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Dürre in Kärnten und Osttirol: 40 Prozent zu wenig Niederschlag seit Jahresbeginn

| Mag. David Kaufmann | Mallnitz, Kärnten

Kärnten und Osttirol erleben das trockenste Jahresviertel seit langer Zeit. Seit dem 1. Jänner fehlen im Flächenmittel 40 Prozent des üblichen Niederschlags, an manchen Stationen sogar mehr als die Hälfte. Gleichzeitig war es um 2,3 Grad zu warm. Wald- und Wiesenbrände häufen sich, die Landwirtschaft bangt um die Ernte. In der kommenden Woche ist zwar etwas Regen in Sicht, doch die erwarteten Mengen reichen bei weitem nicht aus, um das massive Defizit auch nur ansatzweise auszugleichen.

Die anhaltende Trockenheit hinterlässt in Kärnten und Osttirol deutliche Spuren
Die anhaltende Trockenheit hinterlässt in Kärnten und Osttirol deutliche Spuren. Seit Jahresbeginn fehlen 40 Prozent des üblichen Niederschlags. Symbolbild: Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

Seit dem 1. Jänner 2026 fehlen in Kärnten und Osttirol im Flächenmittel rund 40 Prozent des üblichen Niederschlags. In Klagenfurt liegt das Defizit bei 51 Prozent, in Weitensfeld bei 53 Prozent und auf der Villacher Alpe bei 55 Prozent. Gleichzeitig war es seit Jahresbeginn um 2,3 Grad zu warm gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990. Die Kombination aus Trockenheit, Wärme und Wind hat die Waldbrandgefahr auf ein außergewöhnlich hohes Niveau steigen lassen. Allein heute, Sonntag, beeinträchtigte ein Böschungsbrand bei Hochosterwitz die Südbahnstrecke. In der kommenden Woche ist zwar etwas Regen zu erwarten, in den meisten Landesteilen werden es aber nicht mehr als 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter. Im Klagenfurter Becken und im Lavanttal könnten es stellenweise nicht einmal 5 Liter werden. Bei einem Defizit von 78 Litern pro Quadratmeter allein in Klagenfurt seit Jahresbeginn ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Das neue Klimaportal von Tauernwetter unter tauernwetter.at/klima zeigt die aktuelle Klimabilanz für Kärnten und Osttirol im Detail.

40 Prozent zu wenig Niederschlag seit Jahresbeginn

Das neue Klimaportal von Tauernwetter zeigt die Klimabilanz für Kärnten und Osttirol seit dem 1. Jänner 2026 auf einen Blick. Und die Zahlen sind alarmierend: Im Flächenmittel fehlen der Region 40 Prozent des üblichen Niederschlags gegenüber dem Klimamittel der Periode 1961 bis 1990. In Klagenfurt sind seit Jahresbeginn nur 75 Millimeter Niederschlag gefallen, üblich wären 153 Millimeter – ein Defizit von 51 Prozent. In Weitensfeld im Gurktal sieht es noch schlechter aus: Dort fielen nur 66 von üblichen 141 Millimetern, ein Minus von 53 Prozent. Auf der Villacher Alpe beträgt das Defizit sogar 55 Prozent – nur 152 von 340 Millimetern sind gefallen. In Lienz fehlen 33 Prozent des üblichen Niederschlags, 115 statt 172 Millimeter. Einzig Mallnitz kommt mit einem Defizit von 18 Prozent vergleichsweise glimpflich davon, dort fielen immerhin 124 von 150 Millimetern.

Niederschlagsabweichung in Kärnten und Osttirol vom 1. Jänner bis 11. April 2026
Die Niederschlagsabweichung in Kärnten und Osttirol vom 1. Jänner bis 11. April 2026 zeigt ein flächendeckendes Defizit von 40 Prozent gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990. Besonders betroffen sind das Gurktal, die Villacher Alpe und das Klagenfurter Becken. Daten: GeoSphere Austria SPARTACUS. Grafik: tauernwetter.at

Die kumulativen Niederschlagskurven der einzelnen Stationen zeigen das Ausmaß der Trockenheit besonders eindrücklich. An allen Stationen verläuft die braune Linie des tatsächlich gefallenen Niederschlags weit unterhalb des langjährigen Mittels und liegt teilweise am unteren Rand oder sogar unterhalb des üblichen Schwankungsbereiches.

