Neue Hitzewelle bringt bis zu 35 Grad nach Kärnten und Osttirol
Die Hitze kehrt zurück. Wie wir bereits in unserem letzten Artikel angekündigt haben, baut sich in dieser Woche über dem Westen und Süden Österreichs die nächste Hitzewelle auf, und diese Prognose scheint sich leider zu bewahrheiten. Kärnten und Osttirol sind voll betroffen, spätestens ab Dienstag klettern die Temperaturen wieder deutlich über die 30-Grad-Marke. Der Nordosten Österreichs kommt in dieser Woche noch etwas besser davon und darf sich über hochsommerliche, aber moderate Temperaturen freuen.
Fast drei Wochen Hitze ohne Unterbrechung
Wie außergewöhnlich die vergangenen Wochen waren, zeigt ein Blick auf die Messdaten: Seit dem 18. Juni gab es in Kärnten keinen einzigen Tag, an dem nicht zumindest eine Messstation die 30-Grad-Marke erreicht oder überschritten hätte. Auch gestern, am Sonntag, dem 5. Juli, hielt diese Serie, wenn auch nur knapp. In St. Andrä im Lavanttal, das zuletzt regelmäßig zu den heißesten Orten des Landes zählte, verfehlte der Höchstwert mit 29,4 Grad dank eines Wolkenfeldes die 30-Grad-Marke. Dafür sprang Ferlach ein und erreichte 31,4 Grad. Die Hitzeserie geht damit ungebrochen in ihre dritte Woche, und mit der neuen Hitzewelle wird sie sich in den kommenden Tagen weiter verlängern.
Der Wetterbericht für die kommenden Tage
Heute, Montag
Nach Auflösung lokaler Restwolken am Morgen scheint heute in Kärnten meist die Sonne. Entlang des Tauernhauptkammes ziehen zwar zeitweise dichtere Wolken durch, es bleibt aber abgesehen von ein paar Regentropfen in der Früh trocken. Am Nachmittag bilden sich über dem Bergland einige Quellwolken. Vor allem im Gurk- und Lavanttal kann daraus am späten Nachmittag ein kurzer Regenschauer entstehen. Auf den Bergen weht kräftiger Nordwestwind mit Spitzen bis 55 km/h. In den Tälern Oberkärntens und in den Nockbergen weht lebhafter Nordwind mit 30 bis 40 km/h, im Süden des Landes ist es schwach windig. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 9 und 17 Grad, die Höchstwerte erreichen 18 Grad in den Tauerntälern und bis zu 29 Grad im Gailtal. In 2000 Meter Seehöhe hat es rund 8 Grad.
Morgen, Dienstag
Am Dienstag wird es in ganz Kärnten sonnig und heiß. Tagsüber ziehen nur über den Hohen Tauern und in Osttirol ein paar harmlose Wolkenfelder durch, es bleibt aber überall trocken. In den nördlichen Landesteilen frischt der Nordwind wieder lebhaft bis kräftig auf, im Mölltal ist es föhnig. In den Tälern und Becken Unterkärntens bleibt es hingegen meist schwach windig. Die Frühtemperaturen liegen zwischen 8 und 16 Grad, die Tageshöchstwerte erreichen 23 Grad in den Tauerntälern und bis zu 32 Grad im Klagenfurter Becken.
Übermorgen, Mittwoch
Der Mittwoch bringt erneut viel Sonnenschein und hochsommerliche Temperaturen. Zeitweise ziehen harmlose Wolkenfelder über die Hohen Tauern und Osttirol, den sonnigen Eindruck stören diese aber kaum. Es bleibt den ganzen Tag über trocken. In den nördlichen Landesteilen weht lebhafter Nordwind, im Mölltal bleibt es föhnig, sonst ist es abseits der Berge meist schwach windig. Nach Tiefstwerten von 13 bis 19 Grad steigen die Temperaturen auf 21 Grad in den Tauerntälern und bis zu 32 Grad im Klagenfurter Becken. In 2000 Meter Seehöhe liegen die Temperaturen um 13 Grad.
