Trotz Kältewellen: Warum der Winter wohl nicht zu kalt wird
Während die aktuelle Kältewelle für Schlagzeilen sorgt, lohnt sich ein Blick auf das große Ganze: Wie steht der meteorologische Winter 2025/26 wirklich da – und was müsste passieren, damit er am Ende als "normal" in die Statistik eingeht?
Der vergessene Dezember
Der Dezember 2025 ging mit einer Temperaturabweichung von +2,7°C als einer der mildesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu Ende. Weihnachten war zwar weiß, doch die Wochen davor fühlten sich eher nach Spätherbst an. In der öffentlichen Wahrnehmung ist dieser milde Dezember längst vergessen – verdrängt von den Schlagzeilen über Minusgrade und Schnee im Jänner.
Jänner: Ein Ausreißer, der das Erreichen des Klimamittels erst möglich macht
Der Jänner 2026 verläuft tatsächlich außergewöhnlich kalt. Mit einer Abweichung von -2,8°C (Stand 15. Jänner) liegt er gleichauf mit den Jännern 2006 und 2017 – nur 1987 war in den vergangenen 39 Jahren noch kälter.
Das ist meteorologisch bemerkenswert: Es braucht heute einen solchen Ausreißer nach unten, um eine Jahreszeit überhaupt noch ins Klimamittel 1991-2020 zu bringen. Das ältere Klimamittel 1961-1990 ist längst außer Reichweite – dafür hat sich das Temperaturniveau durch den Klimawandel bereits zu stark nach oben verschoben.
Die Rechnung geht kaum auf
Der meteorologische Winter umfasst die Monate Dezember, Jänner und Februar. Die Zwischenbilanz nach knapp der Hälfte:
- Dezember: +2,7°C
- Jänner (bis 15.1.): -2,8°C
- Bilanz Dez + Jan bisher: +1,0°C
Der milde Dezember überwiegt also noch immer. Damit die ersten zwei Wintermonate gemeinsam auf ±0 kommen, müsste der Jänner bei etwa -3,0°C oder kälter abschließen. Das wäre der kälteste Jänner seit 1987 – seit 39 Jahren.
Die aktuelle Ensemble-Prognose rechnet mit einer Jänner-Endabweichung zwischen -2,5°C und -3,0°C. Es ist also möglich, aber keineswegs sicher.
Kältewelle bis Anfang Februar, dann Milderung?
Die kommenden zwei Wochen bleiben voraussichtlich kalt. Die nächste Kältewelle dürfte bis Anfang Februar andauern. Doch spätestens ab der zweiten Februarwoche deuten die Modelle auf eine Milderung hin.
Die ersten Langfristprognosen für Februar zeigen überdurchschnittliche Temperaturen – also wieder zu mild. Sollte sich das bewahrheiten, würde der Gesamtwinter trotz des kalten Jänners leicht zu warm abschließen.
Allerdings: Langfristprognosen haben im Alpenraum eine geringe Treffsicherheit. Der Februar kann auch völlig anders verlaufen. Sollte sich der Polarwirbel erneut destabilisieren, wäre eine weitere Kältephase möglich. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei etwas über 30 Prozent.
Das eigentliche Problem: Der Niederschlag
Während die Temperaturbilanz noch ausgeglichen werden könnte, sieht es beim Niederschlag deutlich schlechter aus. Seit Beginn des meteorologischen Winters am 1. Dezember fielen in Kärnten nur rund 30 Prozent des üblichen Niederschlags.
Die Prognose bis Ende Jänner macht wenig Hoffnung: Selbst im günstigsten Fall – bei verbreiteten Niederschlägen von etwa 30 Litern pro Quadratmeter (Wahrscheinlichkeit unter 20 Prozent) – bliebe ein Defizit von minus 50 Prozent für Dezember und Jänner zusammen.
Wahrscheinlicher ist, dass Ende Jänner nur etwa 25 bis 40 Prozent des normalen Niederschlags erreicht sein werden – eine negative Abweichung von 60 bis 75 Prozent.
Die Langfristprognosen für Februar zeigen keine Trendwende – eher unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen.
Was bräuchte es für einen "normalen" Winter?
Damit der meteorologische Winter 2025/26 beim Niederschlag noch ins Klimamittel kommt, bräuchte es im Februar eine Unwetterlage mit extremen Niederschlagsmengen. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei unter 10 Prozent.
Bei der Temperatur ist ein ausgeglichener Gesamtwinter noch möglich – aber nur, wenn sowohl der Jänner unter den kältesten seit 1987 landet als auch der Februar nicht überdurchschnittlich mild ausfällt. Eine Kombination, die nicht sehr wahrscheinlich ist.
Fazit
Der Jänner 2026 ist ein meteorologischer Ausreißer nach unten – und genau das macht es überhaupt erst möglich, dass der Winter beim Klimamittel 1991-2020 landen könnte. Ohne diese Kältewellen wäre die Bilanz längst eindeutig: zu mild.
Doch selbst wenn der Jänner als einer der drei kältesten seit 39 Jahren endet, reicht das gerade, um den viel zu milden Dezember auszugleichen. Und der Februar wird den Winter sehr wahrscheinlich wieder auf die zu milde Seite drehen.
Das eigentliche Problem bleibt der Niederschlag. Mit einem Defizit von 60 bis 75 Prozent steuert Kärnten auf einen der trockensten Winter seit Messbeginn zu.
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