Große Waldbrandgefahr in Kärnten und Osttirol: Trockenheit hält an
In Kärnten und Osttirol häufen sich die Waldbrände. Allein seit Anfang März kam es zu mindestens sechs größeren Brandereignissen. Der März war mit nur 19 Millimetern Niederschlag extrem trocken, und auch für die kommenden Tage ist kein nennenswerter Niederschlag in Sicht. Die Waldbrandgefahr bleibt hoch bis sehr hoch und auch die Trinkwasserversorgung könnte noch zum Problem werden.
Das Wichtigste in Kürze
In Kärnten und Osttirol häufen sich die Waldbrände. Allein seit Anfang März kam es zu mindestens sechs größeren Brandereignissen, die von Unterkärnten über das Klagenfurter Umland und den Bezirk Feldkirchen bis ins Obere Mölltal reichten. Der März war mit nur 19 Millimetern Niederschlag und einem Defizit von 64 Prozent gegenüber dem Klimamittel extrem trocken. Über das gesamte Winterhalbjahr betrachtet fehlen in der Region mehr als ein Drittel des üblichen Niederschlags. Das hochauflösende ALPIXION-Wettermodell von Tauernwetter zeigt auch für die kommenden Tage keinen nennenswerten Niederschlag, und die Saisonprognose des amerikanischen Wetterdienstes deutet auf einen möglicherweise überdurchschnittlich trockenen April hin. Die Waldbrandgefahr bleibt hoch bis sehr hoch. Erste Gemeinden in Oberkärnten haben bereits zum Wassersparen aufgerufen, da die Quellschüttungen deutlich zurückgegangen sind.
Sechs Waldbrände in vier Wochen
In Kärnten kam es seit Anfang März zu einer ungewöhnlichen Häufung von Wald- und Flurbränden. Am 10. März brach im Gemeindegebiet von Magdalensberg oberhalb der Ortschaft Zeiselberg ein Waldbrand aus, der eine Fläche von rund 1.500 Quadratmetern erfasste. Sechs Feuerwehren und der Polizeihubschrauber Libelle standen im Einsatz, die Brandursache ist nach wie vor ungeklärt.
In der Nacht auf den 27. März kam es in Gradisch bei Feldkirchen in Kärnten zu einem Waldbrand, nachdem ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt war. Bereits kurz nach Mitternacht brannte es im Waldbereich, und der Brand breitete sich aufgrund des Windes rasch aus.
Am selben Tag stürzten in Radenthein im Bereich der Erdmannsiedlung durch heftige Sturmböen wiederholt Bäume auf eine Stromleitung. Die herabgerissenen Leitungen lösten zwei Brände auf einer Wiese und einer Böschung aus, die von den Feuerwehren Radenthein, Döbriach und Untertweng gelöscht werden konnten.
Ebenfalls am 27. März brach im Oberen Mölltal bei Namlach in der Gemeinde Winklern der größte Waldbrand der vergangenen Monate aus. Rund 1,5 Hektar Wald standen in Flammen, nachdem ein umgestürzter Baum eine Stromleitung durchtrennt hatte. Bis zu 160 Einsatzkräfte aus zahlreichen Feuerwehren des oberen und unteren Mölltals kämpften gemeinsam mit dem Polizeihubschrauber Libelle gegen die Flammen. Die Löscharbeiten zogen sich über das gesamte Wochenende, erst am Montagabend konnte „Brand aus“ gegeben werden.
Am 31. März kam es in Ratschach im Bezirk St. Veit an der Glan erneut zu einem Waldbrand, nachdem eine Sturmböe einen Baum auf eine 20-kV-Freileitung geworfen hatte. Sechs Feuerwehren standen im Einsatz und konnten den Brand rasch unter Kontrolle bringen.
Der jüngste Waldbrand ereignete sich am Samstag, dem 5. April, im Bereich des Kömmelgupfs bei Neuhaus im Bezirk Völkermarkt. Auf rund 900 Metern Seehöhe brannte eine Fläche von etwa 400 Quadratmetern. Das stark unwegsame Gelände erschwerte die Löscharbeiten erheblich, insgesamt standen rund 200 Einsatzkräfte aus mehreren Feuerwehren des Abschnittes Bleiburg und des Jauntals im Einsatz.