Donnerstag
Am Donnerstag setzt sich das sonnige und heiße Wetter fort. Meist scheint die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, nur über den Bergen können sich am Nachmittag ein paar Quellwolken bilden. Es bleibt aber überall trocken. Die Höchstwerte liegen zwischen 24 Grad in den Tauerntälern und bis zu 33 Grad im Klagenfurter Becken.
Freitag
Der Freitag beginnt wieder sonnig und noch heißer, im Lavanttal sind Höchstwerte von bis zu 35 Grad möglich. 35 Grad und mehr sind im Lauf der Woche etwa in St. Andrä, in Ferlach oder in Dellach im Drautal nicht ausgeschlossen. Am Nachmittag steigt von Westen her allerdings erstmals in dieser Woche die Gewittergefahr spürbar an.
Die Waldbrandgefahr steigt wieder
Weil in der gesamten Woche kaum oder gar kein Niederschlag zu erwarten ist, steigt die Waldbrandgefahr erneut an. Eine zentrale Rolle spielen dabei die hohen Temperaturen: Sie lassen den Regen, der im Juni gefallen ist, deutlich schneller verdunsten, als das etwa im Frühling der Fall wäre, wenn die Temperaturen niedriger sind. Hinzu kommt, dass in diesem Jahr insgesamt noch immer viel zu wenig Regen gefallen ist. Die Böden trocknen unter der anhaltenden Hitze also rasch wieder aus.
Wie warm wird der Juli insgesamt?
Blickt man über die aktuelle Hitzewelle hinaus auf den gesamten Monat, deutet vieles darauf hin, dass der Juli 2026 mit großer Wahrscheinlichkeit zu warm bis deutlich zu warm ausfallen wird – und zwar selbst dann, wenn man ihn am neuesten 30-jährigen Klimamittel 1991 bis 2020 misst, das ohnehin schon ein sehr warmes ist.
Es gibt allerdings auch einen Grund zur vorsichtigen Hoffnung: Nach derzeitigem Stand muss der Juli nicht zwingend ein Monat mit ausgesprochener Rekordhitze werden. Die ganz große Hitze liegt derzeit noch über Spanien und Frankreich, wo bis zu 44 Grad erreicht werden, aber es lässt sich nicht ausschließen, dass sich das Zentrum dieser Hitze im Lauf des Julis weiter in unsere Richtung verschiebt.
Sind Wetterprognosen wirklich schlechter geworden?
Immer wieder erreicht uns die Frage, ob sich die Wetterprognosen für Kärnten in den letzten Jahren verschlechtert haben. Viele Menschen haben genau diesen Eindruck, und er hat eine nachvollziehbare Ursache: Fast jeder trägt heute eine Wetter-App am Handy mit sich. Die meisten dieser Apps greifen auf globale Wettermodelle mit einer räumlichen Auflösung von rund 22 Kilometern zurück, bestenfalls sind es 9 Kilometer. Die Temperatur wird anschließend schlicht pro 100 Höhenmeter hinauf- oder hinuntergerechnet.
In einem Land wie Kärnten funktioniert dieses Verfahren nur schlecht. Es gibt kaum ein Tal, das in ein derart grobes Gitter passt. In ein und demselben Gitterpunkt liegen oft Täler und Berge gemeinsam, mitunter befinden sich sogar Italien und Kärnten oder Kärnten und Salzburg im selben Rechenpunkt. Dass eine solche Prognose für den eigenen Wohnort regelmäßig danebenliegt, ist kein Wunder, sondern eine zwangsläufige Folge der groben Auflösung. Weil aber praktisch jeder täglich auf diese Apps blickt, entsteht der Eindruck, die Wetterprognosen insgesamt seien schlechter geworden. Das Gegenteil ist der Fall.
Der Praxistest: Eine 14-Tage-Prognose im Rückblick
Wie gut moderne Prognosen tatsächlich sind, lässt sich am besten mit einem konkreten Beispiel zeigen. Am 29. Juni 2026 haben wir eine 14-Tage-Temperaturprognose für Klagenfurt auf Basis eines Ensembles mit 30 Einzelläufen erstellt. Die orange Linie in der Grafik zeigt den jeweils wahrscheinlichsten Höchstwert, die blauen Flächen bilden die Schwankungsbreite aller Modellläufe ab.
