Von Gelb bis Violett: Warnstufen & Warnschwellen

Lesezeit: 8 Minuten

Das Wetter im Alpenraum kann sich rasch ändern. Unser 4-stufiges Warnsystem hilft Ihnen, die Lage richtig einzuschätzen und sich optimal vorzubereiten.

Unser Warnsystem im Vergleich

Das europäische Meteoalarm-System nutzt 3 Warnstufen. Wir erweitern dies auf 4 Stufen für präzisere Alpenwarnungen:

Tauernwetter Bedeutung Meteoalarm
⚠️ GELB Wetterinformation
🔶 ORANGE Warnung Gelb
🔴 ROT Starke Warnung Orange
🟣 VIOLETT Sehr starke Warnung Rot

Warum 4 Stufen? Unsere GELB-Stufe ist keine Warnung, sondern eine Information: Das Wetter ist ungewöhnlich oder unangenehm, aber noch nicht gefährlich. Gelb ist dabei kein Vorbote einer höheren Stufe – meist bleibt es bei der Information. Es kann sich aber dennoch zu einer echten Warnung entwickeln, vor allem bei Gewittern, die rasch kräftiger werden können. Ideal, um sensible Aktivitäten wie Bergtouren im Blick zu behalten.

Die 4 Warnstufen im Detail

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GELB: Wetterinformation / Achtung

Bedeutung: Keine Warnung, sondern eine Information. Das Wetter ist noch nicht gefährlich, aber entweder ungewöhnlich – man rechnet nicht unbedingt damit, etwa mit einer Schneefahrbahn auf einer Bergstraße über 1500 m mitten im August – oder schlicht unangenehm fürs Wohlbefinden im Freien. Wer sich umsichtig und den Bedingungen entsprechend verhält, ist dabei nicht in Gefahr.

Beispiele: Windspitzen 50-70 km/h • Erste Schneefälle bis 1000m • 1-5 cm Neuschnee • Regen bis 30 l/m² in 24h

Mögliche Auswirkungen: Keine Schäden – das Wetter kann draußen aber unangenehm oder ungewohnt sein: bei Wind kräftige, spürbare Böen, bei Schnee etwas Schneematsch oder zu ungewöhnlicher Jahreszeit eine Schneefahrbahn in höheren Lagen, bei Regen länger anhaltender, ungemütlicher Niederschlag.

Unsere Empfehlung: Die Wetterentwicklung im Blick behalten – etwa vor Bergtouren oder Veranstaltungen im Freien.

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ORANGE: Warnung (= Meteoalarm Gelb)

Bedeutung: Ungewöhnliches Wetter mit ersten Gefahren.

Beispiele: Windböen 70-90 km/h • 5-20 cm Neuschnee/24h • Starkregen 30-60 l/m² in 24h

Mögliche Auswirkungen: Ganz vereinzelt sind kleine Schäden nicht ausgeschlossen: bei Wind können einzelne dünne Äste abbrechen oder lose Gegenstände verweht werden, bei Schnee sind rutschige oder schneebedeckte Straßen möglich, bei Regen örtlich kleine Überflutungen.

Unsere Empfehlung: Lose Gegenstände sichern und Outdoor-Pläne flexibel halten.

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ROT: Starke Warnung (= Meteoalarm Orange)

Bedeutung: Gefährliches Wetter, die Wahrscheinlichkeit für Schäden ist erhöht.

Beispiele: Sturm 90-105 km/h • 20-40 cm Neuschnee/24h • Starkregen 60-100 l/m² in 24h

Mögliche Auswirkungen: Schäden bleiben eher lokal, sind aber nicht ausgeschlossen: bei Wind können größere Äste abbrechen, einzelne Bäume entwurzeln, lose Dachteile sich lösen und örtlich die Stromversorgung unterbrochen werden, bei Schnee sind Behinderungen im Straßenverkehr möglich, bei Regen örtlich überflutete Keller und Unterführungen.

Unsere Empfehlung: Wer flexibel ist, plant Fahrten und Termine am besten um das Ereignis herum; lose Gegenstände gut sichern.

