sich ein anderes Bild: Dort fiel sogar mehr Niederschlag als üblich - eine lokale Ausnahme in einem ansonsten viel zu niederschlagsarmen Winter.
Kalter Jänner - aber im Kontext des Klimawandels
Die erste Jännerhälfte war deutlich kälter als das aktuelle Klimamittel. Mit einer Abweichung von minus 3,6 Grad Celsius (bezogen auf 1991-2020) erlebte Kärnten die kälteste Jännerphase seit Jahren. Die Kältewelle Anfang Jänner mit Temperaturen unter minus 20 Grad schlug hier voll durch.
Interessant ist der Vergleich mit dem älteren Klimamittel (1961-1990): Hier beträgt die Abweichung "nur" minus 2,0 Grad. Das zeigt, wie stark sich das Temperaturmittel durch den Klimawandel nach oben verschoben hat. Was früher ein normaler Jännertag war, gilt heute bereits als überdurchschnittlich kalt.
Der Polarwirbel: Regeneration oder neue Kältewelle?
Die Kältewelle der vergangenen Wochen war eine direkte Folge des Polarwirbel-Splits, über den wir bereits berichtet haben. Kalte Polarluft konnte nach Süden ausbrechen und erreichte auch Kärnten und Osttirol.
Aktuell versucht sich der Polarwirbel zu regenerieren. Die Prognosen zeigen: Der Wirbel gewinnt wieder an Stärke, schwächelt aber immer wieder. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Regeneration gelingt.
Was bedeutet das für Kärnten und Osttirol?
Gelingt die Regeneration, stellt sich eine zonale Westströmung ein. Das würde feuchtere Luftmassen vom Atlantik nach Europa bringen - und die Chancen auf niederschlagsreiche Italientiefs steigen. Für die ausgetrockneten Böden in Kärnten und Osttirol wäre das eine gute Nachricht.
Misslingt die Regeneration, droht eher eine weitere Kältewelle Ende Jänner. Dann würde zwar die Kälte zurückkehren, aber weiterhin ohne nennenswerten Niederschlag. Das Niederschlagsdefizit würde sich weiter verschärfen.
Der Ausblick: Nebel kehrt zurück, milde Temperaturen abseits des Nebels
Nennenswerter Niederschlag ist diese Woche keiner zu erwarten, auch wenn uns im Laufe des Wochenendes ein kleines Italientief streift.
In den Beckenlagen und Tälern Kärntens bilden sich wieder Nebelfelder, die sich tagsüber nur zögerlich auflösen. Kalt bleibt es tagsüber in den tiefen Lagen, wo der Nebel zunehmend zum Thema wird.
Abseits des Nebels zeigt sich der Winter von seiner milderen Seite. In den höheren Lagen und auf den Bergen ist mit Temperaturen um den Gefrierpunkt oder leicht darüber zu rechnen.
Zusammenfassung
- Niederschlagsdefizit: Minus 66 Prozent seit Winterbeginn am 1. Dezember
- Besonders betroffen: Defereggental bis Sillian und oberes Drautal mit rund 80 Prozent Defizit
- Kalter Jänner: Minus 3,6 Grad unter dem Klimamittel 1991-2020
- Polarwirbel: Regeneration entscheidet über Witterung der kommenden Wochen
- Chancen auf Besserung: Etwa 50:50 für feuchtere zweite Winterhälfte
- Ausblick: Nebel in Tälern, mild abseits des Nebels, wenig Niederschlag
Die Winterhalbzeit 2025/26 zeigt ein paradoxes Bild: Die Landschaft ist weiß, aber der Winter ist außergewöhnlich niederschlagsarm. Die Schneedecke verdeckt ein Defizit von zwei Dritteln des normalen Niederschlags.
Ob sich das in der zweiten Winterhälfte ändert, hängt maßgeblich vom Polarwirbel ab. Die Chancen auf Besserung stehen derzeit bei etwa 50:50. Tauernwetter wird die Entwicklung weiter beobachten und berichten.
Für weitere Updates zur Wetterlage besuchen Sie tauernwetter.at
Die SPARTACUS- und Copernicus-Daten wurden unter der freien Lizenz CC BY 4.0 bezogen. Verarbeitet von tauernwetter.at, alle Rechte vorbehalten.