Die GeoSphere-Austria-Wetterstation Klagenfurt Flughafen (Stations-ID 48, 450 m Seehöhe) liegt im Zentrum des Klagenfurter Beckens – einer der wärmsten Regionen Österreichs. Seit 1952 liefert sie durchgängige Messdaten. Diese über 70 Jahre umfassende Klimareihe zeigt eindrucksvoll, wie sich der Klimawandel in einer inneralpinen Beckenlandschaft auswirkt – mit deutlich stärkeren Temperaturextremen als im Gebirge.
Datenquelle und Methodik
Alle Daten stammen von der GeoSphere-Austria-Klimastation Klagenfurt Flughafen (ehemals ZAMG). Tauernwetter hat diese umfangreiche Datenreihe mit höchsten wissenschaftlichen Maßstäben ausgewertet und in interaktiven Grafiken aufbereitet.
Das Klagenfurter Becken ist durch seine Kessellage klimatisch besonders geprägt: Im Sommer stauen sich Hitze und Schwüle, im Winter bilden sich häufig Kaltluftseen mit Inversionswetterlagen.
1. Jahresmitteltemperatur: Der Erwärmungstrend
Die Jahresmitteltemperatur in Klagenfurt ist in den letzten Jahrzehnten drastisch angestiegen. Im Vergleichszeitraum 1952–1975 lag das Jahresmittel bei durchschnittlich 7,7 °C. In den letzten elf Jahren (2015–2025) stieg dieser Wert auf 10,0 °C – ein Anstieg von +2,3 °C (+30 %). Das Jahr 2024 brachte mit 10,9 °C einen neuen Rekord für die gesamte Messreihe. Der Anstieg hat sich ab den 1990er-Jahren besonders beschleunigt.
Jahresmitteltemperatur 1952–2025
Jahresmitteltemperatur in °C mit 10-Jahres-Mittel (dicke Linie) und linearem Trend (gestrichelt). Quelle: GeoSphere Austria, Station Klagenfurt Flughafen (450 m).
2. Monatliche Temperaturen im Wandel der Jahrzehnte
Der Vergleich der monatlichen Temperaturen zeigt, wo sich die Erwärmung am stärksten auswirkt. Wir vergleichen drei Perioden: 1952–1975, 1976–1999 und 2000–2025. Die Erwärmung ist nicht gleichmäßig über das Jahr verteilt – besonders die Sommermonate zeigen markante Zunahmen bei den Höchsttemperaturen, was zu einer dramatischen Zunahme von Hitzetagen führt.
Durchschnittliche Höchsttemperaturen pro Monat nach Periode
Monatsmittel der Tageshöchsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.
Auch die Tiefsttemperaturen haben sich deutlich verändert. Die Winterminima fallen weniger tief aus als früher – die typischen strengen Klagenfurter Inversionsfröste werden seltener. Im Sommer bleiben die Nachttemperaturen höher, was die Erholung erschwert und das typische Phänomen der „Tropennächte" begünstigt.
Durchschnittliche Tiefsttemperaturen pro Monat nach Periode
Monatsmittel der Tagestiefsttemperaturen (°C), gemittelt über die jeweilige Periode.
3. Sommertage, Hitzetage, Eistage und Frosttage
Die Kenntage zeigen die Auswirkungen des Klimawandels besonders drastisch. Ein Sommertag wird gezählt, wenn das Temperaturmaximum mindestens 25 °C erreicht. Hitzetage (Maximum ≥ 30 °C) sind in Klagenfurt auf 450 m im Beckenklima ein häufiges Phänomen – in 68 von 74 Messjahren wurden Hitzetage registriert. Eistage sind Tage, an denen die Temperatur durchgehend unter dem Gefrierpunkt bleibt. Frosttage werden registriert, wenn das Minimum unter 0 °C fällt.
Bemerkenswerte Veränderungen (Ø 1952–1975 vs. 2015–2025)
- Die Sommertage haben sich von durchschnittlich 45 auf 81 pro Jahr fast verdoppelt (+80 %). 2003 brachte mit 99 Sommertagen den absoluten Rekord.
- Die Hitzetage haben sich von durchschnittlich 6 auf 26 pro Jahr mehr als vervierfacht (+352 %). 2003 hielt mit 40 Hitzetagen den Rekord, 2024 kam mit 38 knapp heran.