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VIOLETT: Sehr starke Warnung (= Meteoalarm Rot)

Bedeutung: Potenziell sehr gefährliches Wetter – in den betroffenen Gemeinden sind Schäden möglich, örtlich auch erhebliche; oft sind nur einzelne Orte betroffen.

Beispiele: Orkanartige Böen ab 105 km/h • >40 cm Neuschnee/24h • Extremregen >100 l/m² in 24h

Konkretes Beispiel: Föhnsturm Mölltal 15.11.2023: 105 km/h, mehrere Bäume entwurzelt – ein für die Region so seltenes und schadensträchtiges Ereignis, dass es bei uns die höchste Warnstufe rechtfertigt.

Mögliche Auswirkungen: In den betroffenen Orten – das können auch nur einzelne sein – steigt die Wahrscheinlichkeit statistisch signifikant, dass einige dieser Auswirkungen auftreten; sicher ist das nicht. Bei Wind sind umgestürzte Bäume, Schäden an Dächern und Unterbrechungen der Stromversorgung möglich, bei Schnee erhebliche Verkehrsbehinderungen, bei Regen steigt die Gefahr für Überflutungen und Murenabgänge deutlich.

Unsere Empfehlung: Die Wetterentwicklung laufend verfolgen und lokale Hinweise beachten.

Diese möglichen Auswirkungen gelten für Wind, Schnee und Regen. Für Gewitter gelten eigene Kriterien – die zu erwartenden Auswirkungen dazu stehen im Abschnitt Sonderfall Gewitter.

Schwellenwerte nach Wetterphänomen

💨 Wind/Sturm

● Gelb 50-70 km/h
● Orange 70-90 km/h
● Rot 90-105 km/h
● Violett ab 105 km/h

🌧️ Regen (24h)

● Gelb 20-30 l/m²
● Orange 30-60 l/m²
● Rot 60-100 l/m²
● Violett >100 l/m²

❄️ Schnee (24h)

● Gelb 1-5 cm
● Orange 5-20 cm
● Rot 20-40 cm
● Violett >40 cm

⚠️ Diese Werte beziehen sich auf 24 Stunden und gelten für die bewohnten Tallagen – unsere Warnungen werden auf Gemeindeebene ausgegeben, für das Hochgebirge gibt es keine eigenen Warnungen. Werden die Niederschlags- oder Neuschneemengen in deutlich kürzerer Zeit erreicht – etwa binnen weniger Stunden –, gelten entsprechend niedrigere Schwellenwerte. Erstreckt sich ein Ereignis über einen längeren Zeitraum (etwa 36 oder 48 Stunden), wird die Warnstufe nach Ermessen festgelegt: Die Schwellenwerte verdoppeln sich dabei nicht einfach – für eine violette Warnung braucht es also keine 200 l/m² in 48 Stunden –, je nach Lage kann aber auch eine niedrigere Warnstufe gelten. Bei Schnee zählt zudem nicht nur die Höhe, sondern das Gewicht: Nasser Schnee ist schwerer und belastet Bäume, Dächer und Stromleitungen deutlich stärker als die gleiche Höhe an leichtem Pulverschnee – bei sehr nassem Schnee kann daher schon eine geringere Schneehöhe eine höhere Warnstufe rechtfertigen. Die tatsächlichen Warnungen berücksichtigen immer die regionalen Gegebenheiten.

Hinweis – Hochwasser an den großen Flüssen: Unsere Regenwarnungen sind unabhängig vom Pegelstand der großen Flüsse wie Drau, Gurk oder Möll. Starkregen lässt zuerst die kleinen Bäche und Gerinne anschwellen – darauf beziehen sich unsere Warnstufen. Für die Hochwasservorhersage der großen Flüsse sind dagegen die Hydrologinnen und Hydrologen des Landes zuständig. Aktuelle Pegelstände und Hochwasserprognosen für Kärnten und Osttirol finden Sie beim Hydrografischen Dienst Kärnten, dessen Online-Karte auch die Osttiroler Messstellen abdeckt.