Auffällig ist, dass mehrere der Brände durch umgestürzte Bäume auf Stromleitungen ausgelöst wurden. Die Kombination aus Sturmböen und extrem trockenem Unterholz macht selbst kleinste Funken zu einer ernsthaften Gefahr.
Behörden reagieren: Feuerverbot im Bezirk Spittal
Die Bezirkshauptmannschaft Spittal an der Drau hat bereits am 31. März eine Verordnung über ein Verbot des Feueranzündens erlassen. Die Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf die anhaltende Trockenheit und die Brandereignisse der vergangenen Wochen. Verstöße gegen das Verbot können mit Geldstrafen von bis zu 7.270 Euro oder vier Wochen Freiheitsstrafe geahndet werden.
ALPIXION-Modell zeigt hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr
Die folgende Karte des hochauflösenden ALPIXION-Wettermodells von Tauernwetter zeigt die berechnete Waldbrandgefahr für Dienstag, den 7. April 2026. Das Modell arbeitet mit einer Auflösung von 800 Metern und erfasst damit auch kleinräumige Unterschiede in der komplexen Topographie Kärntens und Osttirols.
In den Tallagen und an den Südhängen herrscht verbreitet hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr. Besonders betroffen sind das obere Drautal, das Mölltal, das Metnitztal, das Lavanttal sowie die Tallagen Osttirols rund um Lienz und Matrei. In einigen Bereichen, etwa im oberen Drautal, sowie im obren Mölltal erreicht die Waldbrandgefahr die höchste Stufe „sehr hoch“. Lediglich in den Hochlagen, wo noch Schneereste vorhanden sind, ist die Gefahr gering.
Kein Niederschlag in Sicht – Trockenheit verschärft sich weiter
Die Situation wird sich in den kommenden Tagen nicht entspannen. Das ALPIXION-Modell rechnet bis einschließlich Donnerstag, den 9. April, mit keinerlei nennenswertem Niederschlag in Kärnten und Osttirol. Die akkumulierte Niederschlagssumme bis Donnerstagabend liegt verbreitet bei 0,0 bis maximal 0,4 Millimetern, das bedeutet praktisch vollständige Trockenheit. Auch für den Rest der Woche sind keine nennenswerten Niederschlagsmengen in Sicht.
Extrem trockener März verschärft das Niederschlagsdefizit
Die aktuelle Waldbrandgefahr hat ihren Ursprung in einem seit Monaten anhaltenden Niederschlagsdefizit. Der März 2026 war in Kärnten und Osttirol mit nur 19 Millimetern Niederschlag außergewöhnlich trocken. Gegenüber dem Klimamittel der Periode 1991 bis 2020, das bei 53 Millimetern liegt, entspricht das einem Defizit von 64 Prozent. Vielerorts ist weniger als ein Drittel des üblichen Märzniederschlags gefallen.
Seit Oktober fehlt mehr als ein Drittel des Niederschlags
Betrachtet man das gesamte Winterhalbjahr von Oktober 2025 bis März 2026, fällt das Niederschlagsdefizit noch deutlicher ins Gewicht. In diesem Zeitraum fielen in Kärnten und Osttirol lediglich 289 Millimeter Niederschlag, während das Klimamittel der Periode 1991 bis 2020 bei 456 Millimetern liegt. Das entspricht einer negativen Abweichung von 36 Prozent, mehr als ein Drittel des üblichen Niederschlags ist ausgeblieben. Besonders stark betroffen sind Osttirol und der Westen Oberkärntens, wo die Abweichung stellenweise bei minus 50 bis minus 60 Prozent liegt.
