Minus 20 Grad: Südösterreich erlebt historische Trockenheit

| Mag. David Kaufmann
Eisige Kälte und Trockenheit in Kärnten und Osttirol - gefrorene Eisfläche
Eisige Kälte, aber kaum Schnee: Kärnten und Osttirol erleben einen historisch trockenen Winter. © Pixabay

Kärnten und Osttirol erleben einen Winter der Extreme: In der Nacht auf Montag sinken die Temperaturen verbreitet auf minus 10 bis minus 18 Grad – gleichzeitig fehlen seit Beginn des meteorologischen Winters am 1. Dezember rund 76 Prozent des üblichen Niederschlags. So trocken war der Winterbeginn zuletzt 2015. Wie dramatisch die Lage ist, zeigte ein Winter-Waldbrand in Mallnitz in der Neujahrsnacht: Auf 2.000 Meter Seehöhe, wo normalerweise meterhoch Schnee liegt, entzündete eine Silvesterrakete einen Waldbrand.

Niederschlagsabweichung Kärnten und Osttirol seit 1. Dezember 2025 - 76 Prozent Defizit
Niederschlagsabweichung in Kärnten und Osttirol seit 1. Dezember 2025. Im Landesdurchschnitt fehlen 76 Prozent des üblichen Niederschlags – auf Platz 1 bis 3 seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Daten: Copernicus/ERA5-Land | Klimamittel: 1991–2020 | Lizenz: CC BY 4.0 | © Tauernwetter.at

Eisige Nacht auf Montag: Bis zu minus 18 Grad

In der Nacht von Sonntag auf Montag wird es in Kärnten und Osttirol bitterkalt:

  • Unterkärnten und Klagenfurter Becken: Tiefstwerte um oder unter minus 10 Grad
  • Oberkärnten: Verbreitet unter minus 10 Grad, in vielen Tälern minus 15 Grad und kälter
  • Osttirol: Deutlich unter minus 15 Grad in vielen Tälern erwartet

Noch kälter würde es werden, wenn nicht gegen 3 Uhr früh von Süden her Wolkenfelder aufziehen würden. Diese dämpfen die Abstrahlung und verhindern noch tiefere Temperaturen.

Höhepunkt der Kälte steht noch bevor

Aus heutiger Sicht wird die Nacht auf Donnerstag die kälteste der Woche. Eine Milderung ist frühestens am kommenden Wochenende in Sicht.

Temperaturprognose für die Nacht auf Montag 5. Jänner 2026 - bis minus 18 Grad
Temperaturprognose für die Nacht auf Montag, 5. Jänner 2026. In Osttirol werden Tiefstwerte bis minus 18 Grad erwartet. NOAA/NCEP | © Tauernwetter.at

Vom milden Dezember in die Eiskälte

Der Temperaturumschwung könnte kaum größer sein. Der Dezember 2025 war – zumindest abseits des Nebels – außergewöhnlich warm: Auf den Bergen lagen die Temperaturen zeitweise bis zu 15 Grad über dem langjährigen Mittel. Der Sonnblick schloss den Dezember mit einer Abweichung von +4,7 Grad gegenüber dem Klimamittel 1961–1990 ab – und das nur, weil die bereits kalten Tage am Jahresende den Schnitt nach unten drückten. Ähnlich sah es auf vielen anderen Berggipfeln in Kärnten aus.

In den Niederungen bekamen viele davon allerdings kaum etwas mit: Zähe Nebelfelder dominierten wochenlang die Täler. Stellenweise gab es im Dezember über 20 Nebeltage. Während auf den Bergen bei strahlendem Sonnenschein frühlingshafte Verhältnisse herrschten, blieb es in den Beckenlagen grau und kühl.

Der Grund für den aktuellen Kälteeinbruch: Wie wir Ende Dezember berichtet haben, hat ein Polarwirbelsplit arktische Luftmassen nach Mitteleuropa gelenkt. Das Pendel schlägt nun in die andere Richtung aus – von außergewöhnlicher Wärme auf den Bergen zu eisiger Kälte in der gesamten Region.

Italientief zieht südlich vorbei – Kärnten bleibt wahrscheinlich trocken

In unserem Artikel vom 2. Jänner hatten wir ein Italientief am Dreikönigstag angekündigt, das Schnee bis ins Klagenfurter Becken bringen könnte. Die Wettermodelle haben sich seither deutlich geändert: Das Tief zieht nun rund 100 Kilometer weiter südlich – ICON, UKMO, IFS und die KI-Modelle zeigen für Kärnten kaum noch Niederschlag.