Bewusst keine Hitze- und Kältewarnungen: Auf dieser Warnkarte finden Sie keine Hitze- oder Kältewarnungen – und das hat einen wichtigen Grund. Die Karte zeigt pro Gemeinde immer nur die höchste aktive Warnstufe als eine einzige Farbe. Hitze- und Kältewellen dauern aber oft mehrere Tage an: Eine rote Hitzewarnung würde eine Gemeinde durchgehend rot einfärben und damit eine kurzfristig aufziehende Gewitter-, Sturm- oder Schneegefahr auf den ersten Blick verdecken – also genau die akuten Lagen, für die diese Karte gedacht ist. Das heißt ausdrücklich nicht, dass wir Hitze auf die leichte Schulter nehmen: Im Gegenteil, sie wird durch den Klimawandel immer gefährlicher und bleibt die am häufigsten unterschätzte Wettergefahr. Sie braucht aber eine eigene Form der Information – und nicht einen Platz, an dem sie die nächste akute Gefahr überdeckt. Auf Hitze- und Kältephasen weisen wir stattdessen in unseren Wetterprognosen hin; bei außergewöhnlicher Belastung – etwa einer extremen Hitzewelle – kann zusätzlich gesondert gewarnt werden.

Sonderfall Gewitter: in einem Umkreis und KI-unterstützt gewarnt

Gewitter lassen sich nicht in dasselbe Schema pressen wie Dauerregen oder Schneefall: Sie entstehen kleinräumig, entwickeln sich innerhalb von Minuten und halten sich an keine feste Zugbahn. Deshalb warnen wir bei Gewittern immer für einen gewissen Umkreis um die erkannte Zelle – sie kann jederzeit die Richtung ändern, und niemand soll von ihr überrascht werden.

Bei Gewittern kommt es nicht auf eine 24-Stunden-Summe an, sondern darauf, was eine einzelne Zelle mitbringt. Wir stufen sie derzeit so ein:

  • Wetterinformation (Gelb): Ein Gewitter ohne nennenswerten Hagel oder Starkregen, das im betreffenden Ort selbst oder in seinem näheren Umkreis bereits aktiv ist – ein Hinweis, das Wetter im Auge zu behalten.
  • Starke Warnung (Rot): Sobald in einer Zelle kleiner bis mittelgroßer Hagel, starker bis sehr starker Platzregen oder Sturmböen erkannt werden, vergeben wir für den betroffenen Umkreis direkt Rot.
  • Sehr starke Warnung (Violett): Nur bei Gewitterlagen, die mehrere zusammenhängende Orte mit außergewöhnlichem Unwetterpotential bedrohen.

Mögliche Auswirkungen bei Gewittern: Bei einer gelben Wetterinformation ist mit Schäden nicht zu rechnen – meist nur ein kurzer Regenguss und Blitze in einiger Entfernung. Bei Rot sind örtlich kleinere Schäden nicht ausgeschlossen: Sturmböen können Äste abbrechen, kleiner bis mittelgroßer Hagel kann Pflanzen oder Autolack treffen, und starker Platzregen kann örtlich kleine Überflutungen bringen. Bei Violett steigt in den betroffenen Orten die Wahrscheinlichkeit für größere Hagelkörner, schwere Sturmböen oder Sturzfluten deutlich – sicher ist auch das nicht.

Dass wir bei Hagel oder Sturmböen gleich auf Rot gehen – und nicht erst über Orange –, ist Absicht: Ein Gewitter ist sehr dynamisch und meist rasch vorbei. Wer gerade eine Runde im See schwimmen will oder im Gebirge unterwegs ist, soll genug Zeit haben, sich vorzubereiten oder den Badegang noch einmal zu überdenken. Mit „überdenken" meinen wir ausdrücklich kein Absagen, sondern ein kurzes Verschieben: einfach abwarten, bis das Gewitter vorbei ist oder – wenn es nur im nahen Umkreis aktiv ist – von dort sicher abgezogen ist. Genau deshalb verzichten wir auch auf Vorwarnungen: Niemand soll aus Sorge, irgendwann im Lauf des Tages könnte ein Gewitter entstehen, von vornherein ganz auf das Schwimmen verzichten. Unsere Rot-Warnung ist eine Empfehlung für den richtigen Moment – kein Verbot.