Wir haben diese Prognose anschließend sieben Tage lang, vom 29. Juni bis zum gestrigen 5. Juli, mit den tatsächlich an der Station Klagenfurt-Lastenstraße gemessenen Tageshöchstwerten verglichen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
| Tag | Prognose | Gemessen | Abweichung |
|---|---|---|---|
| Mo 29.06. | 35 °C | 34,9 °C | −0,1 |
| Di 30.06. | 34 °C | 33,2 °C | −0,8 |
| Mi 01.07. | 33 °C | 33,3 °C | +0,3 |
| Do 02.07. | 29 °C | 28,9 °C | −0,1 |
| Fr 03.07. | 29 °C | 29,0 °C | ±0,0 |
| Sa 04.07. | 29 °C | 29,7 °C | +0,7 |
| So 05.07. | 29 °C | 29,2 °C | +0,2 |
Die Prognosewerte sind auf ganze Grad gerundet. Rundet man auch die Messwerte auf ganze Grad, war die Vorhersage bis auf zwei Tage – den 30. Juni und den 4. Juli – an jedem Tag exakt korrekt.
An fünf von sieben Tagen betrug die Abweichung zwischen dem prognostizierten und dem gemessenen Höchstwert höchstens ein halbes Grad, an drei Tagen lag die Prognose sogar auf ein Zehntelgrad genau richtig. Die größte Abweichung trat am zweiten Prognosetag mit 0,8 Grad auf und lag damit immer noch klar innerhalb der ausgewiesenen Schwankungsbreite. Über alle sieben Tage gerechnet ergibt sich eine mittlere Abweichung von lediglich 0,31 Grad. Dass die erste Woche einer 14-Tage-Prognose an jedem einzelnen Tag auf weniger als ein Grad genau stimmt, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen.
Und auch die zweite Hälfte dieser Prognose hat sich bewährt: Die Tage vom 6. bis 12. Juli decken sich in ihren Grundzügen mit unserer aktuellen Sieben-Tage-Prognose weiter oben. Die neuerliche Hitzewelle war also bereits vor mehr als einer Woche klar absehbar.
Wie aus einem groben Modell eine treffsichere Prognose wird
Für diese Prognose kam mit dem GFS-Ensemble der amerikanischen Wetterbehörde NOAA sogar ein vergleichsweise grob auflösendes globales Modell zum Einsatz. Der entscheidende Schritt liegt in der Nachbearbeitung: Wir übernehmen die großräumige Entwicklung der Temperatur in rund 1500 Meter Höhe, der sogenannten 850-Hektopascal-Fläche, aus den einzelnen Ensembleläufen und passen sie unter Berücksichtigung von Wind, Niederschlag und Luftdruck an die Bodenprognosen unseres hochauflösenden Modells ALPIXION an, das mit einer Auflösung von 800 Metern rechnet. ALPIXION kennt die Kärntner und Osttiroler Täler, Becken und Hanglagen im Detail und übersetzt die großräumige Wetterentwicklung in verlässliche Werte für jeden einzelnen Ort. Mit diesem Verfahren erzielen wir auch aus grob auflösenden globalen Ensembles außerordentlich treffsichere Ergebnisse.
Die Wetterprognosen sind also nicht schlechter geworden, im Gegenteil, sie waren noch nie so gut wie heute. Entscheidend ist allerdings, woher man sie bezieht. Wichtig für Wettervorhersagen in unserer Region ist, dass die Prognosen genau auf die komplexe Topographie unserer Region zugeschnitten sind.
Quellen
Prognosen: GFS-Ensemble der US-Wetterbehörde NOAA, heruntergerechnet auf das 800-Meter-Modell ALPIXION von Tauernwetter. Verifikation: Stationsmesswerte von GeoSphere Austria, verfügbar unter der Lizenz CC BY 4.0.
Titelbild: Pixabay (Symbolbild). Urheberrecht sämtlicher Grafiken in diesem Artikel: Alle gezeigten Prognose- und Vergleichsgrafiken wurden von tauernwetter.at eigenständig erstellt. Das ausschließliche Urheberrecht daran liegt bei tauernwetter.at.
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