Kumulative Niederschlagskurve Klagenfurt 2026
In Klagenfurt fielen seit Jahresbeginn nur 75 von üblichen 153 Millimetern Niederschlag – ein Defizit von 51 Prozent. Die kumulative Niederschlagskurve verläuft weit unterhalb des Klimamittels. Daten: GeoSphere Austria. Grafik: tauernwetter.at
Kumulative Niederschlagskurve Villacher Alpe 2026
Auf der Villacher Alpe beträgt das Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn 55 Prozent. Von den üblichen 340 Millimetern fielen nur 152. Daten: GeoSphere Austria. Grafik: tauernwetter.at

Gleichzeitig viel zu warm

Zur Trockenheit kommt die Wärme. Seit Jahresbeginn lag die Temperatur in Kärnten und Osttirol im Flächenmittel um 2,3 Grad über dem Klimamittel der Periode 1961 bis 1990. In Klagenfurt beträgt die Abweichung sogar 3,1 Grad – statt einem Durchschnitt von 0,4 Grad waren es 3,5 Grad. In Lienz liegt die Abweichung bei 2,2 Grad, auf der Villacher Alpe bei 2,0 Grad und in Mallnitz bei 1,8 Grad. Die Temperaturkurven zeigen, dass es seit Jahresbeginn nahezu durchgehend zu warm war. Nennenswerte Phasen mit unterdurchschnittlichen Temperaturen gab es kaum.

Temperaturabweichung in Kärnten und Osttirol seit Jahresbeginn 2026
Seit Jahresbeginn war es in Kärnten und Osttirol im Flächenmittel um 2,3 Grad zu warm gegenüber dem Klimamittel 1961 bis 1990. Besonders stark ist die Abweichung in Klagenfurt mit 3,1 Grad. Daten: GeoSphere Austria SPARTACUS. Grafik: tauernwetter.at
Temperaturverlauf Klagenfurt seit Jahresbeginn 2026
In Klagenfurt lag die Temperatur seit Jahresbeginn im Mittel bei 3,5 Grad – das sind 3,1 Grad über dem Klimamittel. Die Tagesmittelwerte lagen nahezu durchgehend über dem langjährigen Schnitt. Daten: GeoSphere Austria. Grafik: tauernwetter.at

Die Kombination aus fehlender Feuchtigkeit und überdurchschnittlicher Wärme ist besonders problematisch. Die hohen Temperaturen beschleunigen die Verdunstung und trocknen die Böden zusätzlich aus, was die Auswirkungen des Niederschlagsdefizits weiter verschärft.

Wald- und Wiesenbrände häufen sich

Die Folgen der anhaltenden Trockenheit zeigen sich in einer ungewöhnlichen Häufung von Bränden. Seit Anfang März kam es in Kärnten zu mindestens acht größeren Wald-, Böschungs- und Wiesenbränden. Der bislang aufwendigste Einsatz betraf den mehrtägigen Waldbrand oberhalb des Faaker Sees, bei dem hunderte Einsatzkräfte mit Luftunterstützung im Einsatz standen. Auch heute, Sonntag, beeinträchtigte ein Böschungsbrand bei Hochosterwitz die Südbahnstrecke. Die Kombination aus extrem trockenem Unterholz, Wärme und immer wieder auffrischendem Wind macht selbst kleinste Funken zu einer ernsthaften Gefahr. Im Bezirk Spittal an der Drau und im Bezirk Hermagor gelten behördliche Feuerverbote.

Etwas Regen in Sicht – aber viel zu wenig

Die Frage, die derzeit viele in Kärnten und Osttirol beschäftigt, lautet: Kommt endlich Regen? Die Antwort fällt ernüchternd aus. In den kommenden Tagen wird es zwar etwas kühler und es kann jeden Tag ein wenig regnen. Das ALPIXION-Modell von Tauernwetter berechnet bis Freitag, den 17. April, akkumuliert aber in den meisten Landesteilen nicht mehr als 5 bis 15 Liter pro Quadratmeter. Etwas mehr Niederschlag ist im äußersten Südwesten entlang der Karnischen Alpen zu erwarten, dort könnten stellenweise 20 bis 30 Liter zusammenkommen. Am wenigsten Regen fällt voraussichtlich zwischen dem Klagenfurter Becken und dem Lavanttal, dort werden es stellenweise vielleicht nicht einmal 5 Liter pro Quadratmeter.