Gewitter sind damit die einzigen Warnungen, die wir teilweise automatisiert mit KI-Unterstützung ausgeben: Ein Algorithmus verknüpft dafür laufend mehrere Datenquellen – Satellitendaten zur Erkennung der Gewitterzellen (EUMETSAT) und die Radardaten des europäischen OPERA-Verbunds (EUMETNET) mit Kennzahlen zur Gewitterneigung aus unserem ALPIXION-Modell: CAPE und der Lifted Index (zwei Maße für die Energie und die Labilität der Atmosphäre – also die „Gewitterbereitschaft") sowie die Höhenwinde in mehreren Höhenstufen. So erkennt das System heranziehende Zellen früher als die rein manuelle Beobachtung. Die höchste Stufe Violett bildet auch hier die Ausnahme – sie wird niemals automatisiert verhängt, sondern immer von einem Wetterexperten manuell geprüft und freigegeben.

Datenquellen der Gewittererkennung: Satellitendaten © EUMETSAT 2026; Radardaten © EUMETNET / OPERA (CC BY 4.0); CAPE-, Lifted-Index- und Höhenwindfelder aus dem ALPIXION-Modell.

Bewusst keine flächendeckenden Gewitter-Vorwarnungen

Anders als manche Wetterdienste geben wir bei Gewittern bewusst keine flächendeckenden Vorwarnungen aus – etwa am Vortag eine Meldung der Art „morgen zwischen 14 und 20 Uhr ist verbreitet mit Gewittern zu rechnen". Dafür gibt es drei Gründe:

  1. Warnmüdigkeit vermeiden: Bei einer flächigen Gewittervorwarnung bleiben erfahrungsgemäß mindestens 70 Prozent der markierten Orte am Ende ganz ohne Gewitter. Wer zu oft gewarnt wird, ohne dass etwas passiert, nimmt auch die nächste Warnung weniger ernst – gerade dann, wenn es wirklich darauf ankommt.
  2. Die Karte lesbar halten: Läge eine flächendeckende Vorwarnung allein wegen einer erwarteten Kaltfront über dem ganzen Land, wäre die tatsächlich akute, heranziehende Zelle auf den ersten Blick nicht mehr zu erkennen. Auf unserer Warnkarte soll sofort sichtbar sein, wo gerade wirklich Gefahr besteht.
  3. Handeln, wenn es zählt: Eine Vorwarnung am Vortag verleitet erfahrungsgemäß dazu, einen längst geplanten Ausflug gleich ganz abzusagen – die Bergwanderung oder der Tag am See fällt aus, obwohl das Gewitter vielleicht gar nicht kommt oder nur kurz vorbeizieht. Unsere Akutwarnung kommt stattdessen genau dann, wenn die Zelle naht und man tatsächlich etwas tun kann: rechtzeitig aus dem Wasser, herunter vom Grat, ins Trockene. So muss niemand wegen der bloßen Möglichkeit eines Gewitters von vornherein auf den Badeausflug oder die Bergwanderung verzichten.

Das ist ausdrücklich nicht als Kritik an anderen Diensten gemeint – im Gegenteil. Wir finden, dass etwa UBIMET (uwz.at) diese Aufgabe mit einer eigenen Vorwarnstufe sehr gut löst. Für uns selbst passt dieser Weg nur nicht ins System: Bei uns ist Gelb keine Vorwarnung, sondern bereits eine Wetterinformation. Würden wir zusätzlich eine eigene Vorwarnung einführen, kämen wir auf fünf Warnfarben – und das wäre wieder unübersichtlich. Auch der private Verein Skywarn löst das gut, indem er oft eine grobe Karte mit einer Risikoeinschätzung veröffentlicht, die sich klar von einer Akutwarnung unterscheiden lässt.