Ganz vom Tisch ist der Schneefall am 6. Jänner allerdings noch nicht: GFS hält auch im heutigen Morgenlauf noch immer am Schneefall für Kärnten fest. Ein solcher Modellunterschied ist in einem Zeitraum von 48 bis 72 Stunden vor dem möglichen Eintreffen eines Ereignisses durchaus beachtlich. Der Polarwirbelsplit macht es den Wettermodellen derzeit ausgesprochen schwer, die genaue Zugbahn der Tiefdruckgebiete zu berechnen. Die Wahrscheinlichkeit für nennenswerten Schnee ist aber gering.

Für Kärnten und Osttirol bedeutet das vorerst: Die Trockenheit setzt sich sehr wahrscheinlich fort. Am kommenden Wochenende könnten zwar Niederschläge die Trockenheit geringfügig lindern – die Unsicherheit ist aber noch groß. Und selbst wenn es am Wochenende zu Niederschlägen kommen sollte, wäre es angesichts des massiven Defizits nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

76 Prozent Niederschlag fehlen – so trocken wie seit 2015 nicht

Seit Beginn des meteorologischen Winters am 1. Dezember hat es in Kärnten und Osttirol kaum nennenswerten Niederschlag gegeben. Am 24. Dezember schneite es regional leicht – in Mallnitz fielen 7 Liter, im Lesachtal lokal bis zu 15 Liter, in vielen Regionen aber nur 1 bis 2 Liter. Seither ist es wieder trocken.

Historische Einordnung: Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie außergewöhnlich die aktuelle Situation ist. Auf fast allen Wetterstationen in Kärnten und Osttirol liegt die Niederschlagsabweichung vom 1. Dezember bis 4. Jänner auf den Plätzen 1 bis 3 seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Nur der Winter 2015/16 war noch trockener.

Die Bilanz nach gut fünf Wochen ist dramatisch:

Region Niederschlagsabweichung
Kärnten und Osttirol (Durchschnitt) −76 %
Rosental / Karawanken −85 %
Defereggental (St. Jakob) −88 %
Döllach / Großkirchheim −81 %
Heiligenblut −81 %
Mallnitz −80 %
Gurktal / Metnitztal −56 %
Niederschlagsabweichung in Österreich seit 1. Dezember 2025 - 65 Prozent Defizit
Niederschlagsabweichung in Österreich seit 1. Dezember 2025. Im Bundesschnitt fehlen 65 Prozent – Kärnten und Osttirol sind mit 76 Prozent noch stärker betroffen. Daten: Copernicus/ERA5-Land | Klimamittel: 1961–1990, 1991–2020 | Lizenz: CC BY 4.0 | © Tauernwetter.at

Kurz vor der Halbzeit des meteorologischen Winters (der bis Ende Februar dauert) ist das Defizit bereits alarmierend.

Winter-Waldbrand in Mallnitz zeigt dramatische Lage

Wie außergewöhnlich trocken es ist, zeigte sich in der Neujahrsnacht: In Mallnitz entzündete eine Feuerwerkskörper zu Silvester auf rund 2.000 Meter Seehöhe einen Waldbrand. Drei Hubschrauber und mehrere Feuerwehren waren im Einsatz. Normalerweise liegt in dieser Höhenlage Anfang Jänner meterhoch Schnee – heuer reicht es gerade einmal für eine dünne Schneedecke.

Oberhalb von etwa 700 Metern liegen zwar verbreitet 1 bis 5 Zentimeter Schnee, doch selbst auf 2.000 Meter Seehöhe ist es oft nicht viel mehr. Für die Skigebiete bedeutet das: Ohne Kunstschnee wären viele Pisten bis hinauf ins Hochgebirge nicht befahrbar.

Was bedeutet das für den Sommer?

Die Winter-Trockenheit könnte Folgen für den kommenden Sommer haben. Im Oktober 2025 war in Pischeldorf bei Brückl das Wasser knapp. Der Hochbehälter der örtlichen Wassergenossenschaft war nahezu leer, die Ortschaft musste über eine Notleitung aus Brückl versorgt werden. Der Grund: Bereits im vergangenen Winter fiel in Teilen Kärntens deutlich zu wenig Schnee, und ab März gab es kaum noch Niederschläge, die für die Quellen relevant gewesen wären.