ALPIXION-Niederschlagsprognose bis Freitag, 17. April 2026
Das ALPIXION-Modell berechnet bis Freitag, den 17. April, in den meisten Landesteilen nur 5 bis 15 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Im Klagenfurter Becken und im Lavanttal sind es stellenweise nicht einmal 5 Liter. Lediglich im äußersten Südwesten könnten 20 bis 30 Liter fallen. Modell: TAUERNWETTER ® ALPIXION, Lauf: 12.04.2026 00z. Grafik: tauernwetter.at

Bei einem Defizit von 78 Litern pro Quadratmeter allein in Klagenfurt seit Jahresbeginn sind 5 Liter nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Der erwartete Regen reicht bei weitem nicht aus, um die Trockenheit auch nur ansatzweise zu lindern.

Waldbrandgefahr wird nur kurz gemildert

Die etwas kühleren Temperaturen und der leichte Niederschlag in der kommenden Woche werden die Waldbrandgefahr zumindest vorübergehend etwas mildern. Vor allem der nachlassende Wind dürfte dazu beitragen, dass sich die Situation nicht weiter zuspitzt. Sobald sich das Wetter aber wieder bessert und die Sonne die Böden erneut austrocknet, würde die Waldbrandgefahr binnen kürzester Zeit wieder auf ein extrem hohes Niveau steigen. Eine nachhaltige Entspannung ist nur möglich, wenn in den kommenden Wochen deutlich mehr Niederschlag fällt, als die Modelle derzeit in Aussicht stellen.

Neues Klimaportal zeigt die aktuelle Lage im Detail

Tauernwetter hat mit tauernwetter.at/klima ein neues Klimaportal für Kärnten und Osttirol eingerichtet. Dort kann die aktuelle Klimabilanz seit Jahresbeginn auf einen Blick abgerufen werden, aufgegliedert nach einzelnen Stationen. Für jeden Standort werden die kumulative Niederschlagssumme und die Tagesmittelwerte der Temperatur im Vergleich zum Klimamittel 1961 bis 1990 dargestellt. Die Datengrundlage bilden die SPARTACUS-Analysen von GeoSphere Austria. Das Portal wird laufend aktualisiert und steht frei zur Verfügung.

Klimaportal von Tauernwetter: Klimabilanz für Kärnten und Osttirol seit Jahresbeginn
Das neue Klimaportal von Tauernwetter unter tauernwetter.at/klima zeigt die aktuelle Klimabilanz für Kärnten und Osttirol seit Jahresbeginn. Aktuell: 2,3 Grad zu warm und 40 Prozent zu wenig Niederschlag. Grafik: tauernwetter.at

Wann entspannt sich die Lage?

Derzeit ist kein Ende der Trockenheit absehbar. Die Saisonprognose des amerikanischen Climate Prediction Center deutete bereits Anfang April auf einen unterdurchschnittlich feuchten April hin, und diese Tendenz bestätigt sich bisher. Sollte die Trockenheit über den April hinaus andauern, wäre spätestens im Juni ein kritischer Punkt erreicht. Dann ginge es nicht mehr nur um die Waldbrandgefahr, sondern auch um die Dürre auf den landwirtschaftlichen Flächen und im weiteren Verlauf des Sommers um die Trinkwasserversorgung in Teilen Kärntens. Erste Gemeinden in Oberkärnten haben bereits zum Wassersparen aufgerufen, weil die Quellschüttungen teils um die Hälfte zurückgegangen sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Mai eine Trendwende bringt.

Quellen: TAUERNWETTER ® ALPIXION Modell, GeoSphere Austria SPARTACUS via CC BY 4.0, NOAA CPC/CFSv2. Titelbild: Pixabay.

Urheberrecht des Inhaltes und der Grafiken: tauernwetter.at

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