Von 20 Grad in Island bis Kälteschock zum Jahreswechsel in Österreich: Polarwirbelsplit sorgt für weltweite Wetterextreme
Während in vielen Teilen Ost- und Südösterreichs weiße Weihnachten gefeiert wurde, erlebte Island mit fast 20 Grad Celsius die wärmsten Dezembertemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Gleichzeitig kämpft die US-Ostküste gegen einen Schneesturm, Texas erlebt eine Winterhitzewelle, und weite Teile Asiens frieren bei einer ausgeprägten Kältewelle.
Die Ursache dieser scheinbar zusammenhanglosen Wetterextreme: Der stratosphärische Polarwirbel ist zusammengebrochen. Ein sogenannter "Polarwirbelsplit" verteilt arktische Kaltluft in ungewöhnliche Regionen - und bringt umgekehrt milde Luftmassen weit nach Norden. Auch Österreich bekommt die Auswirkungen zu spüren: Zum Jahreswechsel strömt kühlere Luft nach Mitteleuropa, die Schneefallgrenze sinkt.
Was ist ein Polarwirbelsplit?
Der Polarwirbel ist ein riesiges Tiefdruckgebiet in der Stratosphäre, 15 bis 50 Kilometer über der Erdoberfläche. Im Winter bildet er eine Art "Kältegefängnis" - starke Westwinde halten arktische Kaltluft über dem Nordpol zusammen.
Doch dieses System ist nicht unverwundbar. Unter bestimmten Bedingungen kann der Wirbel zerbrechen - er "splittet" sich. Statt eines geschlossenen Wirbels bilden sich mehrere kleinere Kerne. Die GFS-Prognose für den 2. Januar 2026 zeigt dies eindrucksvoll: Mehrere voneinander getrennte Kaltluftkerne statt eines zusammenhängenden Wirbels.
Die Folge: Das Kältegefängnis ist geöffnet. Arktische Luft kann weit nach Süden vordringen, während milde Luft ungewöhnlich weit nach Norden strömt. Das globale Temperaturgefälle gerät durcheinander - mit dramatischen lokalen Folgen.
Quelle: NOAA/NCEP GFS-Modell | Darstellung: Tauernwetter
Globale Wetterextreme als Folge
Am 25. Dezember wurden in Bakkagerði 19,7°C gemessen - ein neuer Dezemberrekord für Island. Der isländische Wetterdienst Veðurstofa Íslands führt die Rekordtemperaturen auf den Föhneffekt ("hnúkaþeyr") und Luftmassen tropischen Ursprungs zurück.
Die USA erleben beide Seiten des Phänomens gleichzeitig: Ein Schneesturm bringt der Ostküste winterliches Wetter, während Texas mit über 25 Grad eine außergewöhnliche Winterhitzewelle erlebt. Durch den gestörten Polarwirbel gerät der Jetstream ins Schlingern und bildet extreme Ausbeulungen nach Norden und Süden.
In Jakutsk (Sibirien) wurden rekordverdächtige -56°C gemessen. China erlebt massive Schneestürme mit Temperaturstürzen von 8-12°C, Beijing verzeichnete den ersten signifikanten Schneefall des Winters. In Japan führten schwere Schneefälle (50-70 cm) an der Japanischen Meerküste zu einem Verkehrschaos. Auch Südkorea kämpft mit Temperaturstürzen von bis zu 16°C.
Während es in Skandinavien ungewöhnlich mild ist, beginnt nach Mitteleuropa kühlere Luft einzusickern. Der Polarwirbelsplit wirkt wie ein globaler "Luftmassen-Mixer".
Auswirkungen auf Österreich
Kühlere Luft zum Jahreswechsel
Zum Jahreswechsel strömt zunehmend kühlere Luft polaren Ursprungs nach Österreich. Die Wettermodelle zeigen eine schrittweise Abkühlung ab dem 30. Dezember.
31. Dezember - 1. Januar:
Die kühle Luftmasse intensiviert sich über den Alpenregionen. Die Schneefallgrenze sinkt auch in tiefe Lagen. In den Bergen sind Schneefälle möglich, in exponierten Lagen können Sturmböen auftreten.
Regional gestaffelt:
Die nördlichen Bundesländer - Salzburg, Oberösterreich, Teile Tirols - bekommen die Kaltluft zuerst zu spüren.
In Osttirol und Kärnten zeigen sich die ersten Auswirkungen am Silvestertag und in der Silvesternacht. Sturmböen und Schneefälle werden dabei vor allem die nördlichen Landesteile treffen, da der Alpenhauptkamm als Wetterscheide wirkt. Die Schneefallgrenze sinkt in tiefe Lagen.
In Kärnten kann es stellenweise besonders kalt werden - nämlich dort, wo es windstill, sternenklar und schneebedeckt ist. In solchen Lagen sind durch nächtliche Ausstrahlung markante Temperaturstürze möglich.
Im Verlauf des 1. und 2. Januars wird es in allen Landesteilen Österreichs spürbar kälter.
Wie geht es weiter?
Ein Polarwirbelsplit Ende Dezember ist meteorologisch bemerkenswert, denn solche Ereignisse treten üblicherweise erst im späteren Winter auf. Das frühe Timing hat eine wichtige Implikation: Der Polarwirbel kann sich innerhalb von 2-4 Wochen wieder reorganisieren.
Allerdings gibt es keine Garantien. Jeder Split ist einzigartig, und die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Die Wettermodelle werden in den kommenden Wochen zeigen, ob und wie sich die Wetterlage entwickelt.
Fazit
Der aktuelle Polarwirbelsplit zeigt eindrucksvoll die globale Vernetzung des Wettersystems. Ein Ereignis in der Stratosphäre über dem Nordpol hat Auswirkungen von Island über Texas bis nach Asien - und auch Österreich spürt die Folgen.
Praktisch bedeutet der Split: Aufmerksamkeit für die Wetterentwicklung in den kommenden Wochen. Die nächsten Wochen könnten wechselhaft und zeitweise kühl verlaufen.
Tauernwetter wird die Situation weiter beobachten und in den kommenden Tagen eine detaillierte Wetterprognose für das Silvesterwetter in Kärnten und Osttirol veröffentlichen.
Quellen
- Polarwirbel-Daten: NOAA/NCEP GFS-Modell
- Island-Temperaturen: Veðurstofa Íslands (Icelandic Meteorological Office)
- China-Kältewelle: China Meteorological Administration
- Japan-Schneefälle: Japan Meteorological Agency