Saisonprognose deutet auf trockenen April hin
Auch der Blick auf die Saisonprognose gibt wenig Anlass zur Entspannung. Das CFSv2-Modell des amerikanischen Climate Prediction Center berechnet für den April 2026 in weiten Teilen des Alpenraums und Mitteleuropas eine negative Niederschlagsanomalie. Kärnten und Osttirol liegen in diesem Modell in einem Bereich, in dem unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen erwartet werden. Die Saisonprognosen des CFSv2 sind allerdings noch experimentell und mit erheblichen Unsicherheiten behaftet, sie geben lediglich eine Tendenz an. Sollte sich diese Tendenz bestätigen, könnte der April 2026 in der Region ausgesprochen trocken verlaufen und die Waldbrandgefahr weiter auf diesem extrem hohen Niveau bleiben.
Drohen im Sommer Einschränkungen bei der Trinkwasserversorgung?
Noch kann niemand seriös abschätzen, wie lange die Trockenheit anhält. Die Auswirkungen auf die Wasserversorgung sind jedoch bereits spürbar. Die Gemeinde Malta im Bezirk Spittal an der Drau hat am 16. März 2026 einen allgemeinen Aufruf zum Wassersparen an die Haushalte der Ortschaften Brandstatt, Feistritz, Koschach und Geiersbühel gerichtet. In dem Schreiben heißt es, dass aufgrund der geringen Niederschlagsmengen der letzten Monate die verfügbaren Wassermengen deutlich reduziert seien. Das Befüllen von Pools wurde untersagt, das Bewässern von Grün- und Rasenflächen sowie das Autowaschen sollen unterbleiben. Die Gemeinde warnte ausdrücklich, dass bei weiterhin ausbleibendem Niederschlag weitergehende Maßnahmen erlassen werden müssten.
Bereits im Jänner 2026 hatte der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen, nachdem die Quellschüttung der Stadtgemeinde von 120 Litern pro Sekunde im Oktober auf nur noch 58 Liter pro Sekunde gesunken war. Der Leiter des Hydrologischen Dienstes in Kärnten, Johannes Moser, berichtete im Jänner, dass einige Kärntner Flüsse bis zu 55 Prozent weniger Wasser führten als üblich und der Wasserstand der Glan in Klagenfurt um einen halben Meter unter dem Normalwert lag.
Seither hat sich die Situation nicht entspannt, im Gegenteil: Der extrem trockene März und der niederschlagsfreie Beginn des Aprils haben das Defizit weiter verschärft. Wenn es in den kommenden Wochen nicht über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten überdurchschnittlich viel regnet, sind im Laufe des Sommers in Teilen Kärntens und Osttirols weitere Einschränkungen bei der Trinkwasserversorgung nicht gänzlich ausgeschlossen.
Was die Bevölkerung beachten sollte
Angesichts der hohen Waldbrandgefahr appelliert Tauernwetter an die Bevölkerung, im Freien besondere Vorsicht walten zu lassen. Im Wald und in Waldnähe darf kein offenes Feuer entzündet werden. Zigaretten dürfen keinesfalls achtlos weggeworfen werden. Schwendarbeiten sollten nur mit behördlicher Genehmigung und unter größter Vorsicht durchgeführt werden, da sich Feuer bei der aktuellen Trockenheit innerhalb von Minuten ausbreiten kann. Wer einen Waldbrand bemerkt, sollte umgehend die Feuerwehr unter 122 verständigen.
Angesichts der angespannten Wasserversorgungslage empfiehlt es sich zudem, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen. Das Bewässern von Rasenflächen, das Autowaschen und das Befüllen von Pools sollten auf das Nötigste beschränkt oder ganz unterlassen werden, solange die Trockenheit anhält.
Auf der Webseite tauernwetter.at/modelle kann die aktuelle Waldbrandgefahrenkarte des ALPIXION-Modells jederzeit abgerufen werden. Dort wird die Waldbrandgefahr täglich auf Basis der aktuellen Wetterdaten in fünf Stufen von „sehr gering“ bis „sehr hoch“ berechnet und kartographisch dargestellt.
Quellen: TAUERNWETTER ® ALPIXION Modell, GeoSphere Austria SPARTACUS, NOAA CPC/CFSv2. Titelbild: Pixabay.
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