Wer sich vorab über die Gewitterneigung informieren möchte, kommt bei uns trotzdem nicht zu kurz – der Hinweis steht nur dort, wo er hingehört: in der Prognose statt auf der Warnkarte. In der 5-Tage-Prognose auf der Startseite benennen wir die voraussichtlich betroffenen Gebiete, und in den ausführlichen 3-Tage-Wetterberichten für jede Gemeinde findet sich der Hinweis im Text – sachlich formuliert, etwa „am Nachmittag könnte ein Gewitter durchziehen" oder „ab Mittag steigt die Gewittergefahr von Westen her an". Wer es lieber auf einen Blick sieht, erkennt die Gewitterneigung in der Tauernwetter-App und in den Gemeindeberichten direkt an den Stundensymbolen oder an den zusammengefassten Symbolen für Vormittag, Nachmittag und Abend.

Wie entstehen unsere Warnungen? (Technische Details)

3-Stufen-Prozess:

  1. ALPIXION: Die Hauptgrundlage unserer Warnungen – unser eigenes, speziell auf die Täler Kärntens und Osttirols kalibriertes Prognosemodell
  2. Global- und Regionalmodelle: Internationale Wettermodelle zeigen Großwetterlage und Zugbahnen der Tiefs und dienen als Vergleich und Absicherung
  3. Radar und Nowcasting: Die Radardaten des europäischen OPERA-Verbunds und Kürzestfrist-Modelle liefern das Lagebild für situative Hoch- und Rückstufungen

Dazu kommt die lokale Expertise: Föhnschneisen, Staueffekte und regionale Besonderheiten fließen in jede Entscheidung ein.

Jede Regen-, Schnee- und Sturmwarnung wird fachlich manuell geprüft und freigegeben – keine vollautomatischen Computerwarnungen! Einzig Gewitterwarnungen werden KI-unterstützt ausgegeben (siehe oben), die höchste Stufe aber auch hier manuell.

Transparenz: Warum ist Rot bei Tauernwetter nicht Rot bei GeoSphere?

Wer mehrere Warnkarten nebeneinander öffnet, stellt schnell fest: Für dasselbe Wetterereignis können unterschiedliche Farben aufscheinen. Das ist weder ein Fehler noch ein Widerspruch – dahinter stehen unterschiedliche Warnphilosophien. Damit Sie unsere Warnungen richtig einordnen können, legen wir hier offen, wie unser System im Vergleich zu GeoSphere Austria, dem Deutschen Wetterdienst (DWD) und der Unwetterzentrale Österreich (UWZ) funktioniert.

Der wichtigste Unterschied: Bei uns ist Gelb keine Warnung

GeoSphere Austria verwendet drei Warnstufen: Gelb (Stufe 1), Orange (Stufe 2) und Rot (Stufe 3). Bei Tauernwetter ist Gelb dagegen ausdrücklich keine Warnung, sondern eine Information über ungewöhnliches Wetter. Unsere drei echten Warnstufen sind Orange (Stufe 1), Rot (Stufe 2) und Violett (Stufe 3). Wer mit den GeoSphere-Warnstufen vertraut ist, muss daher umdenken: Bei vergleichbarer Einschätzung der Lage ist auf unserer Karte automatisch alles eine Farbstufe höher – unser Orange entspricht etwa GeoSphere-Gelb, unser Rot etwa GeoSphere-Orange und unser Violett etwa GeoSphere-Rot.