- Die Frosttage sind von durchschnittlich 132 auf 105 pro Jahr zurückgegangen (−21 %). 2024 erreichte mit nur 84 Frosttagen einen Tiefstwert.
- Die Eistage sanken von durchschnittlich 39 auf 16 pro Jahr (−59 %) – mehr als eine Halbierung. 2024 verzeichnete nur noch 5 Eistage.
Sommertage pro Jahr (Maximum ≥ 25 °C)
Anzahl der Sommertage pro Jahr. Rot hervorgehoben: Jahre mit 80 oder mehr Sommertagen.
Hitzetage pro Jahr (Maximum ≥ 30 °C)
Anzahl der Hitzetage pro Jahr. In Klagenfurt ein regelmäßiges Phänomen – die Anzahl hat sich vervierfacht.
Frosttage pro Jahr (Minimum < 0 °C)
Anzahl der Frosttage pro Jahr mit linearem Trend.
Eistage pro Jahr (Maximum < 0 °C)
Anzahl der Eistage pro Jahr mit linearem Trend.
4. Schnee im Wandel
In einer Beckenlandschaft auf 450 m Seehöhe ist Schnee naturgemäß weniger beständig als im Gebirge – doch gerade deshalb trifft der Rückgang Klagenfurt besonders hart. Die durchschnittlichen Schneedeckentage sind von 77 pro Jahr (Ø 1952–1975) auf nur noch 37 in den letzten elf Jahren zurückgegangen – ein Rückgang von 40 Tagen (−52 %). 2024 verzeichnete nur 15, das Jahr 2025 sogar nur 4 Schneedeckentage.
Die durchschnittliche maximale Schneehöhe sank von 37 cm (Ø 1952–1975) auf 20 cm (2015–2025, −45 %). Der Rekord stammt aus dem Jahr 1986 mit 73 cm. Schneereiche Winter werden im Klagenfurter Becken zunehmend zur Seltenheit.
Maximale Schneehöhe pro Jahr (cm)
Maximale Gesamtschneehöhe pro Jahr in Zentimetern mit linearem Trend.
Schneedeckentage pro Jahr
Tage mit geschlossener Schneedecke pro Jahr.
Extremschneefall: Maximaler 3-Tages-Neuschnee pro Jahr (cm)
Höchster 3-Tages-Neuschneewert pro Jahr in Zentimetern (ab 1984, Beginn der täglichen Neuschneemessung). Die rote Linie markiert die 30-cm-Schwelle für Starkschneefälle im Tal.
5. Jahresniederschlag
Beim Niederschlag zeigt sich in Klagenfurt kein signifikanter Langzeittrend. Der Jahresniederschlag schwankt erheblich zwischen rund 550 mm und über 1.300 mm. Im Durchschnitt liegt Klagenfurt mit etwa 930 mm im typischen Bereich für das inneralpine Beckenklima. Auffällig ist allerdings die zunehmende Variabilität – Jahre mit extremen Niederschlagsmengen und ausgeprägte Trockenjahre scheinen häufiger aufzutreten.
Jahresniederschlag 1952–2025 (mm)
Jahresniederschlag in Millimetern mit linearem Trend.
Auch beim monatlichen Niederschlag lohnt sich ein Blick auf die Veränderungen. Die folgende Grafik vergleicht die durchschnittlichen Monatsniederschläge über drei Perioden.
Durchschnittlicher Monatsniederschlag nach Periode
Monatsniederschlag (mm), gemittelt über die jeweilige Periode.
6. Fazit: Der Klimawandel in Klagenfurt in Zahlen
Die über 70 Jahre umfassende Klimareihe der GeoSphere-Austria-Station Klagenfurt Flughafen zeichnet ein besonders dramatisches Bild: Das Beckenklima verstärkt die Auswirkungen des Klimawandels – Hitzeextreme nehmen massiv zu, der Winter verliert an Kälte und Schnee.
Die wichtigsten Veränderungen auf einen Blick:
Die Veränderungen in Klagenfurt sind im Vergleich zu alpinen Stationen besonders ausgeprägt: Das Beckenklima mit seiner Neigung zu Hitzeinseln verstärkt den Erwärmungstrend. Die Zahl der Hitzetage hat sich vervierfacht – mit spürbaren Auswirkungen auf die Gesundheit, den Energieverbrauch (Klimatisierung) und die Landwirtschaft. Der dramatische Schneerückgang verändert das Landschaftsbild und die Wasserverfügbarkeit im Frühjahr.