Mögliche Folgen für Sommer 2026

  • Quellen und Grundwasser: Weniger Schneeschmelze bedeutet weniger Wasser für die Quellen
  • Gletscher: Ohne schützende Schneedecke droht ein weiteres Rekord-Schmelzjahr
  • Wasserversorgung: Gemeinden wie Pischeldorf könnten erneut auf Notversorgung angewiesen sein

Allerdings: Die Natur kann Defizite auch schnell ausgleichen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Extremereignissen, bei denen der Niederschlag von zwei bis drei Monaten innerhalb weniger Tage fiel. Ein solches Ereignis im Spätwinter oder Frühling könnte die Lage noch entspannen – vor allem für die Gletscher, wenn der Schnee in großen Höhen fällt.

Die Prognose für die kommenden Tage

Montag, 5. Jänner

Es ist ausgesprochen kalt. In der Früh gibt es verbreitet Temperaturen um oder unter minus 10 Grad in Unterkärnten, in Oberkärnten bis zu minus 15 Grad und in Osttirol sind im Defereggental bis zu minus 18 Grad möglich. Selbst die Tageshöchstwerte kommen über minus 8 bis minus 2 Grad nicht hinaus. Oft ist es in der Früh schon stärker bewölkt und auch der Nachmittag verläuft mehr oder weniger bedeckt. Es bleibt abgesehen vom direkten Nahbereich der Karawanken trocken – aber auch hier werden höchstens ein paar Schneeflocken fallen.

Dienstag, 6. Jänner (Heilige Drei Könige)

Vor allem am Vormittag überwiegen die Wolken und entlang der Karawanken kann es leicht und unergiebig schneien. Am Nachmittag lockert es in Teilen Osttirols und Oberkärntens auf. Die Temperaturen erreichen selbst tagsüber wieder nicht mehr als minus 8 bis minus 2 Grad.

Mittwoch, 7. Jänner

Es ändert sich wenig. Vor allem in Unterkärnten ist es wieder stärker bewölkt, nach Westen hin lockert es immer wieder auf. Einzelne Schneeschauer sind selbst entlang der Karawanken nur vereinzelt dabei. Im Laufe des Nachmittags werden die Wolken überall weniger. Die Höchstwerte erreichen wieder nur minus 8 bis minus 2 Grad.

Donnerstag, 8. Jänner – Höhepunkt der Kälte

Sollte es in der Nacht auf Donnerstag aufklaren, ist mit extremer Kälte zu rechnen. Die Temperaturen sinken wieder verbreitet auf minus 10 bis minus 15 Grad, in einzelnen Tälern sind auch knapp unter minus 20 Grad möglich – etwa im Defereggental.

14-Tage-Trend für Klagenfurt

14-Tage-Trend der Temperatur für Klagenfurt - Kältewelle bis Mitte der Woche
14-Tage-Trend der Temperatur für Klagenfurt. Die Kältewelle hält bis Mitte der Woche an, am Wochenende deutet sich eine leichte Milderung an. © Tauernwetter.at

Zusammenfassung

  • Eisige Nacht auf Montag: Unterkärnten um −10°C, Oberkärnten bis −15°C, Osttirol bis −18°C
  • Höhepunkt der Kälte: Nacht auf Donnerstag mit bis zu −20°C – Milderung frühestens am Wochenende
  • Dezember-Kontrast: Auf den Bergen zeitweise bis zu 15 Grad zu warm, in den Tälern über 20 Nebeltage
  • Historische Trockenheit: 76 Prozent Niederschlagsdefizit – Plätze 1 bis 3 seit Messbeginn, nur 2015 war trockener
  • Italientief: Zieht wahrscheinlich südlich vorbei, kaum Schnee für Kärnten
  • Waldbrand Mallnitz: In der Nacht von Silvester auf Neujahr verursachte ein Feuerwerkskörper einen Waldbrand auf 2.000 m – drei Hubschrauber waren im Einsatz
  • Sommer 2026: Pischeldorf musste 2025 bereits per Notleitung aus Brückl versorgt werden, die Lage könnte sich weiter verschärfen

Für weitere Updates zur Wetterlage besuchen Sie tauernwetter.at

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