Einstufung Tauernwetter GeoSphere Austria
Wetterinformation (keine Warnung) GELB
Warnstufe 1 ORANGE Gelb
Warnstufe 2 ROT Orange
Warnstufe 3 (höchste) VIOLETT Rot

Feste, objektiv nachprüfbare Warnkriterien

Für die Vergabe unserer Warnstufen gelten feste Schwellenwerte – derselbe Ansatz, den auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) und die Unwetterzentrale Österreich (UWZ, betrieben von UBIMET, dem größten privaten Wetterdienst Österreichs) verfolgen. Der Vorteil: Jede Warnung ist im Nachhinein objektiv überprüfbar – das Kriterium war erfüllt oder eben nicht. Unsere Schwellen sind dabei teils bewusst streng angesetzt: Die höchste Warnstufe wegen Regen rufen wir erst aus, wenn mehr als 100 l/m² in 24 Stunden erwartet werden – beim DWD genügen dafür bereits 80 l/m².

Höchste Warnstufe bei … Tauernwetter
Violett
UWZ
Violett
DWD
Stufe 4
🌧️ Regen (24 h) über 100 l/m² über 100 l/m² über 80 l/m²
❄️ Neuschnee (24 h) über 40 cm über 35 cm über 40 cm*
💨 Windspitzen ab 105 km/h über 130 km/h über 140 km/h

*DWD-Schneekriterium für Lagen bis 800 m; darüber gilt mehr als 60 cm/24 h. Alle drei Dienste führen zusätzlich Kriterien für kürzere Zeiträume sowie für gefrierenden Regen und Gewitter. Stand: Juni 2026 – Quellen: wettergefahren.de (DWD), Warnstufen-Legende auf uwz.at. Auf Grundlage von § 2a UWG (zulässige vergleichende Werbung) erlauben wir uns, hier beispielhaft auch die von UBIMET auf uwz.at veröffentlichten Warnkriterien objektiv und unverändert darzulegen.

Dass unsere Windschwelle unter jenen von DWD und UWZ liegt, ist kein Versehen, sondern eine Anpassung an die Region: Die Täler Kärntens und Osttirols liegen inneralpin geschützt – Windspitzen über 100 km/h kommen hier nur sehr selten vor. Tritt ein solches Ereignis ein, ist es für die Region außergewöhnlich, und Windspitzen über 105 km/h richten in den Tallagen bereits schwere Schäden an Wald und Dächern an. Schwellen von 130–140 km/h würden hier praktisch nie erreicht; sie sind eher auf Flachland und exponierte Lagen zugeschnitten. Beim Neuschnee liegen wir mit über 40 cm sogar etwas über der UWZ (35 cm) und gleichauf mit dem DWD. Selbst ein schneereiches Tal wie das Lesachtal, das mit viel Schnee über den Winter bestens zurechtkommt, bekommt bei dieser Menge violett – und das aus gutem Grund: Über 40 cm in nur 24 Stunden sind auch dort eine außergewöhnliche Tagesmenge, die Lawinengefahr, Schneebruch und Dachlast rasch ansteigen lässt. Hinzu kommt, dass solche Täler oft an einer einzigen größeren Zufahrtsstraße hängen, die dann blockiert sein und den Ort von der Außenwelt abschneiden kann. Und eine einheitliche Schwelle sorgt dafür, dass die Warnung auch für Ortsfremde verständlich und mit den Nachbarorten vergleichbar bleibt – nicht jeder kennt die örtliche Schneelage.

Warnungen sind dynamisch: Hoch- und Rückstufungen im Lageverlauf

Feste Schwellenwerte bedeuten nicht, dass eine einmal ausgegebene Warnung in Stein gemeißelt ist. Verändert sich die Lage, ändern sich auch unsere Warnstufen – in beide Richtungen. Droht ein großflächiges Ereignis, geben wir die entsprechende Warnstufe selbstverständlich von Anfang an mit Vorlauf aus. Anders bei kleinräumigen, gewittrig durchsetzten Lagen: Wenn feststeht, dass es verbreitet regnen wird, aber niemand seriös vorhersagen kann, welche Orte zusätzlich von eingelagerten Schauern und Gewittern getroffen werden, entscheiden wir situativ – sobald in bestimmten Gemeinden eine gewisse Niederschlagssumme bereits gefallen ist. Grundlage dafür sind Kürzestfrist- und Nowcasting-Modelle wie ICON-D2 und ICON-D2-RUC des Deutschen Wetterdienstes oder ICON-CH1 des Schweizer Wetterdienstes, im Zusammenspiel mit den Radardaten des europäischen OPERA-Verbunds (EUMETNET).

So kann eine Eskalation im Tagesverlauf ablaufen:

  • In der Früh gilt lediglich die niedrigste Warnstufe (Orange) vor Regen. Wir gehen zwar davon aus, dass gewittrig durchsetzte Schauer im Tagesverlauf punktuell größere Regenmengen bringen können – stufen aber nicht flächig hoch, weil noch niemand weiß, welche Orte es trifft.
  • Im Tagesverlauf bringen einzelne kräftige Schauerlinien in einem Gebiet von rund 30 Gemeinden 40 l/m², weitere 30 l/m² werden erwartet: Dieses Gebiet wird von Warnstufe 1 (Orange) auf Warnstufe 2 (Rot) hochgestuft.
  • Bei weiterer Zuspitzung – örtlich sind bereits 90 l/m² in 19 Stunden gefallen, und mit größerer Wahrscheinlichkeit zieht nochmals ein größeres Gebiet mit gewittrig durchsetztem Regen und Raten von 20 bis 30 l/m² pro Stunde durch – setzen wir jene Gemeinden, die damit auf über 100 l/m² in 24 Stunden kommen können (Wahrscheinlichkeit 50 Prozent oder höher), auf Warnstufe 3 (Violett).

Im letzten Schritt sind in den meisten Landesteilen keine großen Schäden zu erwarten. Aber dort, wo auf 90 l/m² Vorbelastung nochmals 30 l/m² in kurzer Zeit fallen, ist nicht nur die 100-Liter-Grenze überschritten: Statistisch sind in dieser Gemeinde dann nicht nur Einsätze, sondern auch Schäden sehr wahrscheinlich – etwa durch Murenabgänge. Und eine Mure ist nicht nur gefährlich, sie kann auch große Schäden anrichten. Zieht die Linie mit dem stärksten gewittrig durchsetzten Regen dann doch wenige Kilometer östlich vorbei – was sich bei konvektiven Ereignissen grundsätzlich nie auf wenige Kilometer genau prognostizieren lässt –, war die Warnstufe zum Zeitpunkt der Ausgabe trotzdem objektiv gerechtfertigt: Es geht darum, den Betroffenen eine gewisse Vorlaufzeit einzuräumen. Genauso werden Warnungen wieder zurückgestuft, wenn sich die Lage entspannt – etwa wenn die Windgeschwindigkeiten allgemein geringer ausfallen als prognostiziert.

Praxisbeispiel: Eskalations-Chronologie beim Dauerregen am 9./10. Juni 2026

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Dauerregen-Ereignis vom 9./10. Juni 2026 in Kärnten und Osttirol. Jeder Schritt der Eskalation ist mit zeitgestempelten Screenshots unserer Warnseite dokumentiert:

Zeitpunkt Warnbild Entscheidungsgrundlage
Mo 9.6., 16:13 Orange im Westen (Osttirol, Oberkärnten), Gelb im Osten Vorlaufwarnung auf Basis der Modelllage
Di 10.6., 07:41 Orange flächig, Gelb im Süden Unterkärntens Bestätigte Modelllage; der Dauerregen hatte örtlich bereits am Vorabend gegen 21 Uhr eingesetzt
Di 10.6., 09:03 Rot im Zentralraum (Oberkärnten, Osttirol Ost), Orange im Westen und in Unterkärnten, Gelb im Süden Akkumulation läuft auf (Weißensee Richtung 75 l/m²), Modelle bestätigen weitere Mengen
Di 10.6., 13:52 Rot großflächig, Orange-Saum, Gelb in Süd-Unterkärnten – noch kein Violett Letzter dokumentierter Stand vor der Hochstufung
Di 10.6., ~13:53 Erstmals Violett für einen Gemeindecluster im am stärksten vorbelasteten Korridor, Rest unverändert ICON-D2-RUC, ICON-D2 und ICON-CH1 übereinstimmend: Gewitterzellen mit rund 30 l/m² pro Stunde auf den vorbelasteten Korridor (Weißensee ~90 l/m², Fresach/Millstatt/Spittal ~80 l/m²); Radarbestätigung der Zellen über Italien
Di 10.6., 19:50 Violett-Korridor, weite Teile Rot, Orange im Westen Abendlage, Ereignis im Gange. Die stärksten Schauer mit bis zu 30 l/m² zogen erfreulicherweise etwas weiter östlich als zunächst angenommen durch – daher wurde das Klagenfurter Becken auf Warnstufe 2 von 3 (Rot) hochgestuft, während die Gemeinden mit violetter Warnung sehr glimpflich davonkamen.

Der GeoSphere-Ansatz: anders – und ebenfalls berechtigt

GeoSphere Austria, der staatliche Wetterdienst, veröffentlicht keinen festen Kriterienkatalog, sondern bewertet die erwarteten Auswirkungen: Die höchste Warnstufe Rot wird in der Regel nur ausgegeben, wenn größere Teile eines Bundeslandes oder einer Region betroffen sind – etwa wenn verbreitet große Schäden zu erwarten sind oder Hochwasser an den größeren Flüssen droht. Zusätzlich fließt die statistische Einordnung mit ein: Wie außergewöhnlich ist ein Ereignis dieser Größenordnung für die betroffene Region?

Feste Kriterien
(DWD, UWZ, Tauernwetter)

  • ✓ Transparent und im Nachhinein objektiv überprüfbar
  • ✓ Jeder kann vorab nachlesen, was jede Stufe konkret bedeutet
  • ✓ Kleinräumige Extremereignisse einzelner Täler erhalten die volle Warnstufe
  • − Sagt für sich genommen nichts darüber aus, wie ungewöhnlich das Ereignis für die Region ist

Auswirkungsbezogene Einstufung
(GeoSphere Austria)

  • ✓ Berücksichtigt, was für eine Region klimatologisch außergewöhnlich ist
  • ✓ Bildet großflächige Schadenslagen wie Flusshochwasser gut ab
  • ✓ Vermeidet häufige Höchstwarnstufen in Regionen, in denen große Mengen üblich sind
  • − Lokale Extremereignisse können unter der höchsten Stufe bleiben, wenn das betroffene Gebiet klein ist

Unser Fazit: Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, und beide Ansätze sind berechtigt. Wir haben uns für feste Kriterien entschieden, weil das Wetter in Kärnten und Osttirol extrem kleinräumig ist: Ein einzelnes Tauerntal kann von einem Extremereignis mit voller Wucht getroffen werden, während im Rest des Bundeslandes die Sonne scheint. Mit festen Schwellen erhält genau diese Gemeinde die volle Warnstufe – unabhängig davon, wie groß das betroffene Gebiet ist.

Was tun bei welcher Warnstufe?

Unsere Warnungen sollen beim Planen helfen – nicht beunruhigen. Als Faustregel:

  • Gelb (Information): Kein Handlungsbedarf – die Wetterentwicklung einfach im Blick behalten, etwa vor Bergtouren oder Veranstaltungen im Freien.
  • Orange: Lose Gegenstände wie Sonnenschirme oder Trampoline sichern, Outdoor-Pläne flexibel halten.
  • Rot: Wer flexibel ist, plant Fahrten und Termine am besten um das Ereignis herum – stellenweise kann es zu Verkehrsbehinderungen kommen.
  • Violett: Die Wetterentwicklung laufend verfolgen und lokale Hinweise beachten.

Im Zweifel genügt meist ein Blick auf die Warnkarte und das Nowcasting, um zu wissen, woran man ist.

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Zusammenfassung

Unser 4-stufiges System bietet präzise Warnungen für den Alpenraum. Merken Sie sich: Gelb = Information über markantes Wetter, Orange = Warnung, Rot = Starke Warnung, Violett = Sehr starke Warnung. Bei Rot und Violett: Meiden Sie unnötige Wege!

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